Praxistest: Speedbooster Ultra/XL und Sigma Art Zooms (18-35 u.a.) an der Panasonic GH5 - Teil 2

07.07.2017 von Rob



Hier der zweite Teil unserer Praxiserfahrungen mit dem populären Sigma APS-C Zoom 18-35mm F1,8 DC HSM Art und dem Vollformat Sigma 24-35mm F2 DG HSM Art am Speedbooster Ultra 0,71 und XL 0,64 an der GH5 von Panasonic: Diesmal geht es u.a. um Focus Breathing, Bildstabilisierung und Vignettierung, Blendensteuerung, Bildeindruck sowie unser Fazit...

Vorab nochmal unser kleines Experiment in Sachen "frei aus der Hand" mit aktivierter Sensorstabilisierung der Panasonic GH5, da weder das Sigma APS-C Zoom 18-35mm F1,8 noch das Vollformat Sigma 24-35mm F2 über ein OIS-System verfügen. Ganz gut hier auch im Clip zu sehen: Bei unseren Shots aus der Hand hatten wir keine Probleme in Sachen „Vignettierung durch beweglichen Sensor“ (mehr hierzu weiter unten …)

Verarbeitung / Haptik

Wie wir bereits in Teil 1 unseres Speedbooster-Sigma Praxistests berichtet haben, lässt sich mit den Foto-Sigmas mit etwas Übung trotz des für Bewegtbildanwendung eher knappen Drehwinkels von ca. 130° recht gut manuell fokussieren. Dies ist auch der Verarbeitungsqualität dieser Sigma Art Zooms geschuldet, deren Innen-Fokussierung angenehm gedämpft arbeitet: Ein großes Plus bei Videoanwendnungen.

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Wer die Sigma Art Zooms das erste Mal in die Hand nimmt, dürfte ob der hohen Verarbeitungsqualität erstmal überrascht sein – zumindest waren wir das. Hierzu tragen auch die in Metall gearbeiteten Teile des Objektivs bei: Der Fokus-, der Zoom-Ring sowie das letzte Tubus-Stück sind bei beiden Zooms aus Metall gefertigt. Lediglich das Mittelstück ist Kunststoff, der allerdings recht hochwertig erscheint. Ehrlich gesagt können wir in Sachen Haptik kaum einen Unterschied zu den hochwertigen Original-Objektiven der großen Kamerahersteller finden. Die gesamte Mechanik hinterlässt einen zuverlässig und präzise arbeitenden Eindruck ohne nennenswertes Spiel oder unangenehmen Geräuschen bei der Bedienung.

Unterschiede gibt es aber trotzdem und die finden sich in Sachen Staub- und Spritzwasserschutz: Dort wo sich bei den Pro-Objekiven von Canon u.a. Gummilippen und spritzwassergeschützte Schalter befinden, bieten die Sigmas nichts Vergleichbares. Im Zweifelsfall würden wir den Pro-Serien der großen Kamerahersteller also in Sachen Wetterschutz etwas mehr zubilligen.

Focus Breathing / Atmen

Die Sigma Zooms zeigen passabel kontrolliertes Focus Breathing / Atmen. Fokus Breathing ist also wahrnehmbar, aber im Vergleich mit anderen Objektiven auf erträglichem Niveau.

Wir haben uns sowohl das APS-C Zoom als auch das Vollformat Zoom sowohl im maximalen Weitwinkel als auch im maximalen Telebereich auf Fokus Breathing kurz angeschaut. Hier unser kleiner Clip hierzu zur Veranschaulichung:

Das Fullframe-Zoom erscheint uns noch einen Tick weniger zu atmen als die APS-C Variante. Insgesamt performen beide Zooms hier akzeptabel.

GH5 Bildstabilisator und Vignettierung

Wer es darauf ankommen lässt, kann beweglich aufgehängte Sensoren (Stichwort: Sensorstabilisierung) recht leicht zum stärkeren Vignettieren bringen. Hierfür braucht es nur ein Weitwinkel, eine möglichst offene Blende und abrupte Richtungswechsel oder kreisende Kamerabewegungen.

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Dies dürfte allerdings nur bei sehr speziellen Drehsituationen von Belang sein. Blendet man 1-2 Blenden von der offenen Blende ab, minimiert sich der Effekt deutlich.

Wir haben die Vignettierung bei aktivierter Sensor-Bildstabilisierung der GH5 an den beiden Speed-Booster-Sigma Kombinationen mit dem hauseigenen Kit-Objektiv (Leica DG Vario Elmarit 12-60mm / f2.8-4) der GH5 in entsprechenden Extremsituationen verglichen und konnten gegenüber der Kitoptik keine stärkere Vignettierung feststellen. Im Gegenteil: Bei unseren Tests mit Kreisbewegungen aus der Hand hat die Sigma 18-35mm-Speedbooster-Ultra Kombination bei Blende 2.8 weniger vignettiert als das hauseigene Leica 12-60mm Objektiv. Bei komplett offener Blende hat erwartungsgemäß das Sigma stärker vignettiert:

§Leica-2.8§: Leica DG Vario Elmarit 12-60mm / f2.8-4 bei Sensorstabi + Kreisbewegung F2.8

§APSC_2.8mit-Stabi§: Sigma 18-35 + Speedbooster Ultra bei Sensorstabi + Kreisbewegung bei F2.8

 Sigma 18-35 + Speedbooster Ultra bei Sensorstabi + Kreisbewegung bei  komplett offener Blende
Sigma 18-35 + Speedbooster Ultra bei Sensorstabi + Kreisbewegung bei komplett offener Blende

Wer sich also Sorgen gemacht hat, ob eine der beiden Sigma-Speedbooster Kombinationen gegenüber hauseigenen Objektiven an der GH5 stärker vignettieren, dem sei hiermit Entwarnung gegeben.

Elektronische Blendensteuerung (EF auf MFT)

Sigma bietet seine Art Zooms mit unterschiedlichen Objektivmounts an. Beim APS-C Sigma 18-35mm F1,8 DC HSM Art sind es: Sony A-Mount, Pentax K-Mount, SIGMA SA-Mount, Nikon F-Mount, sowie Canon EF-Mount. Beim Vollformat Sigma 24-35mm F2 DG HSM Art ist es etwas überschaubarer – hier sind es: SIGMA SA-Mount, Nikon F-Mount sowie Canon EF-Mount.

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Manuelle Blendenringe sind unseres Wissens nach weder bei der von uns getesteten Canon EF-Version noch bei der Nikon F Version vorhanden. Entsprechend wichtig ist die korrekte Übertragung der an der GH5 via Zeigefinder-Rad eingestellten elektronischen Blende. Hierbei steht und fällt alles mit der korrekten Übertragung der Steuersignale zwischen GH5-Speedbooster und Speedbooster-Sigma Zoom.

In der Vergangenheit ist es hier immer wieder zu Fehlfunktionen gekommen. Doch dies scheint mit dem letzten Firmwareupdate von Metabones kein Problem mehr darzustellen.

Zumindest bei unseren Praxistests hatten wir keine einzige Fehlfunktion. Die Blende liess sich reaktiv und sicher von der GH5 aus steuern: Sowohl das APS-C Zoom am Speedbooster Ultra als auch das Vollformat Zoom am Speedbooster XL funktionierten völlig problemlos.

Bildeindruck Sigma ART und Speedbooster an der GH5

Vor unserem Fazit noch ein Paar Randbemerkungen in Sachen Bildeindruck der Kombination Panasonic GH5, SIGMA ART Zooms und Metabones Speedbooster:

Wie wir bereits in unserem Labortest mit der Panasonic GH5 berichtet haben, löst die GH5 sowohl in 4K/UHD 24p als auch in 50p bemerkenswert hoch auf.

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Die Sigmas sowie die Speedbooster transportieren optimal diese hohe Auflösung der GH5. Hieraus ergibt sich eine hochqualitative Kombination in Sachen Lichtstärke und Auflösung die allerdings auch aktive Kontrolle benötigt.

 Wichtige Stichworte sind hier vor allem ND-Filter und (wer einen organischeren Look sucht) Diffusion.

 Wer mit den hochlichtstarken Sigmas dreht, sollte stets ND-Filter in sein Kamerasetup mit einplanen. Wir hatten unseren Eclipse ND-Fader von Genustech in der Größe 82mm dabei, den wir nativ am Vollformat und mit Step-Down Ring am APS-C Sigma betrieben haben. Wer mit eher schlanken und schnell zu bedienenden Setups unterwegs sein will, dem empfehlen wir Vario-NDs. Bei mehr Zeit und Licht-Kontrolle sind Kompendien und klassisches ND-Filter Glas im Tray eine Alternative.



In Sachen Diffusion sind wir noch auf der Suche nach einer möglichst flexiblen Lösung. Um sie unkompliziert optional anwenden zu können müsste sie in der Postproduktion erfolgen. Die GH5 und die Sigmas erzeugen selbst bei runtergeregelter Schärfe einen so hoch auflösenden Eindruck, dass allein durch die im Bild versammelte Schärfe gelegentlich ein übernatürlicher und damit auch künstlicher Eindruck entsteht, der näher an „Video-“ als an „Filmlook“ ist.

Wer auf der Suche nach einem „organischeren“ Look ist, sollte sich hier eine Strategie überlegen wie man die hohe Schärfe-Anmutung in den Griff bekommt: Die Stellschrauben an der Kamera selbst wären, Diffusionsfilter oder Vintage-Optiken - in der Post stehen u.a. Filmkorn, Diffusion, Farbwahl etc.. zur Verfügung. Hier gibt es noch viel zu entdecken - mit etwas mehr Zeit wollen wir uns Mal ausführlicher darum kümmern …

Eine weitere Notiz hier noch am Rand: Das Sigma 18-35mm ist nicht parfokal. Der Versatz ist zwar nur minimal, aber wer gewohnt ist, seine Schärfe telig zu bestimmen und dann rauszuzoomen, muss ggf. nochmal leicht nachkorrigieren. Das Vollformat 24-35mm Sigma erschien uns hingegen fokus-stabil über den Zoombereich.

Fazit

Wer ein hochlichtstarkes, kompaktes, manuell vergleichsweise gut zu fokussierendes (und im Falle der GH5 auch noch intern 10 Bit-fähiges) Setup benötigt, findet in der hier getesteten Kombination aus Speedbooster, MFT-Kamera und Sigma Art Zooms ein hocheffektives Kamerapaket, das momentan recht einzigartig sein dürfte.

Das Handling der Sigma Zooms – vor allem im manuellen Betrieb – weiss zu überzeugen - die Bildqualität der Sigma Art-Serie liegt auf beeindruckend hohem Niveau. Müssten wir uns für eine der hier getesteten Kombinationen an der GH5 entscheiden, würden wir klar zum 18-35mm APS-C und dem Ultra-Speedbooster greifen, weil hier ein größerer Brennweitenbereich bei kompakterer Bauform bei etwa gleich hoher Lichtstärke zur Verfügung stehen. Eine sehr flexible Kombination, die vom Bildausschnitt (hier mal auf Vollformat gerechnet = ca. 29-57mm) perfekt als hochlichtstarkes „Immer-Drauf – bzw. Allround“ Zoom von Event bis Interview viel abdeckt.

Einzig wer bereits in Vollformat-Objektive investiert oder regelmäßig auch größere Bildkreise sensorseitig zu bedienen hat, dürfte mit dem XL-Speedbooster und dem Vollformat Sigma besser bedient sein. Auch wem parfokales Verhalten wichtig ist, dürfte beim 24-35mm und XL-Speedbooster besser aufgehoben sein.

Die hier gebotene Leistung hat ihren Preis. Die UVP. der GH5 liegt derzeit unverändert bei 1.999,- brutto (Body-only). Ein EF Speedbooster liegt bei ca. 730,- Euro (brutto). Rechnet man das 18-35mm Sigma mit einer UVP. von 999,- Euro dazu, kommt man auf drehfertige 3.728,- Euro inkl. Steuern.

Für die hier gebotene Leistung ist das allerdings ein fairer Preis - eine klare Empfehlung von unserer Seite.

Dank an dieser Stelle an Teltec für die unkomplizierte Bereitstellung des

Speedbooster Ultra 0,71EF-MFT

sowie des

Speedbooster XL 0,64 EF-MFT

   

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