Editorials: 50 Jahre PAL - Das wars dann wohl...

25.08.2017 von Rudi Schmidts



Heise hat sich die Mühe gemacht, zum 50. Geburtstag die Geschichte von PAL sehr detailliert zu beschreiben, weshalb wir an dieser Stelle unbedingt auf diesen gelungenen Grabgesang auf den PAL-Standard hinweisen möchten.

Heute vor 50 Jahren startete auf der IFA 1967 das Farbfernsehen und damit eine technisch sehr ausgefuchste Idee, wie man zusätzliche Farbsignale in der damals üblichen Schwarz-weiß-Übertragungskette “verstecken” konnte. Ab diesem Tag konnten die Sendeanstalten in Deutschland Farb- und S/W-Fernsehen über die einen Transmitter übertragen und ermöglichten somit einen sanften Übergang in die bunte Fernsehwelt ohne die Besitzer von Schwarz-weiß-Geräten zu einem Umstieg zu zwingen.

Besonders bemerkenswert finden wir an der Geschichte von PAL jedoch die Tatsache, dass sich dieser Standard nahezu 50 Jahre halten konnte. Denn selbst in den ersten Schritten des digitalen Fernsehzeitalters blieben 576 interlaced Zeilen noch lange der Standard. Erst mit den höheren Auflösungen von HD und FullHD wurde das Ende von PAL eingeläutet, wobei sich die Fernseh-Übertragung von SD-Signalen in PAL-Auflösung via Antenne, Kabel und Satellit erstaunlich lange weiter hielt. Grund dürfte wohl auch hier gewesen sein, dass man Konsumenten nicht zu einem “harten Umstieg” zwingen wollte. Und dank einem analogen SCART-Ausgang fanden im digitalen Zeitalter noch lange sogar Röhrenfernseher Anschluss an digitale Receiver.

Ganz anders wirken dagegen die letzten Jahre der digitalen Sendewelt. Nicht nur, dass sich die Distribution und das lineare Sehverhalten durch das Internet gravierend verändert hat, auch die Abfolge neu geschaffener Sendestandards legt einen vielen schnelleren Puls an den Tag. Gefühlt muss man mittlerweile alle 5 Jahre einen neuen Receiver anschaffen, um via DVB-C/T/S erst HD, dann FullHD und bald 4K und oder HDR “empfangen” zu können. So konnte es zuletzt in extremen Fällen passieren, dass man für einen zwei Jahre alten Fernseher schon dieses Jahr wieder einen zusätzlichen DVB-T2 Receiver kaufen musste, um überhaupt ein Bild empfangen zu können. Wünscht man sich da nicht die ruhigen PAL-Zeiten zurück, in denen der Standard in der Regel den Fernseher überlebte und nicht umgekehrt?

Aktuell sieht es sowieso danach aus, als ob kommende (4K oder HDR-)Standards eher von Amazon und Netflix definiert werden, denn von europäischen Sendeanstalten. Und da man bei Streaming in der Regel das gewünschte Format selbst bestimmen kann, wird hier auch niemand gezwungen auf neueste Hardware umzusteigen. Aber so harmonisch wie zu PAL-Zeiten wird es wohl auch nie mehr zugehen.

In diesem Sinne: Mach´s gut PAL, war ne schöne und aufregende Zeit...

   

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