Test: Kinefinity Terra 4K Teil 1 - Bildqualität und Sensorverhalten

18.12.2017 von Rudi Schmidts



Die Kinefinity Terra 4K ist da und wie immer gibts schon mal erste Messwerte von uns, bis wir einen längeren Test-Text für alles drumherum fertig haben. Also stürzen wir uns gleich einmal auf den neuen Sensor...

Der Terra 4K Sensor

Da der Bildwandler der Terra 4K nicht volle Super35mm/APS-C (24mm) sondern nur 19,5mm breit ist beträgt die Senselgröße ungefähr 4,75 µm.

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Das ist ein gutes Stück mehr, als bei typischen 4K-MicroFourThird-Kameras, deren Sensor mit 17,3mm rund 2 mm schlanker ist. Aktuelle 4K-MFT Kameras weisen im besten Fall 3.77µm Senselgröße auf. Vielleicht ist auch ein Blick auf direkte Konkurrenten interessant: Die Panasonic EVA1 kommt ungefähr auf 4 µm, eine URSA Mini Pro auf 5,5 µm und eine Canon C200 sogar auf 6 µm. Dies ist deswegen interessant, weil eine größere Senselfläche in der Regel mit mehr Lichtempfindlichkeit und einer höheren Dynamik korreliert.

Da die Kamera bei dieser Sensorbreite einen Crop-Faktor von 1,85 (vs. Kleinbild) besitzt, werden selbst für APS-C gerechnete Optiken nicht in den Randbereichen ausgenutzt. Es gibt jedoch eine Focal Reducer Mount (ähnlich einem Speed Booster) für die Terra Kameras, doch dazu mehr im zweiten Teil.

Kinefinity Terra 4K 4K-Schärfe

Im Vergleich zur Panasonic EVA1 oder der Blackmagic URSA Mini Pro nutzt die Terra 4K nur einen 1:1 Sensor Readout. Das Debayering gelingt dabei jedoch "interessant":

Die Kinefinity Terra 4K im 4K-Schärfe-Test
Die Kinefinity Terra 4K im 4K-Schärfe-Test

Sieht man sich das Testbild vergrößert an, so erkennt man fast ausschließlich Zipper-Artefakte in den feinsten Details, die gleichzeitig andere typische Artefakt-Probleme verbergen. Das Debayering wirkt damit fast ein bisschen wie ein sichtbares Druckraster in feinen Details, was uns persönlich bei einem 1:1 Sensor-Readout sehr gut gefällt. Dennoch werden feine graue Muster auch durch Schlieren aus Falschfarben durchzogen.

Dieses Sensor-Verhalten bleibt übrigens auch bis zur maximalen 4K-Framerate von 100fps gleich. Es gibt also keine ausgelassen Zeilen oder andere “zusammenfassende Maßnahmen” bei höheren Bildraten.

Rolling Shutter

Erfreuliches gibt es vom Rolling Shutter zu berichten. War die Terra 6K noch von starkem Wobbling geplangt, hat sich Terra 4K deutlich gebessert. Wir verorten ihre Auslesegeschwindigkeit im Bereich von 12-16ms, was sich absolut auf Augenhöhe mit der Konkurrenz befindet. Sollte die Terra 5K mit ihrem Global Shutter einmal ausgeliefert werden, könnte sie dies sogar noch toppen.

Farben bei 1200LUX

Schon das 6K-Modell verzauberte uns bei der Color Science. Auch das 4K-Modell steht hier seinen Geschwistern nicht nach und liefert sehr ansehnliche Ergebnisse. Hier einmal unser 1200LUX-Testbild mit KineLog aufgezeichnet:

Die Kinefinity Terra 4K mit KineLog bei 1200 LUX
Die Kinefinity Terra 4K mit KineLog bei 1200 LUX

Für unseren Geschmack reicht dabei schon eine leicht S-förmige Kontrast-Kurve, um dem Bild den nötigen Pep mitzugeben. Die Farben sehen dabei nach unserem Geschmack auch ohne spezielle Entzerrungs-LUT schon sehr stimmig aus:

Die Kinefinity Terra 4K mit KineLog bei 1200 LUX und S-Kontrastkurve
Die Kinefinity Terra 4K mit KineLog bei 1200 LUX und S-Kontrastkurve

Lowlight 12 LUX

Sehr interessantes gibt es im Datenblatt zum Sensor zu lesen: So soll er ein Dual Native ISO Sensor sein, der zwei Base ISO Werte annehmen kann: Die Base ISO 800 wird bei allen ISO Werten unter 1280 genutzt, die Base ISO 3200 greift dagegen ab ISO1280. Warum die Base ISO3200 nicht erst ab ISO3200 genutzt wird bleibt dabei rätselhaft. Ebenso wie die Herkunft des Sensors. Sollte hier etwa Panasonic als Lieferant herhalten? Dafür spräche, dass “Dual Native ISO” eigentlich eine Panasonic-exklusive Technologie ist. Und auch das etwas unübliche Sensor-Format würde gut als Multi-Aspect-Ratio Sensor in eine Micro FourThirds Kamera passen.

Wie dem auch sei, auch bei wenig Licht verhält sich die Terra 4K ihrer Senselgröße entsprechend. Hier einmal unser Testkasten bei 12 LUX mit F2, 1/24s und ISO800:

Die Kinefinity Terra 4K bei 12 LUX mit F2, 1/24s und ISO800
Die Kinefinity Terra 4K bei 12 LUX mit F2, 1/24s und ISO800

Und das gleiche nocheinmal mit dem gehobenen DUAL-ISO-Punkt bei F2,8, 1/24s und ISO 6400:

Die Kinefinity Terra 4K bei 12 LUX mit F2,8, 1/24s und ISO800
Die Kinefinity Terra 4K bei 12 LUX mit F2,8, 1/24s und ISO800

Das Rauschen empfinden wir bei beiden Aufnahmen subjektiv als sehr angenehm. Die Terra 4K rauscht weniger als eine EVA1, aber mehr als eine URSA Mini Pro. Artefakte bleiben aufgrund der niedrigen Prores 4:2:2 HQ Kompression weitgehend aus. Die KineRAW-Aufzeichnung beherrschte unsere Terra 4K noch nicht.

Sensor-Fazit

Die Terra 4K glänzt vor allem bei der guten Color Science und der verringerten Auslesezeit des Rolling Shutters, die nun auf Augenhöhe mit der direkten Konkurrenz steht. Der 1:1 Sensor-Readout liefert bei der Schärfe zwar ein gutes Ergebnis, wird jedoch von Kameras mit Sensor-Downsampling mittlerweile oft übertroffen. Ein Herunterskalieren in der Postproduktion (wie bei der Terra 6K) ist mit der Terra 4K in 4K prinzipbedingt nicht möglich. Dafür ermöglicht das 1:1 Pixel-Verhältnis relativ große Sensel, die bei wenig Licht die Kamera konkurrenzfähig platzieren. Der Crop-Faktor liegt mit 1,85 schon spürbar unter Super35mm, dafür nutzt man auch niemals die möglicherweise schlechteren Randbreiche einer Optik.

   

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