Test: Kinefinity Terra 4K Teil 2 - Handling und Features

28.12.2017 von Rudi Schmidts



Die Ankündigung der Terra 4K kam für viele Anwender doch etwas überraschend, zumal viele Kinefinity-Beobachter immer noch auf das Erscheinen der schon weitaus länger angekündigten Terra 5K-Version mit Global Shutter warten. Diese kommt nun allerfrühestens im ersten Quartal 2018, während die frische Terra 4K da schon lange in in den Regalen stehen dürfte.

Wir hatten die Möglichkeit schon einmal kurz einen Blick auf das erste 4K-Modell zu werfen, das in Deutschland zu Demozwecken verfügbar war…

Ausstattung

Das Gewicht klingt fast schon wie von der Marketing-Abteilung im Vorfeld geplant: Der Body der Terra 4K wiegt gerade mal 990 Gramm.

Die Terra 4K ohne alles ist leicht und kompakt
Die Terra 4K ohne alles ist leicht und kompakt

Dazu kommen aber je nach Einsatz noch Handgriff, Akku, Monitor und nicht zuletzt natürlich auch eine relativ massive Mount nach Wahl, was das Gesamtgewicht nach oben treibt. Unsere Terra 4K hatte noch das KineBACK montiert, mit dem unter anderem XLR-Ein- und SDI-Ausgänge zur Verfügung stehen. Canon und Panasonic (sowie auch Blackmagics URSA Mini Pro) kommen bereits mit integrierten XLR und SDI-Anschlüssen. 1 kg für den nackten Body sind in diesem Umfeld nicht mehr besonders wenig, da auch die Panasonic EVA1 sowie die Canon C200 bei ähnlicher Ausstattung ungefähr gleich viel wiegen.

Der nackte Terra4K-Body kostet rund 4.500 Euro. Wir haben die Terra 4K in der (Pro-)Konfiguration (u.a mit dem KineBACK) getestet, die mit 7733 Euro zu Buche schlägt. Wer auf das KineBACK verzichten kann spart über 2.000 Euro und bekommt den 4K-Body mit Basis-Zubehör (wie u.a. dem Akku-Handgriff und dem Monitor für ca. 5.600 Euro). Das gesamte Terra-Zubehör ist übrigens an allen (4K-5K-6K-Terra-)Modellen uneingeschränkt nutzbar.

Die Terra 4K Pakete ohne MwSt.
Die Terra 4K Pakete ohne MwSt.

Dies gilt natürlich auch für den Akku-Handgriff. Dieser dockt rechts seitlich (und unschwenkbar) an das Terra-Gehäuse an und kann im inneren einen BP-U30 kompatiblen Akku beherbergen. Kinefinity bietet hierfür auch eigene Akkus an (namentlich GripBAT mit 45 Wh). Diese hielten bei uns über eine Stunde durch. Leider gibt es keine Restlaufzeit-Anzeige, sondern nur eine Spannungsangabe im Display, weshalb hier jeder Kameramann erst einmal eigene Erfahrungswerte sammeln muss. Nette Idee: Wenn man die Terra über einen V-Mount Akku betreibt, dient der Akku im Griff dazu als unterbrechungsfreie Stromversorgung.

Der Handgriff SideGrip kann einen BP-U30 Akku aufnehmen und wiegt inkl. Akku ca. 400 Gramm.
Der Handgriff SideGrip kann einen BP-U30 Akku aufnehmen und wiegt inkl. Akku ca. 400 Gramm.

Die Terra Familie

Am Gehäuse und im Konzept unterscheidet sich die Terra 4K nicht merklich von ihrer ersten 6K-Schwester, die wir bereits vor 10 Monaten testen konnten. Sehr wohl und vor allem jedoch beim Sensor, den wir schon in einem vorangegangenen Artikel unter die Lupe genommen haben.

Dieser ist mit 19,5mm Breite deutlich kleiner als die üblichen 35mm-Sensoren und spielt schon eher in der MicroFourThirds-Liga. Er kann in der Kamera auch mit unterschiedlichen Fenstern ausgelesen werden. Das Super16-Fenster erlaubt horizontale Auflösungen von 1920 und 2048 Pixeln, das MFT-Fenster bietet 3072 Pixel und der volle S35-Sensor-Readout nimmt sich 3840 bzw. 4096 horizontale Sensel.

Üppige Mount Auswahl

Ein großer Vorteil der Terra-Serie ist deren große Mount-Auswahl. Neben normalen EF-, PL- und Nikon-Mounts gibt darunter auch ein paar nette Spezialitäten. So gibt es Mounts mit eingebautem Focal Reducer oder mit elektronischem VariND-Filter. Letztere bietet einen stufenlosen ND 0.6 bis ND3.0 was in unserem Test auch problemlos funktionierte. Einzig beim Umstellen der ND-Werte flackerte der Monitor und die elektronische Blendensteuerung der EF-Mount funktionierte noch nicht. Im Focal Reducer funktionierte dagegen die EF-Blendensteuerung anstandslos, jedoch fiel uns ein weiteres mal auf, dass beispielsweise bei unserem Zeiss 35/1.4 das Glas schon vor der Unendlichstellung gegen die integrierte Optik des KineEnhancer drückt. Mit etwas zuviel Druck am Schärfering könnte man sich hier leicht einen Optikschaden einhandeln.

An der Terra 4K bekommt man für fast jedes Objektiv die passende Mount
An der Terra 4K bekommt man für fast jedes Objektiv die passende Mount

Spannend war der Prototyp einer E-Mount. Dessen Elektronik war noch nicht integriert, weshalb man hierzu noch keine Aussagen machen kann. Sollte Kinefinity jedoch die E-Mount Kommunikation komplett unterstützen, wären die Terras die weltweit ersten E-Mount Kameras, die nicht von Sony stammen.

Formate: ProRES jetzt, KineRAW später

Unser Test-Modell konnte einzig ProRES in vier Dialekten aufzeichnen (422HQ, 422, 422LT sowie Proxy). Von einer KineRAW-Aufzeichnung (KRW) fehlte in der Kamera noch jede Spur, jedoch soll diese Möglichkeit mit einem Firmware-Update nachgeliefert werden. Allerdings gibt es keine kostenloses Jahreslizenz von Assimilate Scratch für die Terra-Kameras mehr. Und da (noch?) keine anderen Programme das Terra-Raw-Format unterstützen, wird man oft auf den KineRAW->CDNG Konverter zurückgreifen müssen, der den Workflow ziemlich ausbremst. So gesehen passt ProRES als universeller Codec momentan sowieso viel besser zum Konzept der Terra, auch wenn man hiermit nicht die letzten RAW-Feinheiten des Sensors wegspeichern kann. Cineform, unser Codec-Liebling für Kamera-Aufzeichnung wird leider ebenfalls in der Terra 4K nicht unterstützt und wurde bis dato auch nicht angekündigt.

Die Kinefinity Terra 4K schreibt auf normale 2,5-Zoll-SSDs
Die Kinefinity Terra 4K schreibt auf normale 2,5-Zoll-SSDs

Extrem gut gefällt uns die Möglichkeit handelsübliche 2,5-Zoll SSDs zur Speicherung einzusetzen. Diese werden zwar nicht offiziell von Kinefinity zertifiziert, sollten in der Praxis jedoch problemlos funktionieren. Wir hatten eine Samsung EVO850 im Einsatz, die sowohl unter HFS als auch unter NTFS (beides unterstützt die Terra 4K) bei der Aufzeichnung keinerlei Probleme bereitete.

Von Lüftern und Bootzeiten

Zum Hochfahren benötigte unsere Terra 4K fast eine halbe Minute, es gibt jedoch einen Standby-Knopf der die Kamera schon nach 10 Sekunden aus einem Stromsparmodus holt. Hierbei kam es bei uns jedoch gelegentlich vor, dass die Kamera danach ein verpixeltes Bild zeigte, was erst ein voller 30 Sekunden Reboot wieder in Ordnung bringen konnte.

Nach dem Einschalten fällt das Lüftergeräusch auf. Je kleiner das Gehäuse desto größer ist der Kühlaufwand und kleine Lüfter sind in der Regel deutlich lauter als große Lüfter, die sich für die gleiche Luftmenge weitaus langsamer drehen können. Deswegen ist der Klang des Lüfters wohl auch leicht sirrend. Im Menü lässt sich der Lüfter jedoch so konfigurieren, dass er während der Aufnahme pausiert. Bei langen Takes in warmen Umgebungen sollte man dann die eingeblendete Temperaturanzeige im Auge behalten.

Monitor Display KineMON und Alternativen

Das Kinefinity Display KineMON wird über einen proprietären Stecker angedockt. Es kann jedoch auch ein Monitor/Sucher von Drittherstellern über eine HDMI-Out-Buchse angeschlossen werden. Wer eine SDI-Vorschau wünscht, braucht jedoch zwingend das KineBACK.

Die Kinefinity Terra 4K
Die Kinefinity Terra 4K

Die externe Anzeige ist sehr sehr angenehm und auf dem KineMon werden alle Informationen (außer den Menüs) am Bildschirmrand in schwarzen Balken dargestellt, womit man immer freie Sicht auf das Motiv behält. Auch nicht selbstverständlich: Die Displayvergrößerung zum Fokussieren funktioniert sehr zuverlässig mit der vollen Displayframerate. Selbst kritische 4K-Details werden hier deutlich sichtbar dargestellt. Allerdings vermissten wir in diesem Fall eine Touchfunktion des Displays (die wir von Mitbewerbern mittlerweile gewohnt sind) um den Bildausschnitt zu verschieben. Bei der Terra muss man hier zur Drehscheibe mit wippbaren Richtungsbuttons zurückgreifen.

Bedienung per wippbarem Drehrad

Überhaupt navigiert man in der Terra hauptsächlich mit diesem wippbaren Drehrad, das neben der Menünavigation auch je nach Richtung ISO, Shutter, Kelvin oder Frameraten im schnellen Direktzugriff anbietet. Wir persönlich wurden mit dieser Form der Bedienung nicht wirklich warm, aber hier spielen sicherlich auch subjektive Präferenzen mit. Und gelang es jedenfalls auch nach etwas Eingewöhnungszeit keine "souverän-flüssige" Bedienung der Kamera.

SlowMotion

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal der Terra 4K ist (in ihrem Preisbereich) das Filmen mit hohen Frameraten. In Cine4K und UHD sind zwar “nur” maximal 75 fps möglich, wer jedoch 4K-Widescreen-Aufnahmen erstellen möchte, kommt in 4K Wide (4096 x 1720) bzw. 4K HD Wide (3840 x 1600) sogar bis auf 100fps bei interner Aufzeichnung. Geht man auf 3K-Auflösung herunter, erreicht man in 3K Wide (3072x1200) bis zu 150 fps. Und in 2K (Wide) sind zuletzt sogar bis zu 240 fps möglich.

Fazit

Die Terra 4K macht definitiv Laune. Vor zwei Jahren wäre diese Kamera für diesen Preis wohl mit großem Jubel blind vom Markt aufgenommen worden. Seit einigen Monaten hat sich das Marktumfeld jedoch mit Canon C200 und Panasonic EVA1 deutlich gefüllt. Gegenüber diesen Kameras kann die Terra 4K nicht mehr in erster Linie mit ihrer Größe, ihrem Gewicht oder ihrem Preis punkten. Allerdings sehr wohl noch mit ihrer Mount-Flexibilität, der nativen ProRES-Aufzeichnung, den günstigen SSD-Medienpreisen und den hohen Frameraten.

   

Kommentare

 

Top