Praxistest: Panasonic GH5S - Hauttöne, Autofokus, maximal nutzbares ISO, Multi-Aspect-Sensor u.v.m.

26.01.2018 von Rob



Hier unsere Praxiserfahrungen mit der Panasonic GH5S: Wie haben sich die Hauttöne bei der GH5S im Vergleich zur GH5 geändert? Wo ziehen wir die Grenze bei noch akzeptablen ISO-Werten für die Aufnahmepraxis, wie und wann lässt sich der Autofokus einsetzen und welche Vorteile bringt der Multi-Aspect-Ratio Sensor? Mehr hierzu und vieles mehr im Folgenden …

Als Einstieg hier zwei Clips die wir mit der GH5S bzw. der GH5 aufgenommen haben. Einmal eher Run&Gun mit vielen unterschiedlichen Lichtquellen vor Ort, der Auskunft über Hauttonreproduktion in Mischlicht-Umgebungen gibt sowie unsere Reallive Testreihe, bei der wir etwas systematischer die GH5S mit der GH5 vergleichen und uns Lowlight ISO-Reihen, Hauttöne bei Tageslicht, Autofokus, den Multi Aspect Sensor u.a. anschauen:

Hier unser Mixed Available Light Beispielclip, der ausschließlich aus der Hand mit der GH5S, dem 12-35mm F2.8 in 4K, 10 Bit, 25p mit V-Log L aufgenommen wurde:

Und hier unsere Vergleichsshots zwischen GH5S und GH5 bei denen ebenfalls das Lumix G Vario 12-35 mm F2.8 sowie das LEICA DG Vario-Elmarit 12-60 mm F2.8-4 zum Einsatz kam:

Lowlight oder welches max ISO macht Sinn?

Die Lowlight Performance ist eine der Stärken der GH5S. In unserer ISO Reihe zeigen wir recht anschaulich, wie sich die ISO Performance zwischen der GH5 und der GH5S zu Gunsten von Letzterer verändert hat. Verantwortlich hierfür machen wir das Zusammenspiel von 3 Faktoren: die physikalisch größeren Pixel der GH5S, eine verbesserte Rauschunterdrückung sowie das Dual Native ISO Verfahren.

Panasonic GH5S farbstabiler im Grenzbereich, V-Log L, 3820x2160, 25fps, 10 Bit, 4100 Kelvin
Panasonic GH5S farbstabiler im Grenzbereich, V-Log L, 3820x2160, 25fps, 10 Bit, 4100 Kelvin

Ebenfalls ganz gut zu sehen ist, dass die Grün-Färbung (green-tint), mit der in speziellen Lichtsituationen die GH5 zu kämpfen hatte, bei der GH5S nicht auftritt. Panasonic hat also bei der GH5S auch an der Farbreproduktion gearbeitet (mehr hierzu im Kapitel Hauttöne).

Panasonic GH5S mit sauberer Farbtrennung ohne Tint, V-Log L, 3820x2160, 25fps, 10 Bit, 4100 Kelvin
Panasonic GH5S mit sauberer Farbtrennung ohne Tint, V-Log L, 3820x2160, 25fps, 10 Bit, 4100 Kelvin

Die erste Erkenntnis für uns hierbei ist, dass die GH5S farbstabiler im Grenzbereich (Lowlight) geworden ist. Ein entsprechendes Farbverhalten kennen wir auch von anderen Dual Native ISO Kameras wie hier bei unserem VariCam LT Test sowie bei unserem EVA1 Test.

Ob dies ein Spezifikum der Dual Native ISO Sensoren darstellt oder Panasonic einfach grundsätzlich in Sachen ColorScience einen Sprung nach vorne gemacht hat, bleibt Spekulation – bemerkenswert ist es allemal.

Die spannendste Praxis-Frage bei der verbesserten Lowlight Qualität dürfte der Festlegung der neuen maximalen ISO-Grenze gelten. Im Hinterkopf sollte man hierbei behalten, dass dies auch eine individuelle Entscheidung ist, wie viel Rauschen man für ein „brauchbares“ Bild noch toleriert und zudem auch vom Distributionszusammenhang abhängig ist. Persönlich haben wir bei der GH5 für uns die Grenze beim noch akzeptablen Rauschen bei 1.600 ISO gezogen. Versuchen wir für den Rauschlevel der GH5 bei ISO 1.600 ein ISO Äquivalent bei der GH5S zu finden, landen wir bei unserer Blendenreihe bei ISO 5.000 oder 1 2/3 Blendenstufen. Damit liegen wir recht nahe auch bei dem Wert, den Panasonic angibt (eine Verbesserung der S/N Ratio um 9.7dB bei der GH5S im Vergleich zur GH5).

Hier die Noise-Struktur der Panasonic GH5 bei ISO 1.600 im 370% Zoom:

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Und hier die Noise-Struktur der neuen Panasonic GH5S bei ISO 5.000 im 370% Zoom:

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Für unsere Aufnahmepraxis liegt damit also der neue max ISO Wert bei der Panasonic GH5S bei 5.000 ISO.

Hier mal ein anderer Clip mit der Blendenreihe der Panasonic GFH5S von ISO 1.600 bis 25.600 im Vergleich zur GH5 mit diesmal fixen 1.600 ISO. Wer für seine individuelle Aufnahmepraxis einen anderen Max ISO Wert definieren möchte, hat hier nochmal eine zusätzliche Vergleichsmöglichkeit zum weiter oben eingebetteten Clip:

Hauttöne im Vergleich

Die verringerte Tendenz in Richtung gelb/grün lässt sich bei der GH5S auch beim Vergleich der Reproduktion von Hauttönen bei Tagselicht gegenüber der GH5 erkennen. Bei unserem Tageslicht-Vergleichsshot bei gleichem Weissabgleich lässt sich der Unterschied recht gut erkennen – nicht nur an der Haut – auch bsp. am Grauton der Mütze und dem Hintergrund:

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Während die GH5 etwas mehr in Richtung gelb/grün wandert, ist das Bild der GH5S neutraler und auch etwas wärmer abgestimmt. Wie in der Bildinfo angegeben haben wir hier in V-Log L aufgenommen und lediglich die Panasonic LUT angewandt.

Die Bilder lassen sich recht einfach dem anderen angleichen. Wer also mit beiden Kameras unterwegs ist, sollte keine größeren Probleme beim Matchen haben. Unserer Einschätzung nach bewegt sich die GH5S sowohl mit ihrer Farbabstimmung als auch bei ihrer Farbkonstanz mehr in Richtung EVA1, was keine schlechte Referenz ist.

Neben der Tageslicht-Performance in Sachen Hautton haben wir uns die GH5S auch bei Mischlicht bzw. Available-Light Szenarios angeschaut:

Panasonic GH5S, V-Log L, 3820x2160, 25fps, 10 Bit, 4100 Kelvin
Panasonic GH5S, V-Log L, 3820x2160, 25fps, 10 Bit, 4100 Kelvin

Für die Lichter des Weihnachtsmarkts mit ihrem Mix aus Leuchtstofflampen, Halogen etc. haben wir eine Farbtemperatur von 4.100 Kelvin manuell bei der GH5S eingegeben und sind damit ganz gut gefahren.


Panasonic GH5S, V-Log L, 3820x2160, 25fps, 10 Bit, 4100 Kelvin

Es gab bei der Weichnachtsmarktsequenz keine Shots, bei denen wir die Farben in Resolve nochmal komplett woanders hindrehen mussten – also auch hier eine erfreulich „robuste“ Farbwiedergabe, wozu hier unter schwierigeren Bedingungen sicherlich auch der 10 Bit Codec beigetragen hat.

Autofokus

Der AF der GH5S arbeitet mindestens auf dem besser gewordenen Niveau der GH5 (mit aktueller Firmware). Wenn wir ganz genau hinschauen, meinen wir bei der GH5S in einigen Situationen einen etwas reaktiveren AF zu sehen – hier sind allerdings noch etwas mehr Tests notwendig ...

Panasonic GH5S und Lumix G X Vario 1:2.8 / 12-35mm – AF mit Center-Auswahl, freihand
Panasonic GH5S und Lumix G X Vario 1:2.8 / 12-35mm – AF mit Center-Auswahl, freihand

Zumindest von unseren bisherigen Shots her würden wir der GH5S eine etwas bessere Performance oder auch Zuverlässigkeit beim Autofokus zusprechen. Dies war uns vor allem bei der AF-Performance beim Anfokussieren von unterschiedlich weit entfernten (statischen) Objekten sowie bei der Konsistenz des AF bei sich auf die Kamera zubewegenden Objekten aufgefallen.

Hier auch nochmal der direkte Link zu unserem AF- Test den wir mit der GH5S und der GH5 mit aktiviertem Facetracking aufgenommen haben.

Die reine Fokussiergeschwindigkeit des AF im Videobetrieb mit Lumix- AF Objektiven ist dabei nicht mehr weit von „Referenz AF-Systemen“ wie dem Dual Pixel AF von Canon entfernt. Wir würden dem Canon Dual Pixel AF derzeit allerdings noch mehr „Intelligenz“ bei der Fokussierung (bei vergleichbaren Standardeinstellungen) zusprechen. Dies sieht man vor allem bei kreisförmigen (unscharfen) Lichtern im Hintergrund, während der AF auf eine Person im Vordergrund fokussiert:

Beim Canon Dual Pixel AF „ruht“ der AF meistens ziemlich perfekt auf der Person und korrigiert kaum merklich Veränderungen der Fokussierentfernung. Bei der GH5 und der GH5S sind insbesondere bei Lichtern im unscharfen Hintergrund immer wieder mal etwas ruckartige, kleine Minimal-/Korrekturfokussierungen zu sehen, die allerdings die Schärfe des Hauptmotivs nicht sichtbar verändern.

Wenn man bei unserem Mischlicht-Beispiel sehr genau auf die Lichter im Hintergrund achtet, lassen sich hier die genannten leichten Nachfokussierungen bei ein Paar Shots sehen, Da diese jedoch minimal sind, muss man recht genau hinschauen. In diesem Zusammenhang würde es sich lohnen, nochmal tiefer in die Individual-AF-Einstellungen der GH5S einzusteigen und zu experimentieren, ob eine verminderte AF-Sensitivität hier noch bessere Ergebnisse erzielt - vielleicht machen wir dazu mal einen eigenen Artikel wenn es die Zeit zulässt …

 Gh5S und Lumix G X Vario 1:2.8 / 12-35mm - AF mit Center-Auswahl im Gimbal-Betrieb bei offener f2.8 und maximaler Brennweite
Gh5S und Lumix G X Vario 1:2.8 / 12-35mm - AF mit Center-Auswahl im Gimbal-Betrieb bei offener f2.8 und maximaler Brennweite

Auch bei unserem Gimbal-Shot hat der AF der GH5S bei komplett offener Blende f2.8 recht gut funktioniert. Allerdings hatten wir hier auch keine hellen Lichter im Hintergrund, an denen man die Mikrosprünge des AF erkennen könnte. Die Wahl der Fokusmethode (AF oder MF) im Gimbal-Betrieb würden wir wie folgt für uns entscheiden:

Bei entsprechend Motiven und vor allem auch bei der Möglichkeit, einen Take auch mal zu wiederholen, würden wir dem AF der GH5S für Gimbal Aufnahmen durchaus eine Chance geben und werden im besten Fall hier mit einem gut sitzenden AF bei komplett geöffneter Blende belohnt.

Sind im Hintergrund hingegen helle Lichter zu sehen oder ander Motivanteile, die die Arbeit des AF „verraten“, würden wir eher die Blende etwas öffnen und dann manuell und hyperfokal arbeiten.

Und ebenfalls beim Thema AF wichtig:

Das jeweilige AF Objektiv hat einen recht hohen Anteil an der Qualität der AF Performance. Das Lumix G 12-35 f2.8 (alte Version) hat bei maximaler Brennweite und offener Blende bei unseren Tests eine bessere AF-Performance als das Leica DG Vario Elmarit 12-60 f4. Hingegen sehen wir bei 50p vs 25p kaum Unterschiede bei der AF-Performance. Wie Festrennweiten an der GH5/GH5S beim AF performen, wäre auch nochmal spannend (- wer hier Erfahrungen hat, gerne in den Kommentaren zum Artikel posten ...)

Multi-Aspect-Ratio-Sensor

Wie wir bereits hier erläutert haben, bringt die Panasonic GH5S (wieder) einen Multi-Aspect-Ratio-Sensor mit.

Für die Praxis bedeutet dies mehr Bildinhalt im Weitwinkel und etwas weniger Tele-Wirkung im längeren Brennweitenbereich. Hier unser Bildvergleich zwischen Panasonic GH5S und Panasonic Gh5 im Weitwinkel:

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Und hier unser Bildvergleich bei maximaler Brennweite des 12-35mm f2.8 Zooms:

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Für die meisten Filmer von Interesse (exkl. Tierfilmer) dürfte die größere Weitwinkelabdeckung sein. Ein Zugewinn beim Cropfaktor auf 1.9x hört sich erstmal nicht nach viel an, bedeutet in der Praxis aber einen sichtbaren Zugewinn bei der Bildabdeckung im Weitwinkelbereich. Konstruktionsbedingt gehört dieser bei Micro Four Thirds zu den Herausforderungen gegenüber S35 und FF. Für die meisten Filmer dürfte der Multi-Aspect-Ratio-Sensor daher eine willkommene weitere Funktion der GH5S sein.

Und vor dem Fazit noch ein Hinweis:

Wer zum Thema Zeitlupe bei der Panasonic GH5S noch mehr Informationen sucht, dem sei unser Extra-Artikel zum Thema Slowmotion mit der GH5S empfohlen.

Fazit

Mit der Panasonic GH5S stellt Panasonic seiner populären GH5 eine nochmal mehr auf Filmer zugeschnittene Systemkamera an die Seite, die eine ganze Reihe von hochwillkommenen, neuen Funktionen für die Bewegtbildpraxis mitbringt: 1 2/3 Blendenstufen real verwertbare höhere Lichtempfindlichkeit mit entsprechend niedrigerem Noiselevel, V-Log L bereits integriert, eine nochmals verbesserte Farbabstimmung, Dank Multi-Aspect Sensor mehr Bildinhalt im für M43 kritischen Weitwinkelbereich, eine verbesserte Zeitlupe, sowie Timecode In/Out zum Syncen mit anderen Kameras, bzw. externem Audio.

Hinzu kommen die bereits bekannten Stärken der etablierten GH5: Interner 10 Bit Codec mit max 400 Mbit/s, robustes und kompaktes Gehäuse, sehr gutes Schalterlayout und ein leistungsstarker Akku. Kritikpunkte unsererseits sind die nach wie vor nicht während der Videoaufnahme aktivierbare Sucherlupe und die weggefallene Sensorstabilisierung.

Unterm Strich stellt die Panasonic GH5S ein beeindruckend leistungsstarkes und nochmals für Filmer weiterentwickeltes Tool dar. Mit rund 2.500 Euro hat die Spezialisierung gegenüber der GH5 allerdings auch ihren Preis. Wer die hier versammelten Vorteile der GH5S für sich nutzen kann, dürfte damit aber gut leben können. Klare Empfehlung von unserer Seite.

   

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