Test: Der 4K-Vollformat Herausforderer Nikon Z6 - Bildqualität im Videomodus

26.11.2018 von Rudi Schmidts



Der beweglich gelagerte Fullframe-Sensor bietet mit ca. 24,5 Megapixeln eine native 6K-Auflösung, wobei im Gegensatz zur Canon EOS R auch die volle Sensorfläche zum Filmen in 4K genutzt werden kann. In Kombination mit dem 4K-10 Bit Log-Output klingen die verlangten 2300 Euro schon fast nach einem Schnäppchen. Denn ähnliche Vollformat-Features bietet im gleichen Preisbereich bislang nur die Sony Alpha7 III, jedoch ohne eine externe 10 Bit Ausgabe über HDMI.

Log nur extern mit 10 Bit

Nicht jeder Anwender will das letzte Quäntchen Qualität mit einem externen Recorder erschließen. Doch wie schon bei der Z7 heißt es auch bei der Z6: N-Log gibt es einzig und allein bei der externen Ausgabe mit 10 Bit. Gleichzeitig ist dabei keine interne Aufzeichnung mehr möglich.

Für die interne Aufzeichnung müssen dagegen immer die integrierten Fotoprofile herhalten. Das hierbei verfügbare "Flat" Profil besitzt keine definierte Entzerrungskurve, bringt aber subjektiv in unseren Augen die gefälligste Farbabstimmung für cinematische Anwendungen mit. Doch auch für N-Log gibt es von Nikon immer noch keine LUT zum Download, einzig ein Whitepaper beschreibt bislang den exakten Gamma-Verlauf der firmeneigenen N-Log Kurve.

In 8 Bit ist dagegen eine simultane externe und interne Aufzeichnung möglich, jedoch gibt es in 8 Bit keine N-Log Unterstützung. Schauen wir uns darum einmal an, wie sich die Optionen auf das Debayering auswirken.

Finger weg von eVR

Zuerst wollen wir noch vorwegschicken, dass sich -wie auch bei Canons EOS R- das Debayering durch den digitalen Bildstabilisator "Electronic VR" immer etwas verschlechtert. Sowohl der Crop-Faktor als auch die Auflösung leiden darunter. Zum Start daher einmal ein typisches eVR-Debayering:

Die Nikon Z6 im 4K-FX Modus, 8 Bit intern mit eVR.
Die Nikon Z6 im 4K-FX Modus, 8 Bit intern mit eVR.

Deutlich besser wirkt dagegen die interne FX-Aufnahme ohne eVR bei gleichzeitig heruntergeregelter Schärfe:

Die Nikon Z6 im 4K-FX Modus, 8 Bit Intern ohne eVR.
Die Nikon Z6 im 4K-FX Modus, 8 Bit Intern ohne eVR.

Kein volles 6K-4K Downsampling und N-Log = Crop

An dieser Stelle wird schon deutlich, dass Nikon bei der Z6 zwar einen Full-Sensor-Readout ermöglicht, dabei jedoch offensichtlich nicht jedes 6K-Sensel in das 4K-Downsampling einfließt. Dies belegen die Zipper Artefakte in den feinen Strukturen sowie die Aliasing-Artefakte in den Kreisen. Hier werden wohl Zeilen und Spalten ausgelassen, bzw. gebinnt.

Wie ein sauberes 6K-4K Oversampling aussehen kann, zeigt dagegen dieses Testbild der Sony Alpha 7 III:

Die Sony Alpha 7 III im 4K-Vollbildmodus.
Die Sony Alpha 7 III im 4K-Vollbildmodus.

Und genau dagegen sollte sich nun das externe 10 Bit Log der Nikon Z6 behaupten:

Die Nikon Z6 bei 4K-FX-10 Bit Log extern
Die Nikon Z6 bei 4K-FX-10 Bit Log extern

Die Krux dabei: Das Debayering ändert sich bei der Z6 wie beim elektronischen Bildstabilisator, sobald man das Signal in 10 Bit (egal ob mit oder ohne Log) ausgibt. Der Bildausschnitt wird verkleinert (Crop ca. 1,1) und die Auflösung geht damit etwas zurück. Die Verschlechterung ist dabei nicht weltbewegend, jedoch in den Testbild-Patterns deutlich nachweisbar.

DX-Modus

Im DX-Modus - also einer S35-Sensorfläche- kommt hinzu, dass die Z6 hier zu wenig Sensel für ein etwaiges 4K-Oversampling mitbringt. Das Debayering zeigt entsprechend starke Zipper in feinen Strukturen:

Die Nikon Z6 im 4K-DX Modus, 8 Bit Intern ohne eVR.
Die Nikon Z6 im 4K-DX Modus, 8 Bit Intern ohne eVR.

Gibt man den DX-Modus per 10 Bit Log extern aus, so werden die Zipper aufgrund des weiter eingeschränkten Ausschnitts zu Gittern, die immerhin sehr weich gefiltert werden:

Die Nikon Z6 bei 4K-DX-10 Bit Log extern
Die Nikon Z6 bei 4K-DX-10 Bit Log extern

Der Vollständigkeit halber noch erwähnt: Fast identische Muster erzeugt auch die interne DX-Aufnahme mit aktiviertem eVR.

Der messtechnisch beste Modus aus Debayering-Sicht ist für 4K-Aufnahmen an der Z6 somit der FX-Modus ohne digitalen Bildstabilisator extern in 8 Bit aufgezeichnet. Dabei fällt jedoch N-Log mit unter den Tisch.

In FullHD Slow-Motion

In FullHD ist das FX-Debayering nicht ganz so gelungen wie bei der hier fast tadellosen EOS R. So sind in allen hier erzielbaren Frameraten Zipper-und Aliasing Artefakte wahrnehmbar:

Die Nikon Z6 in FX-FullHD mit 24-120fps
Die Nikon Z6 in FX-FullHD mit 24-120fps

Die 120fps funktionieren in FullHD dafür auch bei voller FX-Sensorfläche ohne weiteren Qualitätsabfall. Extern ließen sich in HD auf dem Atomos Ninja V jedoch nur maximal 60fps abgreifen, bzw. aufzeichnen, jedoch wie in 4K optional in 10 Bit N-Log.

1200LUX

Die Farben der Nikon-Kameras gelten - ähnlich wie bei Canon- als sehr gefällig und problemlos zu handhaben. Uns fiel dabei jedoch auf, dass die Profile nun auch eine negative Schärfe nutzen können. Was dies bedeutet, wollen wir einmal an der folgenden 1200LUX-Bildserie im Flat-Profil veranschaulichen:

Die Nikon Z6 im Flat Profil bei voller Nachschärfung mit 1200 LUX.
Die Nikon Z6 im Flat Profil bei voller Nachschärfung mit 1200 LUX.

Die Nikon Z6 im Flat Profil bei neutraler Nachschärfung mit 1200 LUX.
Die Nikon Z6 im Flat Profil bei neutraler Nachschärfung mit 1200 LUX.

Die Nikon Z6 im Flat Profil bei heruntergedrehter Nachschärfung mit 1200 LUX.
Die Nikon Z6 im Flat Profil bei heruntergedrehter Nachschärfung mit 1200 LUX.

Wie man sehen kann, kommen hier auch plötzlich Weichzeichner ins Spiel, die nach unserem Geschmack in einem Bildprofil wenig zu suchen haben. Wir fänden dies unproblematisch, wenn man die Nachschärfung zuverlässig komplett ausschalten könnte, jedoch wird diese nun gleich über drei Parameter gesteuert (Clarity, Mid Range Sharpening und Sharpening). Und über diesen drei Parameter thront noch ein Master Parameter "Quick Sharp" der offensichtlich gleich alle drei Parameter beeinflussen kann.

Wenn uns vor diesem Hintergrund das mittlere 1200 Lux Testbild anschauen, empfinden wir die Hauttöne unseres Puppenkopfes immer noch als etwas weichgezeichnet, obwohl alle relevanten Parameter dabei in der neutralen Null-Stellung standen. Messen kann man so einen subtilen Eindruck jedoch praktisch gar nicht.

12LUX

Tja und bei wenig Licht? Tatsächlich rauscht die Nikon Z6 in unserem 12LUX Testkasten einen Tick weniger stark als die Z7, jedoch sind diese Nuancen nur im direkten Bildvergleich zu entdecken. Damit liefert die Z6 bei wenig Licht eine ziemlich gute Performance, die nahe an der auch sonst vergleichbaren Sony A7III liegt:

Die Nikon Z6 bei 12 LUX mit 1/25s, F2,8 und ISO6400 in 8 BIt intern FLAT
Die Nikon Z6 bei 12 LUX mit 1/25s, F2,8 und ISO6400 in 8 BIt intern FLAT

Die Nikon Z6 bei 12 LUX mit 1/25s, F2,8 und ISO6400 in externen 10 Bit N-Log
Die Nikon Z6 bei 12 LUX mit 1/25s, F2,8 und ISO6400 in externen 10 Bit N-Log

Da das Rauschen aus zusammengelegten Senseln stammt wirkt es sehr organisch und angenehm. Dazu rauscht die Z6 auch bei ISO6400 noch relativ wenig. Die guten Lowlight-Fähigkeiten sind auch kein Wunder, denn trotz 24 Megapixel Auflösung liegt die Senselgröße aufgrund der großen Sensorfläche dennoch schon bei rund 6µm.

Rolling Shutter

Beim Rolling Shutter kann Nikon gegenüber Canon auf jeden Fall einen Punktsieg einfahren. Bei 4K im FX-Modus schätzen wir die Auslesezeit der Nikon Z6 um die 23ms, im DX-Modus landet die Kamera bei ca. 15 ms, egal ob 4K oder HD. Erstaunlich ist, dass wir im FullHD-FX-Modus auch nach mehrmaligen Messungen immer Rolling Shutter Werte von ungefähr 8 ms erhielten. Dies ist ein bemerkenswert guter Wert, ganz besonders für eine so große Sensorfläche.

Fazit

Das Debayering verschlechtert sich bei Z6 wenn man den elektronischen Bildstabilisator

einschaltet oder die Kamera (mit oder ohne Log) mit 10 Bit extern abgreift. Die Verschlechterung ist dabei nicht weltbewegend, jedoch in den Testbild-Patterns sichtbar. Gleichzeitig verhindert das grundsätzlich gebinnte Debayering Bestnoten bei der Bildqualität, was den theoretischen 10 Bit Vorteil gegenüber dem wirklich sauberen 6K-4K-8Bit-Downsampling der Sony Alpha 7 III nivelliert.

Bezüglich der möglichen Bildqualität für szenische Filmer zieht Nikon somit nicht (wie ursprünglich erwartet) deutlich an Sonys Alpha 7 III vorbei, sondern bietet vielmehr "nur" eine vergleichbare 4K-Bildqualität mit einer anderen Gewichtung von Stärken und Schwächen. Und dies bei einem vergleichbaren Preis.

Mehr zur Nikon Z6 demnächst auch in unserem Praxistest ...

   

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