Test: Nikon Z6 - die beste 4K Vollformat 10 Bit Spiegellose für Video?

04.12.2018 von Rob



Wir haben uns die Nikon Z6 in der 4K 10 Bit N-LOG-LUT Videopraxis genauer angeschaut und erste Erfahrungen mit der Sensorstabilisierung, der Hauttonwiedergabe (inkl. Farbkorrektur in DaVinci Resolve 12.5), dem Autofokus (Facetracking) dem Handling und der Verarbeitungsqualität gesammelt - inkl. Canon EOS R Vergleich.

Nikon Z6
Nikon Z6

Vorab unser Nikon Z6 Testclip mit Ricarda, den wir an einem kalten grauen und ziemlich windigen Wintertag im Berlin aufgenommen haben:

Zum Einsatz kamen auf Nikon Seite: Die Nikon Z6, das Nikkor Z 35mm 1.8 S sowie als externer 10 Bit 4K Recorder/Monitor der Atomos Ninja V - das Ganze zumeist handgehalten, um die Stabilisierungsleistung der Kameras besser einschätzen zu können. Schnitt und Farbkorrektur erfolgte auf Blackmagic DaVinci Resolve 15.2.

Hauttöne

Im Gegensatz zu unserem Nikon Z7 Test vor einem Monat bei dem wir noch sommerliche Temperaturen und blauen Himmel hatten, durfte die Nikon Z6 diesmal ihre „Wintertauglichkeit“ bei grauem Himmel und kaltem Ostwind beweisen.

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Was auf den ersten Blick auffällt: Der manuelle Weissabgleich der Nikon Z6 ging hier deutlich kühler zu Werke. Bereits im LOG-Material ohne Grading findet man deutlich mehr blau und grün-Werte als bsp. bei der Canon EOS R. Dies wirkt sich auch auf die Farbkorrektur aus.

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Während wir bei der Nikon Z7 bei unserem Tageslichtdreh mit hellem Umgebungslicht schnell zu ansprechenden Hauttönen mit Hilfe der Panasonic VariCAM VLog>709 LUT gekommen sind, stellt sich die Farbkorrektur des Nikon Z6 Materials unter entsprechend veränderten Lichtbedingungen etwas kniffeliger dar. Deutlich vermissen wir hier eine offizielle Nikon LUT, die den LOG-LUT Workflow vereinfachen und - wichtig für Nikons zukünftige Ambitionen im Videobereich - auch standardisieren würde (intern gibt es die LUT bereits weil Nikon eine 709-Vorschau ermöglicht – wir hoffen bald auch zum Download?).

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Dies vorausgeschickt kommt man auch bei der Nikon Z6 zu durchaus ansprechenden Ergebnissen in Sachen Hauttönen - zumindest bei der 10 Bit N-Log Aufnahme. Es dauert nur etwas länger in der Postproduktion bis man am Ziel ist.

Gleiches gilt ebenso für die bei unserem Praxisclip etwas höhere Detailwiedergabe der Nikon Z6. Wer möglichst viel Kontrolle über sein Bild benötigt und nachträglich oder beim Dreh mit Diffusionsfiltern arbeitet, in der Postproduktion die maximale Bildqualität bei der Farbkorrektur mit der deutlich flacheren Nikon N-Log Kurve herausholen möchte oder einfach nur das Maximum an Dynamikumfang benötigt, ist bei der Nikon Z6 richtig.

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Wer hingegen schnelle, unkomplizierte Turnovers seines Log-Materials braucht und eher hautschmeichlerische Hautstrukturwiedergaben Out-of-the-Box zu schätzen weiss, dürfte eher bei Kameras wie der Canon EOS R fündig werden.

Gut gefallen hat uns in diesem Zusammenhang die vorbildliche Implementierung der Weissabgleichsfunktion der Nikon Z6 (wie bei der Z7 wenn wir uns korrekt erinnern). Defaultmässig liegt diese als One-Klick-Aktion auf dem oberen Funktions-Button auf der vorderen Gehäuseseite neben dem Objektivmount. Mit längerem Druck ruft man hier dann sofort das WB Messfeld auf und kann entsprechend schnell und unkompliziert einen Weissabgleich abnehmen.

Das interne 8 Bit Material der Nikon Z6 ist in Ordnung aber - ähnlich wie bei der Nikon Z7 – nichts wirklich Weltbewegendes zumal ein echtes, internes 8 Bit Log-Profil bei der Nikon Z6 fehlt.

Autofokus, Stabilisierung und Rolling Shutter

Autofokus und Stabilisierung und der vergleichsweise geringe Rolling Shutter gehören klar zu den Stärken der Nikon Z6 und dies gilt für den Videobetrieb in besonderem Maße. Die Sensorstabilisierung der Nikon Z6 empfinden wir hierbei mindestens auf dem Niveau von guten optischen Stabilisierungssystemen wie bsp. beim OIS von Canon. Die Sensorstabilisierung erlaubt jedoch bekanntlich auch die Stabilisierung von mechanischen Objektiven – für den Bewegtbildzusammenhang allgemein von Bedeutung und insbesondere bei Nikon für die Adaptierung von alten manuellen Nikkoren, die sich immer noch hoher Beliebtheit im Indie-Cine-Bereich erfreuen.

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Betrachten wir das Videobild der Nikon Z6 im Vergleich zur Canon EOS R fällt ein deutlich ruhigeres Gesamtbild auf, das wir vor allem auf den geringeren Rolling Shutter der Nikon Z6 zurückführen. Ob der höhere Schärfeeindruck bei der Nikon Z6 auch mit dem geringeren RS im handgehaltenen Betrieb zu tun hat, bleibt derzeit noch Spekulation ...

Auch beim Autofokus kann die Nikon Z6 recht gut mithalten, auch wenn das Facetracking der Nikon Z6 sich auf größeren Distanzen (ab ca. 10m) klar dem Dual Pixel AF der Canon EOS R geschlagen geben muss. Bei den bei unserem Beispielclip genutzten Abständen zwischen ca. 2-3m hat das Face-AF-System der Nikon Z6 fehlerfrei funktioniert. Und damit auch eine klare Empfehlung für den Gimbaleinsatz der Nikon Z6 – gerade auch mit dem „weitwinkel-freundlichen“ Vollformat-Full-Sensor-Readout.

Was uns ebenfalls gut bei der Nikon Z6 gefallen hat, ist das vergleichsweise kleine AF Einzel-AF Feld. Hiermit lassen sich auch kleinere Bild-Details gut ansteuern - und apropos „Steuerung“:

Nikon Z6 mit Joystick für AF-Feld-Steuerung
Nikon Z6 mit Joystick für AF-Feld-Steuerung

Nikon setzt beim Fokus-Controller (i Ggs. zur Canon EOS R) auf einem traditionellen Joystick-Controller. Wir schätzen ebenfalls mechanische Controller und hätten bei der Canon EOS R auch gerne einen solchen als zusätzliche Option gesehen. Und auch wenn der Joystick bei der Nikon Z6 gut funktioniert (inkl. diagonaler Messfeldverschiebung) und einen hochwertigen Eindruck hinterlässt: Ein in Zonen einteilbares Touch-AF System für eine kombinierte Sucher/Touchscreen-Nutzung wie bei der Canon EOS R fehlt leider bei der Nikon Z6. Hier hoffen wir auf zukünftige Updates, weil das System unserer Meinung nach schneller ist und beim Sucherbetrieb echte Vorteile bringt.

Nikon Z6 Sucher
Nikon Z6 Sucher

Sehr gut gefallen hat uns der Sucher der Nikon Z6 samt vorbildlich aufbereiteter und gruppierter Infos. Letztere finden sich oben und unten und damit komplett außerhalb der Sucherbildes gruppiert und damit professionell und genau so, wie es sein muss. Insgesamt hat der 3,69MP OLED-Sucher der Nikon Z6 / Z7 bei uns einen sehr guten Eindruck hinterlassen: Hervorragende Bildschärfebeurteilung (auch während der Videoaufnahme) reaktiv und mit großem Sichtfeld. Die Zeit in der ein elektronischer Sucher einen optischen ablöst ist damit tatsächlich zum Greifen nah.

Zum Thema Fokuskontrolle gehören auch Fokusvergrösserung, Peaking und Fokusassistenten. Hier bietet die Nikon Z6 ein etwas durchwachsenes Bild. Gut gefallen hat uns die schnell aufrufbare Fokusvergrösserung. Diese ist allerdings (wie bei der Canon EOS R) leider nicht während der Videoaufnahme zuschaltbar.

Ziemlich neu für Nikon und von unserer Seite hochwillkommen ist die Peakingfunktion (auch im 4K Betrieb). Allerdings ist das Peaking recht stark abhängig vom gewählten Bildprofil. Hier hätten wir uns eine stärkere Entkoppelung gewünscht.

Wer manuell mit der Nikon Z6 fokussiert und hierbei Nikon-Objektive der letzten Generation nutzt, findet als Fokusassistenten zwei Dreiecke für die entsprechende Drehrichtung im Viewfinder unten angezeigt. Das ist besser als nichts aber nicht auf dem Niveau (bsp. verbleibender Fokusweg bis zur Schärfe) was der Fokusassistent des Dual Pixel AF im manuellen Betrieb bei Canon leistet.

Nikon Z6 besser für Video als Z7?

Viele dürfte die Frage interessieren, ob die Nikon Z6 nun gegenüber der Nikon Z7 die bessere Kamera für Videoanwendungen ist. Hier unsere Einschätzung zum Thema:

Nikon Z6 für Video die bessere Wahl
Nikon Z6 für Video die bessere Wahl

Von recht entscheidender Bedeutung bei der Überlegung Z6 oder Z7 für Video sehen wir den Preis, den Nikon für seine beiden neuen Vollformat Spiegellosen aufruft. Die UVP. der Nikon Z7 liegt bei 3.699,- Euro - bei der Z6 sind es 2.298 Euro.

Das sind rund 1.400,- Euro Unterschied die sich hervorragend in Objektiven oder anderem Zubehör anlegen lassen. So gesehen stellt die Nikon Z6 einen No-Brainer für Video dar, zumal die Bildqualität der Z6 sowohl im Vollformat-4K Debayering als auch im Lowlightverhalten einen Tick über der Z7 liegt.

Einschränkend müssen wir hier allerdings auch sagen, dass wir von der Z6 einen noch größeren Abstand zur Z7 erwarten haben, als dies tatsächlich der Fall ist oder anders gesagt: Wer die hohe Foto-Auflösung der Z7 benötigt, muss keinen übergroßen Kompromiss bei der Videoqualität bei der Z7 im Vergleich zur Z6 eingehen.

10 Bit Vollformat: Kinefinity, ARRI, RED, Sony Venice und ... Nikon!

Weil es in der Vergangenheit so selten der Fall war - sei hier einmal kurz innegehalten und der Umstand gewürdigt, was Nikon derzeit mit dem 10 Bit N-Log Vollformat der Nikon Z6 und Nikon Z7 leistet. Hierfür muss man sich einfach nur mal kurz die Frage stellen: Welche Kameras bieten ebenfalls mind. 4K 10 Bit Vollformat?

Die günstigste Bewegtbildkamera die uns hier einfällt wäre die Kinefnity Mavo LF für ca. 12.000 Dollar. Danach geht es dann steil nach oben in RED, Sony Venice und ARRI-Territorium.

Damit stellen die aktuellen Spiegellosen von Nikon ein quasi einzigartige Spezies im cine-afinen Segment unterhalb von 10.000 Euro dar.

Nikon sollte diese Alleinstellung in vollen Zügen genießen, denn so besonders sie auch sein mag – sie dürfte zeitlich eher begrenz sein. Mit der Lumix S1 / S1R macht sich ein spiegelloser Vollformat-Konkurrent warm, der 4K 10Bit 60p bieten könnte und auch Sony dürfte wenig Lust haben, seine Sony Alphas hinterherhinken zu sehen … 2019 dürfte in Sachen 4K(+) 10 Bit Vollformat sehr spannend werden …

Handling und Verarbeitung

Die Nikon Z6 zeichnet sich durch Nikon-typische hohe Verarbeitungsqualität aus: Robustes Gehäuse aus Magnesiumlegierung, aufwendige Staub- und Spritzwasserdichtungen, qualitativ hochwertige Schalter und Buttons sowie eine insgesamt durchdachte Ergonomie entsprechenden den Erwartungen die man an eine neue Kameraserie von Nikon mitbringt.

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Charakteristisch für die Nikon Z6 (und Z7) sind die Vielzahl an externen Schaltern die Nikon seinen neuen Vollformat-Spiegellosen spendiert hat.

Nikon folgt hierbei einem eher traditionellen Schalterlayout das vor allem dazu gedacht sein dürfte, Umsteigern von Spiegelreflexkameras einen möglichst einfachen Umstieg in die spiegellose Welt zu ermöglichen. Die Vielfalt der nach außen geführten Funktionen entspricht vom Niveau her bei Z6 und Z7 Prosumer bis Pro-Niveau.

Essentielle Aufnahmeparameter wie Blende, Verschlußzeit, Fokusfeld- und Fokusmodus, ISO sowie Weissabgleich lassen sich einfach per Button oder Drehrad einstellen. Besonders gut haben uns die beiden Funktionstasten auf der Gehäusevorderseite gefallen, bei denen sich mit der Fingerspitze defaultmässig Weissabgleich und AF-Area-Modi einschalten lassen.

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Leider hat Nikon der Z6 (wie auch der Z7) nur einen winkelbaren, rückseitigen Monitor und kein video-freundliches Klappdisplay spendiert. Ebenfalls auf der Manko-Seite verbuchen wir den Einzel-Cardslot: Backup-Aufnahmen sind damit nicht möglich – für viele professionelle Anwender sicherlich die problematischste Auslassung.

Der OLED Sucher der Nikon Z6 (und Z7) gehört hingehen – wie bereits im Fokuskapitel ausführlicher beschrieben - zur absoluten Spitzenklasse. Wer (wie wir) gerne mit dem Sucher bei der Kameraführung arbeitet, wird den Nikon-Viewfinder nicht mehr missen wollen. Auf jeden Fall eine der Stärken der neuen spiegellosen Nikons. Eine zuschaltbare Fokusvergrösserung während der Aufnahme steht allerdings ( wie bei der Canon EOS R) auch recht weit oben auf unserem Wunschzettel für künftige Updates/Funktionen.

Und da wir gerade beim Thema Software-mögliche Funktions-Updates sind: Eine frei definierbare Drehrichtung beim Focus-by-Wire der Nikons sowie eine Linearisierung des manuellen Fokus (Entkoppelung von der Drehgeschwinidgkeit wie bei der Canon EOS R möglich) würden wir ebenfalls gerne bei zukünftigen Softwareupdates der Nikon Z-Serie sehen.

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Und (wie auch die Canon EOS R) verfügt die Nikon Z6 leider nicht über einen HDMI-Anschluss in Standardgröße. Entsprechend empfehlen wir mit HDMI-Kabel-Klemmen oder Cages im 10-Bit Aufnahmebetrieb zu arbeiten, wenn ein zuverlässiges externes Recording gewährleistet werden soll (Nikon legt der Z6 eine schraubbare Kabelsicherung bei)-

Starkes 10 Bit Duo - Nikon Z6 und Atomos Ninja V
Starkes 10 Bit Duo - Nikon Z6 und Atomos Ninja V

Die Akkuleistung der Nikon Z6 war im 4K UHD Aufnahmebetrieb auf ähnlichem Niveau wie bei der Z7. Im On/Off Betrieb sollte man mit einer Akkuladung knapp durch den Tag kommen. Zur Sicherheit würden wir einen zweiten Akku noch dabei haben.

Für Audiotests an der Nikon Z6 hat leider die Zeit gefehlt (- allerdings mehren sich die Stimmen im Netz, die hier von stärkerem Rauschen am Mic-In der Nikon Z6 berichten. Für wen ein sauberes Audio-Signal wichtig ist, der sollte hier auf jeden Fall vorab entsprechend testen ... )

Fazit

Die derzeit einzigen 10 Bit-LOG-fähige 4K/UHD Kameras mit Vollformat-Sensorauslesung unterhalb von 10.000 (!) Euro heissen Nikon Z6 (und Nikon Z7). Allein das ist bereits eine kleine Sensation und wer 10 Bit Vollformat (via externem 10 Bit Recorder am HDMI-Out) zu einem bestmöglichen Preis JETZT benötigt, hat derzeit keine wirkliche Alternative als die neuen Nikon Spiegellosen ... Wie sich die Zeiten ändern …

Die Z6 zeichnet sich durch (auch in der Farbkorrektur) eher anspruchsvolles (und damit auch zeitintensives) 10 Bit Nikon N-Log und dazugehörigem guten Dynamikumfang, sehr guter Sensorstabilisierung, erstklassiger Verarbeitung, einem hervorragenden Sucher und vergleichsweise geringem Rolling Shutter aus.

Nachlegen darf Nikon gerne noch mit schnelleren LOG-Farbkorrekturworkflows via frei verfügbaren LUTs, aufgebohrten AF-Touch-Funktionen für die Sucher-AF-Feld-Bedienung und auch einen zweiten Cardslot haben wir vermisst.

Unterm Strich stellt die Nikon Z6 mit ihrem UVP von 2.298,- Euro ein starkes Angebot für Filmer auf der Suche nach cinematischem Vollformat-Look dar. Dies gilt ausdrücklich für 10 Bit N-LOG - 8 Bit (LOG/LUT Workflows) werden hingegen von anderen besser bedient.

   

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