Test: Monster-Flunder - MSI P65 Creator 8RF-451 Notebook im 4K-Schnitt-Performance Test

06.12.2018 von Rudi Schmidts



Nach unserem letzten MacBook Pro Schnittperformance Check 2018 gab es ein weiteres mal die üblichen Apple-Anmerkungen dazu im Forum: Zu teuer, zu proprietär etc.etc. Und gleichzeitig wurde der Wunsch geäußert, doch auch einmal vergleichbare Windows Laptops auf ihre Videoschnitt-Tauglichkeit abzuklopfen. Daher kam es uns besonders gelegen, dass wir kurzfristig die Möglichkeit hatten ein besonders potentes Windows Notebook in der Redaktion näher anzusehen: Das MSI P65 Creator 8RF-451.

Flaches Gehäuse mit wertigem Innenleben

In der Topausstattung ist auch das MSI Notebook alles andere als günstig, doch der Name versprüht eher wenig Eleganz: MSI P65 Creator 8RF-456NL klingt einfach zu holprig, wenn man damit die Angeber-Karte ziehen will. Dennoch zieht das Gerät aufmerksame Blicke an: Die von uns getestete Limited Edition kommt komplett in weiß mit Silberkanten, günstigere P65-Creator-Versionen werden dagegen optisch etwas unauffälliger ausgeliefert.

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Die bei unserem Testgerät verbaute Nvidia GTX 1070 MaxQ mit 8GB bleibt ebenfalls diesem inoffiziellen Topmodell als Limited Edition vorbehalten, für die man in unserer Ausstattung rund 2.300 Euro bezahlen muss. Dafür bekommt man dann einen Intel Core i7-8750H (6x 2.20GHz Basistakt +HT), 16GB DDR4-2666 RAM sowie eine 512GB M.2 PCIe-SSD. Das alles findet in einem erstaunlich kompakten 15-Zoll-Gehäuse mit 1,88 kg Gewicht Platz. Ein aktuelles 15 Zoll MacBook Pro wiegt übrigens mit 1,83 kg praktisch gleich viel.

Ganz so elegant wie ein Macbook Pro wirkt das Gehäuse des P65 Creator dabei nicht, da es eine eher "unruhige" Oberfläche aufweist. Die vielen offenen Lüftungsschlitze sind jedoch der verbauten Leistung geschuldet. Auch die Verarbeitung wirkt grundsätzlich tadellos, verbreitet jedoch nicht die solide Anmutung eines Apple Top-Modells. Vor allem das Display ist nicht ganz so verwindungssteif.

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Das Netzteil ist ebenfalls nicht uItrakompakt geraten (ca. 15 x 7 x 2 cm), aber immerhin ist es schön flach und damit noch recht portabel. Mit zusätzlichen 550 Gramm ist es kein Leichtgewicht, jedoch ebenfalls für die gebotene Leistung des Notebooks unerlässlich.

Anschlüsse

Spätestens wenn man das MSI P65 Creator 8RF-451 mit anderen Windows-Notebooks vergleicht, die ebenfalls eine GTX 1070 verbaut haben darf man staunen: Das komplette Gehäuse ist gerade einmal 18 mm flach, wobei die Anschluss-Ausstattung gegenüber Apple nicht nur extrem großzügig wirkt. Die Höhe des Notebooks erlaubt auch "anständige", sprich große Anschlüsse. Diese sind unter anderem Gigabit-Ethernet, 3x USB 3.x, HDMI als große A-Buchse (UHD bis 30 Hz) und Mini-Displayport (UHD bis 60 Hz). Sogar ein Thunderbolt 3 Anschluss ist vorhanden. Zusätzlich (und sehr willkommen) fanden wir zudem Miniklinken für Mikrofon und Kopfhörer vor.

Einzig vermisst haben wir dabei einen SD-Karten-Einschub. Schließlich arbeiten gerade "Videobearbeiter on the Road" häufig mit SD-Medien. Natürlich ist ein externer SDHC-Reader über USB 3.1 dabei kein Drama, aber wenn man schon so eine kompakte Workstation zur Videobearbeitung nutzt, wäre ein integrierter Reader natürlich bei vielen Anwendern gerne gesehen.

Datenraten

Ein erster Blick auf die typischen Messwerte zeigt bereits, dass das P65 ziemlich potent auftrumpft. An den USB Buchsen erreichten wir Transfergeschwindigkeiten bis zu 360 MB/s und die interne PCIe-SSD liest und schreibt mit ca. 1000 MB/s. Das ist mehr als typische SATA-SSDs schaffen (ca. 500 MB/s), jedoch auch noch einiges entfernt von aktuellen Spitzenwerten um die 2000-3000 MB/s. Auf jeden Fall reicht die Geschwindigkeit der internen SSD locker aus aus, um auch 4K-RAW-Daten zu cachen, bzw. ruckelfrei abzuspielen.

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Als einzigen Kritikpunkt bei der Ausstattung sehen wir die Bestückung des Speichers mit nur einem DDR4-2666 SO-DIMM Riegel. Denn damit wird der Intel Core i7-8750H nur im Single Channel Modus betrieben und seine maximal mögliche Speichertransferrate halbiert sich von 41.8 GB/s auf 20,9 GB/s.

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Es ist noch ein weiterer SO-DIMM Steckplatz im Inneren vorhanden, mit dem sich dieses Manko durch den Zukauf eines zweiten 16GB-Riegels grundsätzlich beheben lässt. Allerdings gibt es keine Wartungsklappe, sondern man muss den Rechner hierfür zerlegen, und das Mainboard komplett ausbauen. Dies ist sicherlich nicht Jedermanns Sache und wirft Fragen bezüglich der Garantie und Gewährleistung auf. Eine Rückfrage bei MSI sorgte dabei für folgende Klarstellung:

"Ein Aufrüsten unserer Notebooks durch Endkunden ist in Deutschland generell möglich, eine Beschädigung des Garantieaufklebers hat keinen Einfluss auf die Herstellergarantie von MSI, solange die Umbauarbeiten fachmännisch ausgeführt werden. Es sollten also zum Beispiel keine Beschädigungen am Notebook feststellbar sein, die auf einen ungeübten Umgang hindeuten.

Bei den sehr kompakten Notebooks der P65 Creator Serie raten wir Endkunden allerdings vom eigenen Aufrüsten ab. Aufgrund der sehr kompakten Bauform sind die meisten Komponenten nicht direkt zugänglich und erfordern die entsprechende Expertise für einen Umbau. Hier sollten dann einer unserer Fachhandelspartner zu Rate gezogen werden."

4K-Performance-Messungen

Das führt uns direkt zu unseren 4K-Performance Tests. Nachdem es unter Windows kein FinalCutPro X gibt, kann ein direkter Vergleich mit dem aktuellen Macbook Pro nur unter Premiere und Resolve stattfinden. Dabei haben haben wir uns an den Aufgaben aus unserem Macbook Pro Test 2018 orientiert:

4K (UHD) ARRI ProRes 24fps in Premiere Pro CC (2019)

In Premiere Pro CC 2019 gelingt es dem MSI P65 Creator 8RF-451 in höchster Wiedergabequalität einen ProRES HQ Clip in voller Auflösung ohne Dropped Frames wiederzugeben. Spielt man im Default-Modus ab (also indem man die "Wiedergabe mit hoher Qualität" deaktiviert) so lassen sich zwei Spuren bei hundertprozentiger Auflösung wiedergeben. Ein dritter Clip bringt dann das Notebook an seine Grenzen, so dass es hier schon gelegentlich zum Verlust einzelner Frames kommen kann. Das entspricht ungefähr auch dem Verhalten auf dem neuen MacBook Pro unter Premiere. FinalCutPro X kann hier dagegen flüssiger agieren.

5K REDCODE 8:1 24 fps in Premiere Pro CC 2019

Um REDCODE RAW 5K Material unter Adobes Premiere Pro CC 2019 abspielen zu können benötigt man auf dem MSI P65 ebenfalls eine reduzierte Auflösung. Jedoch genügt in höchster Wiedergabequalität eine Reduzierung auf die Hälfte, um keine Frames mehr auszulassen. Das aktuelle Macbook Pro 2018 muss hierbei auf eine Viertelbild -Vorschau reduziert werden.

Panasonic VariCAM 4K (Cine) AVC Intra 4:2:2 10 Bit, 24 fps in Premiere Pro CC 2019

Im Gegensatz zum Einsatz auf dem Macbook Pro 2018 kann Premiere Pro CC am MSI-Notebook das Varicam Material sowohl skaliert als auch unskaliert ohne Frameverluste in optimaler Wiedergabequalität abspielen. Nachdem die Skalierung über die GPU läuft, hätte uns ein Einbrechen der Performance hier auch sehr gewundert.

Beim Hauptprozessor liegen Apple und MSI ja dicht beieinander, jedoch liegt die GPU Leistung des MSI auf dem Papier deutlich höher. Und das wollen wir ein weiteres mal unter DaVinci Resolve betrachten, das bekanntlicherweise die GPU bei Videoaufgaben besonders gut nutzen kann.

DaVinci Resolve 15.2

Bevor wir in DaVinci Resolve in den Color Room wandern, wollen wir auch hier einen kurzen Blick auf die Schnitt Perfomance werfen. Schließlich hat sich das Programm ja seit einigen Generationen zu einem vollwertigen Editor gemausert.

DaVinci Resolve 15 liegt auf dem MSI P65 Creator in der Playback-Performance gut im Rennen. So kann das Programm noch knapp (bei 95% CPU Auslastung) drei ARRI-ProRES-Clips in voller Auflösung ohne Dropped Frames wiedergeben. Ebenfalls ohne Framedrops schafft es zwei Varicam 4K-Clips in höchster Qualität. Einzig bei REDCode in 5K Auflösung muss auch das P65 unter Resolve einen Gang runterschalten und kann diese Clips nur mit halber Qualität ruckelfrei wiedergeben.

Zu Höchstleistungen läuft das MSI P65 Creator dann in den GPU-Tests auf. Hier kann die integrierte GTX 1070 MaxQ zeigen, dass sich im flachen Gehäuse echte Desktop-Performance versteckt. Hierbei lassen wir am besten die Zahlen für sich sprechen:

ModellMax Num Curved Nodes Full 24p PlaybackMotion Blur Better,Large,30.0Spatial NR,small,50,50Spatial NR,small,100,100Temp NR 1 Faster Small 50 50 50Temp NR 2 better large 50 50 50

MacBook Pro 2016

94,58273,5

MacBook Pro 2018

197154125,5

MSI P65 GTX 1070Q

3819247,52415
Desktop

Vega 56 BIOS V64

62242418,52424


Alle Benchmarks mit Version 15.2 von DaVinci Resolve Studio

Alle Werte stellen die Wiedergabe in fps dar,bis auf "Max Num Curved Nodes" (=Anzahl der maximalen Nodes bei ruckelfreier 24p-Wiedergabe).

An eine dedizierte, besonders leistungsfähige Desktop-Grafikkarte (wie z.B. die Vega56 von AMD) kommt das Notebook zwar nicht heran, jedoch liegt die Performance des MSI P65 auf dem Niveau eines guten Desktop-PCs. Die Kühlung der GPU ist dabei erstaunlich effektiv. Selbst beim Abspielen von heftigen GPU-Effekten an der Leistungsgrenze sank die Performance in Resolve über die Zeit nicht ab.

Diese volle Leistung lässt sich dem Laptop allerdings nur entlocken, solange er am Netzteil angeschlossen ist. Wir fanden keine Option das Notebook ohne Netzteil auf höchster Leistung zu betreiben. Was ja grundsätzlich auch nachvollziehbar ist.

Die Lautstärke des ansonsten sehr leisen Notebooks steigt unter Last deutlich an und sackt glücklicherweise auch ebenso schnell ab, sobald der Rechner wieder weniger gefordert ist. Dank den aktuellen Caching-Algorithmen in Resolve lief der Rechner bei typischer Schnittarbeit dabei nur relativ selten "auf Hochtouren."

Fazit

Die Performance des MSI P65 Creator 8RF-451 kann beeindrucken. Eine GTX1070 mit einem Intel 6 Core Hyperthreading-Prozessor in einem ziemlich robusten Gehäuse unter 2 kg machen definitiv Laune. Beim Decoding -das in der Regel die CPU übernimmt- steht der MSI ebenso gut da, wie ähnliche Laptops mit vergleichbarem Intel oder AMD-Prozessor. Sobald viel GPU-Leistung für Effekte gefragt ist, zeigt das flache Gerät eine bemerkenswerte Performance. Man fühlt dabei in der Praxis unter Resolve erstaunlich selten einen Unterschied zu unserer 6 Core HEDT-Workstation mit Vega 56 GPU.

Bis auf die Lautstärke unter Last kann das flache und leichte MSI P65 Creator 8RF-451 einen "normalen" Desktop-Schnittrechner damit gut substituieren. Besonders wer wenig Raum am Arbeitsplatz verschenken will oder große mobile Ansprüche bei der Videobearbeitung hat dürfte dieses MSI Notebook höchst spannend finden.

   

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