Test: MSI Ventus Geforce RTX 2080 - Beste Grafikkarte für die 4K-/8K-Videobearbeitung?

03.01.2019 von Rudi Schmidts



Nvidia hat ja vor ein paar Monaten begonnen ihre GPU-Oberliga runderneuert und dabei der Gaming Serie ein neues Präfix (RTX statt bisher GTX) verpasst. Die neue Turing-Generation der Karten zeichnet sich dabei weniger durch weitere Shading-Kerne aus, als vielmehr durch zusätzliche, spezialisierte Funktionseinheiten (u.a. Tensor Cores) und schnelleren DDR6 Speicher. Da Nvidia für diese Generation nur einen kleinen Fertigungsforschritt (jetzt 12 statt bisher 14 nm) nutzen kann, sind die neuen Chips mit den zusätzlichen Funktionseinheiten vergleichsweise groß geraten. Was sicherlich zum Teil für die deutlichen Preisaufschläge verantwortlich ist.

Nachdem die Karten nun schon eine Weile im Markt vertreten sind und frühe Treiber-Unverträglichkeiten außerhalb der Spielewelt ausgemerzt sein sollten, wollen auch wir einmal einen Blick auf die neuen Turing-Modelle werfen. Und zwar in Form der MSI Ventus Geforce RTX 2080.

!

Im Gegensatz zu anderen Testberichten interessiert uns natürlich vor allem, wie sich die GPU in der Videobearbeitung schlägt. Dafür werfen wir primär ein Auge auf DaVinci Resolve, welches GPUs bekanntlicherweise mit den eingebauten Effekten besonders fordern kann.

Ausstattung und Spezifikationen

Die MSI Ventus Geforce RTX 2080 nutzt (wie alle erhältlichen RTX2080 Modelle) den fast uneingeschränkten Nvidia Turing TU104-Chip mit 2944 aktiven (von 3072 möglichen) Unified Shadern bei einer 256 Bit -Speicheranbindung.

!

Da DDR6 eine höhere Bandbreite als DDR5 Speicher bietet, resultiert dies in einer schnellen Speicheranbindung von ca. 448 GB/s. Solche Geschwindigkeiten konnte man bis dato nur mit HBM oder einem breiteren Speicherinterface erreichen. So schafften dies im Consumer-Segment bislang nur die GTX 1080 Ti (mit einem DDR 352-bit-Speicherinterface, 484 GB/s) oder die AMD Fury und Vega Karten mit HBM Speicher (im Bereich von 410-480 GB/s).

Bei Erscheinen dieses Artikels lag der Straßenpreis der MSI Ventus Geforce RTX 2080 bei rund 800 Euro. Eine vergleichbare GTX 1080Ti war bis vor kurzem deutlich günstiger zu erstehen, ist jedoch mittlerweile als Neuware kaum noch zu vernünftigen Preisen erhältlich. Letztere bietet mit 11 GB Ram sogar nach wie vor die bessere Speicherausstattung, jedoch spielt dieser Unterschied bei 4K-Bearbeitung meistens keine Rolle. Für 8K Projekte sind dagegen selbst 16 GB eigentlich die Minimalanforderung, sobald man auch etwas anspruchsvollere GPU-Effekte nutzen möchte.

!

Die Ausstattung der Karte ist unspektakulär und typisch für Karten aus der neuen Serie: Mit 3 x Display Port und 1 x HDMI sind die gewohnten Anschlüsse zur genüge Vorhanden. Der zusätzliche USB-C Port lässt ahnen, dass in naher Zukunft auch mehr Displays diese Anschlussmöglichkeit einfordern werden.

Die Breite der Ventus überragt als Triple Slot-Modell die üblichen zwei Slots, was beim Betrieb mehrerer GPUs auf vielen Mainboards Platz-Probleme bereitet. Immerhin fällt sie mit ihren 268x114x50mm nicht ungewöhnlich lang aus.

!

Im Betrieb waren die Lüfter der Karte recht leise, nur bei extremer Forderung der Karte wurden sie wahrnehmbar. Dafür bekam man bei den üblichen Resolve Effekt-Quälereien am Limit deutliches Spulenrasseln im Frametakt der Timeline zu hören. Doch das kennen wir wir auch von vielen anderen Nvidia- und AMD-Karten aus diversen Generationen davor.

Die Performance unter Resolve

Bei erster Betrachtung der Renderergebnisse fällt zuallererst auf, dass unsere 4K-Benchmark Projekte für die neue Generation von GPUs keine echte Herausforderung mehr darstellt. In fast allen Fällen erreichen aktuelle GPUs mit schneller Speicheranbindung über 400 GB/s eine ruckelfreie Wiedergabe fast aller Effekte mit 24fps:

Desktop 4K, Resolve 15
ModellMax Num Curved Nodes Full 24p PlaybackMotion Blur Better,Large,30.0Spatial NR,small,50,50Spatial NR,small,100,100Temp NR 1 Faster Small 50 50 50Temp NR 2 better large 50 50 50

RTX 2080

70

24

2416,52424

GTX1080 Ti

65242412,52423,5

Vega 56 BIOS V64

652424192424


Alle Benchmarks mit Version 15.2 von DaVinci Resolve Studio

Alle Werte stellen die Wiedergabe in fps dar,bis auf "Max Num Curved Nodes" (=Anzahl der maximalen Nodes bei ruckelfreier 24p-Wiedergabe).

In diesem 4K-Testfeld schneidet eine AMD Vega 56 mit per BIOS gepatchetem HBM-Speicher mindestens genauso gut ab, wie die MSI RTX 2080 Ventus oder eine GTX 1080 Ti. Dies spricht dafür, dass hier in den meisten Fällen die Speichergeschwindigkeit und nicht die nackte Rechenwerke limitieren.

Um jedoch weiterhin aussagekräftige Testergebnisse liefern zu können haben wir uns entschlossen, das Testverfahren für diesen Artikel auf 8K-Auflösung zu erweitern. Außerdem haben wir unseren Farbkorrektur-NodeTestfall in 8K nun so umgestaltet, dass wir nicht mehr zählen, wie viele Nodes Resolve in 24p ruckelfrei abspielen kann. Stattdessen messen wir nun, wie viele 8K-Frames pro Sekunde Resolve bei 50 einfachen Farbkorrektur-Nodes abspielen kann. Damit sind die Ergebnisse der ersten Spalte jetzt direkt mit den anderen Spalten vergleichbar. Und so treten tatsächlich in 8K größere Unterschiede zwischen den Karten zu Tage:

Desktop 8K, Resolve 15
Modell50 Curved CC NodesMotion Blur Better,Large,30.0Spatial NR,small,50,50Spatial NR,small,100,100Temp NR 1 Faster Small 50 50 50Temp NR 2 better large 50 50 50

RTX 2080

11,5

9,5

11,54,512,57

GTX1080 Ti

10,599,53,512,56,5

Vega 56 BIOS V64

7,58,512,53,5126,5


Alle Benchmarks mit Version 15.2 von DaVinci Resolve Studio. Alle Werte stellen die Wiedergabe in fps dar.

In 8K kann sich die RTX 2080 etwas von einer gepachten Vega 56 oder der GTX 1080 Ti absetzen. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den drei Karten unter Blackmagic Resolve nach wie vor so gering, dass man im praktischen Einsatz nicht merken dürfte, mit welcher Karte man gerade arbeitet. Eine weitere interessante Erkenntnis ist dabei, dass komplexere Echtzeit-Effekte in 8K mit der Turing-Generation noch nicht in greifbare Nähe rücken.

Fazit

Die neue Turing Generation kann trotz kleiner Schritte in der Fertigungstechnologie ein weiteres Mal dem Leistungs-Steigerungs-Schema von Nvidia treu bleiben. Die obere Mittelklasse-Karte RTX 2080 ist wieder mindestens so schnell geraten wie das Topmodell GTX 1080 Ti aus der Vorgänger-Generation. Allerdings sind die aufgerufenen Preise diesmal so stark angestiegen, dass man als Anwender noch genauer abwägen sollte, ob man nicht mit einem Griff zu einem Modell aus der Vorjahres-Reihe spürbar günstiger wegkommt. Zumal die älteren Pascal-Modelle nach dem Krypto-Verfall gebraucht besonders günstig erhältlich sind.

Mit der MSI Ventus Geforce RTX 2080 bekommt man auf jeden Fall eine rundes Turing-Modell, das bis auf das Spulenrasseln unter starker Last als markellos bezeichnet werden darf. Obendrauf gibt es hier noch von MSI eine dreijährige Garantie, was nach unserem Wissen kein anderer Grafikkarten-Hersteller überbietet. Die Performance ist in der 4K-Bearbeitung unter Resolve definitiv ansprechend, wobei AMD mit den gleich schnellen Vega-Modellen aktuell das deutlich bessere Preis-Leistungs aufweisen kann. Der Grund hierfür dürfte in der relativ hohen Speichergeschwindigkeit von AMDs Vega-Modellen zu finden sein, die man aktuell sogar neu immer wieder unter 400 Euro finden kann.

In 8K kann sich die RTX 2080 zwar schon heute marginal vom übrigen Testfeld absetzen, jedoch ist der Sprung zu 8K-GPU-Effekten in 24p-Echtzeit noch so weit, dass nicht einmal eine ca. 30 Prozent schnellere RTX 2080Ti die hierfür nötige Performance bieten dürfte. Auf 8K-Echtzeit müssen Anwender also wohl noch mindestens eine Generation warten, bis Nvidia auch 7nm-GPUs anbieten wird.

Für die 4K-Echtzeit-Bearbeitungs Praxis sind die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen AMDs Vega Modellen und Nvidias GTX 1080 Ti sowie RTX 2080 praktisch zu vernachlässigen. Diese Erkenntnis dürfte noch mehr für andere Schnittprogramme gelten, bei denen die Unterschiede zwischen verschiedenen GPUs in der Regel weitaus geringer ausfallen, als unter Davinci Resolve.

   

Kommentare

 

Top