Editorials: Bringt 2019 RAW für alle?

10.01.2019 von Rudi Schmidts



Mit der Ankündigung von Nikon und Atomos eine direkte ProRes RAW Aufnahme mit der Z6 (und Z7) zu ermöglichen, dürfte sich die Branche nachhaltiger verändern, als man auf den ersten Blick annehmen darf. Denn dieses Feature dürfte auch die zukünftigen Strategien von Blackmagic, Panasonic und Sony maßgeblich beeinflussen.

Sony hat es mit der A7SI+II sowie der A7III in den letzten Jahren geschafft, praktisch alle 4K-Vollformat Filmer mit dem ausgewogensten Feature-Mix zu bedienen, den man zu Prosumer-Preisen finden konnte. Doch (fast) echtes RAW von Nikon und Atomos zum vergleichbaren Preis, das dürfte einige potentielle Sony-Kunden mit Filmambitionen zu Nikon treiben. Zumindest so lange Sony hier nicht etwas ähnliches aus dem Hut zaubert, was nach Nikons vorpreschen nun tatsächlich wahrscheinlicher wird. Erste Hinweise gab es ja schon, dass Sonys nächster CODEC sogar 8K-RAW mit 24p aufzeichnen kann. Somit könnte eine solche RAW-Aufzeichnung theoretisch auch in einer A7SIII seine erste Anwendung finden.

Für Panasonics Lumix S Serie gilt dies im gleichen Maße. Schließlich soll die S1 bei ihrem Erscheinen Ende März für Vollformat-Filmer interessanter sein, als die gesamt Konkurrenz. Dies ist nun ohne RAW-Option kaum noch vorstellbar. Doch auch hier hört man seit geraumer Zeit Gerüchte, die besagen, dass die neue Panasonic S zumindest externe RAW-Aufzeichnung ermöglichen wird. Das Know-How hierfür existiert hierfür ja schon seit über einem Jahr inhouse mit der EVA1.

Bei Canon zeichnet sich dagegen keine schnelle Reaktion auf Nikons Ankündigung ab. Mit Canons Cinema RAW Light hätte man zwar eine passende Antwort in der Firmware-Schublade, jedoch hat hier erfahrungsgemäß die EOS Cinema-Serie immer den Feature-Vorrang. Als Joker für die nächste EOS R wäre dies dennoch natürlich eine willkommene Überraschung.

Dazu darf man nicht aus dem Auge verlieren, dass Atomos ja "nur" ProRes RAW aufzeichnet, das man bislang einzig auf dem Mac unter Final Cut Pro X bearbeiten kann. Allerdings hat Adobe schon einmal kurz anklingen lassen, dass Premiere Pro in naher Zukunft auch ProRes RAW unterstützen könnte.

Am spannendsten dürfte jedoch die Reaktion von Blackmagic werden. Wir hatten ja schon zur NAB 2018 dargestellt, dass Blackmagic in eine Zwickmühle geraten könnte, wenn mehrere Kamerahersteller mit Atomos zusammenspielen.

Dieses Problem wird jetzt mit Nikon für Blackmagic größer. Man blicke auf Resolve: Solange man hier nicht nativ ProRes RAW unterstützt, verliert man RAW-Filmer von Nikon und (potentiell auch bald Panasonic) an Premiere.

Eine Option wäre nun, selber einen Recorder anzubieten, der Nikons RAW-Ausgabe (und die anderer Hersteller) als Blackmagic RAW abspeichern kann. Allerdings erfordert dies eine enge Zusammenarbeit mit Herstellern wie Nikon oder Panasonic, mit denen Blackmagic auf Kamera-Ebene auch gleichzeitig konkurriert. Atomos hat hier ein viel besseres "Standing" bei den Herstellern, weil man selber keine Kameras anbietet. Außerdem sind RAW-filmende Kameras im Gegenzug eine direkte Kampfansage an Blackmagics Pocket Cameras. Mit einer Unterstützung von ProRES RAW schadet sich Blackmagic also auf vielen Ebenen selbst. Darum wird man hier eine Unterstützung wohl erst vorfinden, wenn sie durch die normative Kraft des faktischen Einsatzes fast unvermeidbar für Resolve wird.

Es ist jedoch auch denkbar, dass sich die Dinge noch einmal anders entwickeln. Denn RAW ist schließlich keine große Programmierkunst, sondern eher banales Datenschaufen mit (bestenfalls) ein paar altbewährten Kompressions-Tricks. Und wer die Nikon-Pressemeldung noch näher ansieht, hat auch gelesen, dass die Nikon Z-Kameras in Hardware sogar den kommenden CFExpress Standard unterstützen. Es können damit theoretisch im XQD-Slot Datenraten bis zu 1970 MB/s (!!) weggeschrieben werden. Damit könnte Nikon sogar unkomprimiertes 8K-RAW in der Kamera anbieten. Und auch Panasonic könnte mit dem XQD-Slot auf internes RAW setzen. Atomos und ProRES RAW dürften für die meisten Kamera-Hersteller nicht sehr wichtige Zutaten sein, wenn man eine entsprechende RAW-Nachfrage bedienen will.

Kurz spekuliert: Auch der internen RAW-Aufzeichnung wurden hardwareseitung schon bei fast allen Herstellern die Türen geöffnet. Und wenn der RAW-Konkurrenzdruck steigt, gibt es schon heute für fast jede Kamera die theoretische, interne Option. Vielleicht brechen diese Dämme ja schon dieses Jahr.

   

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