Test: Canon XF705 - Teil 2: Sensor-Bildqualität und Bewertung

12.02.2019 von Rudi Schmidts



Im ersten Teil unseres XF705 Tests haben wir uns mit der Ausstattung, der Bedienung und den Formaten der XF 705 befasst. Doch die größte Frage steht noch aus: Wie schlägt sich der neue 4K-Bolide von Canon in der Bildqualität? Dafür haben wir die Kamera wie üblich unsere Test Charts in verschiedenen Auflösungen aufzeichnen lassen. Vorhang auf…

Der Sensor und die 4K-Auflösung

Um bei der relativ kleinen Sensorfläche nicht unnötig kleine Sensel einzusetzen, besitzt der Sensor eine nahezu native 4K-Auflösung. Canon gibt als effektive Senselzahl 8,9 Mio an. Aus den technischen Daten lässt sich ein ungefährer Crop-Faktor von 3,1 ableiten. Ein Sensel ist dabei ungefähr 3,1µm breit. Dies liegt deutlich unter typischen Großsensor-Kameras, was eine geringere Lichtempfindlichkeit und Dynamik erwarten lässt. Doch kleinere Sensel haben auch Vorteile. Wie in diesem Fall die schnellere Auslesemöglichkeit mit 60 Hz in 4K.

Und tatsächlich bleibt die Qualität beim Debayering in 4K immer konstant. Egal ob mit 24p oder mit 60p gefilmt wird:

Die Canon XF705 bei 24-60p im slashCAM 4K-Auflösungstest
Die Canon XF705 bei 24-60p im slashCAM 4K-Auflösungstest

Das Bild ist dabei recht typisch für kleinere Sensoren/Sensel: Feinste Details werden trotz Nachschärfung im Standard-Profil nicht mehr aufgelöst. Wahrscheinlich auch weil eine Optik mit variabler Brennweite nicht mehr so detaillierte Strukturen auf einer so kleinen Fläche abbilden kann. Die Aliasing-Fehler in den Kreismustern sind nicht schwerwiegend und für einen 1:1 Readout nicht untypisch. Der neue Codec sollte jedoch noch weitaus mehr Reserven für Details haben, als diese Optik-Sensor Kombination liefert.

Die Canon XF705 in FullHD

In FullHD zeigt sich die Kamera erst einmal von ihrer feinsten Seite: Dank sauberer Zusammenlegung der Pixel erscheint unser HD-Testchart faktisch tadellos:

Die Canon XF705 bei 24-60p im slashCAM FullHD-Auflösungstest
Die Canon XF705 bei 24-60p im slashCAM FullHD-Auflösungstest

Diese Aussage gilt jedoch leider nur bis 60p. In 100/120p kommt es bei der FullHD-Aufzeichnung zum Line-Skipping:

Die Canon XF705 bei 100-120p im slashCAM FullHD-Auflösungstest
Die Canon XF705 bei 100-120p im slashCAM FullHD-Auflösungstest

Rolling Shutter

Ein weiterer Vorteil eine kleinen Sensors sind in der Regel kürzere Rolling Shutter Zeiten. Und hier kann die XF705 tatsächlich einen Vorteil gegenüber vielen Großsensor Kameras herausarbeiten. Runde 18ms haben wir in allen 4K/FullHD-Modi gemessen, egal ob 24, 25, 30 oder 60fps. Dies bestätigt damit auch unseren sehr guten FullHD-Auflösungseindruck. Denn in HD werden offensichtlich genau so viele Zeilen ausgelesen wie in 4K. Ein sauberes Downsampling von 4K auf 2K erklärt damit die sehr saubere HD-Bildqualität.

Farben und Bildeindruck

Bei viel Licht wirkt der Sensor der Canon XF705 sehr knackig und legt beispielsweise im Rec709-Profil eine typisch bunte Farbgebung auf, die man im EB-Sendebereich gerne sieht:

Die Canon XF705 bei 1200LUX in Rec709
Die Canon XF705 bei 1200LUX in Rec709

Die Farben lassen sich dabei weitgehend individuell anpassen und es stehen mit C-Log 3, HLG, PQ sowie Rec 2020 eine Menge alternative Standards für die Einbettung in Produktionsworkflows bereit. So wirkt die Kamera C-Log3 gleich deutlich "zahmer":

Die Canon XF705 bei 1200LUX in C-Log3
Die Canon XF705 bei 1200LUX in C-Log3

Lowlight

Bei wenig Licht zeigen sich jedoch die Nachteile kleiner Sensoren. Unser Testbild wirkt hier deutlich matschiger und verrauschter, als alles was aktuelle S35 oder FullFrame-Kameras in 4K abliefern können.

Die Canon XF705 bei 12LUX
Die Canon XF705 bei 12LUX

Hier ist es prinzipbedingt schwer gegen Sensel zu punkten deren Fläche bis zu 7 mal mehr Licht einfangen können.

Fazit

Dass es nicht die Bildqualität sein wird, die eine XF705 gegenüber Kameras mit größeren Sensorflächen auszeichnet dürfte den meisten Anwendern schon vorher klar gewesen sein. Für die gebotene Hardware schlägt sich die XF705 dennoch erwartungsgemäß tapfer und zeitgemäß. Deswegen stellen sich hier auch vielmehr die kaufentscheidenden Fragen bei der Ausstattung und dem Handling. Und da gibt es wenig zu meckern. Von XLR bis ND-Filter ist alles drin und dran, was man als One-Man Show-Filmer von einer aktuellen 4K Kamera erwarten kann. Die Kamera ist drehfertig, schnell einsatzbereit und prinzipiell blind und zuverlässig bedienbar. Die 10 Bit 4:2:2 Aufzeichnung in 4K mit bis zu 60p ist Vorteil und Nachteil zugleich. Schon in naher Zukunft dürften sicherlich die meisten relevanten Systeme das neue Canon XF-HEVC Format unterstützen. Es ist jedoch abzusehen, dass man hierfür auch um eine Investition in neue Schnitt-Hardware nicht herumkommen wird. Wie schnell Prozessoren und/oder GPUs für eine 50p/60p-Echtzeit HEVC-Timeline dann wirklich sein müssen, wird sich erst in den nächsten Monaten herausstellen. Da jedoch HEVC in der 4K- (und auch 8K Aufzeichnung) fast sicher neuer Standard wird, ist dies kein Nachteil für die XF705 sondern eher ein gutes Argument für eine zukunftssichere Investition. Allerdings wünschen sich viele Anwender sicherlich gerade zum Start auch H.264 als Option für alle Auflösungen, die Canon bis jetzt nur teilweise und zu einem späteren Zeitpunkt als Firmware-Update verspricht.

   

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