Ausprobiert: 2,5K Auflösungstest der Canon EOS-M mit Magic Lantern

14.03.2019 von Rudi Schmidts



Wir hatten ja vor zwei Monaten versprochen, die EOS-M nicht aus den Augen zu verlieren. Beziehungsweise die großen Sprünge bei der RAW-Erweiterung Magic Lantern näher zu betrachten, wenn diese einen gewissen Stabilitätsgrad erreicht haben. Mittlerweile hat sich schon wieder eine Menge getan, weshalb wir erst einmal wieder mit den neuen Funktionen aufschließen müssen.

Bisher überzeugen uns die anamorphotischen 4K-Modi noch nicht von der Bildqualität der Pixelzusammenfassung und es fällt weiterhin schwer, mit der holprigen Vorschau überhaupt eine exakte Fokussierung hinzubekommen. Doch hier wird noch viel gebastelt und es gibt vielleicht sogar eine kleine Hoffnung auf eine Preview-Möglichkeit über HDMI.

Die EOS-M als 2,5K RAW Kamera

Was dagegen jetzt reproduzierbar relativ rund läuft ist die 2,5K-RAW-Aufzeichnung mit cinemaskopischen Seitenverhältnissen wie 2,35:1. Das ganze landet bei einem 1:1 Sensorreadout dann mit 10, 12 oder 14 Bit lossless Compression in einem MLV-File, das sich bequem in der MLV-App weiterverarbeiten lässt. In diesem Programm kann beispielsweise eine Wandlung nach Cinema-DNG stattfinden, um die Files weiter im kostenlosen Resolve zu schneiden und zu graden.

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Vor dem großen Auftritt

Im 2,5K-Modus hat die EOS-M übrigens einen horizontalen Cropfaktor um die 3,35. Damit ist sie noch weit von der ersten Blackmagic Cinema Camera 2,5K entfernt, deren Crop von 2,27 schon für viele Filmer ein Problem darstellte.

Um die relativ hohen Datenraten zu erreichen, muss man die SD-Karte übertakten. Nach unserer Erfahrung sind UHSII-Karten selbst bei höherer nomineller Datenrate, schnellen SDXC-Karten mit einfacher UHS Class 3 (U3) unterlegen. Besonders geeignet erwies sich bei uns eine SanDisk Extreme Pro 95 MB/s mit U3 und Class10 Auszeichnung. Mit dieser kamen wir frisch formatiert regelmäßig über eine Datenrate mit stabilen 50MB/s, die eine 2,5K RAW Aufnahme mit lossless Kompression erfordert.

Bei der Aufnahme hat man die Wahl, ob man eine Echtzeit-Vorschau mit falschem Ausschnitt (gut zum Fokussieren) oder eine korrekte Vorschau mit ca. 3fps haben möchte. Hierfür mussten wir noch immer tief ins Menü. Eine schnelle Umschaltmöglichkeit wäre hier nützlich (sofern es sie nicht schon sowieso gibt und wir sie nur noch nicht gefunden haben).

Die Auflösung in 2,5K

So ausgestatten haben wir uns einmal daran gemacht, die Schärfe der Kamera im 2,5K Modus zu testen. Da das Zielformat FullHD sein sollte, skalieren wir unsere Aufnahme noch nachträglich auf FullHD-Breite um die "überschüssigen" Sensel zum Downsampling zu nutzen. Unser Ergebnis sieht dann so aus:

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Wie zu erwarten gibt es bei dem 1:1 Readout mit Downscaling kaum Überraschungen, was in einem ziemlich guten FullHD-Bild resultiert. Allerdings gibt es an wenigen Stellen noch leichte Probleme mit nicht komplett herausgefilterten Fokuspixeln.

Ein weiterer kleiner Pluspunkt von Magic-Lantern am Rande: Insgesamt handelt es sich um ein gelungenes Debayering, das in diesem Fall mit AMaZE in der MLV-App gemacht wurde. Diesem Open Source Debayering Algorithmus wird nachgesagt, dass er vielen professionellen Debayering-Lösungen nicht nachsteht, sondern diese sogar teilweise übertrifft. In der MLV-App kann man sogar unter vielen anderen Algorithmen wählen (Ohne, Simple, Bilinear, LMMSE, IGV, AMaZE, AHD).

Weitere Erfahrungen...

Magic Lantern in der aktuellen Version von Danne für die EOS-M kann bereits vieles besser, als noch vor zwei Monaten. So startet sich die SD-Karten Übertaktung von selbst und die verschiedenen Aufnahme-Modi können durch erneuerte LUA-Scripte auch weitaus zuverlässiger Aufgerufen und benutzt werden, als bei unserem letzten "Besuch". Dennoch kommt es immer wieder zu unerwarteten Problemen, besonders, wenn man an den Profilen noch etwas verändern will. In den meisten Fällen genügt jedoch ein Ausschalten um danach gleich weitermachen zu können.

Fazit zur Auflösung

Dank dem Downsampling in der Nachbearbeitung ist die erzielte Bildqualität der EOS-M ist gemessen am Preis phänomenal. Wo sonst bekommt man gebraucht eine 2,5K RAW Kamera für unter 150 Euro? In das MLV-Bildmaterial der EOS-M lässt sich mit Resolve weitaus tiefer eingreifen als in typische H.264 Aufnahmen.

Doch selbst, wenn alle neu hinzugekommen Funktionen einmal stabil laufen sollten sollte man wissen, worauf man sich bei der EOS-M mit Magic Lantern einlässt. Die nur selten brauchbare Vorschau macht ein szenisches Filmen mit der Kamera weiterhin fast unmöglich. Und der starke Crop ist auch zumindest gewöhnungsbedürftig. Dazu fällt der Rolling Shutter der Kamera ebenfalls unangenehm stark aus.

Man kann zwar den Crop mit sehr weitwinkeligen Objektiven und/oder einem passen Focal Reducer umgehen. Und vielleicht wird sogar noch eine stabile Monitor Vorschau über HDMI möglich. Doch all dies verteuert diese Rebel-Lösung natürlich auch wieder ungemein in Richtung 500 Euro. Und in diesen Regionen bekommt man gebraucht auch eine Menge anderer 4K-Kameras, die herunterskaliert auf 2K ebenfalls eine beachtliche Bildqualität liefern können (und gleichzeitig für die meisten Anwender weniger Hassle beim praktischen Einsatz bedeuten). Auch mit einer 5DMk3 lassen sich unter Magic Lantern noch weitaus bessere (und zuverlässigere) Ergebnisse erzielen. Allerdings nach wie vor nicht zum Rebel-Preis.

Dennoch bleiben wir persönlich vom Zusammenspiel Magic Lantern/EOS-M begeistert. Diese Software zeigt weiterhin deutlich auf, wo Kameras heute schon stehen könnten, wenn man die Firmware konsequenter auf den Nutzen für Filmer auslegen würde.

   

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