News: 4K Super35 Kamera von Arri soll schon in einem Jahr kommen // NAB 2019

01.04.2019 von Rudi Schmidts



In einer Arri PDF-Spezialausgabe der Film and Digital Times gibt sich Stephan Schenk, Managing Director ARRI Cine Technik ungewöhnlich offen (S.7): "I say this very openly here: we are also working on a dedicated Super 35 4K camera (not LF) that is planned to be introduced in the first half of 2020."

Damit dürften die letzten Zweifel aus der Welt sein, dass Arri neue Sensor-Experimente mit kleineren Senseln wagen wird. Seit dem ersten ALEXA-Modell basierten bis dato die Sensoren aller Arri-Kameras auf der gleichen ALEV III Sensel-Größe von .00825mm, die sicherlich einen Großteil zur typischen Arri-Bildanmutung beiträgt. Die großen Sensel sorgen dabei maßgeblich für hohen Dynamik bei filmähnlichen Rauschen.

Bis heute basieren alle ARRI-Kameras auf dem ALEV III Sensor-Design.
Bis heute basieren alle ARRI-Kameras auf dem ALEV III Sensor-Design.

Allerdings sind derart große Sensel nicht in 4K auf der Fläche eines Super35-Sensors unterzubringen. Während die gesamte Konkurrenz in den letzten Jahren mit kleineren Senseln eine 4K-Auflösung auf dieser Fläche unterbrachte, bot ARRI "echte" 4K nur bei FullFrame/LF an. Denn erst ab ca. 33 mm Sensorbreite lassen sich 4000 Horizontel-Sensel mit .00825mm Kantenlänge unterbringen.

Das hatte zur Folge, dass 4K-Super35 Sensoren bei der maximalen Lichtaufnahme (FullWell) immer mindestens eine Blendenstufe unter den Arri-Senseln liegen mussten. Arri kommentierte dies immer sinngemäß mit dem Argument: Lieber bessere, als mehr Pixel. Und der Erfolg schien Arris offenen Zweifeln zur Sinnhaftigkeit von Super35 in 4K bisher recht zu geben: Nach wie vor wird ein Großteil aller namhaften Kinoproduktionen mit ALEXAs und damit weit unter 4K-Auflösung gedreht.

Dennoch scheint nun der kommerzielle Druck durch die große Anzahl an Netflix- und Amazon-Produktionen (die native 4K-Akquisition einfordern) bei Arri ein Umdenken einzuleiten. Denn 4K-Vollformat/LF scheint keineswegs für jede Produktion geeignet zu sein. Durch den größeren Bildkreis kommen ganz neue Anforderungen ins Spiel und viele Kameramänner bleiben bis auf weiteres auf das bewährte Super35 eingeschossen.

Bei der hochqualitativen Kinoproduktion gilt die Arri ALEXA als unangefochtenes Werkzeug der Wahl
Bei der hochqualitativen Kinoproduktion gilt die Arri ALEXA als unangefochtenes Werkzeug der Wahl

Wer jedoch im klassischen Cinema-Format (also Super35) filmen will und in 4K abliefern muss, findet bei ARRI bislang keine Kamera hierfür. Dagegen erfüllt die gesamten Cine-Konkurrenz die geforderten 4K-Spezifikationen von Netflix und Co. bei Super35 Sensorfläche. Und diesen Markt scheint Arri nun mittelfristig auch nicht ignorieren zu wollen oder zu können.

Und dies dürfte schließlich wiederum erklären, warum Stephan Schenk so ungewöhnlich früh dieses neue Kameramodell ankündigt. Man will offensichtlich nicht, dass sich typische Arri-Kameramänner/frauen für 4K/Super35-Produktionen zu anderen Herstellern hinwenden, weil diese bisher davon ausgegangen sind, dass es bei ARRI sowieso kein 4K unter der LF geben wird.

Ein Jahr ist allerdings noch eine lange Zeit und Arri muss sich dann erstmals mit vielen Herstellern messen, die diesen ziemlich gesättigten Super 35 Markt schon seit geraumer Zeit bedienen. Interessant ist dabei auch, dass viele dieser Konkurrenten nun gleichzeitig versuchen, in Richtung Fullframe aufzubrechen, weil sie vor allem dort noch eine lukrative Zukunft für neue Cinema-Kamera-Modelle wittern. Tja, "in der Mitte treffen" wird da wohl kaum funktionieren...

Danke auch an radneurfinder für den Hinweis in unserem Forum.

   

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