Ratgeber: 4K-Schnittcomputer aufrüsten -- Geld sparen mit gebrauchten Komponenten

15.05.2019 von Rudi Schmidts



Eigentlich sollte nach vier Jahren wieder ein neuer Windows-Testrechner her und nun sind wir bei einem unerwarteten Upgrade gelandet. Unsere Beweggründe wollten wir euch einmal kurz darlegen...

Der alte Testrechner

Alles neu macht der Mai... Dachten wir uns und wollten einmal wieder einen neuen 4K-Testrechner für die Redaktion anschaffen. Unser aktuell genutztes Modell war nämlich alles andere als aktuell. So lief dieser (bis auf wechselnde Grafikkarten) seit über 4 Jahren in praktisch unveränderter Konfiguration. Dies war ein Intel Core i7-5820K mit 6 Kernen und Hyperthreading leicht übertaktet auf 3,8 GHz All-Core Boost, die nach wie vor relativ leise im sehr kompakten Gehäuse gekühlt wurden.

Auch die übrigen Komponenten unseres Testsystems hatten bis dato nicht schlapp gemacht, obwohl der Rechner die letzten vier Jahre fast täglich im Einsatz war. Sogar die problembehaftete Samsung EVO 840 1TB verrichtet weiterhin als System-Bootdisk ihren Dienst. So gesehen können wir Samsung attestieren, dass sie das berüchtigte EVO840 Altersschwäche-Problem -zumindest bei uns- tatsächlich in den Griff bekommen haben. Und selbst das anfänglich sehr zickige Gigabyte GA-X99 UD4 hat sich im Laufe der Zeit durch zahlreiche BIOS Updates in ein stabiles und zuverlässiges Mainboard gewandelt.

Grundsätzlich wären wir mit dem Testrechner sogar nach wie vor zufrieden gewesen, doch bei Decoding Tests mit 4K-H.265-Material kam der Rechner mittlerweile an seine Grenzen. Auch die zuerst verbauten 16 GB DDR Speicher sind bei vielen Softwareherstellern schon zur Minimalanforderung geworden. Darum sollte doch langsam etwas Frisches her.

Anforderungen an den neuen Schnittrechner

Wir haben in der Vergangenheit immer den Grundsatz verfolgt, dass eine PC-Neuanschaffung ungefähr die doppelte Rechenleistung des abgelösten Modells liefern sollte, damit sich das Upgrade auch beim realen Einsatz "spürbar" lohnt. In unserem Fall wäre dies also ein hoch getakteter 12 Core-Prozessor mit 32 GB RAM gewesen. Auch die Preise für einen neuen Rechner sollten vertretbar und für einen Testrechner vernünftig sein. Schließlich wollen wir eine Testplattform benutzen, die auch repräsentativ für das Budget vieler Nutzer ist.

Aus diesen Gründen fiel unser erster Gedanke auf einen AMD Threadripper 1920X Prozessor. Hierbei handelt es sich um einen 12 Core Prozessor mit Hyperthreading, der in praktisch allen Benchmarks unseren Core i7-5820K mit mehr als der doppelten Leistung übertrifft. Dieser ist mittlerweile deutlich unter 400 Euro erhältlich und erscheint uns aktuell eine sehr gute Basis für eine Budget-bewusste Workstation zu sein.

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Da es sich bei den Threadrippern um eine Workstation HEDT-Plattform mit vier Speicherkanälen und vielen PCIe-Lanes handelt, kosten entsprechende Mainboards allerdings auch gleich noch einmal fast so viel (ab ca. 300 Euro) wie unser geplanter Prozessor.

Ist die Zeit wirklich reif?

Dann beschlich uns allerdings das Gefühl, zu einem schlechten Zeitpunkt zuzuschlagen. Denn es sollen laut Gerüchten schon in wenigen Wochen 12- (und vielleicht sogar 16-) Core-Prozessoren auf AMDs AM4-Desktop-Plattform für wahrscheinlich weitaus weniger Geld zu haben sein. Allein dies dürfte schon das Preisgefüge bei Threadripper-Prozessoren weiter sacken lassen. Dazu dürfte die für Ende des Jahres erwartete, dritte Threadripper Generation deutlich performanter werden und auch schon PCIe 4.0 unterstützen. Und diese Schnittstelle könnte sich für uns in den nächsten Jahren als wichtig für GPU-Tests erweisen.

Die RAM-Preise sind ebenfalls seit ein paar Monaten im freien Fall. Auch hier könnte man also noch ruhig etwas warten, bis sich ein stabiles Preisniveau eingependelt hat. Dann könnten vielleicht sogar 64 GB eine äußerst günstige Option werden. Aktuell wären dagegen nach wie vor noch mal ca. 300 Euro für relativ schnellen und damit zukunftssichere 64 GB DDR4 Speicher fällig.

Und genau an diesem Punkt fiel uns auf, dass die Zeit vielleicht noch gar nicht reif für eine Neuanschaffung ist. Doch es gab noch eine zweite Alternative: Warum unser altes System nicht noch etwas aufrüsten?

Gebrauchte Server- und Workstation Hardware

Ein kurzer Blick auf eBay führte uns dann in die wunderbare Welt der gebrauchten Server- und Workstation Hardware. Nach etwas Recherche bemerkten wir, dass zur Zeit schon viele Xeons der E5 V3-Linie aus ihren alten Leasing-Verträgen fallen. Und so wird aktuell der Markt von immer mehr Xeon V3-Prozessoren geflutet, die auch in X99-Mainboards lauffähig sind. Und so fanden wir eines der Flaggschiffe von 2014, den Intel 14 (!!) Core Xeon E5-2697V3 für 500 Euro inkl. Mehrwertsteuer und Umtauschrecht als Refurbished Modell bei einem Online-Serveranbieter. Der Listenpreis vor 4 Jahren betrug für dieses Modell 2700 Dollar! Ein ähnliches 12 Kern-Modell (Xeon E5-2690V3) findet sich sogar oft schon für 399 Euro inkl. MwSt.

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Die erwartete Leistung liegt zwar ein paar Prozentpunkte unter dem Threadripper 1920X, jedoch dürfte dies in der Praxis kaum spürbar sein. Dafür müssen wir kaum basteln und können unsere mittlerweile als stabil bewährte Plattform noch ein oder zwei Jahre weiter nutzen. Auch beim RAM lauerten wir auf ein attraktives Angebot und konnten 32 GB langsames DDR4-2400 RAM für knapp 110 Euro als Neuware erstehen. DDR4-2400 ist zwar definitiv nicht zukunftssicher, jedoch immer noch schneller, als unser neuer alter Xeon v3 verlangt (max 2133 MHz). Auch ein netter Bonus: Die alten 16GB Speicher können wir dazu weiter nutzen, weil wir ja 8 DIMM-Steckplätze auf dem Mainboard haben. Und als letzter Vorteil sei auch noch erwähnt, dass wir unser System nach dem Umbau nicht einmal neu aufsetzen mussten.

Fazit

Und so haben wir (für ca. 600 Euro inkl. MwSt.!) mit ein wenig Bastelei noch einmal eine Geschwindigkeits-Verdoppelung und Speicher-Verdreifachung aus unserem alten System herausgekitzelt.

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Und wir fragen uns, wie wir vor lauter Blick auf die aktuelle Hardware erst einmal übersehen konnten, dass unser System eigentlich nur auf eine günstige Upgrade-Möglichkeit gewartet hat, die wir ja vor 4 Jahren noch dazu bewusst als Option eingeplant hatten. Wir hatten nur vergessen, uns auf dem Laufendenden zu halten, wie es um den Preisverfall bei gebrauchten Workstation-Prozessoren steht. Denn ohne den starken Preisverfall der letzten Monate wäre ein ökonomisch sinnvolles Upgrade zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen.

Vielleicht ist unsere Entscheidung ja auch für den einen oder anderen Leser ebenfalls interessant oder relevant. Und selbst wer ohne Upgrade eine Neuanschaffung plant, kommt hierdurch vielleicht auf die Idee, sich nach einer gebrauchten Xeon V3-Workstation umzusehen. Denn nicht nur die Prozessoren, auch ganze Rechner dieser Generation werden seit kurzem deutlich günstiger. Bei Anbietern gebrauchter Workstations bekommt man entsprechende Geräte oft mit Garantie und MwSt. Und diese können den aktuell sehr attraktiven AMD-Threadripper Angeboten oft noch das Wasser reichen. Wenn es allerdings nicht drängt, kann man sicherlich auch noch ein paar Wochen oder Monate Zeit lassen und den Preisen noch weiter beim Purzeln zusehen.

Bis dahin sollten wir unsere neuen Komponenten auch mal näher ausprobiert haben und werden darüber noch detailliert berichten. Denn soviel sei schon verraten: Trotz nahezu doppelter CPU-Leistung und dreifachem Speicher konnten wir bisher nur an wenigen Ecken einen spürbaren Geschwindigkeitsgewinn feststellen...

   

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