Test: Dynamikumfang: RAW vs LOG: Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K vs Panasonic GH5S

21.05.2019 von Rob



Diesmal haben wir uns kurz den Dynamikumfang (genauer: Belichtungsspielraum) der Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K und der Panasonic GH5S angeschaut. Hierbei vergleichen wir sowohl kameraintern RAW vs LOG in der BMD Pocket Cinema Camera 4K sowie zusätzlich RAW vs LOG zwischen der Panasonic GH5S und der Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K.

RAW vs LOG: Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K intern

Ausgangspunkt für unseren Blick auf den Belichtungsspielraum von RAW und LOG bei der Pocket 4K (und anschließend bei der Panasonic GH5S) ist die Aufnahme einer klassischen Blendenreihe unter kontrollierten Lichtbedingungen im slashCAM Testlabor.

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Hierbei haben wir bei konstanten 1200 Lux jeweils eine Blendenreihe von insgesamt 11 Blendenstufen für RAW und für LOG erstellt. Für die RAW Aufnahme kam das neue Blackmagic RAW in der höchsten Qualitätseinstellung (konstante Bitrate bei Q0) zum Einsatz. Für die LOG-Aufnahme haben wir ProRes HQ mit dem LOG-Gamma „Film“ genutzt. Beides wurde kameraintern auf CFAST 2.0 mit der gleichen Optik aufgezeichnet und in DaVinci Resolve korrigiert. Da die BMD PCC4K (im Vergleich zur GH5S) nur eine begrenzte Möglichkeit an Verschlußzeiten zulässt ( max. 1/25s und min 1/800s) haben wir zusätzlich auch die Blende für die Belichtungsreihen hinzugezogen. (Damit ergeben sich teilweise unterschiedliche DOFs was in diesem Fall aber nicht relevant ist). Zum Einsatz kamen darüber hinaus die jeweiligen Hersteller-LUTs. Bei der GH5S haben wir 10 Bit V-Log L mit 400 Mbit/s aufgenommen.

Zunächst wollen wir uns den internen Vergleich zwischen RAW und LOG bei der Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K anschauen. Interessant wird es in unserem Beispiel jetzt bei der Korrektur des Materials in DaVinci Resolve zurück auf die Normalbelichtung (Blende f8 bei 1/50s und 400 ISO). Denn genau hier spielt RAW seine Stärken aus: Farbkonstanz, Highlighthandling (und in diesem Fall auch deutlich schnellere Finalisierung). Für 100% Ansicht auf die Bilder klicken.

Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K Belichtungsspielraum Blackmagic RAW vs ProRes LOG (Film)
Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K Belichtungsspielraum Blackmagic RAW vs ProRes LOG (Film)

Bereits auf den ersten Blick sehen wir die höhere Farbkonstanz innerhalb der RAW-Belichtungsreihe. Wir haben uns zwar auch bei der LOG-Aufnahme viel Mühe gegeben, um so gut wie möglich auf die Normalbelichtung zurückzukommen aber die Konstanz der RAW-Aufnahme erreichen wir nicht.

Hinzu kommt, dass deutlich mehr Zeit für die Korrektur des Log-Materials aufgewandt werden muss, als für das RAW-Material. Die Erklärung hierfür ist einfach: Für die Korrektur zurück auf Normalbelichtung müssen wir im RAW-Entwicklungsmodul in DaVinci Resolve lediglich den entsprechenden Blendenwert - bei unserer Blendenreihe mit vollen Blendenstufen - einfache ganze Zahlen eintragen: also 1,2,3 etc. bzw, -1, -2, -3 etc. um auf die Normalbelichtung zurückzukommen: Ein Klick und fertig.

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Tatsächlich haben wir die RAW-Blendenreihe nicht weiter korrigiert. Bereits hier ist die Farbkonstanz beachtlich. Sofern also bei konstanten Lichtverhältnissen unterschiedlich belichtete Shots aneinander angeglichen werden müssen oder bei einem Dreh innerhalb einer Sequenz eine Fehlbelichtung korrigiert werden muss, führt die Anpassung via Belichtung im RAW Modul bereits ohne weitere Helligkeits- und Farbjustierungen zu sehr guten Farbwerten.

Dies sollte jedoch nicht als grundsätzliche Workflow-Empfehlung für die Belichtungskorrektur von RAW verstanden werden. Es gilt je nach Material, Belichtung und anschließender Farbkorrektur zu entscheiden, welcher Weg in der Postproduktion der geeignete ist. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Da es jedoch häufig heisst: Finger weg von den RAW-Einstellungen im RAW-Modul, fanden wir es hier auch mal interessant, diese Regel zu brechen - zumal dies bei einer definierten Blendenreihe des schnellste Weg zurück zur Normalbelichtung sein dürfte.

Schön an der Blendenreihe der Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K zu sehen ist auch das bessere Highlighthandling von RAW. Während bei +3 Blenden bei der ProRes Logaufnahme auf der Stirn bereits rote Farbfehler sichtbar werden, hält RAW hier noch fehlerfrei mit.

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Ein Vorteil von ProRes wird bei der Blendenreihe der Pocket Cinema Camera 4K jedoch auch sichtbar - und zwar bei der Unterbelichtung: Das verminderte Rauschen.

Vergleicht man beispielsweise ab -3 Blendenstufen die dunkleren Bildpartien miteinander, wird bei der RAW-Aufnahme ein stärkeres digitales Rauschen sichtbar, was auch früher Chroma-Anteile besitzt.

Bei der Belichtungskorrektur des LOG-Materials müssen wir vergleichsweise stark die entsprechende Luma-Kurve „verbiegen“. Weil wir es hier namensgebend mit stärker logaritmisiertem Material zu tun haben, müssen wir - um zu vergleichbaren Ergebnissen wie bei RAW zu kommen - viel stärker in die Belichtungskorrektur eingreifen. Der Aufwand und die Bearbeitungszeiten sind deutlich höher als bei RAW.

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Hinzu kommt als Vorteil von komprimierten RAW-Formaten wie beim neuen Blackmagic Raw dass die Datenraten spürbar verringert wurden. Der bisherige Vorteil von leicht komprimierten Interframe-Formaten wie ProRes fällt damit immer weniger ins Gewicht.

RAW vs LOG: Panasonic GH5S vs Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K

Kurz vorangestellt ein Paar Überlegungen zum Thema Dynamikumfang und Belichtungsspielraum:

Die Beurteilung von Belichtungsspielräumen und Dynamikumfängen für die Praxis hat vielfach eine subjektive Komponente, weil es unter anderem darum geht, einen Noise-Level zu definieren, der noch „akzeptabel“ ist. Und was für den einen noch ein brauchbares Bild ergibt, ist für den anderen bereits völlig jenseits von gut und böse. Erschwert wird die Definition von „akzeptabel“ noch weiter durch unterschiedliche Arten von Rauschen. Unterbelichtete Bilder können je nach genutztem Codec und Sensor Fixed Pattern Noise, zufällig buntes oder monochromes Rauschen besitzen. Monochromes Rauschen empfinden wir als am wenigsten störend aber das ist lediglich unser persönlicher Geschmack.

Am anderen Ende - also bei der Überbelichtung - scheint es einfacher zu sein, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, weil man hier den Clippingbereich besser visuell erfassen und auch messen kann.

Hinzu kommt, dass Testcharts beispielsweise für Dynamikumfänge zwar einen Blendenwert liefern - häufig einen vergleichsweise hohen Wert (weshalb diese Werte bei Kameraherstellern auch recht beliebt sind) dieser jedoch in der Praxis selten voll ausgeschöpft werden kann.

Doch zurück zu unserem Vergleich Panasonic GH5S vs Blackmagic Pocket Cinema Kamera 4K:

Vergleich man die beiden hochwertigsten internen Aufnahmeformate beider Kameras, landen wir bei folgender Blendenreihe - der besseren Vergleichbarkeit halber nach ETTR sortiert:

Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K Belichtungsspielraum Blackmagic RAW vs Panasonic GH5S V-Log L
Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K Belichtungsspielraum Blackmagic RAW vs Panasonic GH5S V-Log L

Beide Kameras liefern sich hier ein sehr enges Rennen - was auch nicht weiter verwundert - zumal beide wohl den gleichen Sensor nutzen. Trotzdem lassen sich kleine Unterschiede ausmachen:

Das RAW der Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K verfügt über die Belichtungsreihen hinweg über die höchste Farbkonstanz. Das LOG-Material der GH5S hält hier zwar erstaunlich gut mit – fällt jedoch formatbedingt etwas zurück. Mit mehr Aufwand liesse sich das Material der GH5S wohl noch konstanter angleichen.

Beim Rauschverhalten in der Unterbelichtung sehen wir hingegen die Panasonic GH5S minimal vor dem RAW der BMD PCC4K was deutlichere FPN-Strukturen zeigt. Die Unterschiede sind jedoch auch hier hauchfein.

LOG vs LOG: Panasonic GH5S vs Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K

Vergleicht man das LOG-Potential beider Kameras landen wir bei folgendem Vergleich:

Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K ProRes HQ LOG (Film) vs Panasonic GH5S V-Log L
Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K ProRes HQ LOG (Film) vs Panasonic GH5S V-Log L

Bei der Überbelichtung hat die GH5S die Nase minimal vorne während das ProRes Material der Pocket 4K etwas weniger rauscht. Damit kann man jedoch die beiden Blendenreihen nochmal leicht gegeneinander verschieben und dürfte ziemlich exakt beim gleichen Belichtungsspielraum landen.

Soweit erstmal unsere Beobachtungen zur Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K und zur Panasonic GH5S.

Wie sich Vollformat-Sensoren hierzu im Vergleich schlagen, schauen wir uns demnächst an ...­

Als weiterführende Info hier auch unser Video zum Praxis-Vergleich beider Kameras:

Sowie ein Paar weitere slashCAM Tests zu beiden Kameras:

BLACKMAGIC RAW IN DER POCKET CINEMA 4K - DREAM TEAM MIT VILTROX EF-M2 UND SIGMA 18-35?

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