Test: Sachtler Flowtech vs Gitzo Systematic - High-End Stative im Praxis-Vergleich - Teil 2

15.07.2019 von Rob



Im zweiten Teil unseres Stativ-Shootouts dreht sich alles um die Themen: Torsionssteiffigkeit, Arbeitshöhen (oder besser: Tiefen!), Traglast, Gewicht, Preis und natürlich präsentieren wir auch unser Fazit inkl. Endstand.

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Arbeitshöhen

Bemerkenswert an den Arbeitshöhen sowohl beim Systematic als auch beim Flowtech sind in unseren Augen vor allem die Minimal-Höhen. Hier hat sich in den letzten Jahren viel beim Stativbau getan. Sowohl dass Flowtech 75 als auch das Systematic 3 verfügen über Minimal-Höhen, die deutlich unter der Länge der Festellhandgriffe von Halbschalen liegen. Das bedeutet, dass der jeweilig genutzte Stativkopf die Minimalhöhe bestimmt.

Außerdem gilt es bei Minimalhöhen zu bedenken, dass die Stativbeine noch arretiert werden müssen, sofern man das Stativ nicht komplett flach auf den Boden legt, was dann allerdings nicht im Verbund mit Halbschalen-basierten Videostativköpfen funktioniert.

 Das Flowtech 75 lässt sich arretiert flacher bauen
Das Flowtech 75 lässt sich arretiert flacher bauen

Betrachtet man die Minimal-Höhen die sich noch arretieren lassen, liegt das Flowtech 75 mit einer Minimal-Höhe von gerade mal 23cm vor dem Gitzo Systematic 3, dass sich bei gemessenen 41cm noch arretieren lässt.

Nutzt man keine Videostativköpfe mit Halbschalen sondern Flachboden-Montagen verkehrt sich das Verhältnis allerdings wieder.

Gitzo Systematic für niedrige Flachboden-Montagen perfekt
Gitzo Systematic für niedrige Flachboden-Montagen perfekt

Dank mitgeliefertem Flachboden-Einsatz für das Gitzo Systematic lässt sich dieses dann auch quasi flach auf den Boden legen und erreicht dann eine Minimal-Höhe von gerade mal 9 cm. Schön zu sehen, dass Gitzo hier bei den Stativfüßen mitgedacht hat und diese eine Kerbe für solche Low-Angle-Setups besitzen.

Beim Sachtler ist es theoretisch auch möglich, es flach auf den Boden zu legen – uns ist jedoch derzeit noch keine Flachboden-Einsatz-Lösung für das Flowtech 75 bekannt.

Flowtech 75 flach aber ohne Flachbodeneinsatz
Flowtech 75 flach aber ohne Flachbodeneinsatz

Wie bereits im ersten Konzept-Kapitel genannt: Bei den maximalen Arbeitshöhen unterscheiden sich beide Stative kaum. Unsere Empfehlung bei stehenden Gesprächspartnern sind auf jeden Fall Arbeitshöhen von max. 150 cm. Je nach Stativkopf und Kamera landet man dann bei ca. 175 cm maximaler Arbeitshöhe von der Objektivmitte gemessen was in den meisten Fällen (außer Pks) ausreichen dürfte.

Damit holen beide Stative jeweils 1 Punkt bei den Max- und Minimalhöhen:

Unentschieden

Flowtech 75 - 3:2 - Gitzo Systematic 3

Traglast

Bei der Traglast ergibt sich ein sehr eindeutiges Bild. Und zwar durchaus auch etwas abweichend von den technischen Spezifikationen. Schaut man in die Spezifikationen beider Stative wird das Flowtech 75 mit 20 kg und das Gitzo Systematic 3 mit 25kg Traglast angegeben.

 Gitzo Systematic 3 und Blackmagic Ursa Mini Pro 4.6K G2
Gitzo Systematic 3 und Blackmagic Ursa Mini Pro 4.6K G2

Für das Flowtech 75 mag das knapp passen - das Gitzo Systematic kann unserer Einschätzung nach allerdings noch mehr als die 25kg tragen. Zwar raten wir ausdrücklich nicht dazu, die Maximalspezifikationen der Hersteller zu überschreiten, aber beim Systematic erscheinen uns die 25 kg recht konservativ gemessen (was ebenfalls für das Gitzo spricht).

Entscheidend für unsere höherer Traglastannahme beim Gitzo sind die gegenüber den Sachtler Quick Brakes deutlich stabileren G-Lock Verschlüsse. Diese halten in geschlossenem Zustand sehr viel mehr Last aus als das Sachtler-Pendant.

Hohe Traglast Dank G-Lock beim Gitzo
Hohe Traglast Dank G-Lock beim Gitzo

Vor diesem Hintergrund macht für uns auch der Betrieb mit 100mm Halbschalenaufnahmen beim Gitzo einen stimmigen Eindruck. Das Gitzo Systematic ist zumindest bei direkter Last von oben das klar robustere Stativ.

Die maximale Traglastwertung geht damit an das Gitzo Systematic 3:

Flowtech 75 - 3:3 - Gitzo Systematic 3

Torsionssteifigkeit

Beide Stativkonstruktionen bieten eine bemerkenswert hohe Torsionssteifigkeit. Getestet haben wir hier mit einem kompletten Stativkopf-Lockdown bei Telebrennweite und horizontaler Kraft am Stativarm. Die Stativbeine beider Stative standen hierbei in gleicher Entfernung zueinander bei gleicher Arbeitshöhe.

Sachtler Flowtech 75 und Blackmagic Ursa Mini Pro 4.6K G2
Sachtler Flowtech 75 und Blackmagic Ursa Mini Pro 4.6K G2

Einen Hauch mehr Flex im Stativ haben wir beim Gitzo gesehen. Beim Sachtler dürften vor allem die breiten Stativschenkel gegen Flex wirksam sein. Im Hinterkopf sollte man hierbei behalten, dass beim Sachtler zudem die montierte Mittelspinne hilft. Ohne Mittelspinne sehen wir beide Stativ in Sachen Torsionssteifigkeit auf annähernd gleichen Niveau. Allerdings bietet das Gitzo konstruktionsbedingt keine Mittelspinne an.

Somit ein hauchdünner Vorsprung für Sachtler in Sachen Torsionssteifigkeit

Flowtech 75 - 4:3 - Gitzo Systematic 3

Gewicht

Beim Gewicht ist die Faktenlage ziemlich klar. Wir haben beide Stative nachgewogen wobei wir beim Gitzo den zusätzlichen 75mm Halbschalen-Adapter montiert hatten und beim Flowtech 75 die Mittelspinne der besseren Vergleichbarkeit halber weggelassen haben.

 Deutlicher Unterschied beim Gewicht – klarer Vorteil Gitzo Systematic 3
Deutlicher Unterschied beim Gewicht – klarer Vorteil Gitzo Systematic 3

Das Sachtler Flowtech 75 wiegt stolze 3.240g - das Gitzo Systematic 3 kommt auf 1.993g. Das sind also 1,2 kg Mehrgewicht beim Sachtler Flowtech 75 oder anders ausgedrückt: Das Gitzo Systematic 3 inkl. Sachtler ACE XL Kopf wiegt ungefähr soviel wie das Flowtech 75 ohne Kopf.

Ob das geringere Gewicht des Gitzo Systematic in diesem Jahr auch bei unserem Fluggepäck für die NAB dafür verantwortlich war, dass wir erstmalig keinen Übergewichtszuschlag zahlen mussten, können wir nur vermuten – bemerkenswert ist das geringe Gewicht der Gitzo Systematics vor allem auch vor dem Hintergrund der hohen Traglast.

Unterm Strich also ein klarer Punkt für das Gitzo Systematic 3 in Sachen Gewicht:

Flowtech 75 - 4:4 - Gitzo Systematic 3

Preis

Die unverbindliche Preisempfehlung für das Sachtler Flowtech 75 liegt bei 1.200 Euro. Das Gitzo Systematic 3 kommt auf 1.020 Euro. Beim Gitzo muss man allerdings noch die 75mm Aufnahme dazurechnen, die mit einer UVP. von 103,- Euro zu Buche schlägt. Also 1.200,- Euro vs 1.143,- Euro.

Bei unserem Flowtech 75 Preisbeispiel ist allerdings eine Mittelspinne enthalten, die für das Gitzo nicht zur Verfügung steht und in unseren Augen einen Mehrwert darstellt.

Die Straßenpreise liegen noch einmal deutlich unterhalb der hier genannten UVPs.

Für uns damit ein Gleichstand auf hohem Niveau und damit sowohl ein Punkt für das Gitzo Systematic 3 als auch für das Sachtler Flowtech 75.

Endstand:

Flowtech 75 - 5:5 - Gitzo Systematic 3

Fazit

Bei unserem großen Premium Stativvergleich gibt es zwischen dem Sachtler Flowtech 75 und dem Gitzo Systematic 3 keinen klaren Sieger - trotzdem unterscheiden sich die Anwendungsprofile und Stärken der einzelnen Stative deutlich voneinander.

Wer ausschließlich ein Stativ für Videoanwendungen sucht und einfache, schnelle Bedienung einer möglichen Gewichtsersparnis vorzieht, ist mit dem Sachtler Flowtech 75 bestens bedient.

Wer hingegen größtmögliche Modularität schätzt, sowohl im Foto- als auch im Videobereich unterwegs ist, und für den zusätzlich Ultra-Leichtbau bei maximaler Traglast wichtig sind, findet im Gitzo Systematic 3 das perfekte Stativ.

   

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