Test: DJI Ronin SC Pro Einhand-Gimbal - die neue Gimbal-Referenz für spiegellose Systemkameras?

13.08.2019 von Rob



Wir haben den DJI Ronin SC Pro Gimbal im Praxis-Test mit unterschiedlichen spiegellosen Kameras ausprobiert: Wie funktioniert der neue Ronin SC Pro zusammen mit der Panasonic S1 und der GH5S im 4K 10 Bit Log Betrieb? Was gilt es beim Follow Focus des DJI Ronin SC und was beim Active Tracking zu beachten? Hier unsere Eindrücke …

Vorab unsere Videoaufnahmen mit dem neuen Ronin SC Einhandgimbal, die wir sowohl mit der Panasonic GH5S als auch mit der Vollformat Panasonic S1 in 10 Bit Log aufgenommen haben.

Bei der Panasonic GH5S kam das Leica DG Vario-Elmarit 1:2.8-4.0 12-60mm und bei der S1 das Lumix S 1:4 / 24-105mm zum Einsatz - beide mit unserem 82mm Genustech Eclipse Vario-ND Filter inkl. entsprechender Step-Up-Adapter-Ringen.

Nachdem wir hier bereits kurz das Rigging des DJI Ronin SC Pro mit der Blackmagic Pocket 4K und der Panasonic S1 ausprobiert hatten, waren wir jetzt gespannt, wie der Ronin SC in der Praxis im Grenzbereich seiner 2kg Traglast mit der Panasonic S1 sowie mit kompletter Followfokus-Montage mit der GH5S zusammenspielt.

DJI Ronin SC Pro Follow Focus

Die Pro Variante des DJI Ronin SC unterscheidet sich von der Standard Variante vor allem durch die hier beiliegenden Followfokus-Komponenten in Form von Handrad, Objektiv-Motor, flexibler Zahnkranzriemen sowie Rod inkl. Rod-Klemmplatte.

 DJI Ronin SC und Panasonic GH5S beim Treppenlaufen
DJI Ronin SC und Panasonic GH5S beim Treppenlaufen

Für die Montage der Followfokus-Komponenten ist die Riser-Platte an der jeweiligen Kamera Pflicht, weil die Rod-Klemmung vorn an die Riser Platte mit zwei Imbus-Schrauben montiert wird.

Auch der Rod selbst wird via Imbusschraube geklemmt - für den Motor steht eine federgelagerte Klemmschraube zur Verfügung die jedoch, wie die Klemmung der Kameraplatte am Gimbal leider nicht unverlierbar konstruiert wurde – also Vorsicht beim jeweiligen Lösen sowie beim Transport.

 Unser DJI Ronin SC Pro Followfokus Setup mit der Panasonic GH5S
Unser DJI Ronin SC Pro Followfokus Setup mit der Panasonic GH5S

Wichtig bei der Montage von Followfokus-Systemen ist stets ein fester Sitz der Kamera samt Objektiv weil die seitlichen Kräfte auf das Objektiv schnell zu „Flex“ führen können. Schön in diesem Zusammenhang zu sehen, dass DJI auch an eine optionale Objektstütze gedacht hat (die wir bei unserem Kamera-Objektiv-Setup allerdings nicht benötigt haben).

Unser DJI Ronin SC Pro Followfokus Setup mit der Panasonic GH5S von vorne
Unser DJI Ronin SC Pro Followfokus Setup mit der Panasonic GH5S von vorne

Für ein optimales Zusammenspiel zwischen Focus-by-Wire Objektiven wie bei unserem und dem Ronin SC Followfokus müssen die durch den flexiblen Zahnkranzverschluss vorgegebenen Start//Endpunkte für die Fokussierung berücksichtigt werden. Dies geschieht durch mehrfaches Drücken des Buttons am Fokusrad. Danach rotiert der Followfokus die entsprechenden Start/Stoppunkte ab und speichert diese. Wir empfehlen Kamera und Gimbal nach der Kalibrierung von Focus by Wire Objektiven mit dem Followfokussysten nicht mehr abzuschalten.

Wer bestmögliche Fokuskontrolle mit dem Ronin SC Pro Followfokus benötigt, sollte auf mechanische (Cine)Objektive mit integrierten Zahnkränzen setzen. Die flexible Lösung bei Focus by Wire Objektiven empfinden wir vor allem als Nice To Have würden sie jedoch im professionellen Dauereinsatz nicht einsetzen. Optional lassen sich einige Kamera-(Fly by-Wire)-Objektiv Kombinationen auch via entsprechendem Steuerkabel mir dem Handrad elektronisch Fokussieren. Bei unserer GH5S und dem Leica DG Vario-Elmarit 1:2.8-4.0/12-60mm hat das problemlos funktioniert und spart den Objektivmotor samt Rod-Halterung ein.

Bei der Nutzung von Cine-Optiken sollte man im Hinterkopf behalten, dass diese meist deutlich mehr Gewicht mitbringen als ihre AF-Pendants. Zusammen mit dem Followfokus dürfte man hier schnell an die Belastungs- und Tarierungsgrenze des Ronin SC gelangen. Also am besten vor dem Kauf genau überlegen, welche Kamera-Optik Kombination in Verbindung mit dem Followfokus-System zum Einsatz kommen soll: Je kompakter desto besser.

DJI Ronin SC und Panasonic S1 V-Log 10 Bit @ 4K, 25p, f4, AF
DJI Ronin SC und Panasonic S1 V-Log 10 Bit @ 4K, 25p, f4, AF

Davon abgesehen darf man sich natürlich auch grundsätzlich die Frage nach Sinn und Unsinn von Followfokus Systemen an Einhand-Gimbaln stellen. Unser Meinung nach macht ein Remote Followfokus in der Hand eines Fokuspullers sehr viel mehr Sinn als beim Gimbal-Operator. Bei Einhandgimbaln arbeiten wir daher in erster Linie hyperfokal (oder gelegentlich auch mit immer besser werdenden AF-Systemen – siehe Panasonic S1-Shots). Von daher lautet unsere Empfehlung bei der Entscheidung zwischen Standard (359,- Euro) und Pro-Variante (459,- Euro) des Ronin SC klar: Standard-Variante.

Wer hingegen sicher weiss, dass er eine manuelle Schärfekontrolle bei der Gimbalarbeit benötigt (und auch als Solo-Operator bedienen kann) sollte zumindest kompakte, mechanisch fokussierende (Cine-) Objektive am Start haben.

In Sachen Gewicht und Tarierung funktioniert die Kombination Panasonic GH5S mit Leica DG Vario-Elmarit 1:2.8-4.0 12-60mm und Followfokus-System auf jeden Fall am Ronin SC Pro. Man merkt dem Ronin SC an, dass er für Kameras von der Größe der GH5S und entsprechend kompakte Objektive entworfen wurde.

Schließlich sollte man ebenfalls berücksichtigen, dass das Aufsetzen des Followfokus Systems (nicht werkzeuglos!) inkl. Tarierung Zeit benötigt: Wir empfehlen das System bei Gebrauch des Followfokus entsprechend vorzubereiten und auch möglichst final zu tarieren und zu montieren. Wer beim Dreh vor Ort schnell einsatzfähig sein will, hat sonst ein Problem (- zumal man den Followfokus auch bei Nichtgebrauch einfach montiert lassen kann.)

DJI Ronin SC Pro und Panasonic GH5 / GH5S

Bei unserem Testclip mit Caro haben wir sowohl die Panasonic S1 als auch die GH5S genutzt. Die GH5S mit dem Leica DG Vario-Elmarit 1:2.8-4.0 12-60mm hatten wir inklusive DJI Followfokus System geriggt - dieses jedoch für unsere Shots nicht genutzt, weil wir problemlos mit hyperfocaler Schärfe (eines der Vorteile kleinerer Sensoren) ausgekommen sind.

 DJI Ronin SC und Panasonic GH5S im Rückwärtsgang
DJI Ronin SC und Panasonic GH5S im Rückwärtsgang

Bei allem Marketing- / YouTubber-Hype rund um Active Track, Follow-Fokus, Motionlapse-Funktionen etc. beim neuen Ronin SC Pro wollen wir hier kurz innehalten und einmal die grundsätzlichen Gimbal-Funktionen abseits der digitalen „Add-Ons“ kurz besprechen. Zumal die Basisfunktionen des Ronin SC auf erfreulich hohem Niveau arbeiten (- teilweise im Gegensatz zu den „Add-Ons“).

So empfinden wir die allgemeine Bewegungsabstimmung des Ronin SC bereits Out-of-The-Box als sehr gelungen. Egal ob Kreisfahrten, Verfolgungen, Schwenks oder vertikale Bewegungen: DJI verfügt über viel Erfahrung bei der Steuersoftware von Gimbalen und dies spürt man beim Ronin SC an allen Ecken und Enden: Chapeau an DJI an dieser Stelle.

360 Grad Drehung mit dem Ronin SC Pro
360 Grad Drehung mit dem Ronin SC Pro

Wer den Ronin SC vor allem für den klassischen Betrieb als Einhand-Gimbal mit kompakten spiegellosen Kameras einsetzen möchte, erhält hier unserer Meinung nach eine grundsolide Option.

Dies gilt auch für Upside-Down Shots und den vom größeren Ronin-S bekannten Sportmodus: Da sich der Fuß des Ronin SC (wie beim Ronin S) zusammengeklappt auch als Griffverlängerung nutzen lässt, sind auch Upside-Down Shots mit knapp über dem Boden geführter Kamera kein Problem (s. hierzu auch unsere GH5S Aufnahmen mit Caro ab ca. 2:50). Um in den Upside-Down Modus zu wechseln, empfehlen wir den Ronin SC kurz auszuschalten, dann nach unten zu halten und erst jetzt wieder einzuschalten.

Reisschwenks im Sportmodus des DJI Ronin SC Pro
Reisschwenks im Sportmodus des DJI Ronin SC Pro

Ebenfalls positiv auf die Erfahrung von DJI in Sachen Gimbal zurückzuführen ist der Plug&Play Betrieb zwischen dem Ronin SC und der Panasonic GH5s: Der Aufnahmestart via Rec-Knopf am Gimbalgriff funktionierte genauso zuverlässig und problemlos wie der „Halb-Klick“ zum kurzen AF-Fokussieren oder komplette elektronische Fokus-Pulls via Handrad (ohne DJI-Objektivmotor.) Welche Funktionen welcher Kamera am DJI Ronin SC unterstützt werden, lassen sich der Ronin SC Kompatibilitätsliste entnehmen.

Nichtsdestotrotz wurden dem Kamera-Formfaktor für unseren Geschmack auch bei der GH5S etwas zu enge Grenzen beim Ronin SC gezogen: Wir hatten zum Beispiel auch versucht, die GH5S mit unserem viel genutzten Shape-Cage am Ronin SC zu montieren - doch hierbei steht auf der rechten Seite leider zu wenig Raum zum Tarieren zur Verfügung.

DJI Ronin SC und Panasonic S1

Wir hatten hier ja bereits über den Ronin SC im Verbund mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K und der Panasonic S1 berichtet. Jetzt wollten wir in der Praxis prüfen, wie sich der Ronin SC auch im Grenzbereich schlägt.

 DJI Ronin SC und Panasonic S1 V-Log 10 Bit @ 4K, 25p, f4, AF
DJI Ronin SC und Panasonic S1 V-Log 10 Bit @ 4K, 25p, f4, AF

Hierfür haben wir die Panasonic S1 zusammen mit dem stattlichen Lumix S 1:4 / 24-105mm Zoom im Autofokusbetrieb auf dem Ronin SC Pro genutzt und sind damit inkl. Vario ND auf rund 1.8 kg drehfertiges Kameragewicht gekommen.

Da unsere Zeit wie stets recht knapp bemessen war, haben wir auf die Montage von Gegengewichten für eine optimale Tarierung verzichtet und auf die Stärke der Motoren des Ronin SC vertraut (was wir ausdrücklich nicht empfehlen wenn man länger Freude an seinem Gimbal haben will).

Gespannt waren wir bei der Panasonic S1 und Ronin SC Kombination vor allem auf den Stabilisierungs- sowie den Autofokus-Betrieb. Da die Panasonic S1 über eine 5-Achsen Sensorstabilisierung verfügt, wollten wir wissen, wie gut dieses mit dem Ronin SC harmoniert.

 DJI Ronin SC und Panasonic S1 mit und ohne 5-Achsenstabilisierung
DJI Ronin SC und Panasonic S1 mit und ohne 5-Achsenstabilisierung

Dafür sind wir mit der S1 und dem Ronin SC einmal mit und einmal ohne 5-Achsenstabilisierung hinter Caro hinterhergerannt mit eindeutigem Ergebnis: Wer optimal stabilisierte Ergebnisse auch unter erschwerten Bedingungen benötigt, sollte auf jeden Fall die 5-Achsenstabilisierung der S1 aktivieren. In unserer Splittscreen-Ansicht kann man die Ergebnisse recht gut miteinander vergleichen.

Auch die AF-Performance der Panasonic S1 hat im Zusammenspiel mit dem Ronin SC einen guten Eindruck hinterlassen - immer wieder erstaunlich was hier bereits möglich ist - lange wird es hier nicht mehr dauern, bis der AF bei solchen Gimbalshots zum Standard gehören wird:

DJI Ronin SC und Panasonic S1 V-Log 10 Bit @ 4K, 25p, f4, AF
DJI Ronin SC und Panasonic S1 V-Log 10 Bit @ 4K, 25p, f4, AF

Bei unserer über 1-minütigen Sequenz mit Caro (ab 0:58) bei der wir ihr mit mehreren Drehungen mit einer offenblendigen F4 bei wechselnden Abständen gefolgt sind, hatte der Autofokus der S1 nur zum Schluss eine leichte Unsicherheit. Auch der Ronin SC erweist sich bei diesem >Setup an der Belastungsgrenze< als beherrschbar und gut abgestimmt.

Unsere erste Wahl für die Panasonic S1 wäre zwar ein Gimbal mit höherer Tragkraft und genügend Platz für eine korrekte Tarierung auf der X-Achse ohne Zusatzgewichte - aber schön zu sehen, dass der Ronin SC zur Not auch mit entsprechend schwereren Setups an seinem Limit zurechtkommt.

DJI Ronin SC und Active Track

Wir sind (wie´s scheint im Gegensatz zu vielen Youtubbern) keine allzu großen Fans von drahtlosen Gimbal-Zusatzfunktionen die via Handy und App gesteuert werden. Für uns gibt es in dieser Gleichung einfach zu viele anfällige Systemkomponenten: Gimbal App, Handy-Betriebssystem, Handy-Akku, Handy-Handhalterung, Bluetooth- / WLAN-Verbindung, Gimbal-Betriebssystem, etc.:

Fällt ein Glied dieser Kette aus, funktioniert das ganze komplexe Gebilde nicht mehr.

Dies vorausgeschickt hat die Active Track Funktion beim Ronin SC bei den kurzen Tests die wir mit einem Samsung S9 Plus, der entsprechenden Android Ronin App und der Panasonic GH5S mehr oder weniger Plug&Play funktioniert. Das Aktivieren/Deaktivieren des Trackings via Trigger-Schalter am Ronin SC Handgriff hat problemlos geklappt und die Tracking Funktion kann langsamere Objektive – vor allem in der Horizontalen – recht gut verfolgen.

Sobald vertikale Bewegungen ins Spiel kommen, gerät der Ronin SC - zumindest in unserem Setup - an seine Stabilisierungsgrenzen und lässt den Kopf, bzw. die Kamera im wahrsten Sinne des Wortes „hängen“.

Der Grund hierfür ist der hohe Aufbau mit dem Handy auf dem Blitzschuh der Kamera. Neigt sich der Gimbal, ist hier schnell zu viel Gewicht auf der Achse.

Wer als One-Man Kombo ein vor allem horizontales Sprecher-Tracking benötigt, für den kann die Active Track Funktion eine Hilfe sein. Zu viel sollte man hierbei allerdings nicht erwarten – und für wichtige, nicht wiederholbare Shots, würden wir eher auf ein Stativ setzen (oder einen 2. Operator empfehlen).

Ebenfalls einen etwas zwiespältigen Eindruck hat die Handy-Halterung bei uns hinerlassen, die sich an der Seite des Ronin SC Handgriffs anbringen lässt. Hier fehlt eine einstellbare Friktion für die Neigung. Zumindest unser Samsung S9 Plus ist immer wieder nach unten gekippt - hier darf DJI gerne noch etwas nachlegen.

Fazit

Der neue DJI Ronin SC Pro Einhandgimbal für die aktuelle Generation kompakter spiegelloser Systemkameras weiss bei den (für uns essentiellen) Basis-Stabilisierungsfunktionen zu überzeugen. Für den Ronin SC sprechen seine sehr gut abgestimmten Stabilisierungsalgorithmen, seine Dank Achsenarretierung leichte Tarierung und seine gute Transportmöglichkeit.

Wer eine qualitativ gut verarbeitete, kompaktere Alternative zum schwereren Ronin S für traditionelle Gimbalshots sucht, dürfte hier fündig und auch glücklich werden. Zumal die Preise für den Ronin SC (Standard-Variante = 359,- / Pro-Variante = 459,- Euro) durchaus als Kampfpreise zu verstehen sind.

Wer den Ronin SC Pro jedoch vor allem wegen der „Add-Ons“ wie Active Track und Followfokus Funktionen kauft, sollte zuvor sorgfältig prüfen, ob die Funktionen den eigenen Kamera-Workflow und Drehanforderungen genügen. Wir haben auf jeden Fall mehr Spaß mit dem Ronin SC Pro wenn wir Active Track und Co. unter „Nice-to-Have“ verbuchen.

   

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