Editorials: Vollformat / LF - Seid ihr alle da?

27.09.2019 von Rudi Schmidts



Die IBC 2019 hat ihre Tore geschlossen und bei der obligatorischen Frage nach offensichtlichen Trends waren die neuen Vollformat-Kameras von Sony und Canon eines der größten Messethemen. Mit weniger Messe-Tamtam hat Arri die offizielle Finalisierung/Auslieferung seiner Alexa Mini LF bestätigt und auch die Panasonic S1H wird dieser Tage ausgeliefert. Dazu gibt es schon seit geraumer Zeit die Kinefinity Mavo LF. Und dass Vollformat-Aufzeichnung das nächste große Ding werden soll scheinen sogar recht kleine Hersteller wie Z-CAM zu sehen, die mit der E2-F6 und der E2-F8 gleich zwei Full Frame-Kameras nahezu auslieferungsbereit haben wollen.

Wenn man sich jedoch auf den Messegängen umhört, sind viele Filmer noch gar nicht so überzeugt, vom bewährten Super35-Sensorformat abzuspringen. Zu viele Probleme mit schwerem (und teurem) Glas bei zu enger Tiefenschärfe wiegen die "neue" Ästetik nur schwer auf. Zumal dieser Large Format (LF-)Look gar nicht so neu ist. Bereits die Canon EOS 5D Mark III konnte im Jahre 2012 dieses Format relativ artefaktfrei (allerdings "nur" in HD) aufzeichnen, bzw. über HDMI ausgeben.

Neu ist vielmehr, dass es seit ca. drei Jahren im obersten Cine-Segment Bemühungen gibt, ein neues Format über dem seit einem Jahrhundert existierenden S35-Standard einzuführen. Dieser Schritt soll offensichtlich einen deutliche qualitative Distanz zur S35-Kamera-Schwemme schaffen und wieder ein margenstarkes Segment für die High Class Cine-Produktion schaffen.

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Denn seit letztem Jahr tummeln sich im Preisbereich unter 10.000 Euro zahlreiche S35-Cinekameras, die eine Bildqualität liefern, die vor 10 Jahren in Hollywood noch für kein Geld der Welt verfügbar war. Hierzu zählen wir Blackmagics URSA Mini Serie sowie die neue Pocket 6K, Canons C100/200/300, die Panasonic EVA1 sowie die Sony FS5/FS7. Daneben gibt es noch viel mehr Modelle aus dem Fotobereich, die ebenfalls eine cineastische S-35-Ästhetik beherrschen und teilweise sogar schon unter 1000 Euro erhältlich sind (z.B einige FUJI- oder Sony-APS-C Modelle).

Kurz gesagt: S35 kann mittlerweile jeder. Um großes Kino davon unterscheidbar zu machen, muss ein neues Format wieder exklusiver werden. Wohl mit IMAX im Hinterkopf - und den damit verbundenen Produktionspreisen.

So könnten sich das also Arri und Red (sowie viele Cine-Optik-Hersteller) gedacht haben, indem sie unter dem Begriff Large Format versuchen, ein neues Großsensor-Format über S35 zu etablieren.

Grundsätzlich hat dieser Zug mit den RED 8K-Modellen und Arris LF-Serie bereits Fahrt aufgenommen, nur starten diesmal die günstigen Verfolger fast zeitgleich in eine ähnliche Richtung. Und nicht erst in 10 Jahren…

Doch was uns dabei überrascht: ARRI verbaut seit 9 Jahren praktisch den gleichen S35-Sensor in seiner Alexa-Serie und schafft es damit immer noch gefühlt 90 Prozent aller hochklassigen Kinoproduktionen an sich zu reißen. Grund dafür ist in unseren Augen die ungeschlagene Dynamik des ALEVIII-Sensors, die wiederum auf die enorm großen Sensel des Sensors zurückzuführen ist.

Nachdem nun die Konkurrenz fast ein Jahrzehnt Zeit hatte, diese Erkenntnis in ihren S35-Kameras umzusetzen ist in dieser Richtung bis heute wenig passiert. Es gibt schlichtweg keinen anderen Cine-Kamerahersteller, der ähnlich große Sensel in einer S35-Kamera anbietet.

Und das führt uns zum Punkt, der uns dieses Jahr am meisten verblüfft hat: Alle Hersteller von FullFrame-Kameras nutzen mindestens 6K-Sensoren als Basis für die Vollformat-Aufnahme. Alle, bis auf ARRI, die auch bei Large Format weiterhin auf größere Sensel über 8µm setzen. Dadurch könnte ARRI Sensoren (bei ansonsten ähnlicher Sensortechnik) wieder eine Blendenstufe mehr erreichen, indem sie nur auf 4,5K statt auf 6K Sensorauslesung setzen.

Damit bleibt Arri mit der hohen Dynamik auch bei Large Format wahrscheinlich die erste Wahl für High Class Cinematografie (und dank 4K-LF jetzt sogar für Netflix akzeptablel), während alle anderen Hersteller mit 6K+ Auflösung irgendwie belächelt werden, wie ein Newcomer der den Markt mit noch mehr Megapixeln aufrollen will.

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Auf der ganzen IBC haben wir niemanden gesehen, der auch nur im Entferntesten darauf wartet, endlich Kinofilme in 6K produzieren zu können. Selbst 4K ist im Cine High End noch nicht durchgehend akzeptiert.

Wir waren auch nicht die einzigen auf der IBC, die sich wunderten, warum alle Kamera-Hersteller bei Large Format lieber auf mehr Auflösung, denn auf mehr Dynamik setzen. Schließlich ist schon 4K in den meisten Test-Sichtungen auf einer großen Leinwand einfach "zu scharf".

Die wahrscheinlichste Erklärung hierfür scheint uns, dass die meisten Hersteller gar keinen Zugang zu einem 4K-FullFrame Sensor haben. Denn den Sensor der Sony A7S I und II gibt Sony angeblich nicht an andere Kamerahersteller bedingungslos heraus.

Und darum sind nun unsere Augen auf Blackmagic gerichtet: Als nahezu einziger Cinekamera-Hersteller, haben die Australier noch keine Large Format Kamera angekündigt. Gleichzeitig haben sie in der Blackmagic URSA Mini durch eine Fairchild-Kooperation einen der besten S35-Cinesensoren im Programm. Sollte Blackmagic diesen Sensor einfach "nur" auf Vollformat-Abmessungen aufblasen und die 4,6K-Auflösung aber beibehalten, könnte dies ein ernstzunehmender LF-CineSensor Konkurrent für Arri werden. Wir trauen Blackmagic diesen Schritt durchaus zu, da dort ein ähnliches Verständnis für die Anforderungen an eine dedizierte Cine-Kamera herrscht. Gleichzeitig könnte man sich von den meisten anderen Konkurrenten im Vollformat-Sektor deutlich differenzieren. Und eine URSA Mini Pro LF mit noch einer Blendenstufe mehr wäre schon eine Ansage...

   

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