Test: Die Panasonic S1H in der Praxis: Autofokus, Ergonomie, Akkuleistung, Lüfter und Fazit - Teil 2

17.10.2019 von Rob



Im zweiten Teil unseres Panasonic S1H Praxistests widmen wir uns unter anderem den Themen Autofokus (und manueller Fokus), Ergonomie, Akkuleistung und natürlich gibt es auch unser Fazit zur Panasonic S1H. Wie gut ist also die Vollformat Panasonic S1H als videoafines 10 Bit Gesamtsystem?

Vorab nochmal unser Video mit Caro bei dem wir uns neben den Hauttönen der S1H und diversen Bildprofilen auch den Autofokus bei unterschiedlichen Sensorreadouts sowie internes 10 Bit 50p anschauen:

Autofokus für Video

Anders als bei anderen Herstellern ist bei der Panasonic S-Serie die Autofokusperformance in höherem Maße von dem jeweiligen Objektiv sowie von der gewählten Sensorauslesung abhängig.

Wir haben uns die Autofokusfunktion sowohl mit der LUMIX S PRO 50mm F1.4 Festbrennweite als auch mit dem Kit-Zoom LUMIX S 24-105 F4 MAKRO OIS mit unterschiedlichen Sensorauslesungen angeschaut und hierbei deutliche Unterschiede festgestellt.

Grundsätzlich gilt: Das LUMIX S 24-105 F4 MAKRO OIS trackt beim kontinuierlichen Autofokus im Videobetrieb Gesichter und andere Motive spürbar zuverlässiger als das LUMIX S PRO 50mm F 1.4. Wer die Panasonic S1H bestmöglich mit Autofokus für Videoanwendungen betreiben möchte, sollte daher das Lumix Zoom und nicht die Festbrennweite im Einsatz haben.

Hinzu kommt, dass das Zoom auch etwas leichter als das 50mm ist - von Vorteil auch bei Gimbal-Shots - siehe hierzu auch unsere Ronin SC-Gimbal-Aufnahmen mit der Panasonic S1 (- alle mit AF-Facetracking On):

Darüber hinaus ist die Autofokusperformance noch von der jeweilig gewählten Sensorauslesung der S1H abhängig. Die zuverlässigste AF-Performance hatten wir bei interner 4K-Aufzeichnung.

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Bei 6K-Aufnahmen kann der S1H Autofokus mit dem 24-105er Zoom zwar ebenfalls auf gutem Niveau - wie in unserem Beispielclip gezeigt - funktionieren aber je nach Motiv und Lichtverhältnissen braucht man gelegentlich ein Paar Versuche mehr, bis die Aufnahme zufriedenstellend funktioniert hat.

Hinzu kommen als weitere Stellschraube beim Autofokussystem der S1H die individuellen AF-Settings. Bei unseren Aufnahmen mit Caro sind wir am besten mit der höchsten AF-Geschwindigkeit (+5) sowie mit maximaler Empfindlichkeit (+3) gefahren.

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Unterm Strich gilt: Für wen eine möglichst zuverlässige AF-Performance bei der Kamerawahl an erster Stelle steht, findet bei Canon und Sony - zumindest derzeit - zuverlässigere AF-Systeme.

Wer hingegen auf der Suche nach hochwertiger manueller Fokussierung (Fokus by Wire) bei AF-Objektiven ist, könnte bei den Lumix S-Objektiven im Verbund mit S1 /S1H fündig werden:

Manueller Fokus

Im Gegensatz zum Autofokussystem arbeitet das manuelle Fokus-by-Wire System der Panasonic S1H (und der S1) im Verbund mit dem 24-105mm Zoom auf erstaunlich hohem Niveau. Hierzu trägt einerseits der frei wählbare Drehwinkel des Fokusringes bei (es lassen sich Winkel zwischen 90 und 360 Grad wählen) und andererseits lässt sich die Fokusübersetzung von Nicht-Linear auf Linear schalten. Damit entfallen ungewollte „Fokus-Ramps“.

Hohe Präzision im manuellen Fokus-by-Wire Betrieb
Hohe Präzision im manuellen Fokus-by-Wire Betrieb

Die beste Einstellung für das manuelle Fokussieren mit dem Lumix 24-105 F4 haben wir - zumindest für unser Handgefühl - mit „Linear“ bei „300° Drehwinkel“ gefunden. Im Hinterkopf sollte man beim 24-105mm behalten, dass man wegen der fehlenden „Fokus Clutch“ im Gegensatz zum 50mm Lumix auf manuelle Anschläge verzichten muss. Das 24-105er Kit-Zoom bietet darüber hinaus bemerkenswert geringes Fokus-Breathing über alle Brennweitenbereiche.

Panasonic S1H, V-Log
Panasonic S1H, V-Log

All diejenigen, deren Bewegtbildpraxis schnelle Wechsel zwischen Autofokus und manuellem Fokus benötigt, sollten sich die LUMIX AF-Optiken im Verbund mit dem Panasonic S-System genauer anschauen: Zusammen mit dem hochwertigen Sucher der S1/S1H das erste Fokus-by-Wire System, das uns im manuellen Betrieb Spaß gemacht hat.

Wo Panasonic hingegen noch bei der S1H (und der S1) nacharbeiten sollte, ist die (leider immer noch nicht) verfügbare Fokusvergrösserung während der Videoaufnahme.

Ergonomie, Display, Lüfter etc.

In Sachen Ergonomie und Gehäuse-Funktionen bringt die Panasonic S1H im Gegensatz zur S1 eine ganze Reihe an videoafinen Änderungen mit. Wichtigster Unterschied dürfte das nach links ausklappbare und zugleich vom Gehäuse weg nach hinten schwenkbare, rückseitige Display sein.

Panasonic S1H
Panasonic S1H

Vor allem wer zusätzliches Equipment an der Panasonic S1H wie Kopfhörer via Miniklinke, externe Recorder/Monitore via HDMI-Out etc. betreibt und zeitgleich den rückseitigen Monitor nach links ausgeklappt nutzen möchte, wird sich über die Schwenkfunktion vom Gehäuse weg freuen. Hier hat Panasonic wirklich mitgedacht: Coole Funktion.

Im Hinterkopf sollte man hierbei jedoch behalten, dass bei der internen 6K Aufnahme kein Monitorsignal via HDMI zur Verfügung steht. Wer externes Monitor benötigt sollte intern auf 4K wandeln und in 4K aufnehmen - hier stehen dann sowohl in 25, 30 also auch 60p entsprechende externe HDMI-Signale in max. 4K 10 Bit zur Verfügung.

Ebenfalls hochwillkommen (weil bei der S1 leider nicht an Bord) ist der Waveform-Monitor der S1H. Dieser lässt sich bei der S1H via Dreh am Daumenrad über die gesamte Displaybreite vergrößern (aber nicht über die gesamte Displayhöhe) und stellt die damit bislang beste Waveform Implementierung bei Panasonic dar. Zwar sehen wir hier immer noch etwas Luft für Verbesserungen aber schön zu sehen, dass ein besser beurteilbarer Waveform-Monitor jetzt mit an Bord ist.

Gleich hinter dem Monitor-Schwenkmechanismus befindet sich das erweiterte Lüftergehäuse für den Lüfter der S1H. Dank Lüftereinheit wächst das Gehäuse der Panasonic S1H nochmals in der Tiefe: Interne 6K 10 Bit und unbegrenzte 4K 50p 10 Bit Aufnahme fordern hier klar ihren Tribut.

Wir haben als Lüfter-Stresstest mit der Panasonic S1H etwas über 1 Stunde Cine 4K 60p in 10 Bit intern aufgenommen. Während der gesamten Zeit lief der Lüfter im ultraleisen Betrieb ohne zwischenzeitliches Hochdrehen. Neben dem Non-Stop 10 Bit 50/60p Betrieb eignet sich die S1H damit auch mit einem aufgestecktem Richtmikro am Gehäuse/Cage für leisere Umgebungen.

In Sachen Kameragewicht dürfte jedem beim ersten In-die-Hand-nehmen schnell klar werden: Mit der S1H hält man kein filigranes Leichtgewicht in der Hand. Wer wie wir große Hände hat und ein sattes In-der-Hand liegen von Kameras schätzt, wird mit der Panasonic S1H gut klar kommen. Wer hingegen eher kleine Hände hat und auf der Suche nach möglichst geringem Gewicht für hochmobile DSLM-Einsätze ist, dürfte woanders glücklicher werden.

Ebenfalls neu hinzugekommen an der Panasonic S1H sind Tally-Lights vorne und hinten am Kameragehäuse mit den entsprechenden Vorteilen für Multi-Kamera-Setups, Aufnahmen im Team, Interviews/Stand-Ups etc.

Auch beim Statusdisplay auf der Kameraoberseite stellt die S1H deutlich mehr videorelevante Infos zur Verfügung als das S1 Pendant - zumal hier zusätzlich ein zweiter Videostatus-Screen aufgerufen werden kann. Zu den erweiterten Video-Infos der S1H zählen auf dem Default Status-Screen: Bildrate, Aufnahmemodus, Verschlußwinkel (wenn Winkel statt Verschlußzeit gewählt wurde), Bildstil, Sensorausleseformat (Full, S35, Pixel-Pixel), Aufnahmeformat inkl. Auflösung, Chromasampling und Bittiefe.

Auf dem erweiterten Videostatus-Screen, der sich mit der oberen Funktionstaste aufrufen lässt, finden sich dann zusätzlich noch: eine framegenaue, große Timecode-Anzeige, Audio-Levels für beide Kanäle als Balkengrafik, aktive Mikro-Infos, verbleibende Restzeiten auf den beiden Karten und natürlich der Akkustand.

Hinzu kommen die von der S1 bereits bekannten Status-Infos wie: Weißabgleich, ISO, Blende und Belichtungs-Infos.

Auf der linken Kameravorderseite ist bei der S1H ein zusätzlicher Aufnahmebutton hinzugekommen, der bei der S1 den Funktions-Schalter ersetzt (auf dem default-mässig bei der S1 die Stummschaltung der Kamera liegt). Hier sind wir tatsächlich etwas hin und hergerissen. Wir sind große Fans von nach außen geführten Funktionen und wenn ein Schalter, der sich zweifach frei belegen lässt, verschwindet ist das erstmal keine gute Nachricht. Andererseits macht der Rec-Button an der Vorderseite ergonomisch vor allem bei handgehalterner Kamera durchaus Sinn. Am liebsten hätten wir hier eine duale Lösung gesehen, die Rec Button und FN-Lever nebeneinander erlaubt.

Ebenfalls neu entworfen hat Panasonic den On/Off Schalter der S1H der sich jetzt (Nikon-ähnlich) beim Zeigefinger Auslöse-Button befindet. Damit lässt sich die Kamera schneller betriebsbereit schalten und ist dafür nicht mehr ganz so sicher gegen versehentliches Einschalten wie die S1 geschützt: Ein Kompromiss mit dem sich gut eben lässt.

Und schließlich lässt sich an der Blitz Syncro Buchse auf der Vorderseite der S1H jetzt auch ein Timecode Signal für externe Geräte generieren sowie für die S1H selbst annehmen (TC IN und TC OUT). Für die Synchronisierung wird ein der S1H beiliegendes BNC Konvertierungskabel genutzt.

Es stehen REC RUN und FREE RUN Modi zur Verfügung. Wichtig zu wissen: Im Slave-Modus arbeitet die S1H auch weiter, wenn die Kabel-Verbindung unterbrochen wurde. Will man diesen auflösen, müssen andere TC Formate oder Systemfrequenzen gewählt werden (oder man kann die Kamera auch einfach ausschalten).

Akkuleistung

Die Akkuleistung der S1H zählt klar zu den Stärken der Panasonic S1H. Trotz des integrierten Lüfters hält sie selbst bei interner 6K 10 Bit Aufnahme bemerkenswert lange durch.

Verantwortlich hierfür dürfte der kraftstrotzende 7,4V Akku (BLJ31) sein, der mit einer Kapazität von 3050 mAh / 23 Wh deutlich über den Kapazitäten der gesamten uns bekannten Vollformat DSLM-Konkurrenz liegt.

Im Nonstop 6K 10 Bit 24p Betrieb inkl. eingeblendetem Waveform-Monitor haben wir nach über 1 Stunde (64 Minuten) noch 51% Batterieladung notiert.

Audio

Ton lässt sich mit der Panasonic S1H auf drei Arten aufnehmen: Via intern verbautem Stereo-Mikrofon, (dass wir bei kurzen Tests bei Sprachaufnahmen überraschend hochwertig empfanden), via Stereo-Miniklinke an der Seite oder via Hot-Shoe XLR-Adapter (DMW-XLR1), der sich ebenso an der GH5/GH5S nutzen lässt.

Zusammen mit dem XLR-Adapter lässt sich 2-Kanal Audio bis max. 96 kHz/24Bit aufzeichnen. Ohne XLR-Adapter wird LPCM Audio mit max 48 kHz/16 Bit aufgenommen.

Nettes Detail am Rande: Im Audio-Menü der S1H ist jetzt sinnvoller Weise auch die Kopfhörerlautstärke angekommen. Bei der S1 musste man hierfür noch ins Einstellungen Menü tauchen.

Fazit

Die Panasonic S1H stellt die derzeit kompletteste Vollformat DSLM für die Videoproduktion am Markt dar. Neben den offensichtlichen „Schwergewichts-“ Tech-Specs wie interne 6K 10 Bit-, unbegrenzte 4K 10 Bit 50p LOG-Aufnahme, ihrem vergleichsweise hohen Dynamikumfang und der kommenden ProRes RAW Unterstützung sind es die vielen kleine Details, die der S1H – zumindest derzeit - den Referenz-Status im Vollformat DSLM-Segment sichern.

Hierzu gehören: TC-In/Out, Waveform-Monitor, Dual Cardslot, XLR-Fähigkeit (via Adapter), Tally-Lichter, vorbildliche Video Status-Infos, clevere Schwenk- und Neigemechanik für den Monitor für optimales Kabelhandling, ordentliche Akkulaufzeit trotz Lüfter, sehr gutes manuelles Fokus-by-Wire System, Low-Pass Filter etc.

Verbesserungspotential sehen wir vor allem noch bei der Zuverlässigkeit des Autofokussystems (und auch eine Live-View-Vergrösserung während der Videoaufnahme wäre wünschenswert).

Die Referenz-Ausstattung der Panasonic S1H hat mit einer UVP. von 3.999,- Euro auch ihren entsprechenden Preis (der professionelle Anwender kaum beeindrucken dürfte).

Wer hingegen die Zusatzfunktionen der S1H nicht benötigt, findet mit der Panasonic S1 eine ebenfalls bei der Videoqualität auf Referenzniveau agierende Vollformat DSLM für deutlich weniger Geld.

   

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