Ratgeber: RAW Format Vergleich - Ein tabellarischer Funktions-Überblick

11.02.2020 von Rudi Schmidts



Unser letzter Artikel über die ProRES RAW Aufzeichnung mit einer Nikon Z6/7-Kamera führte uns fast automatisch zu einer weiteren Betrachtung aktueller RAW-Formate. Denn die Frage, was denn nun wirklich eine RAW-Aufzeichnung ausmacht ist gar nicht so selbstverständlich zu beantworten. So drehten sich bereits im letzten Jahrzehnt zahllose Diskussionen in unserem Forum immer wieder um eine passende Definition. Da jedoch letztlich kein Hersteller wirklich reine Sensor-Messwerte in unmodifizierter Form aufzeichnet bzw. herausgibt bleibt die Grenze zu einem komprimierenden Codec fließend.

Wie und wo RAW-Formate vergleichen?

Beim Herumspielen in Assimilate Scratch kam uns jedoch ein neuer Ansatz zur Abgrenzung in Sinn. Und zwar ein tabellarischer Vergleich der verschiedenen RAW-Formate. Dabei geht es uns nicht in erster Linie um Datenraten und Kompressions-Verhältnisse, sondern um relevante Parameter, die sich in der RAW-Entwicklung beeinflussen lassen.

Im Gegensatz zu Blackmagics Davinci Resolve -das wohl aus strategischen Gründen bis auf weiteres kein ProRES RAW unterstützen wird- verfolgt Assimilate Scratch keine eigenen Codec-Interessen. Scratch ist daher wirklich zu allen Seiten offen und kann neben ProRES RAW gleichzeitig Blackmagic RAW verarbeiten. Sogar exotische Formate wie Kinefinity RAW können hier ohne weitere Wandlung genutzt werden. Zudem unterstützte das Programm bislang immer bereits relativ früh neue RAW-Formate. Wie weit die Unterstützung dabei geht, hängt jedoch in erster Linie von den SDKs ab, welche die "RAW-Hersteller" den Entwicklern zur Verfügung stellen. Und genau diese Unterstützung wollen wir in diesem Artikel einmal vergleichend nebeneinander stellen.

Bestes RAW?

Wir sehen dabei -vielleicht überraschenderweise- nicht ARRI sondern RED als Referenz für eine umfassende RAW-Implementation. So erstrecken sich die Einstellmöglichkeiten in Scratch über vier Tabs:

RED RAW in Assimilate Scratch
RED RAW in Assimilate Scratch

Diese Parameter decken fast alle relevanten Bereiche ab, liefern jedoch auch einige Optionen, die man üblicherweise erst nach der Entwicklung im Grading erwartet. Da sich diese Parameter dann nicht in der Bedienlogik des Gradungs-Programms befinden (und sich somit anschließend auch an verschiedenen Orten einstellen lassen), verursacht diese "Üppigkeit" vielleicht bei manchen Anwendern mehr Verwirrung im Workflow als pragmatischen Nutzen. Aber das ist letztlich auch nur eine Geschmackssache.

Bei Herstellern wie Canon oder Blackmagic reicht dagegen ein Reiter für alle Optionen aus:

Canon RAW in Assimilate Scratch
Canon RAW in Assimilate Scratch

Blackmagic RAW in Assimilate Scratch
Blackmagic RAW in Assimilate Scratch

Und als Nachtrag zu unserem Nikon RAW Test sei auch noch Apples ProRES RAW exemplarisch gezeigt:

Apple ProRES RAW in Assimilate Scratch
Apple ProRES RAW in Assimilate Scratch

Wie bereits von uns kritisiert, sieht man hier deutlich, dass ProRES RAW von allen gängigen RAW Formaten die wenigsten, bzw. faktisch gar keine speziellen Preprocessing-Optionen anbietet. Doch gerade derartige Einstellungsmöglichkeiten am Clip vor dem Einsatz im Projekt unterscheidet RAW von anderen Formaten.

Zur besseren Übersicht haben wir einmal die gängigsten RAW-Formate in eine Tabelle mit den entsprechenden Funktionen gepackt.

Assimilate Scratch: RAW Formate und deren Funktionen im Überblick

FunktionenARRIBlackmagicCanonCDNGKinefinityProRES RAWRED
Color Space
Gamma
WB-Korrektur
RGB-Gain
Black/White-Points
Exposure/ISO
Saturation/Contrast
Schärfe
Denoising
Decoding-Settings
Highlight Recovery

RAW Formate / Funktionen in Assimilate Scratch

Auch hier sieht man noch einmal deutlich, dass RED RAW den umfassendsten Funktionsumfang bei der RAW-Entwicklung bietet. Bis auf die automatische Highlight Recovery lässt sich hier kaum etwas vermissen.

Letztere bieten aktuell nur Blackmagic RAW und CDNG, bei denen wir hingegen Eingriffe in die Schärfe und das Rauschverhalten beim Debayering vermissen.

Die Einstellmöglichkeit für spezielle Decoding Settings, also die Reduktion auf geringere Auflösung oder die feste Einstellung, ob die GPU oder die CPU das Decoding übernehmen soll, ist höchstens auf Laptops oder sehr unterdimensionierten Systemen von Relevanz. Als "Nice-to-Have"-Funktion für zukünftige 8K/120p Projekte jedoch vielleicht auch nicht verkehrt...

[UPDATE:]

Wir wollen an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass es sich bei der tabellarischen Betrachtung ausschließlich um die möglichen RAW-Parameter in Assimilate Scratch handelt. Unter Resolve oder anderen Programmen stehen neben einer anderen Codec Auswahl auch teilweise andere Funktionen zur Verfügung.

   

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