Test: Canon EOS-1D X Mark III - Beste 4K EOS ohne Cinema Logo

03.03.2020 von Rudi Schmidts



Canons dritte Version seines Flaggschiffs-Modells für Fotografen, die EOS-1D X Mark III klingt auch für Filmer ungewöhnlich spannend. Ein nativ auslesbarer 5,5K FullFrame Sensor mit RAW-Aufzeichnung sowie 4K-Oversampling Recording der vollen Sensorfläche mit bis zu 60p in 10 Bit 4:2:2 lassen aufhorchen. Zumal in einigen Modi sogar noch Dual Pixel Autofokus sowie eine digitale Stabilisierung möglich sind. Natürlich sind die dafür ausgerufenen 7.300 Euro nun auch kein Pappenstiel, aber gemessen an den gebotenen Film-Optionen konkurriert Canon hier mit ausgewachsenen Cine-Kameras in weitaus höheren Preisklassen.

Die Canon EOS-1D X Mark III
Die Canon EOS-1D X Mark III

Wie immer nähern wir uns der Kamera ein erstes Mal mit einer Analyse der internen Signalverarbeitung. Und bereits hier gibt es einiges zu bestaunen, was wir von einer Canon Kamera ohne CINEMA EOS Logo eigentlich nicht erwartet hätten.

RAW 5,5K 24-60fps

Hier einmal als erstes das interne 5,5K-RAW-Signal in der Nachbearbeitung auf 4K skaliert und ausgegeben:

§ISO340_5,5KRAW_4KDS§:EOS-1D X Mark III Readout 5,5K RAW 24-60fps->Timeline 4K

Aufgrund der hohen RAW Auflösung sieht das Debayering in einer 4K-Timeline perfekt aus. Im Bild fallen keinerlei Falschmuster oder Zipper auf. Bemerkenswert ist auch, dass die Kamera diesen vollen 5,5K-Sensor-Readout sogar mit bis zu 60 fps ohne Qualitätsverlust anbieten kann.

HEVC 4K 24-60fps

Bei einer internen Skalierung und Aufzeichnung in 4K sieht unser Testbild keineswegs schlechter aus:

EOS-1D X Mark III Readout 5,5K, Record 4K HEVC 24-60fps
EOS-1D X Mark III Readout 5,5K, Record 4K HEVC 24-60fps

Auch in 4K (mit 10 Bit 4:2:2 HEVC) stellt die Kamera somit unsere Testmuster mit 24-60 fps tadellos dar. Zur Aufzeichnung kann wie in RAW die gesamte Sensorfläche genutzt werden.

Cropped 4K 24-60fps

Als weiteren Modus bietet die EOS-1D X Mark III die Möglichkeit einen 4K Sensor Crop-Readout aufzuzeichnen:

!

EOS-1D X Mark III Readout 1:1 4K DCI, Record 4K HEVC 24-60fps

Bei einem horizontalen Cropfaktor von 1,33 treten hierbei dann aber die typischen Artefakte eines 1:1-Sensorreadouts zu Tage, weshalb dieser Modus in unseren Augen wenig Vorteile gegenüber einem vollen Sensor Readout besitzt. So werden hier Aliasing-Ringe in den Kreisen sowie Chromaschlieren und Zipper-Artefakte in den Sweeps sichtbar.

Stabilizer 4K 24-60fps

Deutlich besser lässt sich ein möglicher Crop in der Kamera dagegen für den digitalen Stabilizer nutzen. Da die Canon keinen beweglichen Sensor besitzt dürfte dieses Feature viele Filmer besonders interessieren. Die EOS-1D X Mark III bietet hierfür zwei Digital IS Modi: "Aktiv" und "Erweitert". Im aktivierten (Standard-)Modus nutzt der digitale Stabilisator ca. 90 Prozent der Sensorfläche. Im erweiterten Modus sind es dagegen nur noch 70 Prozent des vollen Sensors. Dies hinterlässt natürlich auch Spuren in der Debayering-Qualität.

Der einfache "90 Prozent-Modus" beeinträchtigt die 4K-Bildqualität dabei dank 5,5K Senselüberschuss fast gar nicht:

EOS-1D X Mark III 4K Digital IS Stabilizer "Aktiv".
EOS-1D X Mark III 4K Digital IS Stabilizer "Aktiv".

Anders sieht es allerdings bei der Einstellung "Erweitert" aus:

EOS-1D X Mark III 4K Digital IS Stabilizer "Erweitert".
EOS-1D X Mark III 4K Digital IS Stabilizer "Erweitert".

Hier zeigen sich deutliche Artefakte aufgrund zu geringer Senselzahl. Diese fallen trotz einem ähnlichen Crop-Faktor sogar noch deutlicher aus als beim bereits betrachteten reinen "gecroppten" 1:1 4K-Sensor-Readout.

FullHD 25-100fps

Während uns das Debayering in 4K mehr als positiv überraschte, zeigte sich die EOS-1D X Mark III in FullHD nicht von der besten Seite. Zwar lässt sich die volle Sensorfläche für die FullHD aufzeichung nutzen und die Debayering-Qualität bleibt auch durchgehend von 25-100fps konstant. Allerdings ist sie nicht so tadellos, wie in den 5,5K und 4K-Modi der Kamera:

!

Ganz offensichtlich werden hier Zeilen ausgelassen, bzw zusammengefasst. Daher spricht außer den hohen Frameraten auf den ersten Blick wenig für den FullHD-Modus. Doch dies ändert sich vielleicht für manchen Benutzer beim Blick auf den...

Rolling Shutter

Zuerst dachten wir, man könnte diesen Absatz mit drei Sätzen abhaken, jedoch muss man überraschenderweise bei der Canon EOS-1D X Mark III doch etwas genauer hinsehen. Zuerst erstaunte uns das Ergebnis von 16ms für den kompletten 5,5K Sensorreadout. Das ist sehr guter Wert für einen Kleinbild-Vollformat-Fotoapparat. Allerdings ist dieser Wert auch notwendig, um den Sensor 60 mal in der Sekunde voll auslesen zu können. (16ms x 60 = 960ms).

Doch leider ist dieser Wert nicht fest, sondern ist nur so gering, solange der Sensor in 4K oder 5,5K mit 50 oder 60 fps arbeitet. Setzt man die Kamera dagegen in einen Modus mit 24, 25 oder 30 fps, so gönnt sich der Sensor sehr mäßige 32ms für einen kompletten Readout. Das ist unverständlich, zumal viele interessante Video-Funktionen der Canon EOS-1D X Mark III nur mit 24-30fps funktionieren (u.a. der Dual-Pixel Autofokus).

Eine thermischer Grund hierfür scheint unwahrscheinlich, da der Sensor ja auch mit 60 fps keine Zeilen oder Spalten auslässt und exakt das gleiche Debayering erzeugt wie mit 24-30fps.

Im 4K-Crop 1:1 Sensor Readout besitzt die Kamera dagegen über alle Frameraten hinweg einen 15ms Readout und sie kann in diesem Modus auch mit 50 fps den Autofokus nutzen. Dass hierdie Verarbeitung hinter dem Sensor-Readout einen langsameren 4K-Readout benötigt ist somit auch unwahrscheinlich.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass man in FullHD ein ähnliches Verhalten feststellen kann: So beträgt dort der volle Sensor Readout 11 ms zwischen 24 und 60 fps. Muss die Kamera jedoch 100fps oder mehr liefern, kann der Sensor plötzlich auch mit 7 ms ausgelesen werden und zwar ohne dass sich Bildausschnitt oder Debayering Qualität sichtbar verändern.

Fazit Signalverarbeitung Video

Mit der EOS-1D X Mark III zeigt Canon der Konkurrenz (und vor allem Panasonics S1H), dass man nicht nur theoretisch in der Lage ist einen Fotoapparat mit zeitgemäßer Videoqualität auszuliefern. Die Bildqualität von 5,5K RAW mit bis zu 60fps ist ebenso tadellos wie das in der Kamera herunterskalierte 4K HEVC in 10 Bit 4:2:2 Signal. Dass der Rolling Shutter bei den wichtigsten Frameraten für den szenischen Einsatz (24-30fps) mit bescheidenen 32 ms arbeitet ist unverständlich. Will man dies umgehen indem man mit 50fps dreht muss man dagegen auf den sehr guten DualPixel-Autofokus verzichten.

Soviel zur "nackten" Bildqualität, weitere Artikel zur EOS-1D X Mark III folgen in kürze.

   

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