Test: Gigabyte AERO 17 HDR - Flaches 17-Zoll Notebook mit 4K-HDR-Display

30.04.2020 von Rudi Schmidts



Das 17,3 Zoll große AERO 17 ist Teil von Gigabytes Laptop-Oberklasse, die nicht nur Gamer sondern zugleich auch professionelle Multimedia Anwender ansprechen soll. Während andere Hersteller hierfür oft zwei verschiedene, bauähnliche Serien auflegen (und die Modelle für "seriöse" Anwender dabei meistens teurer anbieten) versucht Gigabyte hier alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Kann das gutgehen?

Stabil und kompakt

Erst einmal fällt auf, dass das Gerät für einen 17 Zoll Gerät mit viel Leistung unter Haube dennoch ziemlich flach geraten ist. Das Gehäuse wirkt zudem deutlich steifer und wertiger, als das bei uns zuletzt betrachtete HP Pavilion Gaming 17.

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Das dürfte am eingesetzten Aluminium als Gehäusematerial liegen. Trotz des massiven Eindrucks bleibt das Gerät für einen 17 Zöller eher leicht (variierend nach Ausstattungsvariante um die 2,5 kg). Das Gewicht relativiert sich in dieser Geräteklasse jedoch spätestens mit dem Netzteil (ca. 0,8 kg), was auch auch hier das Gesamttransportgewicht deutlich über 3 kg treibt. Ein Gewicht das kaum ein Hersteller mit soliden und gut ausgestatteten 17 Zoll-Modellen signifikant unterbieten kann.

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Anschlüsse

Die Anschlussvielfalt ist für ein Intel Modell typisch, gespart wurde hier nicht. So findet man 3 x USB 3.2-A (Gen1), eine Thunderbolt 3 / USB-C Combobuchse, 1x HDMI, 1x MiniDisplayport, 1 x Ethernet , 1 x Kopfhörer, 1x Mikrofon sowie einen UHS-II SD-Card Reader, der jedoch keinen internen Federmechanismus besitzt (was sich bei häufiger Nutzung immer etwas unprofessionell anfühlt). Weil die notwendigen Lüftungsschlitze an der hinteren Hälfte des Bodenelements platziert sind, sitzen alle Buchsen relativ weit vorne und das sagt nicht jedem Nutzer zu. Auf jeden Fall stößt man so leicht ungewollt mit einer externen Maus an herausstehende Kabel oder den Resolve Key an den Ports.

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Helles 4K HDR-Display

Die hier getestete AERO 17 HDR-Variante sticht durch sein besonderes 17.3 Zoll Thin Bezel IPS UHD 4K HDR Display hervor. Dieses ist nach HDR 400 Norm spezifiziert, was bekanntermaßen zwar noch unterste HDR-Klasse ist, jedoch für einen Laptop dennoch ein fantastisches Display darstellt. Es kommt mit X-Rite Pantone Zertifikat und wird individuell vor der Auslieferung kalibriert. Im Handel gibt es übrigens noch ein ähnliches AERO 17 Modell mit 144 Hz FullHD Gaming Display im gleichen Gehäuse, das wir jedoch nicht zum Test hatten. Zum Display selbst können wird nur sagen: Wow. So stimmige Farben bei zugleich kräftiger Helligkeit haben wir persönlich noch an keinem 17-Zoll Laptop erlebt. Wer unterwegs an farb-kritischen Projekten arbeiten will oder muss, könnte das Gigabyte AERO 17 HDR schnell ins Herz schließen.

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Intel / Nvidia Optionen - kein AMD

Die übrigen Hardwarekomponenten lassen sich im aktuell üblichen Rahmen konfigurieren: Bei der CPU die neuesten Intel-Modelle - bei der GPU die aktuelle Nvidia Auswahl. AMD bleibt in beiden Kategorien außen vor. Das AERO Design ist jedoch auch schon etwas älter und es ist zu erwarten, dass AMD in diesem Jahr ebenfalls noch in sehr interessanten Geräten zu sehen sein wird.

Ganz konkret gibt es bei Gigabyte in den 2020er AERO-Modellen zwei 8-Kerner und einen 6-Kerner von Intels 10.Generation zur Auswahl: Core i9-10980HK (2.4GHz~5.3GHz), Core i7-10875H (2.3GHz~5.1GHz) und den Core i7-10750H (2.6GHz~5.0GHz)

Bei den GPUs findet man alle aktuellen mobilen Nvidia Modelle von der GTX 1660 Ti bis zur RTX 2080 SUPER Max-Q.

Unser Testmodell war dabei mit dem Core i7-10875H und der neuen mobilen RTX 2070 Super ausgestattet. Letztere wildert in vielen Benchmarks schon in Gefilden der ersten mobilen RTX 2080, deren TU104-Chip die neue RTX2070 nun mit leicht reduzierten Features ebenfalls nutzen darf.

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Akku und Netzteil

Bemerkenswert ist der recht üppige 94.24Wh-Akku, der tatsächlich (im Stromsparmodus) den Laptop bei hellem Display und leichter Video- und Audiobearbeitung bis zu 5 Stunden ohne Netzteil im Betrieb aushalten kann. Wer jedoch die volle Performance aus den potenten Komponenten ziehen will, muss den Rechner am 230Watt Netzteil betreiben.

Das Netzteil hat einen hierfür eigenen Anschluss - laden über USB-C gelang uns nebenbei erwähnt nicht. Da jedoch schon mit dem 230Watt Modell eine volle Ladung rund 2 Stunden dauerte, würde das Laden über ein üblicherweise deutlich kleiner dimensioniertes USB-C-Netzteil wohl mindestens 4 Stunden dauern.

Tastatur und Mousepad

Die erste Inbetriebnahme des Laptops überrascht (zumindest Nicht-Gamer wie uns). Denn nach dem Aufklappen des Displays wird man erst einmal von einer bunt im RGB-Farbkreis rotierenden Tastaturbeleuchtung begrüßt. Um dieses psychedelische Verhalten abzustellen muss man erst einmal in die Gigabyte eigenen Systemeinstellungen namens Control Center und dort der Tastatur das bunte Gehabe abgewöhnen.

Die beleuchtete Tasten zeigen dabei ein Problem: Die aufgedruckten Sonderzeichen werden nicht mitbeleuchtet. Auf der Suche nach Klammern, Doppelpunkt oder Anführungszeichen tappt (bzw. tippt) man deswegen trotz Beleuchtung im Dunkeln.

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Für unseren Geschmack fühlt sich die Tastatur etwas zu undefiniert an. Wir persönlich bevorzugen einen deutlichen Druckpunkt (den man bei sehr flachen Laptops jedoch eher selten vorfindet). Schlecht ist das Tastaturverhalten deswegen jedoch nicht, es entspricht nur eben nicht ganz unserem Geschmack.

Auch das Mauspad trifft unseren Geschmack nicht ganz. Wir bevorzugen deutlich getrennte, abgesetzte Maustasten und eine größere Fläche. Aber in der Praxis setzen wir sowieso auf eine externe Maus für eine ergonomische Bedienung.

Performance

Dank acht schnellen CPU-Kernen (+ Hyperthreading) und der schnellen GPU lag die Performance des Notebooks wie zu erwarten auf sehr hohem Niveau und eignet sich definitiv für typische Schnitt-Aufgaben bis 4K-Auflösung. Dies kann mittlerweile sogar richtig bequem funktionieren, da Programme wie Resolve oder Premiere Pro mittlerweile auch die Nutzung eines Vorschaumonitors an einem externen HDMI- oder Displayport-Anschluss ermöglichen.

Wie bereits erwähnt und bei praktisch allen Geräten mit besserer GPU entfaltet der Laptop seine volle Leistung nur mit angeschlossenem Netzteil. Uns fiel dabei jedoch positiv auf, dass das AERO im Vergleich zu anderen Laptops ohne Netzteil nicht so stark in der Leistung einbrach und man z.B. in Resolve immer noch ca. 70 Prozent der Leistung ohne Netzteil abrufen konnte.

Wir hatten für diesen Test die aktuellen Nvidia Studio Treiber (442.92) installiert. Diese unterstützen explizit DaVinci Resolve und versprechen garantierte Stabilität gegenüber Game-Treibern (die sehr häufig aktualisiert werden und ihren qualitativen Fokus auf die Unterstützung von Spiele-Neuerscheinungen richten).

Resolve 4K Laptop

ModellMax Num Curved Nodes Full 24p PlaybackMotion Blur,Better,Large,30.0Spatial NR,small,50,50Spatial NR,small,100,100Temp NR 1 Faster Small 50 50 50Temp NR 2 better large 50 50 50Resolve Version

MacBook Pro 2018

197154125,515.2

MSI P65 GTX 1070Q

381924+7,524+1515.2

HP Pavilion 17 mit GTX 1660 Ti

4219,524+8,524+14,516.1B2

MSI P65 S9F RTX 2070 Max-Q

50+24+24+18,524+24+16B4

Gigabyte AERO 17 HDR RTX 2070 Super

50+24+24+12,524+2016.2


Alle Werte stellen die Wiedergabe in fps dar,bis auf "Max Num Curved Nodes" (=Anzahl der maximalen Nodes bei ruckelfreier 24p-Wiedergabe).

Interessant: Auch unter 30 Minuten GPU-Dauerlast war die einmal gezeigte Leistung nicht in die Knie zu bekommen. Dafür röhrten hier die Lüfter schnell auf Höchststufe. Doch selbst diesen Geräuschpegel fanden wir für einen Laptop noch angemessen. Dafür kam der Laptop in der Leistung nicht ganz an das von uns getestete MSI P65 CREATOR 9SF heran, das eine vergleichbare RTX 2070 Max-Q verbaut hat. Sucht man einen Vergleich im Apple-Universum, so liegt das AERO 17 dank seiner starken GPU weit vor jedem erhältlichen MacBook Pro.

Fazit

Das Gigabyte AERO 17 HDR glänzt im wahrsten Sinne des Wortes mit seinem fantastischen Display. Hell und mit subjektiv perfekten Farben dürfte es selbst Color Grader überreden können unterwegs ohne kalibrierten Monitor ein paar Vorarbeiten an wichtigen Projekten zu wagen. Ähnliche Laptop-Performance kann man zwar auch etwas günstiger bekommen, aber das relativ dünne und zugleich recht stabile Gehäuse dürfte vielen Anwender gefallen, die ihren Rechner unterwegs nicht immer wie ein rohes Ei behandeln wollen. Dass dieses Modell zugleich auch Gamer ansprechen will, merkt man vor allem an der RGB-Lichtorgel hinter der Tastatur, die sich glücklicherweise zähmen lässt. So kann man sich mit einem AERO dann sogar bei hochkarätigen Kunden ohne Naserümpfen blicken lassen.

   

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