Test: AJA HELO: Professionelles SDI und HDMI Live-Streaming inkl. Remote Webinterface

16.06.2020 von Rob



Mit der HELO bietet AJA eine professionelle Streambox im 1.000,- Euro Segment die mit einem umfassenden Funktionsumfang punkten kann: SDI und HDMI In/Outs, Backup Recording im Netzwerk oder auf SD Card, Remote Administration via Webinterface, Scheduler, individuelle Streaming-Profile uvm. Hier unser Test mit der HELO von AJA inkl. Sechs-Schritt-Schnellanleitung zum YouTube-Streamen:

 HELO von AJA
HELO von AJA

Hardware

AJA hat die HELO Streambox angenehm kompakt entworfen. Mit Maßen von ca. 1,8x12x26 cm bei gerade mal 400g lässt sich die HELO auch für mobile Setups einsetzen. Hautmerkmal der HELO stellen für uns die SDI In/Outs dar. Damit eignet sich die HELO - auch im Vergleich zu anderen Lösungen in diesem Preissegment - für die Integration in professionelle, auf SDI ausgelegte Videoumgebungen.

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An Inputs bietet die HELO 1x 3G-SDI (10-bit Single Link 4:2:2, 4:4:4), 1x HDMI (Standard Type A, HDMI v1.4a) mit dazugehörigen 2-Kanal 24 Bit embedded Audio sowie zusätzlichem analogem Audio-In via 3,5mm Klinke. An Outputs stehen 1x3G-SDI, 1x HDMI (inkl. embedded Audio) sowie ebenfalls analogoes Audio-Out via 3,5mm Klinke zur Verfügung.

Hinzu kommen noch ein 1000er Ethernet sowie ein integrierter SD-Card Slot und zwei USB-Anschlüsse: 1x USB 2.0 für externe Speicheroptionen (inkl. Thumbdrive) und einen Mini-USB Port für optionale Firmware und Config Zugriffe die sich jedoch komplett auch über das Webinterface der HELO bewerkstelligen lassen (hierzu später mehr).

Das Gehäuse besteht aus Metal und hinterlässt einen angenehm soliden Eindruck. Die Stromversorgung erfolgt via gesichertem 2-Pin Stecker (ähnlich Hirose). Auf der Vorderseite der HELO befinden sich noch zwei Push-Buttons, mit denen sich auch extern das Streaming sowie Recordings starten lassen.

Setup

Die AJA HELO lässt sich sowohl lokal via USB als auch remote via Ethernet und dazugehörigem Webinterface konfigurieren. Wir zeigen hier die „Remote-Variante“ via Ethernet.

Da die HELO über keinen On/Off Button verfügt, ist sie quasi startklar, sobald sie an das Stromnetz angeschlossen ist. (Tatsächlich kann man die HELO auch so konfigurieren, dass sie beim Start sofort losstreamt und/oder aufzeichnet.)

Defaultmässig startet die HELO mit dynamischer IP-Vergabe via DHCP. Um das Konfigurationsmenü der HELO im Netzwerk zu finden benötigt man zunächst eine USB-Verbindung zur Helo via AJAs e Mini Setup Programm (steht auf den Webseiten von AJA zum freien Download zur Verfügung).

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Hier erhält man den aktuellen Netzwerkstatus und kann dann auch statische IP-Adressen, Gateways etc. konfigurieren (die IP Adresse der HELO lässt sich zur Not auch über die am Router angeschlossenen Geräte herausfinden).

Sobald der interne Webserver der HELO hochgefahren ist und diese via Ethernet mit dem Netzwerk/Internet verbunden ist, lässt sich das Menü der HELO aufrufen. Hierzu gibt man die entsprechende URL einfach in einen Webbrowser ein. Wir empfehlen für bestmögliche Funktionalität am Mac Firefox (und nicht Safari).

Nach Aufruf der HELO-URL landet man auf den gut strukturierten Config-Seiten der HELO-Box, die ziemlich selbsterklärend sind. Links oben lassen sich die einzelnen Menüscreens aufrufen. Hierzu zählen: „Status“, „Config“, „Scheduler“, „Recording Profiles“, „Streaming Profiles“ etc.

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Ganz oben und in jedem Menü stets sichtbar findet sich eine VideoVorschau (Confidence Monitor), den wir bei anderen Streaming-Applikationen vermisset haben. Schön zu sehen, dass AJA hier mitgedacht hat. Auf dieser Videovorschau ist stets die jeweilig definierte Signal-Quelle zu sehen (SDI-In bzw. HDMI-IN).

Neben der Videovorschau befinden sich drei Buttons – von oben nach unten sind dies: Recording, Codec-Link, und Stream Start/Stop.

Auf der Status Seite finden sich alle relevanten Status-Informationen übersichtlich geordnet. Hierzu zählen: Anliegende Signale an den Inputs, Scheduler/Kalender-Status, Streaming Session, Recording Session, Netzwerk-Status sowie Firmware-Status.

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Die einzelnen Bereich sind nochmal in diverse Detail-Infos unterteilt und bieten bestmöglich Auskunft über den Status des Gesamt-Streaming-Setups. Sollte eine Fehlersuche notwendig sein, lassen sich hier alle Stati schnell checken – sehr vorbildlich.

Im Config Menü werden vor allem die Videoquellen ausgewählt und - ebenfalls recht wichtig - Audio-Delays in Millisekunden angeglichen. Darüber hinaus lassen sich noch diveser Bildprocessing und Start-Up Paramater so wie AV Mute, etc. aktiveren.

Das Scheduler Menü stellt en echtes Highlight der HELO dar. Hier findet sich ein kompletter Kalender samt Automatisierungsfunktion integriert, der entweder lokal auf der HELO läuft oder auch andere Webkalender integrieren kann.

Mit Hilfe des Schedulers lassen sich Streaming- und Recordingzeiten bequem einprogrammieren. Wir haben den Scheduler kurz ausprobiert und einen Streamstart nach YouTube programmiert, der unkompliziert funktioniert hat. Wer an einem Ort zu unterschiedlichen Zeiten Streamevents managen muss, kann hier alle Events mit Start und Stoppzeiten eintragen und muss nicht einmal vor Ort sein, um das Streaming zu starten - ein sehr mächtiges Feature, das AJAs Erfahrung mit Produktionsumgebungen für Liveevents ganz gut veranschaulicht.

Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb des Schedulers ist natürlich, dass die interne Uhr der HELO mit der jeweiligen Ortszeit/Datum übereinstimmt. Die HELO Clock ist in allen Menüscreens stets auf der rechten Seite zu sehen. Änderungen lassen sich im System-Menü vornehmen.

Im Recording Profile Menü lassen sich vor allem die Parameter für einzelne Aufnahme-Parameter festlegen. Ebenfalls eine ziemlich durchdachte Funktion, weil man so zwischen Streams für die lokale Aufnahme / Backup via (SD Karte, Netzwerk, USB) und den gestreamten Video-Parametern unterscheiden kann.

Wer hingegen mit den gleichen Codec-Einstellungen aufzeichnen möchte, mit denen auch gestreamt wird, kann per Klick auf den Verlinkungs-Button „Independent Codec“, der ebenfalls ganz oben von jedem Menü aus zugänglich ist, eine entsprechende lokale Copy aktivieren. Hierbei werden dann für die lokale Aufzeichnung auch Bildrate, Geometrie (Breite und Höhe), Bitrate sowie alle „Advanced Settings“ aus dem Streaming Video Profil übernommen.

Aufnahme Profile (und Streaming Profile)lassen sich vom User selbst bis hin zur I- und P-Frame Implementierung beeindruckend tief individualisieren und als Preset abspeichern.

Im Streaming Profile Menü finden sich alle für das eigentliche Streaming zentralen Parameter. Hierzu zählen Bild- und Bitraten, Videocrops, Codeceinstellungen und vieles mehr.

Im Streaming Profil werden auch die eigentlich Streaming-Typen mit den dazugehörigen Schlüsseln eingestellt. Hier können RTMP, RTSP,RTP/UDP-TS sowie HLS mit dazugehörigen Eingabemasken ausgewählt und verarbeitet werden (mehr hierzu weiter unten im Abschnitt: Streaming Schnellanleitung).

Weitere leistungsstarke Funktionen stehen im Preset-Menü der AJA HELO zur Verfügung. Hier lassen sich Gesamt-Presets abspeichern, aufrufen sowie exportieren als auch importieren.

Wer mit mehreren AJA HELO Streaming-Boxen zu tun hat, kann Profile zwischen den Boxen so einfach austauschen oder Gesamt-Presets wiederverwenden, die an einem Ort mit komplexer Netzwerkinfrastruktur bereits funktioniert haben oder diese im „offline-betrieb“ in Ruhe aufsetzen und vieles mehr. Für uns eine weitere Funktion, die den professionellen Anspruch der AJA HELO unterstreicht.

Passend hierzu finden sich dann im System Menü neben User-Authentifizierungsoptionen, Zeit-Settings, UpnP Host-Einstellungen etc. dann auch die zentralen Netzwerk-Einstellungen. Hier können dann IP-Adress Modi, Gateways, DNS-Server uvm. eingestellt werden.

Damit haben wir auch schon die wichtigsten Remote Setup-Menüs der AJA HELO kurz vorgestellt. Für uns gibt es hier wenig Kritikpunkte. Die HELO glänzt beim Setup mit bemerkenswert umfassenden Einstelloptionen, die kaum Wünsche offen lassen.

Worauf man jedoch ein extra Auge haben sollte, ist vor allem bei der Eingabe über das Webinterface: Hier gilt es darauf zu achten, ob die Einstellungen, die man im Browser vornimmt auch tatsächlich übernommen wurden. Das gilt unsere Erfahrung nach für alle Webserver-basierten remote Setups. Hier empfehlen wir einen gelegentlichen Browser-Refresh, um sicherzustellen, dass die eigegebenen Parameter auch wirklich übernommen wurden.

Monitoring

Für das Monitoring des Videosignals stellt die HELO diverse Optionen bereit. Die minimalste Lösung besteht in dem „Confidence-Monitor“, der im Webinterface stets aktiv zu sehen ist und der das jeweilige anliegende HDMI oder SDI Signal als kleine Preview wiedergibt.

Wer keine andere Möglichkeit hat, einen externen Monitor anzuschließen hat hier auf jeden Fall eine Preview-Option, (die leider keine Selbstverständlichkeit darstellt) und damit als vorbildlich gelten darf.

Ein vollwertiger Ersatz für ein echtes Monitor-Signal ist dies natürlich nicht und auch nicht als solches gedacht. Hierfür stehen die SDI-Out bzw. die HDMI-Out Buchse zur Verfügung. An diesen lässt sich ein entsprechender Kontrollmonitor anschließen.

Wir hatten sowohl den aktuellen Blackmagic Video Assist 12G HDR Monitor va SDI sowie den kleinen Atomos Shinobi via HDMI problemlos an der HELO im Betrieb.

Schnellanleitung Streaming

Wenn man sich mit den einzelnen zuvor beschrieben Menüs der AJA HELO soweit vertraut gemacht,und die HELO webbasiert am Start hat, steht dem erstem Livestreaming nichts mehr im Weg.

1. Video-Input und Audio Input Signal auswählen: Je nachdem, ob das zu streamende Videosignal vis SDI oder HMDI zur Verfügung steht, gilt es die Videoquelle entsprechend zu definieren. Diese wählt man unter „Videosource“ mi Config-Menü aus.

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Für Audio verfährt man genauso unter „Audio Source“.Wichtig ist hierbei darauf zu achten, dass es sich maximal um HD-Auflösungen (1080) handeln darf.

2. Monitor-Signal auswählen: Wer ein HDMI Signal als Videosource ausgewählt hat, erhält seine Monitor-Signal ebenfalls über HDMI.

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Wer ein SDI-Signal als Quelle anliegen und ausgewählt hat, kann ganz unten auf der Config-Seite bei Bedarf zusätzlich zum SDI-Monitoring auch ein HDMI Monitor-Signal dazuschalten.

3. Streaming-Template auswählen: Auf der Streaming-Profile-Seite lassen sich oben unter „Import Streaming Setting“ diverse vorgegebene Templates auswählen, z.B. „1080p High 5 Mbps“, oder „720p low“ etc. je nach Upstream-Bandbreite hier ein passendes Template auswählen und mit „Apply“ aktivieren

4. Streaming-Protokoll, Server und Key eingeben: Unter „Streaming Profile Settings“ sind neben diversen Streaming-Optionen vor allem drei zentrale Eingaben (z.B. für Youtube Streaming) vorzunehmen:

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Bei Stream-Type „RTMP“ auswählen, bei der „RTMP Server URL“ die entsprechende RTMP-Adresse eingeben und bei „RTMP Stream Key´/Name“ den von YouTube generierten Schlüssel eingeben.

5. Streaming starten auf HELO:

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Per Klick auf das Streaming-Symbol oben im Menü den Livestream starten.

6. Bei YouTube Stream Starten:

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Per Klick auf „Livestream starten“ im YouTube Studio wird der Livestream gestartet.

AJA HELO - für wen?

Grundsätzlich stellen sich für uns zwei Setup-Szenarios für die HELO dar:

Das Haupteinsatzgebiet der HELO sehen wir in Event-Umgebungen, bei denen bereits Kameras und Mischer installiert sind und die HELO ein final-gemischtes SDI-Signal inkl. embedded Audio empfängt. Hierzu dürften Veranstaltungsräume mit fix installierter Aufnahmetechnik, Sportevents, Kirchen, kleinere TV-Studios, Firmenstudios etc, zählen. Durch die komplette Web-Remote Administrierung und Bedienung ist ein Streaming-Operator vor Ort nicht zwingend nötig.

Darüber hinaus kann die HELO auch einfach als Solo-Stream Device mobil genutzt werden. Wer lediglich 1 Videosignal beispielsweise via HDMI von einer Video-DSLR o.ä. übertragen möchte, kann die HELO als hochmobiles Setup nutzen - der Clou hierbei: Weil die HELO über einen softwareseitig verbaute (kleine) Videovorschau verfügt, kann sie (zur Not) auch ohne externen Videomonitor betrieben werden.

Fazit

Die AJA HELO Streaming-Box überzeugt AJA-typisch durch ihre professionellen SDI In/Outs, komplexe Einstellmöglichkeiten, Scheduler-Funktionen und gelungenes Web-Remote-Interface.

Wer eine professionelle Streaming-Lösung für bereits etablierte Aufnahmetechnik vor Ort sucht, dürfte mit der HELO gut bedient werden. Vom Sport- Kirchen- oder Firmenevent bis hin zu kleineren TV-Studiosetups die auch gestreamt werden sollen, dürfte die HELO in ihrem Element sein.

Auch für mobile Einzelkämpfer lässt sich die AJA HELO nutzen. Hier sollte man dann allerdings im Hinterkopf behalten, dass Mehrkamera-Setups zusätzliche Mischer-Hardware etc. benötigen.

Mit einem Netto-Listenpreis von 1.337,30 Euro besitzt die AJA HELO ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis.

   

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