Test: Lenovo Legion Y540 17IRH - RTX 2060 Gaming Laptop im Workstation Gewand

14.07.2020 von Rudi Schmidts



Wie es aussieht kommen gerade die Laptop-Preise ins rutschen. So gab es kürzlich im Levono Shop das Legion Y540 17IRH für 899 Euro inkl. Versand zu erstehen, dessen Komponenten für den Preis ziemlich bemerkenswert erscheinen:

Für weit unter 1.000 Euro wurde hier ein Intel 6-Kern i7-9750H mit einer RTX 2060 und einer 512GB SSD gepaart. Dazu gesellen sich noch 16GB RAM sowie eine 1TB HDD als Datengrab sowie ein 144 MHz Display. Das ist schon eine Ansage, weshalb wir uns das Gerät auch einmal näher ansehen wollten.

Unauffällig schwer

Mobilität muss man beim Lenovo Legion Y540 17IRH mit seinen 2,8 Kilogramm bereits relativ sehen. Denn zu den rund 3,5 kg Transportgewicht trägt das Netzteil mit 750 g gehörig bei, das aufgrund seiner 230W Leistung zudem auch noch recht ausladend ausfällt:

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Für einen 17-Zöller mit den gebotenen Leistungswerten ist dies sicherlich üblich, aber zum "immer dabei haben" sind diese gewichtigen Parameter definitiv zu viel. Als primäres Anwendungsgebiet sehen wir hier eher die kleine Workstation, die sich innerhalb eines Büros flexibel auf- und abbauen lässt.

Aufgeklappt sieht man dem Laptop seine Pfunde gar nicht an, da das Display einen relativ schmalen Rand aufweist. Dies lässt das Gerät insgesamt eher schlank als bullig erscheinen. Auch das übrige Design bleibt trotz beworbener Gaming-Zielgruppe angenehm schlicht. Einziges optisches Wagnis ist das leicht nach vorne versetzte Display-Scharnier.

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Man kann sich definitiv mit diesem Gerät auch in "gediegenen" Umgebungen zwischen Macbooks gut sehen lassen, ohne gleich optisch anzuecken. Besonders gut gefiel uns jedoch eine ganz andere Designentscheidung: Die meisten Anschlüsse des Lenovo Legion Y540 17IRH liegen an der Rückseite.

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Wir finden das außergewöhnlich praktisch, denn Dongles, USB-Drives oder auch der Anschluss eines externen Monitors, sowie Netztwerk oder die Stromversorgung "nerven" fast immer, wenn diese seitlich aus dem Laptop geführt werden müssen. Wer es dennoch mag, für denen gibt es Links und Rechts noch jeweils einen USB-Port.

Tastatur und Mousepad

Die Tastatur gefiel uns außerordentlich gut, der Tastenhub ist genau nach unserem Geschmack und dürfte selbst bei Schreiberlingen und Programmieren gut ankommen. Dank dem 17 Zoll Design ist auch Platz für einen separaten Ziffernblock und die die Pfeiltasten sind zusätzlich deutlich abgesetzt. Diesen sehr guten Gesamteindruck trübt allerdings die Return-Taste, die fast mit der Rauten-Taste aneinader klebt.

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Dies dürfte dem deutschen Tastatur-Layout geschuldet sein, das meist ein 1-3 Tasten mehr als internationale US-Keyboards unterbringen muss. Man kann sich auch sicherlich an die kleine Return Taste gewöhnen, doch für eine so schlechte Lösung ist dies allerdings keine Entschuldigung.

Das Mousepad sitzt nicht zentral sondern leicht versetzt unter der Tastatur. In unseren Augen hätte es ruhig noch etwas größer ausfallen dürfen, jedoch benutzen wir sowieso -wann immer möglich- eine externe Maus. Das Mousepad arbeitet äußerst zuverlässig ohne Ruckler oder Aussetzer und besitzt zwei abgesetzte Maustasten. Letztere saßen bei unserem Modell nicht ganz gleichmäßig plan in der Fassung und hatten dafür einen deutlichen Druckpunkt. Genau so wie wir es schätzen. Ansonsten wies das Y540 keinerlei Fertigungsunregelmäßigkeiten auf und wir fanden die Verarbeitung insgesamt für einen 1000 Euro Laptop in einem Kunststoffgehäuse erstaunlich gut.

Ausstattung

Die Ausstattung des Rechners ist ebenfalls als sehr gut zu bewerten. Die Basis stellt ein Intel 6-Kern Core i7-9750H mit einer RTX 2060 und einer 512GB SSD. Dazu gesellen sich noch 16GB RAM, eine weitere 1TB HDD als Datengrab sowie ein 144 MHz Display. Da das Gerät eine Wartungsklappe besitzt, lassen sich Laufwerke und Speicher einfach austauschen oder erweitern. Vermisst haben wir einen eingebauten SD-Cardreader sowie einen Thunderbolt Anschluss.

Einen integrierten SD-Reader finden wir einfach immer wieder praktisch, auch wenn sich ein externes Modell leicht über USB andocken lässt. Da man einen SD-Reader gefühlt fast immer braucht ist es einfach ein Teil weniger, das man vergessen oder liegen lassen kann.

Der Thunderbolt Anschluss ist dagegen vor allem für Video-Interfaces interessant. Wenn man einen Rechner wie diesen auch in Studio-Umgebungen nutzt, möchte man vielleicht auch eine externe Lösung für eine korrekte Videovorschau nutzen. Das geht über USB-3 meist nicht so problemlos wie über Thunderbolt. Die Nutzung einer externen GPU über Thunderbolt finden wir an diesem Gerät dagegen weniger interessant, da dieses Y540 ja bereits eine sehr mächtige GPU in sich trägt. Will man dagegen stationär sowieso eine eGPU nutzen, würden wir auf eine potente, interne GPU verzichten und dafür ein mobileres Modell wählen.

In der Schnitt-Praxis

Das 144 MHz Display läuft ja auch unter der Windows Oberfläche und sorgt dort mit dem Intel Core7 Prozessor für ein extrem geschmeidige GUI, die man so eigentlich nur von modernen Spitzenklasse-Smartphones kennt. Scrollen und das Verschieben von Fenstern wirkt aufgrund der hohen Bildraten butterweich. Die Farbdarstellung geht mit über 90 Prozent sRGB für die meisten Fälle in Ordnung und die Helligkeit ist ebenfalls Mittelmaß. Richtig getrübt wurde dieses Bild allerdings durch seltene Blitzer auf großen weißen Flächen (wie oft im Browser oder einer Textverarbeitung). Diese treten nur sporadisch auf und bislang immer nur, wenn der Intel Display-Treiber im Hybridmodus aus Stromspargründen aktiv ist. Einer Lösung dieses Problems sind wir während des Tests nicht auf die Schliche gekommen, aber scheinbar betrifft es mehrere Geräte aus der Serie und bis jetzt gibt es keinen offiziellen Fix:

Beim Arbeiten auf dem Desktop fühlte sich der Intel Core i7 durch seine hohen, kurzfristigen Boostfrequenzen viel reaktiver an, als unsere noch aktiv genutze 14 Core Xeon E5-2697 v3 Workstation , die in ihren Boost-Modi geschätzt nur ungefähr halb so schnell werkelt wie dieser mobile Core i7-9750H der neunten Intel Core-Generation. In Multicore-Benchmarks oder dem Encodieren auf der CPU ist der 6-Core i7 natürlich weiterhin den 14 Xeon Kernen deutlich unterlegen, jedoch beim Decodieren reicht seine Performance für die meisten Projekte gut aus, solange man nicht mit der Spuranzahl übertreibt.

Typische Performance unter Resolve

Tatsächlich empfinden wir die mobile Kombination aus Core i7-9750H und RTX2060 für 4K-Projekte gegenüber kleineren stationären Workstations als kaum einschränkend. Resolve läuft hierauf "wie geschmiert" und die meisten von uns genutzten 4K-Effekte können sogar in 24p Echtzeit bei voller 4K-Auflösung betrachtet werden. In der Performance liegt der Lenovo Legion Y540 17IRH dabei im Feld ähnlicher Laptops:

Mobile 4K, Resolve 16
MODELLmax. Curved CC Nodes 24pMotion Blur Better,Large,30.0Spatial NR,small,50,50Spatial NR,small,100,100Temp NR 1 Faster Small 50 50 50Temp NR 2 better large 50 50 50

MacBook Pro 2018

197154125,5

MSI P65 GTX 1070Q

381924+7,524+15

HP Pavilion 17 mit Studio Treiber

4219,524+8,524+14,5

Lenovo Legion Y540 17IRH RTX 2060

50+24+24+1024+18,5

MSI P65 S9F RTX 2070 Max-Q

50+24+24+18,524+24+

Gigabyte AERO 17 HDR RTX 2070 Super

50+24+24+12,524+20

Alle Benchmarks unter 16er-Versionen von DaVinci Resolve Studio. Die erste Spalte beschreibt wie viele CC-Nodes maximal bei 24 fps erreichnar sind. Alle übrigen Werte stellen die Wiedergabe in fps dar. Die Messungen wurden ohne aktive Scopes sowie ohne eine aktive Vorschaukarte ermittelt.

Unter Editing-Vorschau-Last fährt der ansonsten kaum wahrnehmbare Lüfter des Laptops deutlich hoch, was nicht unerhört bleibt. In diesem Zustand kann der Y540 seine Leistung auch dauerhaft hoch halten, zumal es beim Editing (im Gegensatz zum Gaming) in der Regel auch immer wieder kurze Ruhe- und Erholungspausen für Prozessor und GPU gibt.

Fazit

Der Lenovo Legion Y540 17IRH bietet fürs Geld erstaunlich viel. Sollte er öfter für diesen Kampfpreis von 999 Euro verfügbar sein, können wir ihn fast bedingungslos empfehlen. Einzig das selten flackernde Display störte uns. Die fehlende Thunderbolt- und SD-Karten-Konnektivität würden wir dagegen für diesen Preis auf keinen Fall zum Dealbreaker erklären.

Grundsätzlich ist das Y540 17IRH eine günstige tragbare Workstation mit sehr guter Performance und äußerst angenehmer Tastatur (ausgenommen der unsäglichen Return-Taste). Dass der Rechner dabei auch noch seriös und nicht kindisch aussieht, ist ein weiteres Plus, das wir mittlerweile als heranreifende Spießer ebenfalls zu schätzen wissen.

   

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