Test: Blackmagic RAW im CPU / GPU Vergleich -- Resolve Performance-Verhalten auf verschiedenen Systemen

29.07.2020 von Rudi Schmidts



Wann immer wir GPUs oder Laptops in die Redaktion bekommen, schauen wir uns deren Performance unter dem selben Resolve-Projekt an (das zugegebenermaßen schon etwas in die Jahre gekommen ist). Am liebsten würden wir uns diese Arbeit sparen, doch die üblichen Benchmarks, die sich zu vielen GPUs im Netz finden lassen, bilden unserer Meinung nach das typische Performance-Verhalten für die Videobearbeitung nicht ab.

Relevanter Benchmark für Videobearbeitung?

So performte beispielsweise die letzte AMD-Radeon Generation (Vega) unter Resolve im Vergleich zu Nvidia deutlich besser, als die meisten Benchmarks in Magazinen und Webseiten ahnen ließen. Der Grund hierfür lag vor allem im höheren Speicherdurchsatz der AMD-Karten, die sehr speziellen und schnell angebundenen HBM-Speicher nutzen.

Wir werden unser Projekt auch weiterhin zum Test von Grafikkarten und Laptops verwenden, jedoch haben wir auch noch etwas anderes in Petto: Denn es gibt es seit einiger Zeit einen schönen Benchmark von Blackmagic Design, der sowohl auf der CPU als auch auf der GPU unter verschiedenen Betriebssystemen läuft und ebenfalls für Videobearbeitung nicht unrelevant ist. Wir sprechen hier vom BlackmagicRAW SpeedTest, der mittlerweile mit jeder Resolve Installation mitgeliefert wird und somit auf zahlreichen Systemen zum Einsatz kommen kann.

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Dieser korreliert zwar nicht mit der Gesamtperformance einer GPU unter Resolve, ist jedoch trotzdem interessant, weil sich hier gut zeigt, wie sich der RAW-Decoding-Code(c) unter verschiedenen, sorgfältig optimierten Plattformen verhält. Und außerdem ist die Performance natürlich für Leser relevant, die selber mit Blackmagic RAW Material arbeiten.

Wir konnten in den letzten Monaten auf unterschiedlichsten Systemen ein paar Messwerte sammeln und wollen nun eine Zusammenfassung unserer ersten Erkenntnisse präsentieren. Da wir absolut gesehen noch relativ wenig Werte von sehr unterschiedlichen Systemen besitzen, macht ein tabellarischer Überblick eher wenig Sinn. Dafür zeigt eine grafische Darstellung umso mehr, wo der RAW-Hammer im GPU- und CPU-Dschungel letztlich hängt:

CPUs im Blackmagic RAW Speed Test

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GPUs/Grafikkarten im Blackmagic RAW Speed Test

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AMD GPUs unter MacOS besser?

AMDs GPUs sind unter Apples MacOS performanter als am PC. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass unter MacOS eine andere Treiberstruktur (Metal) zugrunde liegt, die viel näher an der Hardware programmiert werden kann. Am PC werden AMD-Karten meistens mit OpenCL angesprochen (was vormals auch unter Apple der Standard für Resolve war). Da OpenCL mittlerweile nicht nur bei Apple in Ungnade gefallen ist, sondern auch AMD nachgesagt wird es nur noch stiefmütterlich zu unterstützen ist eigentlich für AMD-GPUs am PC eine neue Treiber-Struktur fällig. Deswegen gilt seit längerem auch nicht mehr die Aussage, dass Blackmagic besonders sorgfältig für den Mac optimiert und damit automatisch auch AMD am PC besser unterstützt. Denn die Mac Optimierungen basieren nun schon länger nicht mehr nicht mehr auf OpenCL sondern sind mittlerweile alle nach Metal portiert.

Schnelle CPU-Plattform beschleunigt GPU

Schnelle GPUs wie die Nvidia RTX 2080 Ti profitieren noch einmal extra von einer schnellen PC-Plattform. Unter einer aktuellen Threadripper-Plattform ist die Nvidia Karte noch einmal rund 20 Prozent schneller als unter einer veralteten Xeon X99 e5-v3 Plattform. Wir tippen in diesem Fall, dass die schnellere RAM-Anbindung der AMD Threadripper hier den entscheidenden Unterschied ausmacht.

Schnellste CPU fast auf GPU Niveau

Interessant finden wir auch, dass die schnellste Workstation CPU, der AMD 64 Core Threadripper 3990X bei gut optimiertem Code offensichtlich in den Gefilden der aktuell schnellsten GPU RTX 2080Ti wildert. Letztere kostet zwar "nur" ein drittel der AMD-Monster CPU, jedoch beherrscht eine CPU letztendlich das universellere Programmiermodell für Effekte (und müsste dazu die Speicherbereiche nicht immer zeitaufwändig in die GPU kopieren). Doch die meisten Software-Entwickler dürften in Zukunft ihre Effekte weiterhin primär für die GPU optimieren. Wir schätzen, dass von diesem Zug in den nächsten Jahren kein Entwickler mehr abspringt.

Fazit

Die zwei Diagramme sprechen ja größtenteils für sich selbst, aber in wenigen Sätzen lässt sich folgendes zusammenfassen: Für HD reicht jede aktuelle CPU oder GPU. Auch 60fps 4K-Decoding bringt gerade mal den Intel Core i5-9300H an seine Grenzen. 6Kp60 bringt dagegen kleine GPUs wie die 5600XT oder die 1660 Ti ans Limit. Eine moderne CPU schafft eine ähnliche Leistung geschätzt mit 12 Kernen. Und wirklich geschmeidiges 8K-RAW Editing mit etwas Performance-Spielraum ist erst ab einer RTX 2080 Ti oder einem AMD 3960X möglich.

Und nun kommt ihr ins Spiel: Wenn ihr uns helfen wollt, unsere Ergebnisse noch besser zu validieren, könnt ihr uns Benchmarks von eurem System schicken. Wir werden diese sammeln und nach einiger Zeit noch ein Update zu diesem Artikel erstellen. Je nach Interesse und Anzahl der zusätzlichen Daten können wir die ermittelten Werte dann auch gerne tabellarisch zur Verfügung stellen, um Detailergebnisse besser vergleichen zu können. Also falls ihr Ergebnisse für uns habt, am besten als PNG aus dem SpeedTest exportieren gleich an: rudi atttttt slashcam.de (allerdings erst ab 3.8. wieder in der Redaktion).

NACHTRAG d. Redaktion: Kürzlich hat Blackmagic zusammen mit der Ursa Mini Pro 12K eine neue Version vom Blackmagic RAW Codec vorgestellt; die Messungen für diesen Artikel wurden noch mit der alten Version gemacht. Wir denken eher nicht, dass sich durch die Aktualisierung sehr viel an den ermittelten Werten ändert, aber werden dies natürlich zeitnah nochmal überprüfen.

   

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