Kurztest: Die Rolling Shutter Werte der Canon EOS R5

07.08.2020 von Rudi Schmidts



Auch unser Testlabor hat seine wohlverdienten Sommerferien beendet und die Kameraneuigkeiten der letzten Wochen wollen jetzt natürlich auch von uns schnellstens genauer analysiert werden. Um euch nicht zu lange warten zu lassen, veröffentlichen wir in nächster Zeit wichtige Testerkenntnisse separat als kleinere Artikel. Den Anfang machen wir mit den Rolling Shutter Werten der neuen Canon EOS R5.

Die Überhitzungs-Diskussion zur Canon EOS R5 überschattet natürlich jeden Videotest dieser Kamera, jedoch wollen wir euch dennoch wichtige Datenpunkte zum Sensorverhalten nicht vorenthalten. Zumal sie auch interessante Rückschlüsse zulassen, inwieweit es bei Canon noch Spielraum geben könnte, das thermische Verhalten der R5 per Firmware zu modifizieren.

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8K

Fangen wir beim 8K-Modus an: Sowohl im aufwändigen vollen DCI 8K-Sensor-Readout als auch im leicht horizontal gecroppten 8K-UHD-Modus wird das Bild durchgängig mit ziemlich genau 16ms ausgelesen. Das ist ein überraschend guter Wert, den wir so gar nicht von der ersten 8K-DSLM erwartet hätten. Da dieses Modell in 8K keine 50/60p beherrscht, hätte Canon sich für einen Frame auch bis zu 32ms "Zeit lassen können" (was Canon und Sony in fast jeder früheren DSLR auch taten). Oder anders formuliert: Abseits von Signalprozessor und den thermischen Beschränkungen des Gehäuses ist dieser Sensor mit seinen 16ms wahrscheinlich in der Lage, prinzipiell auch mit 50 oder 60 fps in 8K ausgelesen zu werden. Der Sensor kann somit sehr wahrscheinlich noch mehr, als der Rest der Kamera aktuell zulässt.

4K

Folglich ist es auch nicht verwunderlich, dass die R5 auch im 4K-HQ Modus einen Rolling Shutter von 16ms besitzt. In diesem Modus wird der volle Sensor Readout in der Kamera sauber auf 4K herunterskaliert. Da dieser den gleichen 8K Readout nutzt gibt es wohl auch in diese Modus nicht 50 oder mehr Bilder pro Sekunde.

Nutzt man bei der EOS R5 die 4K-Modi ohne "HQ"-Suffix, liest die Kamera den Sensor dagegen mit schnellen 10 ms aus. Und zwar durchgehend von 24-60fps. Darüber fällt die Zeit des Rollings Shutter sogar auf 8ms (bis 120 fps). Dies ist ein über deutlicher Hinweis darauf, dass in diesen 4K-Modi nicht mehr jedes Sensel des vollen 8K Sensor Readouts genutzt wird. Hier dürfte folglich Binning oder ähnliches zum Einsatz kommen.

HD

In FullHD stehen seltsamerweise keine Frameraten über 60 fps zur Verfügung und der Rolling Shutter beträgt hierfür ausnahmslos 10 ms. In den meisten Fällen dürfte es daher qualitativ ergiebiger sein, in 4K zu filmen und das Material anschließend in der Post auf FullHD herunterzuskalieren.

Fazit

All diese Werten lassen darauf schließen, dass der Sensor bei der Canon EOS R5 nicht am Limit betrieben wird, denn das Rolling Shutter Verhalten der Kamera ist grundsätzlich besser, als man von der ersten 8K-DSLM auf dem Markt erwarten würde. 16-10ms sind für Cineanwendungen guter Standard und in hybriden Foto-Videogräten mit Vollformat-Sensor noch nicht sehr verbreitet. Gleichzeitig hätte Canon damit noch Spielraum, den Sensor in kritischen Fällen langsamer auszulesen und damit vielleicht für weniger Hitze im Gehäuse zu sorgen. Andererseits dürften viele Anwender ungern in alte Wobble-Zeiten zurückgeworfen werden.

Wie sich diese Rolling Shutter Werte konkret bildtechnisch auswirken, werden wir zeitnah in einem weiteren Artikel klären...

   

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