Test: Sony A7S III im Praxistest: Ergonomie, Bedienung, AF-System, Fazit … Teil 2

15.09.2020 von Rob



Im zweiten Teil unseres Praxistests mit der Sony Alpha 7S III beschäftigen wir uns mit der Ergonomie sowie mit der Bedienung/Ausstattung von Sonys neuer Spiegellosen. Im Zentrum stehen zudem unsere Erfahrungen mit dem Autofokussystem der Sony A7SIII und schließlich kommen wir auch zu unserem vorläufigen Fazit zur Sony A7S III.

Kurz vorweg: Bei unserem Sony A7S III Testmodell hat es sich um ein Vorserienmodell gehandelt, mit dem Labortests (leider) noch nicht gestattet waren. Die slashCAM Labortests folgen, sobald ein Serienmodell zur Verfügung steht.

In der Zwischenzeit wird es jedoch nicht langweilig denn es stehen unsere Erfahrungen mit: Handling/Ergonomie, Fokus, Akkuleistung und mehr bei der A7S III an. Hierfür lohnt sich vorab nochmal ein Blick auf unser Praxis-Video mit Caro und der A7S III in Berlin:

Fokus

Zu den Highlight der Sony A7S III gehört das stark verbesserte Hybrid-AF-System, das mit 759 Phasen- und 425 Kontrastdetektionspunkten zu den besten Autofokussystemen am Markt zählt. (Allein Canon kann mit seinem Dual Pixel AF II System bei der aktuellen Canon EOS R5 und R6 Sony hier das Wasser reichen).

Besonders beeindruckt hat uns beim Autofokus der Sony A7S III, mit welcher Zuverlässigkeit das System arbeitet. Und dies gilt sowohl im 4K 25p und 50p Betrieb als auch bei hohen Frameraten oberhalb von 50p. Bei unseren Testclip mit Caro ist dies gut bei der 100 fps-Sequenz zu sehen, in der sie den Kopfhörer auseinanderfaltet und ihn aufsetzt:

 für grössere Ansicht auf Bild klicken
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Wir haben die Sequenz mit AF und aktivierter Gesichtserkennung mit einer f2.8 und 100 fps aufgenommen. Zunächst wurde auf den Kopfhörer fokussiert, der korrekt in der Schärfe gehalten wurde, bis Caros Gesicht im Bild erscheint. Hier wurden jetzt durch das AF-System Caros Augen erkannt und die Schärfe verlagert sich automatisch vom Kopfhörer auf die Augen. Gut zu erkennen, dass der dann aufgesetzte Kopfhörer bereits aus der knappen f2.8 Schärfeebene herausgewandert ist. Der Shot mag nicht spektakulär aussehen, aber genau solche souveränen Schärfeverlagerungen sind in unseren Augen ein guter Indikator für die Qualität (und Intelligenz) eines AF-Systems.

Auch bei unseren AF-Tests bei denen sich Caro direkt auf die Kamera bei 70mm und einer f2.8 auf die Kamera zubewegt hat das Facetracking AF-System der Sony A7S III keine Probleme mit ihr mitzuhalten und zeigt auch bei genauerem Hinsehen keine Unsicherheiten – eine souveräne Leistung.

Sony A7S III, 70mm f2.8, Face AF
Sony A7S III, 70mm f2.8, Face AF

Hinzu kommen bei der A7S III auch Touch-AF-Funktionen mit denen anhand des Touchdisplays Objektive ausgewählt und getrackt werden können. Darüber hinaus lassen sich fast schon verwirrend viele Parameter bei der AF-Funktion der Sony A7S III individuell anpassen. Hierzu zählen auch deurchaus nützliche Funktionen wie die Priorisierung des der Kamera am nächsten stehendes Auges uvm. Doch auch wenn das Sony Alpha Autofokussystem in Sachen Zuverlässigkeit mit zum besten zählt, was derzeit am Markt verfügbar ist – perfekt ist das System noch nicht.

Gerne würden wir bei der A7S III eine ähnliche Implementierung wie bei Canon (R5/R6) sehen, wo während des AF-Facetrackings auch im Sucherbetrieb auf dem rückseitigen Touchdisplay der nächste (also noch nicht aktive) AF-Tracking-Punkt positioniert werden kann, der vom AF-System dann beim Loslassen des Touchdisplays fokussiert und getrackt wird (eine sehr mächtige Kombination aus AF und manuellen Eingriffsmöglichkeiten). Die A7S III bietet zwar die bekannte Touch Panel/Pad Funktionen aber eine Neu-Positionierung des AF-Trackings im laufenden Face-Tracking-Betrieb scheint es nicht zu geben.

Und wo wir gerade beim Wunschkonzert sind: Bei der manuellen Fokussierung lassen sich die Face-Tracking-Rahmen nicht einblenden. (Auch hier bieten andere AF-Systeme wie bei der Canon EOS R5/R6 aktuell etwas mehr.). Zusätzlich würden wir uns eine manuelle Override-Funktion bei der AF-Funktion wünschen (wie beim Nikon Z-System).

  759 Phasen- und 425 Kontrastdetektionspunkte auf dem Sony A7S III Sensor
759 Phasen- und 425 Kontrastdetektionspunkte auf dem Sony A7S III Sensor

Was hingegen die Konkurrenz von Canon, Panasonic und Nikon nicht bietet, ist die Möglichkeit, auch während der Videoaufnahme den Bildausschnitt zur Fokuskontrolle zu vergrössern. Hierüber verfügen die Sony Alphas bereits seit geraumer Zeit und die aktuelle A7S III macht hier keine Ausnahme – auf unserer Checkliste ebenfalls eine Monitor-Funktion mit recht hoher Priorität in dieser Kameraklasse. Zwar könnte die Vergrösserung selbst noch hochwertiger bei der A7S III sein (Panasonic ist in diesem Punkt für uns Referenz) aber im Gegensatz zur spiegellosen Vollformat-Konkurrenz von Canon, Panasonic etc. ist bei der Sony zumindest die Vergrösserung während der Aufnahme ohne zusätzliches externes Monitoring möglich. Mit dem zuschaltbarem Focus-Peaking bietet die Sony A7S III inkl. Suchervergrösserung unterm Strich sehr gute Monitorfuktionen für den Fokus.

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Auch bei der Sucherauflösung weiss die A7S III zu überzeugen. Mit 9,44 Mio Bildpunkten bietet der A7S III Sucher derzeit die höchste uns bekannte Auflösung. Bei unserem Praxis-Dreh haben wir zwar den Unterschied zwischen den 9,4 Mio Bildpunkten der A7S III und den knapp 6 Mio Bildpunkten der Konkurrenz mehr erahnen als real nachvollziehen können – nichts desto trotz bewegt sich der Sucher der Sony A7S III auf Top-Niveau.

Ergonomie/Handling/Ausstattung

Auf den ersten Blick ist die Sony A7S III kaum von den aktuellen Sony Alphas zu unterscheiden. Und das hat auch seine Gründe: Mit ihren Abmessungen von 128,9 mm x 96,4 mm x 77,5 mm besitzt die Sony A7S III die exakt gleichen Maße wie die aktuelle Sony A7R IV. Lediglich beim Gewicht stellt sich die A7S III mit 699g (inkl. Akku + Karte) als minimal schwerer heraus.

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Der sichtbarste Unterschied beim Gehäuse-Layout liegt dann auch beim Aufnahme-Knopf, der bei der A7S III im Vergleich zur A7R IV seine Position mit dem C1 Funktions-Button getauscht hat – also von der Kamerarückseite nach oben gewandert ist. Wer bereits mit Sony Alphas Erfahrung besitzt, sollte sich auch bei der neuen A7S III schnell zurechtfinden. Insgesamt bewegt sich die Verarbeitungsqualität des aus einer Magnesiumlegierung bestehenden und jetzt auch spritzwassergeschützten Gehäuse der Sony A7S III auf hohem Niveau.

Zu den wichtigsten Ausstattungs-Updates der Sony A7S III dürfte vor allem der jetzt als Klappdisplay gefertigte 3“ Monitor gehören, der jedoch mit 1,4 Mio Bildpunkten etwas unterdurchschnittlich im Vergleich zur Konkurrenz auflöst.

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Wie bei fast allen aktuellen LC-Displays dieser Kameraklasse sollte man bei hellem Umgebungslicht an genügend Abschattung denken. (Die A7S III bringt auch einen „Sonnenscheinmodus“ für den Monitor mit, den wir uns das nächste Mal genauer anschauen wollen.)

Unter den aktuellen videoafinen Top-Vollformat DSLMs (Canon EOS R5, Panasonic S-Serie) darf die Sony A7S III nach wie vor das kompakteste und leichteste Design für sich beanspruchen. Klare Pluspunkte der Ergonome stellen für uns neben dem seitlich ausklappbaren Display eine insgesamt verbesserte Handausformung und die neue Aufnahme-Knopf Positionierung dar. Wer wie wir mit eher großen Händen unterwegs ist, dürfte bei längeren Drehtagen mit der A7S III von einem Cage profitieren.

Doch auch die Kehrseite des kompakten und leichten Formfaktors wollen wir hier nicht verschweigen: Wer vor allem schwerere, lichtstarke (Zoom-)Optiken an der Sony A7S III im Einsatz hat, hält ein recht frontlastiges Setup in der Hand.

 etwas kopflastig bei lichtstarken Zooms
etwas kopflastig bei lichtstarken Zooms

Wir haben vor allem mit dem lichtstarken Sony FE 24–70 mm F2.8 GM aufgenommen, das zwar Dank Direct Drive Ultraschall Motor sehr gut fokussiert, zusammen mit Vario ND und Step-Up Ringen jedoch bei knapp 1 kg landet und für eine optimale Gewichtsverteilung mehr Gegengewicht am Kamerabody benötigt.

Wie fast alle aktuellen Sony Alpha-Modelle verfügt die A7S III ebenfalls über einen MI-fähigen Blitzschuh an den sich weiteres Sony-Zubehör anschliessen lässt.

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So stellt Sony (neben Panasonic) nach wie vor einer der wenigen Hersteller dar, die einen XLR-Adapter für ihre spiegellosen Kameras anbieten - für uns ein wichtiges Zubehör für eine videoafine Systemkamera.

Als Karte kam bei unseren Aufnahmen mit der Sony A7SIII die 160 GB Version der neuen Cfexpress Type A Karte zum Einsatz. Im Gegensatz zum Vorgänger bietet die Sony A7S III jetzt zwei Cardslots, die als Dual Use Card-Slots neben SD-Karten auch die neuen Cfexpress Type A Karten verarbeiten können.

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Mit Schreibraten von 700 MB/S legen diese zwar deutlich unter den Transferraten der bereits etablierten Cfexpress Type B Karten (ca. 1.500 MB/s) sind dafür jedoch kleiner und immer noch mehr als doppelt so schnell wie die schnellsten SD-Karten.

Für die Videoaufnahme bei der Sony A7S III sind die neuen Cfexpress Type A Karten tatsächlich nur für ein Videoformat relevant wie man gut unserer Tabelle zu den Formaten der A7S III entnehmen kann:

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Nur wer im neuen XAVC S-I 4K Codec 100fps in 10 Bit 4:2:2 filmen möchte, benötigt die neuen Cfexpress Type A Karten – alle anderen Formate werden auch mit SDXC V90 Karten abgedeckt.

Der jetzt in Standardgröße ausgelegte HDMI-Out Port gehört zu den weiteren, wichtigen Neurungen bei der Ausstattung der Sony A7S III. Wir schätzen die deutlich robusteren, größeren HDMI-Stecker (wenn es schon HDMI sein muss) sehr. Die Handhabung ist deutlich einfacher und häufig kann man auf eine zusätzliche Kabelklemme verzichten. Auch für die angekündigte externe 12 Bit 4K ProRes Raw (max 60p) Aufzeichnung der A7S III zusammen mit dem Atomos Ninja V dürfte ein Fullsize HDMI-Anschluß von Vorteil sein.

Mit zu den erfreulichsten Handling-Verbesserungen bei der Sony A7S III zählt für uns das komplett neu strukturierte Kamera-Menü mit einer deutlich verbesserten Trennung zwischen Video- und Fotobetrieb sowie der implementierten Touch-Bedienung.

So fallen im Video-Betrieb beispielsweise allein im zentralen „Shooting“-Menü über 30 Foto-relevante Menüpunkte weg, was die Übersichtlichkeit deutlich steigert. Nicht anders sieht es bei den für die Bewegtbildaufnahme ebenfalls wichtigen Obermenüs „Exposure/Color“ sowie „Focus“ aus. (Bei „Playback“, „Network“, „Setup“ und „My Menu“ gelten hingegen alle Einstellungen sowohl für Foto als auch für Video).

Videostabilisierung

Die Sony A7S III verfügt wie ihre aktuellen Sony Alpha-Schwester Modelle ebenfalls über einen stabilisierten Sensor. Bei unserem Testvideo mit Caro haben wir sowohl den „Active Mode“ als auch den Standard-Modus getestet.

Das von uns genutzte FE 24–70 mm F2.8 GM verfügt (leider) über keine eigene Stabilisierung. Doch in diesem Fall war dies eher von Vorteil, weil die Sensorstabilisierung der A7S III hier vergleichsweise gut funktioniert hat. Die besten Ergebnisse haben wir im Active Mode mit leichtem Crop erzielt.

Wer jedoch unseren Stabilisierungsvergleich der Sony A7S III mit der Canon EOS R5 und der Panasonic S1H hier mitverfolgt hat, der weiss, dass die Sony hiebei auf dem letzten Platz gelandet ist. Ob hierfür der Vorserienstatus verantwortlich war, bleibt abzuwarten.

Akku

Beim Akku der A7SIII setzt Sony auf den 2280 mAh NP-FZ100 Akku, den wir bereits von der A9 und anderen Sony Alphas her kennen. Sony selbst gibt eine ununterbrochene Laufzeit bei der Filmaufnahme von 130 Minuten an. Wir hatten nach 2 Stunden im On/Off Betrieb noch ca. ein Viertel Akkuladung – ein durchaus guter Wert und im Vergleich zum Vorgänger schon fast ein Quantensprung.

Was wir persönlich noch wichtiger finden, sind die Ladeoptionen mi Laufenden Betrieb und auch hier enttäuscht die A7S III nicht. So lässt sich die neue Sony auch im laufenden Betrieb – also auch während der Filmaufnahme über eine Powerbank via USB-C Anschluß laden.

Fazit

Unsere bisherigen Erfahrungen mir der Sony A7S III beziehen sich auf das Vorserienmodell und stehen damit noch unter Vorbehalt.

Trotzdem lässt sich schon jetzt sagen, dass die Sony A7S III für uns zum besten Video-Allrounder im Vollformat-DSLM Bereich zählt. Tatsächlich leistet sich die A7S III kaum eine Schwäche und dürfte sogar einige FX9-Interessenten für sich einnehmen können. Zu den Stärken der A7S III zählen klar ihr AF-System, die max 10 Bit 120 fps Aufnahme inkl. AF-Nachführung, die unkompliziert zu verarbeitenden Codecs sowie ihre professionellen Audio-Optionen via XLR-Adapter.

Einzig die Videostabilisierung befindet sich nich nicht ganz auf dem Niveau der Konkurrenz aber auch dies fällt unter „Nörgeln auf hohem Niveau“. Hier snd wir vor allem auch auf das Serienmodell gespannt.

Die geballte Video-Power der Sony Alpha 7S III hat jedoch auch ihren Preis. Mit 4.199,- Euro ist die Sony A7S III damit dem professionellen Segment vorbehalten. Wer nicht alle hier versammelten Funktionen benötigt, findet aktuell eine ganze Reihe von potenten 10 Bit 50p Log-fähigen Vollformat DSLMs für die spürbar weniger tief in den Geldbeutel gegriffen werden muss.

Gute Zeiten für all diejenigen die auf der Suche nach einer neuen 10 Bit-Kamera sind ...

   

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