Test: Der Dynamikumfang von Canon EOS R5 / R6, Panasonic S5 und Sony A7SIII im Vergleich

18.09.2020 von Rudi Schmidts



Nachdem wir sowohl die Canon EOS R5 und R6, die Panasonic S5 sowie das Vorserienmodell der A7SIII in unserem Testlabor hatten, wollten wir auch einmal wissen, wie es um deren Dynamik im Videomodus bestellt ist. Die Canons bieten auf dem Papier "nur" 12 Blendenstufen, was im Vergleich zur direkten Konkurrenz nach sehr wenig klingt.

Panasonic bewirbt seine Lumix S5 (wie auch die S1/S1H) mit 14+ Blendenstufen, und Sony spricht sogar von 15 "Stufen".

Messungen nicht unbedingt zielführend

Wie schon oft auf slashCAM berichtet ist es gar nicht so leicht, genaue Blendenstufen zu messen, da dies insgesamt immer darauf hinausläuft, das Rauschen zu qualifizieren. Bei objektiv erscheinenden Xyla- und/oder IMATEST-Ergebnissen geht immer auch die Noise Reduction in die Bewertung ein. Kameras welche die Noise Reduction in die Post verlegen, schneiden bei einem Zahlenwert prinzipbedingt schlechter ab, auch wenn sie letztlich die besseren visuellen Ergebnisse ermöglichen. Zudem muss man sich bei der quantitativen Messung auf einen Noise-Level festlegen, wobei das Rauschen subjektiv sehr angenehm oder auch digital grässlich ausfallen kann.

Wenn man dagegen bei einer Kamera betrachtet, wie viele Blendenstufen man in einer Aufnahme noch "zurückkorrigieren" kann, hat dies eine viel praktischere Konsequenz für Filmemacher. Zumal man hier gleichzeitig sehen kann, ob sich in das Rauschen auch schon Codec-Artefakte mischen. Darum haben wir in letzter Zeit versucht, bei unseren Tests diesen pragmatischen Weg zu gehen.

Doch zuletzt machte das Analysieren des Dynamic Ranges bzw. des Belichtungsspielraums wenig Laune. Denn die hierbei tatsächlich sichtbaren Unterschiede zwischen den Kameras werden tatsächlich immer geringer. Beispielsweise nahezu alle Vollformat-Kameras mit 6K-Sensoren (also 24 MPixel), die 4K-Aufzeichnung beherrschen, verhalten sich in der Dynamik extrem ähnlich. Und nicht nur das. Sogar die Sony A7S I und II mit einem 4K-(12 Megapixel) Sensor verhalten sich bei der 4K Ausgabe ebenso nahezu identisch. Dies kann man u.a. schön dargestellt auf der phantastisch gut gemachten PhotonsToPhotos-Webseite sehen:

!

Der Grund hierfür liegt darin, dass bei einem sorgfältigen Downsampling von 6K auf 4K das Rauschen etwas gefiltert wird und deswegen von 6K herunterskalierte 4K-Sensel etwas an Dynamik in den Schatten gewinnen. Dafür verlieren sie in den Lichtern (also beim FullWell), was sich unter dem Strich in der Praxis meistens ausgleicht.

Nach diesem Einerlei der letzten zwei Jahre waren wir nun besonders gespannt auf die neuen Canon EOS Kameras, da die R5 mit ihrem Downsampling von 8K auf 4K ja vielleicht ein interessantes Dynamik-Verhalten verspricht. Und ebenso die R6, welche ja "nur" einen 5K-Sensor nutzt und deswegen beim 5K->4K Downscaling vielleicht eine deutlich erhöhte Dynamik an den Tag legen kann.

Zusätzlich spannend macht es dabei die Canon Log1-Kurve. Denn nur sie erlaubt eine logarithmische Aufzeichnung mit 10 Bit um die Sensor-Dynamik auch ins Schnittsystem hinüberretten. Allerdings kann Canon Log1 (im Gegensatz zu Log2/Log3) "nur" 12 Dynamikstufen speichern. Und ebenso das unkomprimierte RAW-Format: Canon gönnt der R5 hier ebenfalls nur 12Bit, was bei linearer Aufzeichnung ebenfalls maximal 12 Blendenstufen entspricht. Doch das sind eben nur Zahlen auf dem Papier...

Erkenntnisse

Wir haben mit der aktuellen Garde der neuen Hybridkameras Bleichtungsreihen gefilmt und diese anschließend in Resolve wieder zurück korrigiert. Die Ergebnisse haben wir diesmal in einem sehr großen Bild zusammengefasst, in dem sich die 3 fache Vergößerung des Puppenauges aus unserem Testkasten befindet.

Belichtungsreihen Canon EOS R5, R6 Panasonic S5 und Sony A7SIII - Bitte Klicken.
Belichtungsreihen Canon EOS R5, R6 Panasonic S5 und Sony A7SIII - Bitte Klicken.

Folgende Besonderheiten sind uns dabei "ins Auge gefallen":

Die beiden neuen Canon Kameras EOS R5 und R6 zeigen sehr gut wie sich der Effekt von Senselgröße und Downscaling bei einer 4K-Ausgabe ausgleicht. Neben der besseren 8K-Auflösung unterscheidet sich der faktisch nutzbare Belichtungsspielraum zwischen den beiden Modell im 4K-Mastering wenig. Die EOS R6 rauscht - trotz größerer Sensel- in Summe sogar etwas auffälliger.

Bis zu fünf Blendenstufen unseres Testbildes konnten alle Modelle sehr gut zurück korrigieren. Aber der sechsten Blendenstufe wird bei allen Modellen das Rauschen im Motiv sichtbar, wobei Sony das Rauschen am stärksten unterdrückt und das Bild dadurch weichzeichnet.

Bis ETTR-7 (also sieben Blendenstufen zurückkorrigiert) würden wir bei allen Modellen das Motiv noch als "bedingt brauchbar" einschätzen.

Bei dem Vorserienmodell der Sony A7S III tritt ab hier statt dem typischen Rauschen eine Kombination von Artefakten und Rauschunterdrückung auf, die unansehnliche Muster erzeugt.

Die Panasonic S5 würden wir sogar noch bei ETTR-8 als "bedingt brauchbar" einschätzen und sehen damit letztlich Panasonic mit Vlog auch als Sieger bei der Dynamik. Dazu empfinden wir auch subjektiv das Rauschen bei der S5 als angenehmsten.

Fazit

Im besten Fall sehen wir den Vorsprung der Panasonic S5 gegenüber dem restlichen Feld (Sony A7SIII, Canon EOS R5 und R6) bei maximal einer nutzbaren Blendenstufe. Sony nimmt den den Marketing-Mund mit 15 Blendenstufen am vollsten und landet dennoch in unserer Einschätzung auf dem letzten Platz, was auf den ungünstigen Mix aus Rauschunterdrückung und Kompressionsartefakten zurückzuführen ist. Es handelte sich bei unserer Betrachtung jedoch noch ausdrücklich um ein Vorserienmodell. Wir warten bereits sehnsüchtig auf ein Serienmodell der A7SIII, um dieses Verhalten noch mit mehr Messungen untersuchen zu können. Auch lässt sich mit dem gewonnenen Eindruck eventuell noch an den internen Parametern der Kamera einiges "drehen".

Die von Canon genannten 12 Blendenstufen scheinen uns dagegen eher etwas untertrieben. Sowohl die R5 als auch die R6 können in der Dynamik gut mit den aktuellen 14+-Spitzenreitern von Panasonic mithalten.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Trotz der unterschiedlichen Senselgrößen sind die Unterschiede (die wir hier bei 300 Prozent Vergrößerung sichtbar machen) in der Praxis nicht sehr relevant. Praktisch unterscheidet sich die neue Generation der Fullframe-Modelle in maximal einer "nutzbaren Blendenstufe". Im Marketing liegt diese Spanne dagegen bei drei Blendenstufen (12-15).

Fast wichtiger erscheint uns neben der reinen Dynamik jedoch das visuelle Rauschen und das Farbmanagement und auch hier ist die Panasonic mit ihrem kompletten ACES VLog-Workflow tadellos aufgestellt. Deswegen können wir den günstigsten Kandidaten im Feld - die Panasonic Lumix S5 - guten Gewissens zum Sieger dieses Vergleichs erklären.

Besonderer Dank geht noch an SanDisk, die uns für diesen Test eine 512 GB SanDisk Extreme Pro CFexpress-Karte leihweise überließen. Diese konnte die unkomprimierten 8K-RAW Datenraten der Canon EOS R5 absolut problemlos handlen.

   

Kommentare

 

Top