Editorials: Grafikkarten: Schluckauf bei Nvidia? Extreme Lieferschwierigkeiten und AMD im Nacken

16.10.2020 von Rudi Schmidts



Auf den ersten Blick legte Nvidia Ende September wieder einmal eine extrem gelungene Produktvorstellung hin. Die neue Ampere-Generation verspricht wieder einen deutlichen Leistungszuwachs am Desktop, der auch für Videobearbeiter sehr verlockend erscheint. Und das sogar zu unerwartetet moderaten Preisen.

Doch mit der erhöhten Leistung der ersten beiden erhältlichen Modelle (RTX 3080 und RTX 3090) ging auch eine ungewöhnlich stark erhöhte Leistungsaufnahme einher. Die hierbei entstehenden Peaks in der Stromzufuhr sorgten bei einigen Board-Designs prompt für reproduzierbare Abstürze. Was man sonst eigentlich von AMDs stomfressenden Grafikkarten der Vega-Generation gewohnt war, musste diesmal Nvidia mit einem flugs nachgereichten Treiber ausbügeln, der die GPU in extremen Szenarien jetzt etwas einbremst.

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Bereits dieser Umstand wurde von einigen Hardwareseiten als Hinweis darauf gedeutet, dass der 8nm Produktionsprozess von Samsung (wo Nvidias Ampere Chips aktuell produziert werden) noch nicht so rund läuft, wie Nvidia das gerne hätte. Tatsächlich traf ein Großteil der Schuld zwar eher spezielle Kondensatoren-Layouts, doch trotzdem blieb Samsung verdächtig. Denn bereits im Vorfeld gab es Gerüchte, dass die Ausbeute der Fertigung so schlecht sei, dass die Verfügbarkeit der Karten nach der Produktvorstellung sehr knapp werden würde.

Doch nachdem die neuen Karten dann tatsächlich bereits Minuten nach der Vorstellung ausverkauft und weltweit kaum verfügbar waren, schob Nvidia die Meldung nach, dass es sich hier nicht um ein Lieferproblem, sondern um ein Nachfrageproblem handle. Man habe schlichtweg die exorbitante Nachfrage der Anwender unterschätzt.

Allerdings erinnert auch diese Erklärung stark an die Einführung von AMDs Vega-Karten, von denen seinerzeit aufgrund von Produktionsproblemen ebenfalls viel zu wenig Modelle zu den Händlern gelangt waren. Mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass jetzt auch in Nvidias Fall bei den Händlern die RTX 30X0-Karten nur in sehr geringen Stückzahlen eintrudeln.

Die Folge sind unerhörte Wucherpreise auf Ebay sowie viele unzufriedene Kunden. Dazu hat Nvidia mittlerweile sogar den Verkauf der Founders Edition Modelle über den eigenen Webshop komplett eingestellt. Außerdem wurde die ursprünglich für diese Woche geplante Einführung der RTX3070 um zwei Wochen auf Ende Oktober verschoben. Da kann man noch so viel schönreden, ein gelungener Produktstart sieht wohl unzweifelhaft anders aus.

Ohne Grund dürfte Nvidia seine GPUs wohl nicht derart an die vorhandenen Limits treiben. Dieser Grund heißt AMD und stellt ebenfalls (s)eine neue GPU Generation (RDNA2) in weniger als zwei Wochen vor. Dass es AMD diesmal gelingt, Nvidias RTX 3090 Paroli zu bieten, gilt als sehr unwahrscheinlich. Allerdings gehen die Auguren davon aus, dass AMD ein Konkurrenzmodell zur RTX 3080 einführen wird und damit nach langer Zeit Nvidia in diesem Preissegment mal wieder richtig Paroli bieten kann.

Nach dem Vega-Fiasko rechnen zudem viele Beobachter damit, dass AMDs Liefersituation diesmal deutlich besser aussehen wird. In Anbetracht der Tatsache, dass Nvidias Karten faktisch jedoch gar nicht verfügbar sind, dürfte auch AMD in den nächsten Monaten nahezu jede Karte verkaufen können, die ihren Weg zu einem Händler findet.

Leider sind AMDs Karten bei Videowerkern nicht so beliebt wie Nvidias Modelle, jedoch haben sich in den letzten Jahren die als schlecht verschrienen AMD-Treiber deutlich gebessert. Gelegentliche Treiberprobleme hatten wir persönlich mit beiden Herstellern. Viel spannender finden wir daher die Frage, ob und wenn ja welcher Hersteller denn H.264/HEVC Decoding mit 10 Bit 4:2:2 unterstützt. Denn dies ist schließlich im Hinblick auf aktuelle DSLM-Kameras DAS Killer Feature für eine GPU, die für die Videobearbeitung eingesetzt wird.

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Um es kurz zu machen: Nvidia unterstützt das 4:2:2-Decoding auch mit der Generation Ampere weiterhin nicht, wie das aktuelle Whitepaper bestätigt.

Ob AMD hier überraschen kann, wird sich in Kürze zeigen. Unsere Erwartungen sind allerdings auch hier gering. Intels CPUs beherrschen dagegen 10 Bit 4:2:2 Decoding via Quick Sync - jedoch auch erst seit der noch recht frischen Icelake-Generation.

   

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