Test: DJI RS 2 und RSC 2: Die neuen Einhand-Gimbal im Vergleich und Praxis-Test

24.12.2020 von Rob



Mit den neuen Einhand-Gimbaln RS 2 und RSC 2 stellt DJI zwei Weiterentwicklungen vor, die sich deutlich von ihren Vorgängern unterscheiden und bei denen DJI auch einiges an Userkritik umgesetzt hat: Wir haben den neuen DSJ RS 2 und RSC 2 mit diversen Kameras (auch mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera) mit Teils überraschendem Ergebnis getestet - hier unsere ausführlichen Praxiserfahrungen...

Vorab hier ein kleines Testvideo, das wir mit dem neuen DJI RSC 2 und der Canon EOS R6 sowie dem Canon RF 24-70mm f/2.8L IS USM in Berlin aufgenommen haben. Hierbei konnte sich Caro erneut auf ihrem Longboard austoben. Alle Aufnahmen in 4K 10 Bit Canon Log mit aktiviertem Dual Pixel AF und aktiviertem Tracking bzw. Gesichtserkennung. Da Caro teilweise ziemlich schnell auf ihrem Board unterwegs war, mussten wir bei einigen Aufnahme mit vollem Tempo sprinten ...

Auch mit dem RS 2 haben wir bereits einige Erfahrung gesammelt (das Video zum RS 2 ist derzeit noch in Arbeit). Siehe zum RS 2 auch das nachfolgende Kapitel zum Gimbalvergleich (DIJ RS 2 vs RSC 2) sowie das Kapitel zur Blackmagic Pocket Cinema Camera (Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K/6K: RS 2 versus RSC 2 DJI Gimbal), in dem wir herausfinden, welcher Gimbal besser für die stärker ausladende BMD Pocket geeignet ist.

DJI RS 2 vs RSC 2: Unterschiede, Ausstattung, Handling

Starten wollen wir unseren kleinen Vergleich der beiden neuen DJI-Gimbal mit einer Gemeinsamkeit: Auf den ersten Blick fallen nämlich beim DJI RS 2 und beim RSC 2 (Pro-Kombo) die neuen, mitgelieferten Transporttaschen auf – und zwar in genau der gleichen Größe und Funktion.

Die Taschen bieten zwei große Fächer, die mit umlaufenden Reissverschlüssen geöffnet werden können und bei denen wir erstmalig das Gefühl haben, dass wir sie nicht sofort gegen robustere Taschen austauschen wollen. Zwar verfügen „echte“ Kamerataschen über noch höhere Stabilität aber die neuen DJI-Gimbal-Taschen bieten mit ihrem durchdachten und vor allem platzsparendem Stausystem eine gute erste, Ausgangsbasis.

Erfreulicher Weise sind die Transporttaschen kompakt genug, um sie auch in einen Tagesrucksack unterzubekommen. Wer mit dem Gimbals vor allem mobil unterwegs ist, dürfte dies zu schätzen wissen. Wer noch kompaktere Transportmöglichkeiten benötigt, kann die Gimbals natürlich auch entsprechend gesichert (z.B. mit Klett-Tranporttücher) direkt in den Rucksacke/Fototasche stecken. Hier würden wir für optimale Transport- und schnelle Einsatzfähigkeit zum RSC 2 tendieren, weil sich dessen Batteriegriff für den Transport abwinkeln und für den Betrieb einfach nur hochklappen lässt.

Hauptunterscheidungsmerkmal des RS 2 vom RSC 2 stellt neben dem Preis (740,- vs 419,- Euro) die maximale Traglast dar. Den RSC 2 spezifiziert DJI mit maximalen 3kg - der RS 2 wird hingegen mit max 4,5kg ausgewiesen. Wer nun davon ausgeht, dass sich die 50% mehr Traglastkapazität des RS 2 auch in einem entsprechend höheren Eigengewicht niederschlagen, täuscht sich. Der RS 2 kommt (von uns gewogen) inkl. Kameraverschiebeplatte auf 1.480g der RSC 2 auf 1.298g. Damit ist der RS 2 nur ca. 14% schwerer als der RSC 2.

Verantwortlich hierfür zeichnet die Carbonbausweise des RS 2 während der RSC 2 aus schwererem Aluminium besteht. Die Verarbeitungsqualität bewegt sich bei beiden Gimbaln auf angenehm hohem Niveau. Den RS 2 empfinden wir jedoch als komfortabler bei der Tarierung (beide Gimbal verfügen über arretierbare Achsen): Auf Grund seiner Kohlefaser-Konstruktion und Teflon-Beschichtung lassen sich beim RS 2 die einzelnen Achsen mit weniger Reibung in ihren Führungen verschieben. Hinzu kommt, dass der RS 2 ein Drehrad für die Tarierung der Z-Achse der Kameraschiene mitbringt, was ebenfalls eine einfachere Tarierung ermöglicht. (Allerdings gilt die einfachere Tarierung des RS 2 nicht für die Höhenverstellung der Kameraaufnahme. Diese empfanden wir als recht schwergängig – die vom RSC 2 lässt sich deutlich geschmeidiger verschieben - hier darf DJI beim RS 2 gerne noch etwas nacharbeiten.)

Wer also eher zu den „Powerusern“ zählt, mit schwereren Setups unterwegs ist oder während eines Gimbal-Drehs häufiger das Objektiv oder die Kamera wechselt, dürfte grundsätzlich mit dem RS 2 besser bedient sein.

Hier ein Vergleich zwischen dem neuen RS 2 und dem Ronin-S:

Das gilt auch für Kameras-Objektiv Kombinationen die länger bauen und/oder aus schwereren Zoom- oder manuellen Objektiven bestehen. Da der RS 2 über einen längeren Gimbalarm verfügt, steht zwischen Kameraauflage und rückseitigem Gimbal mehr Platz zur Verfügung, der für entsprechend schwerere Setups mehr Tarierungs-Spielraum bietet.

Wer also eher mit Vollformatkameras mit größeren Zoomobjektiven wie einem 24-105mm unterwegs ist oder mit einer Canon EOS C70 oder einer Sony FX6, dem empfehlen wir klar den RS 2. Wer jedoch breiter bauende Kameras wir die Blackmagic Pocket Cinema Camera im Einsatz hat, der könnte mit dem RSC 2 (je nach genutztem Objektiv) den geeigneteren Gimbal finden (siehe hierzu auch das entsprechende Extra-Kapitel zur „Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K/6K: RS 2 versus RSC 2“).

Und auch wer vor allem mit kompakten Festbrennweiten an DLSMs unterwegs ist und die höhere Tragkraft des RS 2 zu Gunsten eines etwas kompakteren Gimbals nicht benötigt, dürfte mit dem günstigeren RSC 2 den passenderen Gimbal finden.

Eher für professionelle Anwender von Bedeutung dürfte der beim RS 2 demontierbare Akkugriff sein. Damit lässt sich der RS 2 nicht nur fast so kompakt transportieren wie der RSC 2, sondern optional durch die Anschaffung eines zweiten Batteriegriffs schnell mit einer frischen Akkuladung versorgen.

Noch besser hätten wir bei den DJI Gimbals zwar die Verwendung von Standard Lithium Ionen Akkus (wie bps. beim LIBEC TH-G3 mit seinen 18650 Akkus) gefunden, aber vermutlich sind die eingebauten Akkus (zumindest erstmal) effektiver.

Da der Akkugriff des RSC 2 nicht vom Gimbal demontierbar ist, muss dieser am Gimbal selbst erneut aufgeladen werden. Dafür hält der interne Akku des RSC 2 laut DJI etwas länger durch als der des RS 2. DJI gibt die Laufzeit des RSC 2 mit 14 Stunden an, beim RS 2 sind es „nur“ 12 Stunden. Bei mehrstündigen Drehs hatten wir weder beim RSC 2 noch beim RS 2 Probleme mit zu geringer Akkukapazität.

Der fest verbaute Akkugriff beim RSC 2 punktet hingegen mit einem noch etwas kompakteren Transportmaß sowie der Möglichkeit, den Gimbal quasi im „Pistolengriff“ zu führen, was beim RS 2 so nicht möglich ist.

Neu hinzugekommen sowohl beim DJI RS 2 als auch beim DJI RSC 2 sind Drehräder für die Zeigefingerbedienung an der Vorderseite der Gimbals. Mit unterstützten Kameras lässt sich hiermit „manuell“ fokussieren, der Zoom einstellen u.a.

Wir hatten die Canon EOS R6 an beiden Gimbaln im Einsatz und das Canon RF 24-70mm f2.8 wurde mit beiden Gimbaln Out-Of-The Box unterstützt. Allerdings ist das Drehrad defaultmäßig für den Fokus viel zu sensitiv eingestellt. Man fokussiert mit einem Dreh gleich 10er Meter. Für eine bessere Kontrolle empfehlen wir im Menü „Radgeschwindigkeit“ den Wert von „50“ auf ca. „15“ herunterzusetzen.

Für (gelegentliche) komplexere manuelle Fokusverlagerungen ist das auf jeden Fall besser als nichts – für einen ganzen Tag manuell zu fokussieren ist das Zeigefinger-Drehrad ergonomisch allerdings nicht ausgelegt. Neben einem größeren Fokusrad an der Seite würden wir dann auch einen fest stehenden, extra Monitor an der Nato-Aufnahme des Gimbals empfehlen.

Apropos: Neu und sehr willkommen sind die neuen Nato-Aufnahmen an der Seite sowohl des RSC 2 als auch beim RS 2. Hiermit eröffnen sich eine ganze Reihe von Zubehör-Optionen – angefangen von Monitoraufnahmen, zusätzlichen Griffen bis hin zu Fokusrädern u.a.

Doch aufgepasst - die Nato-Aufnahme unterscheiden sich beim RS 2 und RSC 2 voneinander! Der RS 2 verfügt im Gegensatz zum RSC 2 über elektrische Kontakte an seinen Natoaufnahmen, womit sich dann noch Zubehör wie weitere Fokusräder und vermutlich zukünftig noch kommende Module anschließen lassen.

Apropos Schnittstellen und Anschlüsse: Beide DJI Gimbal verfügen über jeweils drei USB-C Anschlüsse für diverse Steuer- und Monitorfunktionen: Image Transmission/Focus Motor Port, Focus Motor Port und RSS Camera Control Port. Beim RSC2 Gimbal befinden sich die drei USB-C Anschlüsse auf dem Kameraarm direkt unter der Kamera, beim RS2 am Kameraarm auf der Seite.

Neues Bedienkonzept: (Mehr) Menünavigation am Gimbal

Eine der erfreulichsten Neuerungen der neuen DJI-Gimbals stellt die stärkere Verlagerung der Bedienung weg von der Smartphone-App hin zum Gimbal selbst dar - auch wenn sich der Funktionsumfang und die Menüscreens deutlich beim RS 2 und RSC 2 voneinander unterscheiden.

Der RS 2 verfügt über einen als Touchdisplay entworfenen etwas größeren 1.4“ Menüscreen, der RSC 2 über einen 1“ OLED-Screen, der nicht touchfähig ist sondern über ein Scroll/Klickwheel an der Seite bedient wird.

Tatsächlich empfinden wir die Scroll/Klickwheel-Variante des RSC 2 als praxistauglicher und damit auch „professioneller“.

Hier besteht weniger die Gefahr, versehentlich an den Touchscreen zu geraten und wichtige Parameter zu verstellen. Zudem empfinden wir den Touchscreen des RS 2 als zu nervös und nicht konsistent genug in der Bedienung. Hier darf DJI gerne noch etwas nachlegen.

Wir empfehlen beim Betrieb des RS 2 auf jeden Fall, von der Lock-Funktion des Touchscreens häufiger Gebrauch zu machen. Schön zu sehen, dass DJI mit mehr Bedienung am Gimbal selbst in die richtige Richtung geht ...

Auch vom Funktionsumfang unterscheidet sich die Menüscreen-Bedienung beider Gimbal: Während sich beim RS 2 „Zeitraffer“, „Verfolgen“, „Panorama“ und „Zeittunnel“ direkt vom integrierten Touchscreen aufrufen lassen, muss beim RSC 2 hierfür die Smartphone-App genutzt werden.

Und apropos DJI Ronin-App: Ganz ohne App geht es dann (leider) doch nicht: Zumindest für die erste Aktivierung des Gimbals muss das Handy via App mit dem Gimbal gekoppelt werden. Und natürlich braucht es auch die Ronin App, wenn man Updates auf den Gimbaln installieren oder zusätzliche Remote Funktionen wie Raven Eye nutzen möchte. Hierbei überlässt man DJI gemäß deren Datenschutzrichtlinie Einiges an persönlichen Daten, was wir eher uncool finden - aber hier muss jeder selbst eine Abwägung treffen …

Raven Eye

Wer die neuen DJI-Gimbals in der „Pro Combo“-Version bestellt (für 195,- Euro zusätzlich beim RSC 2 oder 137,- Euro zusätzlich bei RS 2) erhält unter anderem die Raven Eye genannte Remote Fernsteuer- und Monitoringsoption zum DJI Gimbal dazu, die wir hier auch getestet haben.

Um Raven Eye zu nutzen, ist zunächst jedoch etwas umfangreicheres Verkabelungsgeschick notwendig: Der Raveneye-Transmitter, der unterhalb der Kameraaufnahme via Hotshoeaufnahme in den Gimbal eingeklickt wird, muss mit einem HDMI-Port mit dem dazugehören HDMI-Out der Kamera verbunden werden. Darüber hinaus muss der Transmitter auch mit dem dp-/WLAN Port des Gimbals verbunden werden und zusätzlich muss die Kamera für die Fernsteuerfunktionen mit dem RSS Port des Gimbals verbunden werden.

Das sind insgesamt 3 Kabel, die Dank DJIs geschickter Portplatzierung zwar kaum die Gimbal-Beweglichkeit einschränken – jedoch auch jede Menge „Kabelfallen“ zum Dran-Hängen-Bleiben darstellen. Zumindest die Verbindung zwischen dem Raven Eye Transmitter und dem Gimbal würden wir bei einem zukünftigen Update lieber intern gelöst sehen.

Gut gefallen hat uns hingegen das Out-of-The-Box gute Zusammenspiel mit unterschiedlichen Kameras. So hatten wir weder mit der aktuellen Panasonic S5 noch mit der Canon EOS R6 Probleme mit den Steuerfunktionen.

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Wofür man sich – zumindest beim erste Setup – etwas Zeit nehmen sollte, ist die WLAN-Verbindung zwischen Raven Eye und Handy. Hier heisst es vor allem das Passwort für das entsprechende WLAN des Ronins parat zu haben, bzw. das Default-Passwort („12345678)“nach dem ersten Login zu ändern und sich daraufhin nochmals in das bereits bekannte WLAN einzuloggen.

Ohne Smartphoneanbindung ist das Rave Eye Bildübertragungssystem am integrierten Gimbal-Monitor als Preview nur beim RS2 möglich. Allerdings hier dann in Daumengröße und damit für uns tatsächlich am RS 2 eher Gimmick als wirklich brauchbares Monitoring. Beim RSC 2 ist ein Handy für Raven Eye auf jeden Fall obligatorisch. Für optimale Bildkontrolle - oder auch wenn Force Mobile genutzt werden soll – empfehlen wir den Einsatz eines Handys sowohl beim RSC 2 als auch beim RS 2 im Verbund mit Raven Eye.

Sowohl mit der Panasonic S5 als auch mit der Canon EOS R6 funktionierte Raven Eye inklusive aller Remote Funktionen am Handy auf Anhieb gut: Blende, Verschlusszeit und ISO liessen sich problemlos einstellen und auch entsprechende Zusatzfunktionen wie Peaking. Zebra und False Color liefen auf Anhieb. Kompliment an DJI an dieser Stelle.

Allerdings sollte man von den Monitoring-Funktionen keine Wunder erwarten. Die Auflösung auf dem Handy-Screen reicht ohne Peaking nicht aus, um sicher die Schärfe zu bestimmen. Inklusive Peaking geht es besser – allerdings hat man hier immer auch mit Latenzen zu kämpfen, die sich auch von Kamera zu Kamera unterscheiden (das HDMI-Signal der Canon EOS R6 war etwas schneller am Handy als das der Panasonic S5). DJI gibt unter optimalen Bedingungen 50ms Latenz an.

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Grundsätzlich lässt sich bei der Remote Gimbalsteuerung zwischen Force Mobile und einem virtuellen Joystick auswählen. Wir empfehlen den virtuellen Joystick, wenn man maximale Kontrolle bei der Remote-Steuerung benötigt. Force Mobile sehen wir hingegen vor allem dort im Einsatz, wenn es um klassische Kamerabewegung geht, bei denen beispielsweise Stativshots mit Schwenks und Tilts remote übertragen werden sollen. Hier kann man dann das Handy als Remote Gyro-Sensor selbst auf ein Stativ geben und dann die entsprechenden Bewegungen am Stativ bestmöglich kontrolliert ausführen.

Allerdings gibt es beim Remote Setup wie erwähnt Latenzen zu beachten und dies gilt sowohl für die Steuerung via ForceMobile als auch via virtuellem Controller: Während die Steuerbefehle für den Gimbal selbst angenehm schnell mit minimalen Latenzen vom Handy an den Gimal weitergeleitet werden, hat das dazugehörige Videosignal stets mit Latenzen zu kämpfen.

Wer auf professionelles Monitoring mit Video-Funkstreken mit Zero-Latency angewiesen ist, dürfte hiermit nicht wirklich glücklich werden – allerdings sollte dies bei dem recht günstigen Preis des Raven Eye Systems auch realistischer Weise nicht wirklich erwartet werden.

Wer die Latenzen umgehen möchte, findet im automatischen Tracking des Raven Eye Systems (Active Track 3.0) eine mögliche Option – die wir ebenfalls getestet haben.

Zusammenfassen lässt sich unsere Einschätzung des Raven Eye Systems wie folgt: Für Aufnahmen die sich ohne großen Aufwand auch wiederholen lassen, bietet das Raven Eye System einen echten Mehrwert, weil hiermit Kamerapositionen möglich werden, an die ein Operator nicht gelangt.

Wer hingegen komplexe Shots plant, deren Wiederholung Aufwand bedeutet, sollte lieber auf ein professionelles Bildübertragungs- und Remotesystem setzen.

Active Track 3.0

Zusammen mit Raven Eye steht im Verbund mit dem DJI RSC 2 und RS 2 jetzt auch das Active Track 3.0 Tracking-System zur Verfügung, das man bereits von DJI Drohnen her kennt.

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Mit aktiviertem Raven Eye System lässt sich hierbei via Touchscreen vom Handy oder Tablet ein Objekt markieren, das dann eigenständig vom Gimbal-System getrackt wird. Out-Of-The Box funktioniert DJIs 3-Tracking System überraschend gut – allerdings gilt es auch dessen Grenzen im Auge zu behalten.

So funktioniert das Active Tracking System vor allem gut bei Personen so lange diese in einem Ausschnitt ab der Hüfte im Bild (Oberkörper) zu sehen sind und nicht von anderen Gegenständen verdeckt werden. Nähert sich die Person der Kamera, verliert das Active Track System dann bei enger werdenden Ausschnitten häufiger das Tracking. Ebenso hatten wir bei enger gewählten Portrait- Ausschnitten immer wieder Probleme mit dem Active Tracking. Wurde die Person kurzfristig durch ein Objekt im Vordergrund verdeckt – beispielsweise durch eine Säule - gab es ebenfalls einige verlorene Trackings. Bei einem zukünftigen Update würden wir daher beim DJI Active Track System gerne einen länger aktiven Speicher des Tracking-Objektes sehen, so dass sich das Tracking automatisch wieder an das ursprünglich getrackte Objekt anheften kann, sobald es wieder zum Vorschein kommt.

Raven Eye Transmitter am RS 2 und Canon EOS R6
Raven Eye Transmitter am RS 2 und Canon EOS R6

Sofern man um diese Grenzen des DJI Active Track Systems weiss, kann es vor allem im Kombination mit den Remote Funktionen des Raven Eye Systems Aufnahmen aus Perspektiven ermöglichen, die einem Operator nicht oder nur schwer zugänglich sind.

Doch wie auch beim Raven Eye System gilt: Wer entsprechende Tracking-Shots ohne größeren Aufwand wiederholen kann, dem kann das Active Track System genau jene speziellen Aufnahmen ermöglichen. Wer hingegen ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit benötigt, dürfte mit höherwertigeren Remote-Systemen besser bedient sein.

Blackmagic Pocket Cinema Camera vs DJI Gimbal

Wer die letzen Jahre nicht unter einem Stein gelebt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass die Gimbal-Optionen für die populäre Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K und 6K bislang eher überschaubar waren. Dies liegt vor allem an dem vergleichsweise weit links platzierten Stativgewinde der Blackmagic Kameras und einer entsprechend eher ausladenden rechten Kamerahälfte.

Obwohl die Blackmagic Pocket Cinema Cameras mit einem Gewicht von ca. 900g perfekt für viele Einhand - / DSLM/DSLR-Gimbals geeignet ist, scheitert es häufig schlicht an den Abmessungen der Pockets. Um so neugieriger waren wir, wie sich die Blackmagic Pocket Cinema Kamera auf den neuen DJI-Gimbals montieren lässt.

 Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K passt besser auf den DJI RSC 2
Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K passt besser auf den DJI RSC 2

Und hier hat sich auch gleich die erste größere Überraschung eingestellt. Tatsächlich passen die Blackmagic Pocket Cinema 4K/6K Cameras besser auf den kompakten RSC 2 als auf den „größeren“ und kräftigeren RS 2 Gimbal.

Auf dem DJI RSC 2 Gimbal reicht der Platz für die Pocket auf der Kameraaufnahme nahezu perfekt aus – das bedeutet inkl. etwas Luft zum rechten Gimbalarm hin. Wir hatten das leichte und kompakte Lumix 8-16mm an der Pocket 4K und keinerlei Montageprobleme. Selbst mit etwas schwereren Objektiven dürfte auch nach „hinten“ noch genug Platz bleiben, um nicht bei größeren Tilt-Bewegungen an den Gimbal zu stoßen.

Der Grund für den guten Sitz der Pocket am RSC 2 Gimbal ist recht einfach zu erklären: Im Gegensatz zum RS 2 Gimbal lässt sich beim RSC 2 Gimbal die Kameraaufnahme auf der Y-Achse verschieben – beim RS 2 ist sie fest. Für uns tatsächlich eine etwas zwiespältige Konstruktionsentscheidung beim RS 2, die wir nicht ganz nachvollziehen können ...

Zwar lässt sich die Pocket auch auf dem RS 2 montieren aber wer mit besonders leicht und kompakt bauenden Objektiven wie wir hier unterwegs ist, muss die Pocket komplett an den linken Gimbalarm quetschen und zusätzlich die kleine Zusatz-Kameraplatte maximal nach links verschieben. Nicht wirklich ein gelungenes Setup in unseren Augen. Wer hingegen mit schwereren Objektiven an der Pocket unterwegs ist, dürfte den Kamerabody hinter das linke Gimbal-Gelenk positionieren können und erhält damit dann die nötige Luft zwischen Gimbal und Kamera.

Ausreichend Platz auf der rechten Kameraseite der Blackmagic Pocket beim DJI RSC 2
Ausreichend Platz auf der rechten Kameraseite der Blackmagic Pocket beim DJI RSC 2

Somit für uns eine klare Sache: Wer mit Kameras unterwegs ist, die viel Breite benötigen, der sollte bei der Wahl zwischen RS 2 und RSC 2 paradoxer Weise zum kompakteren RSC 2 greifen – dabei aber das Gesamtgewicht und die Länge des Kamera-Objektivsystems im Auge behalten.

Wer jedoch mit schwereren oder auf der Z-Achse tiefer bauenden Kameras unterwegs ist, dürfte besser mit dem RS 2 beraten sein. Wir haben beispielsweise auch die neue Blackmagic Ursa Mini 12K (die weniger breit vom Gewinde zur Seite baut als die „kleine“ Pocket) kurz mal auf den RS 2 montiert und (halbwegs) tariert bekommen. Hier würden wir dann jedoch deutlich leichtere Optiken als unsere manuellen Zeiss CP2s empfehlen (und für komplette Drehtage auf jeden Fall eine Gimbal-Klasse größer wählen).

DJI RSC-2 in der Praxis (mit Canon EOS R6)

Laufen

Was uns bei unseren Aufnahmen mit Caro als erstes auffällt: Bei der Korrektur vertikaler Auf-und Ab-Bewegungen beim Laufen (auch „Bobbing“ engl. genannt) zeigt sich der aktuelle DJI RSC-2 Out of the Box auf sehr guten Niveau. Mit etwas Konzentration beim Laufen gelingen sehr stabile Aufnahmen – sowohl als wir mit dem Gimbalsetup rückwärts gelaufen sind als auch bei seitlicher Kamerabewegung.

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Einen ganz guten Eindruck hiervon erhält man mit der fast 1-minütigen Sequenz am Ende unseres Testvideos bei der wir die Kamera/Gimbal-Position immer wieder im Laufen wechseln.

Rennen

Die gute vertikale Stabilisierungsleistung zeigt sich beim RSC 2 ebenfalls auch in Grenzbereichen beim Rennen. Um Caro auf den Longboard am Spreeufer folgen zu können, mussten wir mit dem Gimbalsetup schnell rennen.

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Sowohl bei den Shots im Upside-Down Modus als auch bei den Close-Ups sind kaum vertikale Störbewegungen auszumachen. (Der einzige Gimbal mit dem wir in letzter Zeit ebenfalls so gerannt sind (mit der Panasonic S5) war der Libec TH-G3, der über eine ähnlich gute vertikale Stabilisierung verfügt - jedoch auch ein halbes Kilo mehr auf die Waage bringt).

Tilts

Interessiert waren wir bei unserem Test mit den DJI-Gimbals ebenfalls, wie gut sich mit den Gimbals vertikal neigen lässt (quasi als Stativ-Ersatz). Entsprechend haben wir auch ein Paar vertikale Tilts aufgenommen, die auf Anhieb problemlos funktioniert haben.

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Da wir mit der Canon EOS R6 vorzugsweise in 50p aufnehmen, hatten wir in Resolve dann noch nachträglich die Option, den Tilt von der Geschwindigkeit nach eigenen Wünschen anzupassen.

Vertikale Kamerafahrten

Das gleiche gilt auch für vertikale Kamerabewegungen, bei denen man versucht, mit dem Gimbal-Setup einen kleinen Jib-Arm zu imitieren.

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Auch hier hat der DJI RSC 2 Gimbal gut funktioniert. Wer hierbei eher weitwinkelig unterwegs ist, dem empfehlen wir den Gimbal in den „maximalen“ Upside-Down Modus zu bringen, um nicht einen der Gimbalarme im Sichtfeld der Kamera zu haben. Diesen „korrekten“ Upside-Down Modus erreicht man – ähnlich wie beim Ronin S - indem man den Gimbal kurz in den Schlafmodus versetzt und ihn dann einmal um die Roll-Achse rotiert. Damit befindet sich nun der hintere Gimbal-Arm auch im Upside-Down Betrieb wieder hinten (und nicht vor dem Objektiv, wenn man den Ginmbal einfach nur neigt).

Upside Down

Auch für bodennahe Shots empfiehlt sich der Betrieb im Upside Down Modus des Gimbals. Wir haben den RSC-2 mit der Canon EOS R6 Upside-Down für die Details-Shots auf Caros Füße auf dem Longboard genutzt.

Für uns gehören bodennahe Aufnahmen u.a. zu jenen Shots, die sich am besten mit Gimbaln realisieren lassen. Von daher würden wir bei der Gimbalwahl stets auf eine gute Upside Down Funktion achten, bei der sich der Gimbal auch mit 180° gedrehter Rollachse einwandfrei betreiben lässt. Dies gehört zwar mittlerweile zum Standard der meisten Gimbal – trotzdem gut zu sehen, dass dies unkompliziert mit den aktuellen Ronins möglich ist.

360° Drehungen

Ebenfalls zum Standard vieler Gimbals gehört mittlerweile der 360° Modus, den wir ebenfalls mit der Canon EOS R6 – auf Caro zubewegend - ausprobiert haben.

Gut gefallen haben uns die zusätzlichen Funktionen rund um den 360° Modus. So lassen sich sowohl der RS 2 als auch der RSC 2 sehr schnell durch dreimaliges Drücken des Front-Trigger-Buttons (Zeigefinger) in den 360° Modus versetzen (alternativ über den Menüscreen). Hinzu kommen viele buttongesteuerte Auto-Funktionen wie: kontinuierliche Drehung, halbe Drehung etc.

Fazit

Bei den Kern-Stabilisierungsaufgaben sind die meisten uns bekannten, aktuellen Einhand-Gimbal alle auf recht ähnlichem, hohem Niveau angekommen. Und auch der DJI RSC 2 und RS 2 verrichten ihre Stabilisierungsaufgaben sehr gut. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, sind jedoch einfachere Bedienung, Gewichtsreduzierung und modulare Zusatzoptionen gefragt. Und genau hier hat DJI mit seinen neuen Einhand-Gimbaln angesetzt.

Sehr gut gefallen hat uns das problemlose Zusammenspiel mit diversen Kameras – hier spürt man die große Erfahrung, über die DJI bei der Produktion von Gimbaln mittlerweile verfügt.

Ebenfalls punkten kann DJI beim Thema Gewichtsreduzierung (vor allem beim RS2), der verbesserten Bedienung Dank arretierbarer Achsen, durchdachter Kameraaufnahmen und cleverer Faltmechanik, die angenehm kompakte Transportgrößen ermöglichen.

Optionale Zusatzfunktionen wie die Raven-Eye Bildübertragung inkl. Force Mobile und 3D-Tracking ermöglichen Shots aus schwer zugänglichen Kamerapositionen – da diese jedoch Handy-basiert sind, sollte man die Remote-Funktionen eher als Nice-To-Have denn als vollwertige, professionelle Option einordnen.

Die Dank Menüscreens stärker in den Gimbal integrierte Menübedienung (weg vom Handy) hat uns ebenfalls gut gefallen - auch wenn Handy Apps immer noch (inkl. weitreichender Rechteübertragung an DJI) notwendig sind. Und da wir gerade dabei sind: Warum nicht auch ein Paar Angaben/Ziele zum Thema nachhaltige Produktion veröffentlichen? Fänden wir beim Marktführer für Drohnen und Gimbaln jedenfalls nicht uncool.

Unterm Strich modernisiert DJI mit den neuen Ronin RS 2 und RSC 2 sein Einhand-Gimbal Lineup in vielen wichtigen Punkten und dürfte damit seine Marktführerschaft bei den Einhand-Gimbaln weiter ausbauen.

   

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