Test: Manfrotto 645 Fast Twin Alu und Carbon Videostativ – günstig, modular und mit schnellem Fast Lever Lock

11.01.2021 von Rob



Mit dem 645 Fast Twin hat Manfrotto jetzt auch ein Stativ mit einem schnellen Klemmverschluss pro Stativschenkel im Portfolio, das sich in erster Linie an 100mm Stativköpfe richtet – jedoch via Adapter auch mit 75mm Halbschalen betrieben werden kann. Wir hatten sowohl die Aluminium- als auch die Carbonvariante des neuen Manfrotto 645 Fast Twin im Test mit zum Teil überraschenden Ergebnissen …

Manfrotto 645 Fast Twin
Manfrotto 645 Fast Twin

645 Fast Twin Technische Daten

Sowohl für die Aluminium als auch die Carbonversion des neuen Manfrotto 645 Fast Twin Videostativs gibt Manfrotto eine Traglast von max. 25kg an. Damit bewegt man sich 5kg oberhalb der Traglast des Sachtler Flowtech 75 sowie 5kg unterhalb der Traglast des Flowtech 100mm (30kg).

Manfrotto 645 mit Sachtler FSB Kopf und Ursa Mini Pro 12K
Manfrotto 645 mit Sachtler FSB Kopf und Ursa Mini Pro 12K

Positiv überrascht waren wir vom Gewicht des neuen 645 Fast Twin in der Carbon-Version. Hier haben wir 3.442g (ohne 75mm-Einsatz) gewogen. Zum Vergleich: Das ebenfalls in Carbon gefertigte Flowtech 100 kommt (von uns gewogen) auf 3.472g. Zwar mögen 30g nicht viel sein – aber dass das Manfrotto 645 überhaupt leichter als das Sachtler baut, halten wir für bemerkenswert. Die Alu-Version des Manfrotto 645 Fast Twin bringt es dann auf 3.710g.

Und da wir gerade beim Vergleichen sind: Bei den Maximalauszügen punkten die Manfrottos mit maximalen von uns gemessenen 166cm (Flowtech 100 = 162cm). Die maximale Arbeitshöhe mit Mittelspinne liegt bei 157cm. Im bodennahen Betrieb haben hingegen die Flowtechs mit ca. 24cm Minimalhöhe vs 27 cm bei den Manfrottos die Nase vorn. Die Transportlänge der neuen 645-Stative liegt bei 73cm.

 75mm Adapter für Manfrotto 645-Stative im Lieferumfang inbegriffen
75mm Adapter für Manfrotto 645-Stative im Lieferumfang inbegriffen

Anders als bei den Sachtler-Pendants werden die Manfrotto 645 Fast Twin Stative sowohl in der Alu- als auch in der Carbonversion mit einem 75mm Halbschalen-Adapter ausgeliefert. Damit lassen sich an den ursprünglich für 100mm Halbschalen ausgelegten Stativen also bei Bedarf auch 75mm Köpfe betreiben (allerdings mit Einschränkungen – s. das entsprechende Kapitel).

Geradezu riesig fallen die klassisch mit einer Gummimanschette gesicherten Füße der Manfrotto 645 Stative aus.

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Nimmt man diese ab, stehen integrierte Dornen für den Stand im Gelände zur Verfügung. Große Füße bedeuten einen sicheren Stand – was uns ganz gut gefallen hat – allerdings sind die Füße recht locker am Stativ angebracht: Wer das Stativ häufig ohne Tasche transportiert, sollte hier darauf achten, diese nicht versehentlich zu verlieren.

Ebenfalls neu bei den Manfrotto 645 Fast Twin Stativen sind die jetzt schnell wählbaren Beinwinkel-Presets die sich bei 20°, 50° und 70° arretieren lassen. Damit fällt – ähnlich wie bei den Flowtechs – die Notwendigkeit einer Mittelspinne weg.

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Konsequenter Weise lassen sich die Mittelspinnen dann auch bei den 645 Fast Twins jetzt als optionales Zubehör ordern. Zwar kann man bei den neuen Manfrotto Stativen auf Grund ihrer hohen Torsionssteifigkeit unserer Meinung nach tatsächlich komplett auf die Mittelspinnen verzichten – wer sie trotzdem für maximale Solidität benötigt, kann diese jetzt in drei Ebenen an den Stativen (und auch als Bodenspinne) einsetzen.

Vermisst haben wir hier lediglich einen integrierten Transportgriff am Stativ selbst.

Fast Lever Lock Arretierung

Mit dem „Fast Lever Lock“ genannten Klemmverschluss bietet Manfrotto jetzt auch eine Arretierung, die mit einer Klemmung den gesamten Stativschenkel arretiert. Wer einmal mit solchen Verschlüssen am Stativ gearbeitet hat, dürfte nur schwer zu Stativen mit zweifach Klemmung pro Schenkel zurückkehren. Der Gewinn an Geschwindigkeit und Komfort ist bei den neuen Ein-Schenkel-Verschlüssen unschlagbar.

  Manfrotto Fast Lever Lock: Eine Klemmung pro Stativschenkel
Manfrotto Fast Lever Lock: Eine Klemmung pro Stativschenkel

Und Manfrotto hat bei seinem Fast Level Lock System gute Arbeit geleistet: Die Klemmverschlüsse befinden sich auf ergonomisch sinnvoller Höhe, schließen Dank Doppelrohrsystem sehr zuverlässig und lassen sich einfach mit einem mitgelieferten Inbus bei Bedarf nachjustieren.

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Zwar sind die Arbeitshöhe und die Ergonomie der Klemmhebel nicht ganz so komfortabel wie bei den Flowtechs von Sachtler – dafür bietet die Doppelrohrklemmung der Manfrotto 645 Stative eine höhere Torsions-Festigkeit und dies zu einem deutlich günstigeren Preis.

Wer also auf der Suche nach einem 100er-Stativ ist, das bei horizontaler Belastung (z.B. Schwenk mit schwereren Kameraufbauten) ein Höchstmaß an Stabilität zur Verfügung stellt (bei zugleich moderatem Preis), sollte sich die neuen 645 Manfrottos einmal genauer anschauen.

75mm Halbschalenmodul

Zum Lieferumfang der Manfrotto 645 Fast Twin Stative gehört - wie bereits erwähnt - auch ein 75mm Halbschalen-Einsatz, der den Betrieb von entsprechend kleineren Stativköpfen ermöglicht.

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Dies erweitert das Anwendungsgebiet der 645 Fast Twin Stative deutlich. Aber Achtung - eine vollwertige 75mm Lösung stellt der Adapterring nicht dar. Deshalb empfehlen wir die Manfrotto 645 Fast Twin Stative in erster Linie für 100mm Stativ-Köpfe.

Zwar wird der 75mm-Einsatz mit drei Inbusschrauben in der 100mm Schale ausreichend stark fixiert, allerdings bietet der 75mm Adapter selbst weniger Halt für entsprechende 75mm Stativkopf-Halbschalen als „native“ 75mm Aufnahmen.

Der Grund hierfür liegt in zu wenig Kontaktfläche/Reibung für die Halbschale. Etwas Abhilfe schafft hierbei entweder das Entfernen der recht glatten Lackschicht des Adapters (ggf. auch auf Stativkopfseite) oder eine Veränderung der 75mm Schalenausformung des Adapters von Manfrotto, um mehr Kontaktfläche zur Halbschale des jeweiligen Stativkopfes zu erzeugen. Hierfür wäre dann vermutlich ein etwas anderer Winkel an der Seitenwand des Adapter notwendig.

Leichtere Kamerasetups dürften auch so mit dem 75mm Halbschalenadapter auskommen. Wer jedoch mit schwereren Setups seinen 75mm Fluidkopf an den Manfrottos 645 betreiben möchte, sollte zumindest vorab prüfen, ob die Arretierung des Fluidkopfs im 75mm Adapter ausreicht oder lieber gleich auf einen 100 mm Stativkopf wechseln.

Praxis, Handling

Hier noch ein paar Notizen aus unserer Praxis mit den Manfrotto 645 Fast Twin Stativen:

Transport auf Schulter

Wer (wie wir) sein Stativ viel auf der Schulter transportiert, schätzt eine unproblematische Schulterauflage sowie Stativschenkel, die während des Laufens nicht auseinanderklappen. Beides erfüllen die Manfrotto 645 Fast Twin Stative. Vor allem im eingefahrenen Zustand lässt sich das 645 problemlos auf der Schulter transportieren.

Kunststoffklammern für die Transportsicherung gehen schnell verloren
Kunststoffklammern für die Transportsicherung gehen schnell verloren

Für die Sicherung der Stativschenkel hat Manfrotto Kunststoff-Klammern an den Doppelrohren angebracht, die sich auf den nächstliegenden Schenkel klippen lassen und so die Schenkel zusammenhalten. In unseren Augen allerdings keine praxisnahe Lösung, weil die Klammern selbst nicht gesichert sind und so schnell verloren gehen.

 Auf der Schulter am besten im eingefahrenen Zustand zu transportieren
Auf der Schulter am besten im eingefahrenen Zustand zu transportieren

Aufgrund von ausreichender Dämpfung klappen die Stativschenkel jedoch auch ohne Klammern beim Transport nicht auseinander, so dass man auf eine Exra-Sicherung in den meisten Fällen verzichten kann. Dies gilt jedoch nur, wenn man das Manfrotto 645 eingefahren hat – will man es ausgefahren auf der Schulter tragen, müssen die Schenkel zusammengebunden werden, weil sie sonst zu wippen beginnen (hier würden wir uns eine Magnet-Lösung wie bei den Flowtechs wünschen – auch wenn dies etwas Mehrgewicht bedeutet).

Klettbänder an den Schenkeln könnten auch eine Alternative für diejenigen sein, die das Stativ pür schnelle Kamerawechsel im ausgezogenen Zustand transportieren wollen oder müssen.

Aufbau

Der Aufbau geht mit der großen Standfläche der Füße sowie der zuverlässig arbeitenden Fast Lever Locks schnell und unkompliziert von Statten. Dank der eindeutigen Beschriftung der Spreitzwinkel, lässt sich auch ohne Mittelspinne schnell eine stabile Position finden.

Vor maximal bodennahen Shots sollte man sich den Flex des Manfrotto 645 in Minimalhöhe etwas genauer anschauen. Je nach Kamerasystemgewicht kann es hier im Betrieb zu leichtem, vertikalem Schwingen kommen.

Für entsprechende Extrem-Shots sind andere Stativkonstruktionen im bodennahen Betrieb stabiler.

Justage

Muss die Kamerahöhe justiert werden oder für den nächsten Shots aus gleicher Position angepasst werden, bietet das Manfrotto Fast Lever System mehr Komfort als andere Ein-Schenkel-Klemm-Systeme.

Bei der Doppelrohr Manfrotto-Lösung lässt sich die Stativhöhe bei offener Klemmung quasi ohne Reibung oder Verkantung justieren. Somit sind sehr schnelle Höhenanpassungen sowohl nach oben als auch nach unten möglich.

Abbau

Auch beim Abbau gewährleistet das Fast Lever System schnelle Abläufe: Schenkel zusammenführen, 3x Klemmung lösen und Stativ einfahren.

All diejenigen die derzeit noch mit 6 Klemmungen unterwegs sind, dürften bei den Auf-und Abbauten den größten Geschwindigkeitsvorteil feststellen.

Fazit

Die Manfrotto 645 Fast Twin Stative schließen mit der neuen Ein-Schenkel-Klemmung in Sachen Komfort und Geschwindigkeit zu höherwertigeren Stativsystemen am Markt auf. Beeindruckt hat uns vor allem das für die Klasse geringe Gewicht der Carbonvariante sowie die insgesamt hohe Torsionssteifigkeit der 645- Serie.

Nachbessern darf Manfrotto noch beim 75mm Adapter und der Transportklemmung der Stativschenkel.

Unterm Strich bietet die neue Manfrotto 645 Fast Twin Stativ Serie viele essentielle Stativfunktionen für´s Geld. Für uns klar ein Preis-Leistungs-Tip in der 100mm Stativklasse.

Die UVP für das Manfrotto 645 Fast Twin Alu liegt bei 664,41 Euro

Die UVP für das Manfrotto 645 Fast Twin Carbon liegt bei 942,08 Euro

   

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