Test: Sony FX3 in der Praxis: Die “CINE - A7S III“: Autofokus, Ergonomie, Hauttöne, Zeitlupe …

23.02.2021 von Rob



Wir hatten bereits Gelegenheit zu einem ausführlichen Test der neuen Sony FX3 in der Praxis und haben uns vor allem die Ergonomie, den Autofokusbetrieb bei 200mm f2.8 (!), die Hauttonreproduktion inkl. LOG/LUT, Cinetone und allen Farbprofilen, die starke Zeitlupenfunktion, den Akkuverbrauch, die Stabilisierungsleistung uvm. angeschaut: Ist die Sony FX3 die bessere A7S III?

Vorab unser Videoclip mit der FX3 bei dem diesmal das Sony FE 70–200 mm F2,8 GM OSS zum Einsatz kam und bei dem wir Caro u.a. mit 100 fps bei offener Blende auf die Kamera haben zurennen lassen:

Neben diversen Autofokus-Tests haben wir uns auch die Hauttonwiedergabe sowohl im LOG/UT Betrieb als auch in allen Bildprofilen angeschaut, die Stabilisierungsmodi, 50 und 100p und vieles mehr getestet.

Sony FX3 mit Vollformat-Sensor
Sony FX3 mit Vollformat-Sensor

Aufgenommen wurde bei Tageslicht mit XAVC S-I 4K auf eine Sony 160 GB CFExpress A Karte. Externes Licht oder Modifier hatten wir nicht dabei. An Zubehör kamen unser Genus Eclipse ND Filter und das Sachtler Flowtech 75 + FSB 8 zum Einsatz. Schnitt und Farbkorrektur erfolgten im aktuellen DaVinci Resolve 17.

Hauttöne + LOG/LUT

Seit der Einführung der Sony Venice hat Sony spürbar an der Hauttonreproduktion seiner Kameras gearbeitet und die FX3 bildet hier keine Ausnahme.

 Sony FX3, 100mm, F2.8, S-Log 3, 709 LUT + quick CC
Sony FX3, 100mm, F2.8, S-Log 3, 709 LUT + quick CC

Wir können nicht sagen, ob Sony seit der A7S III nochmal an seiner Colorengine gearbeitet hat - auf jeden Fall hatten wir diesmal keinen Grün-Tint bei unseren LOG-Aufnahmen und die 709 LUT passte auf Anhieb. Sicherlich ist das auch immer etwas abhängig vom jeweiligen Zusammenspiel zwischen Tageslicht und manuellem Weissabgleich aber zumindest bei diesen Tageslichtaufnahmen mit Caro passt die 709-LUT bereits ziemlich perfekt. Wie stets haben wir mit manuellem Weissabgleich auf Weißkarte abgeglichen.

 Sony FX3, 100mm, F2.8, S-Log 3
Sony FX3, 100mm, F2.8, S-Log 3

Mit einem LUT-only Workflow kommt man daher – zumindest unter solchen Bedingungen – bereits ziemlich weit.

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Sony FX3, 100mm, F2.8, S-Log 3 + 709 LUT only

Wir haben in DaVinci Resolve dann nur noch eine kleine Luma-Tonwertanpassung und minimal Chroma korrigiert und waren schnell fertig.

Sony FX3, 100mm, F2.8, S-Log 3 + 709 LUT + quick CC
Sony FX3, 100mm, F2.8, S-Log 3 + 709 LUT + quick CC

Bei der Hauttonwiedergabe ist für uns damit auch die Kombination aus S-Log3, der 709 LUT und einer leichten Tonwertanpassung die qualitativ hochwertigste Lösung. Wer gute Hauttonwiedergabe direkt aus der Kamera benötigt, dürfte beim jüngsten Sony Gamma-Farbprofil „S-Cinetone“ fündig werden:

 Sony FX3:  S-Cinetone Gamma.
Sony FX3: S-Cinetone Gamma.

Sonys vergleichsweise neues S-Cinetone Gamma wurde speziell für schnelle Turnover entwickelt und verfügt über eine deutlich gefälligere Hauttonwiedergabe im Vergleich zum klassischen Sony REC 709.

Autofokus

Die aktuellen Sony Alphas verfügen derzeit (im Verbund mit Sony Objektiven) über eines der leistungsfähigsten Autofokussysteme am Markt. Mit dem Sony FE 70–200 mm F2,8 GM OSS hatten wir diesmal ein Objektiv zur Verfügung, das die Leistungsfähigkeit des Sony AF-Moduls noch stärker ausreizen konnte.

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Für einen ersten Test haben wir die FX3 inklusive FE 70–200 mm F2,8 GM OSS auf einem Stativ montiert und Caro ca. 100m von der Kamera entfernt positioniert. Bei maximaler Teleeinstellung des Zooms bei 200mm und einer offenen Blende von f2.8 haben wir Caro dann auf die Kamera zurennen lassen und das AF Facetracking-System aktiviert.

Die Sony FX3 hat hierbei bemerkenswert gut den Fokus gehalten. Immer wieder beeindruckend ist auch die Distanz, bis zu welcher der Sony AF immer noch Gesichter/Augen erkennt.

Sony FX3 und FE 70–200 mm F2,8 GM OSS am Stativ
Sony FX3 und FE 70–200 mm F2,8 GM OSS am Stativ

Um den AF noch stärker zu fordern, haben wir bei einem zweiten Setup bei gleichen Bedingungen diesmal zusätzlich den Zoom von maximalen 200mm auf 70mm gezogen. Erst bei diesem für die meisten AF-Systeme recht herausfordernden Szenario verlor das AF-Tracking kurz den Kontakt zu Caro, um dann wieder im Fokus zu sein.

Nichtsdestotrotz eine beeindruckende AF-Performance. Für „Standard-Szenarios“ wie Talking-Heads Interviews, Gimbal-Shots u.a. dürftn damit mehr als genug AF-Reserven zur Verfügung stehen.

 Sony FX3: 100mm, f2.8, S-Log 3
Sony FX3: 100mm, f2.8, S-Log 3

Auch bei all unseren handgehaltenen Shots mit dem 70–200 mm F2.8 bei ca. 100mm f2.8 gab es zu keinem Zeitpunkt einen AF-Aussetzer oder eine Unsicherheit. Wichtig beim AF-Facetracking mit der FX3 ist auf jeden Fall, Caros Gesicht eindeutig als Tracking-Objekt per Touch auf den Monitor zu definieren. Danach trackte der Sony AF Caros Gesicht quasi fehlerlos, auch wenn dieses mal aus dem Frame herausgewandert war.

Ergonomie / Handling / Menü

Beim ersten in die Hand nehmen fallen bei der Sony FX3 sofort mehrere Sachen auf: Zum einen die kompakte Bauform, die trotzdem überraschend „satt“ in der Hand liegt und zum anderen die hochwertige Verarbeitung, die viel Solidität ausstrahlt. Die kompakte Anmutung des Gehäuses dürfte bei der Sony FX3 vor allem der fehlenden Suchereinheit geschuldet sein.

 Sony FX3
Sony FX3

Wir sprechen hier bewußt von „Anmutung“ denn wenn man die Abmessungen der FX3 mit der A7S III vergleicht, baut die FX3 mit ihren 129,7x77,8x84,5mm (BxHxT) bei 715g (inkl. Akku und Karte) minimal breiter und tiefer als die Sony A7S III und wiegt auch geringfügig mehr (Sony A7S III = 699g). Das „satte Handgefühl“ führen wir auf einen Mix aus ergonomisch gelungener Handausformung, dem höheren Gewicht und der größeren Gehäusetiefe zurück. Letztere wurde durch die verbaute, aktive Lüftereinheit notwendig.

Ebenfalls sehr auffällig für alle, die bereits mit anderen Sony Alphas zu tun hatten, ist das teilweise komplett neu entworfene Schalterlayout und damit einhergehende Bedienkonzept.

 Sony FX3 Topansicht
Sony FX3 Topansicht

Tatsächlich waren wir bei der ersten Präsentation der Sony FX3 erstmal etwas skeptisch, ob das Schalterlayout mit einem Daumen-Joystick auf der Oberseite des Gehäuses wirklich Sinn macht – aber nach unseren ersten, eigenen Aufnahmen mit der FX3 zeigt sich: Sony hat bei der FX3 ergonomisch fast alles für diejenigen richtig gemacht, die auf einen Sucher verzichten können. Damit hat Sony die FX3 ergonomisch zugleich konsequent und auch überraschend effektiv entwickelt.

Durch den fehlenden Sucher und die vergleichsweise geringe Gehäusehöhe landet der rechte Daumen auf der Oberseite des FX-3 Gehäuses (und nicht wie bei klassischen DSLR/DLSMs auf der Rückseite). Der Daumen bedient also bei der FX3 mindestens 4 Buttons auf der Gehäuseoberseite: WB, ISO, REC und den Daumenjoystick. Das funktioniert erstaunlich gut. Man muss es tatsächlich einfach mal selbst ausprobieren.

Alle wesentlichen Aufnahmeparameter und Videofunktionen sind bei der Sony FX3 nach außen auf Buttons geführt. Hierzu zählen auf der Rückseite: Fokus Magnification, Fn, Display, Zebra, Peaking, Shutter und auf der Oberseite die teilweise bereits erwähnten: WB,ISO, REC, IRIS sowie eine Zeigefinger Zoomwippe unter dem Foto-Auslöser und auf der Vorderseite noch ein REC-Button.

Hinzu kommen noch drei Bedienräder auf die - wie auf alle anderen Buttons – unterschiedliche Funktionen gelegt werden können. Defaultmäßig finden sich hier: Verschlußzeit auf dem Multifunktionsrad hinten, ISO auf dem Daumenrad hinten und die Blende auf dem Zeigefingerrad. Wir haben als erstes die Fokusvergösserung - die bei der FX3 wie allen anderen Sony Alphas auch während der Aufnahme funktioniert – als erstes auf den Daumenjoystick gelegt.

Sehr gut gefallen hat uns die Funktion über die Push-Buttons einzelne Funktionen entweder zu locken (kurzer Klick) oder auf Automatik zu schalten (langer Klick): So lassen sich ISO, Blende und Verschlußzeit einzeln via kurzem Klick auf den jeweiligen Push-Button locken oder auf Auto schalten – ziemlich Klasse.

Gerne hätten wir hier allerdings auch eine globale Lock-Funktion wie bei der A7S III gesehen. Und da wir gerade beim Wunschkonzert sind: Sehr vermisst haben wir bei der FX3 eine Umschaltmöglichkeit zwischen Verschlußzeit und Verschlußwinkel. Gerade bei einer „Cine“ gebrandeteten Kamera und gerade auch bei den vielen, hochwertigen Zeitlupen-Optionen der FX3 wäre das eine sehr willkommene Funktion (ebenso wie eine False-Color Monitoring-Option) – wir hoffen hier einfach Mal auf ein zukünftiges Update ...

Eines der wichtigeren Unterscheidungsmerkmale der Sony FX3 von allen anderen Alphas dürften die im Gehäuse integrierten ¼ Zoll Gewinde sein. Neben dem klassischen ¼ Zoll Stativgewinde im Boden finden sich noch jeweils 1 Gewinde auf jeder Kameraseite und ganze drei auf der Kameraoberseite, wobei zwei Gewinde hier von dem bei der FX3 mitgeliefertem XLR-Handgriff genutzt werden. Mit montierter Stativplatte und XLR-Handgriff stehen also immer noch drei ¼ Zoll Gewinde für Zubehör wie Licht, Momitorrecorder etc. zur Verfügung. Damit dürfte die FX3 in Sachen Rigging auch schon recht weit ohne zusätzlichen Cage kommen. (Wer jedoch Lockpin-Sicherungen benötigt, wird doch wieder zu einem Extra Cage greifen müssen).

Als ergonomisch gut gearbeitet empfanden wir den XLR-Handgriff der FX3. Solange man keine zu frontlastigen Objektive an die FX3 montiert, lässt sich die FX3 so komfortabel zwischen den Shots am Handgriff transportieren. Hinzu kommt, dass der XLR-Handgriff, der via MI-Interface mit der Kamera kommuniziert, ebenfalls noch 3 zusätzliche 1/4“ Schraubgewinde bietet.

Das Monitoring erfolgt über den seitlich ausklappbaren 3“ Touch-Monitor, der wie bei der A7S III über 1.44 Mio Bildpunkte verfügt (und damit etwas geringer auflöst als die Konkurrenz). Ergonomisch der einzig ernstzunehmende Kritikpunkt bezieht sich dann auch auf die Klappfunktion des 3“ Monitors der trotz der Lüftungsschlitze zu wenig Abstand zur Miniklinke des Kopfhörereingangs besitzt. Auch mit einem Winkelstecker am Kopfhörer lässt sich das ausgeklappte Display nicht frei neigen - sicherlich kein Dealbreaker aber in der Praxis unnötig fummelig. Ein Kopfhörer-Out am XLR-Handgriff wäre hier eine optionale Lösung gewesen (Vielleicht liesse sich ja der Miniklinken Input 3 per Firmware-Update auch als Kopfhörer-Out nutzen – das wäre ziemlich Klasse... )

Ansonsten verfügt die Sony FX3 über nahezu die gleichen In/Outs wie die A7S III. Hierzu zählen: HDMI in Standardgröße, 2x Miniklinke (Kopfhörer, Mikro), USB-C, MI-Shoe und ein Multifunktionsanschluss. Wer TC In/Out oder integrierte ND-Filter benötigt, wird im aktuellen Sony-Portfolio erst bei der FX6 fündig. Dafür bietet die FX3 – ebenso wie die A7S III – zukünftig 16 Bit RAW via HDMI-Out im Zusammenspiel mit externen Monitor-Rekordern.

Ebenfalls von der A7S III übernimmt die FX3 das sehr gute Menüsystem, das sich via Daumen-Joystick, Multifunktionsrad, Daumen und Zeigefingerrad oder einfach per „Touch“ navigieren lässt. Bereits mit der A7S III hat die Struktur der Sony Kameramenüs einen großen Sprung nach vorne gemacht und die FX3 bildet hier keine Ausnahme. Für uns einer der klaren Pluspunkte der aktuellen Sony Alphas: Die mittlerweile sehr übersichtlich und logisch strukturierten Menüs.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur A7S III besteht bei der FX3 in den diversen, integrierten Tally-Lights: Eins vorne, eins oben und eins hinten. Optional lassen sch alle Tally-Lichter ausschalten oder nur das vordere. Wer vor allem die FX3 als Remote / B-Cam etc. nutzt, dürfte die Tallies sehr zu schätzen wissen ... sicherlich auch eine interessante Ergänzung für Solo-Shooter, die mit Multi-Kamera-Setups unterwegs sind.

Sony FX3 vs Sony A7S III

Eine der meist diskutierten Fragen rund um die FX3 dürfte der Vergleich zur A7S III sein. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich beide Kameras in Sachen Bildqualität auf Grund des gleichen Sensors bei gleichen zur Verfügung stehenden Videoformaten kaum voneinander unterscheiden dürften.

Was sind also die Unterschiede zwischen der Sony FX3 und der A7S III? Und für wen macht welche Kamera mehr Sinn?

Hier zunächst die technischen Ausstattungsunterschiede der Sony FX3 im Vergleich zur A7S III:

- aktive Lüftereinheit für kontinuierliche 4K 10 Bit 50p Aufnahme (XAVC S-I 4K)

- Tally-Lights

- im Lieferumfang enthaltener XLR-Addapter + Handgriff

- Zoomhebel am Auslöser für entsprechend motorisierte Zoomobjektive

- keine Suchereinheit

- S-Cinetone Gamma

- diverse in das Gehäuse integrierte ¼ Zoll Gewinde für Zubehörmontage

- kompakter Boxed-Kamera Formfaktor

- externe Schalter sind konsequenter mit Videofunktionen hinterlegt (inkl. Lock- und Auto-Funktionen)

Bereits aus dieser Auflistung ergeben sich erste Hinweise, für wen die FX3 die geeignetere Kamera gegenüber der A7S III sein könnte. Die wichtigste Funktion der FX3 dürfte die kontinuierliche 4k 10 Bit 50p Aufnahme ohne hitzebedingte Abschaltung sein (mehr hierzu im Lüfterkapitel). Wer entsprechend lange 50p Aufnahmen benötigt, ist also bei der FX3 richtig.

Die übrigen Zusatzfunktionen richten die Sony FX3 ebenfalls nochmal stärker Richtung Pro-Werkzeug für die Videoaufnahme aus als die Sony A7S III. Während die A7S III Dank ihres Suchers sich auch noch (zumindest eine kleine Tür) Richtung Fotografie offen hält, dürfte die FX3 stärker auch als B-, Remote- und Crash-Kamera zum Einsatz kommen. Im Hinterkopf sollte man hierbei jedoch behalten, dass die FX3 von ihrem Bedienkonzept her sich sehr gut auch für handgeführte Kamera-Setups eignet.

Der „fehlende“ Sucher der FX3 dürfte dann auch für einige User die von der DSLM/DSLR kommen, die bedeutendste „Auslassung“ der FX3 darstellen. Wir persönlich schätzen eine Sucheroption für das Monitoring vor allem für helle Tageslichtsituationen bei direkter Sonneneinstrahlung. Bei der FX3 wäre eine entsprechende Sonnenblende für den Klappmonitor eine unserer ersten Anschaffungen (wir sind uns sicher, dass der Zubehörmarkt hier schnell entsprechende Lösungen - ähnlich wie bei der Canon EOS C70 - anbieten wird).

Andererseits bieten „Box-Kameras“ qua Definition keine Sucheroption und auch bei einer C70, FS5, etc. scheinen viele auch ohne Sucher auszukommen. Letztlich also wie häufig auch eine Frage der persönlichen Preferenzen und Workflows ...

Stabilisierung

Ebenso wie die Sony A7S III verfügt die FX3 auch über einen 5-Achsen stabilisierten Sensor. Die „SteadyShot“ Funktion der FX3 entspricht dann auch menüseitig exakt den von der A7S III bekannten Funktionen mit der Auswahl zwischen „Aktiv“, „Standard“ und „Aus“.

Bei unserem Test mit den unterschiedlichen Stabilisierungsstufen sind die Unterschiede der einzelnen Stabilisierungsmodi recht gut zu erkennen.

Wie bei der A7S III croppt die „Aktiv“ Stabilisierung in den Sensor etwas hinein, was bei unserem Testclip handgehalten bei 70mm eine deutlich bessere Stabilisierung ergab – gleichzeitig aber auch etwas Auflösung kostete.

XLR-Audio

Anders als bei der A7S III liefert Sony bei der FX3 den XLR-Adapter mit. Vom Audio-Funktionsumfang entspricht der XLR-Adapter der FX3 1:1 dem Sony XLR-K3M (UVP. = 649,- Euro). Wie dieser bietet der FX3 XLR-Adapter 4-Kanal Audio mit 24 Bit Recording. An Eingängen stehen 2x XLR und 1x Miniklinke zur Verfügung.

Im kamerainternen Audio-Rooting lässt sich zwischen „Lippensynchron“ und „Live“ unterscheiden, wobei „Live“ quasi latenzfrei das Audio-Signal durchreicht und „Lippensynchron“ (vermutlich) einer Hinterbandkontrolle entspricht und eine Aufnahme-Latenz mit berücksichtigt.

Ziemlich clever empfinden wir das Layout zwischen Lütferauslass und Mikro-Positionierung bei der FX3: Der Lüfterauslass befindet sich auf der linken Kameraseite, das Mikro wird leicht rechts von der Kameramitte in der Klemmschelle montiert.

Bei einem kurzen 50p Aufnahmetests mit dem Lüfter im Auto-Betrieb bei Raumtemperatur konnten wir bei unserem auf ca. 1m Sprecherentfernung gepegeltem Sennheiser MKH 416 keine Lüftergeräusche auf der Tonspur wahrnehmen. Tatsächlich sollte man sich bei On-Bord Mikro-Lösungen für Atmo etc. eher Gedanken über zu laute AF-Geräusche machen. Aber auch dies gilt vor allem für sehr leise Umgebungen (in denen wir sowieso auf eine Entkoppelung von Kamera und Mikro achten würden).

Der XLR Adapter der FX3 agierte ansonsten im besten Wortsinn unauffällig und stellt damit eine sehr willkommene Lösung für XLR-Audio an der FX3 zur Verfügung. Darüber hinaus relativiert der mitgelieferte XLR-Adapter nochmals den Preis der FX3 gegenüber der A7S III, bei der man ihn dazukaufen muss und dieser dann auch nicht als Tragegriff mit zusätzlichen Montage-Optionen fungieren kann.

Wo Sony gerne beim Thema Audio noch etwas nachbessern darf, ist bei der Audio-Pegel-Anzeige auf dem Bildschirm. Hier fehlen uns gut sichtbare Level-Markierungen und auch der Kopfhöreranschluss dürfte etwas besser aus dem Klappwinkel des Monitors heraus positioniert werden. Vor allem die Level-Anzeige sollte sich mit einem Fimrware-Update lösen lassen. Beide Mankos sind jedoch keine Dealbraker für uns.

Lüfter

Im Gegensatz zur A7S III verfügt die Sony FX3 über eine aktive Lüftereinheit. Dieser garantiert lt. Sony eine deutlich verlängerte 10 Bit 50/60p 4K Aufnahme in höchster Qualitätsstufe XAVC S-I 4K.

Bei unseren Tests haben wir 1 Stunde 48 Minuten nur mit kurzen Formatierungspausen quasi „am Stück“ bei Zimmertemperatur aufgenommen und hatten keinerlei Hitzewarnung. Der Lüfter stand hierbei auf „Auto-Betrieb“. Wer also lange 4K 10Bit 50p Aufnahmezeiten benötigt, dürfte in der Sony FX3 das entsprechende Tool finden. Zumal der Lüfter auch angenehm leise arbeitet (s. Lüfterkapitel).

Hitzebedigte Abschaltungen sind bei der FX3 trotzdem möglich. Hierfür muss man jedoch in den eher praxisfernen Dauerlastbetrieb mit 4K 120 fps in 10 Bit XAVC S-I4K gehen. Hier erhielten wir dann nach 25 Minuten Non-Stop Betrieb eine erste Hitzewarnung und nach insgesamt 30 Minuten erfolgte dann die Abschaltung,. Doch dies dürfte für die Praxis wie gesagt kaum relevant sein - im Gegenteil zeigt es ganz gut, wie viele Reserven die FX3 hier tatsächlich bietet.

Stromverbrauch

Als Akku kommt bei der FX3 der bewährte Sony NP-FZ100 mit seinen 16,4 Wh Kapazität zum Einsatz. Die Laufzeiten des FZ100 hatte uns schon bei der A7S III sehr gut gefallen und gleiches gilt auch für die FX3.

Bei unseren Tests sind wir mit einer Akkuladung im kontinuierlichen 4K 10 Bit 60p Betrieb ca. 1 Stunde und 50 Minuten weit gekommen. Ein sehr guter Wert. Im On/Off Betrieb sollte man mit 2-3 Akkus durch einen Drehtag kommen.

Doch auch andere Energieoptionen sind möglich. So lässt sich der Akku der FX3 auch via USB-C von einer Powerbank laden – auch im laufenden Betrieb – womit die Drehzeiten auch nochmal deutlich verlängert werden können. Ein Betrieb ohne Akku – nur von der Powerbank - scheint zumindest via USB-C nicht möglich.

Fazit

Die Sony FX3 bietet eine noch stärker auf den (mobilen) Videobetrieb fokussierte Variante der A7S III an. Zu ihren besonderen Stärken zählen: Lange 10 Bit 50/60p Aufnahmezeiten Dank aktiver, leiser Lüftereinheit, ergonomisch sinnvolle und vor allem auf den mobilen Videobetrieb ausgelegtes Schalter- und Ergonomiekonzept (Ausnahme: Position Kopfhörereingang), viele Montage-Optionen für zusätzliches Zubehör, konfigurierbare Tally-Lights sowie der mitgelieferte XLR-Handgriff.

Hinzu kommen Dank gleichem Sensor und Formatoptionen die bekannten Stärken der A7S III: Sehr gute AF-Performance, 10 Bit 4K 120 Fps, S-Log3 etc..

Wer auf einen elektronischen Sucher verzichten kann und in erster Linie ein hochkompaktes Videowerkzeug für den mobilen Betrieb oder als Remote/B-Cam sucht, findet in der Sony FX3 ein qualitativ hochwertiges Bewegtbildwerkzeug.

Wer hingegen eine Fallbackoption für das Monitoring bei hellem Tageslicht (=Sucher) benötigt, eher kürzere 4K 10 Bit 50p Sequenzen am Stück aufnimmt oder gelegentlich auch im Sucherbetrieb ein Foto aufnehmen möchte, der dürfte besser mit der A7S III bedient sein.

Verfügbar soll die Sony FX3 ab März zu einer UVP. von 4.700 Euro sein.

Hier auch unsere Testlaborauswertung zum Sensorverhalten der neuen Sony FX3,

   

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