Test: Anker PowerConf C300 - USB-Webcam mit KI-Unterstützung

30.04.2021 von Rudi Schmidts



Der Markt der verfügbaren USB-Webcams ist gerade gehörig in Bewegung. Einerseits waren viele Modelle durch die schlagartig gestiegene Nachfrage in den letzten 14 Monaten ausverkauft oder nur mit enormen Preisaufschlägen erhältlich. Und andererseits hat sich durch die tägliche Nutzung bei Millionen von Anwendern auch für die Hersteller die Möglichkeit ergeben, sich mit zusätzlichen Features von der breiten Konkurrenz abzusetzen. Denn so mancher Anwender ist mit der Qualität seiner verfügbaren Lösung nicht unbedingt zufrieden.

Solide Basis

Die technischen Daten der Anker PowerConf C300 sind jedenfalls schon einmal von der gehobenen Sorte. Sie bietet eine maximale Auflösung mit 1080p60 sowie einen modernen USB-C Anschluss mit nur einem Kabel.

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Das passende USB-C Kabel wird gleich mitgeliefert und reicht mit ca. 1,5m Länge auch etwas weiter als viele typischen USB-C Kabel. Für eine Webcam sehen wir persönlich jedoch eher 2 Meter als SweetSpot für eine Webcam, da nicht jeder Rechner zwingend in der Nähe des Anwenders platziert ist.

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Die faltbare Stativ-Unterkonstruktion erweist sich als recht clever. Die Kamera kann hiermit über 3 Achsen positioniert und sowohl als Tischstativ wie auch als Monitor-Klemme genutzt werden.

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Als dritte Befestigungsmöglichkeit findet sich im "Boden" der Klemme noch zusätzlich ein Stativ-Gewinde.

Die Webcam funktioniert ohne Treiber sofort nach dem Einstecken. Hierbei sind bereits Autofokus und automatische Belichtung aktiviert. Diese Funktionen arbeiten somit "out-of-the-box". Ohne spezielle Treiber erreichte die Anker PowerConf C300 unter Windows 10/Skype bei uns eine typische Latenz von ca. 145 ms.

Zusatzfeatures

Doch das große Verkaufsversprechen der PowerConf C300 sind zusätzliche KI-Features. So verspricht Anker eine akkurate Farbwiedergabe mit "unvergleichlicher Low-Light-Leistung" sowie eine intelligente KI-Rahmenfunktion, die ein permanentes Reframing der Person vor der Kamera ermöglichen soll. Also eine Auto-Reframe Funktionen, wie man sie z.B. von Adobe kennt, nur in Echtzeit. Das Auto-Framing soll dabei nur die bewussten Bewegungen eines Motivs verfolgen und gleichzeitig kurzfristige Abweichungen ignorieren. Nicht zuletzt soll die KI den Autofokus der Kamera zuverlässig steuern. Explizit wird die Möglichkeit aufgeführt, den Fokus schnell zwischen dem Gesicht einer Person, einem in die Kamera gehaltenen Objekt und dann wieder auf das Gesicht zu verschieben.

Einrichtung

Die Installation erfolgt über einen Download von der Anker Webseite und erfordert weder Administratorenrechte noch einen Neustart. Nach dem ersten Start der Anker App wurde eine aktuelle Firmware für die C300 vorgeschlagen, womit wir die Kamera für diesen Test von Ver. 1.31 auf Ver. 1.42 upgedated haben.

Erst mit der App (Anker PowerConf) bekommt man die beworbenen KI-Funktionen zur Auswahl. Was hier eingestellt wird, bestimmt auch den Input für alle anderen Webcam-Applikationen auf dem Rechner. Will man seine Parameter verändern während man die Cam in einer anderen App nutzt so ist dies parallel in PowerConf möglich. Einzig eine Vorschau in der Anker App steht dann nicht zur Verfügung.

Das ist nicht unwichtig, denn in der App stellt Anker noch weitere wichtige Parameter zur Einstellung bereit, die man ansonsten nur in tiefen Windows-Menüs oder teilweise sogar gar nicht findet. Dies betrifft unter anderem die Hardware Konfiguration der Kamera (360p, 720p, 1080p mit 30 oder 60 fps), die virtuelle Brennweite/ bzw. Aufnahmewinkel (78, 90 oder 115 Grad) sowie eine 50/60Hz Flimmer-Reduktion. In 30Hz lässt sich zudem eine HDR-Funktion zuschalten, die tatsächlich eine geringfügig Wahrnehmbare Erhöhung der Dynamik bewirkt.

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Bildqualität

In den Bildeinstellungen ist neben Helligkeit, Sättigung und Kontrast auch die Nachschärfung verfügbar, welche wir an dieser Stelle bequem für unseren Geschmack etwas zurückstellen konnten. Besonderes Lob verdient die letzte Einstellung "Horizontale Spiegelung". Wer in einer Webkonferenz schon einmal etwas lesbares in die Kamera gehalten hat, weiß warum dieser Punkt für eine Webcam wichtig sein kann...

Die erzielbare Bildqualität und das Lowlight Verhalten war im Anschluss für eine Webcam definitiv gut bis sehr gut. Allerdings kommt die Anker PowerConf C300 trotz digitaler KI-Tricks nicht an die Qualität einer angeschlossenen DSLM heran. Dafür ist der genutzte Sensor einfach zu klein.

Auch fehlte uns in der App ein manueller Weißabgleich. Die Automatik funktioniert hier zwar grundsätzlich und dürfte für die meisten Anwender besser funktionieren als ein manueller Parameter. Wer jedoch mit einem festen Lichtsetup am Arbeitsplatz hantiert, möchte vielleicht gerade seine Hautfarben ebenfalls kontrollieren.

Autofokus

Der Autofokus funktioniert mit und ohne KI zuverlässig, jedoch für den Geschmack vieler Filmer sicherlich etwas zu erratisch. Er erinnert mehr an alte Camcorder denn an moderne Spitzen-Autofokus-Systeme von Großsensor-Kameras, die deutlich weniger hektisch agieren. Leider lässt sich dieses AF-Verhalten auch nirgendwo konfigurieren.

Die Naheinstellgrenze der Schärfe endet erst wenige Zentimeter vor der Kamera, weshalb man Objekte den anderen Teilnehmern auch bildschirmfüllend präsentieren kann. Befinden sich ein Gesicht oder ein kompletter Kopf irgendwo im Bild so werden diese in der Regel vom Autofokus präferiert behandelt. Um ein Objekt scharf zu präsentieren, muss dieses also am besten den Kopf oder das Gesicht überdecken. Dies ist in der Regel jedoch sowieso der Fall, wenn man etwas zum zeigen in die Kamera hält.

KI-Kameraverfolgung

Die KI-Kameraverfolgung funktioniert prinzipiell zuverlässig, solange ein Mensch das verfolgte Objekt ist. Denn die KI versucht immer primär den Menschen zu framen. Auch dieses Verhalten lässt sich erwartungsgemäß nirgendwo konfigurieren. Präsentierten Dingen folgt das Framing dagegen meistens nicht.

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Modi wählen: Bei Auto Frame versucht die Kamera immer mehrere Personen im Frame zu halten während beim Solo-Frame die "Person im Vordergrund" verfolgt wird.

Die Nachverfolgung selbst ist leider immer etwas ruckelig. Eigentlich schade - Da es sich ja um einen digitalen Zoom handelt, sollte hier eine "weiche" Verfolgung eigentlich softwareseitig kein Problem darstellen. Doch wer weiß, vielleicht überrascht Anker hier ja noch in Zukunft mit einem Software-Update.

Übrigens sahen wir auch nach der Installation Latenzen um die 150ms. Die aktivierten KI-Zusatzfunktionen schlagen also nur insignifikant auf die Latenz.

Fazit

Die Anker PowerConf C300 ist in erster Linie eine Plug-And-Play Lösung mit zusätzlichen Ki-Features, die sich nicht näher konfigurieren lassen. Die Bildqualität ist dabei auf hohem Kleinchip-Niveau und sorgt definitiv für ansprechende Bilder. Die Latenz ist allerdings nur mittelmäßig. Wenn man bisher KI-Features wie die Objektverfolgung in seinen Meetings und Streams dringend vermisst hat sollte man die Anker PowerConf C300 unbedingt einmal ausprobieren. Ob das Ergebnis anschließend den eigenen Erwartungen entspricht kommt jedoch sicherlich auf den konkreten Anwendungsfall an. Auf jeden Fall funktionierte die Anker PowerConf C300 in unserem Test unauffällig zuverlässig, egal ob ohne Treiber oder mit der zusätzlichen AnkerWork App.

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