Test: Der Sensor der Sony A1 - Rolling Shutter und Debayering

07.05.2021 von Rudi Schmidts



Nach Canon mit der R5 versucht nun auch Sony 8K-Video im DSLM-Format interessierten Nutzern schmackhaft zu machen. Wir haben schon mal einen Blick auf die Fähigkeiten des A1-Sensors geworfen...

Es ist ja noch ziemlich schwer überhaupt einen 8K-fähigen Monitor aufzutreiben. Und selbst wenn man einen besitzt muss man in der Regel schon sehr nahe davor sitzen, um überhaupt einen Unterschied zu einem 4K-Display zu bemerken. Allerdings haben überhöhte Auflösungen auch in den letzten Jahren keinen Kamerahersteller davon abgehalten, diese Auflösungen vor dem Display-Mainstream anzubieten. Und außerdem muss ja irgendwie auch der Content für die kommende Display Generation produziert werden.

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8K hat dabei natürlich nicht nur Vorteile für die eigentliche 8K-Produktion. Auch beim Downscaling oder Framing des Bildes können 8K Auflösung im Ursprungsmaterial mitunter hilfreich sein. Und das führt uns direkt dazu, was Sony denn in der A1 hier an Optionen zur Verfügung stellt.

Die Sony A1 mit 8K 24-30p in Fullframe

Zuallererst und wahrscheinlich auch für meisten Leser am interessantesten: Wie sieht unser 4K-Testbild aus, wenn man es in bester 8K-Qualität der A1 filmt und auf eine 4K-Timeline legt?

Sony A1- Readout FullFrame 8K, Record 8K 24-30fps
Sony A1- Readout FullFrame 8K, Record 8K 24-30fps

Die gesamte Sensorfläche mit 8K Auflösung kann die Sony intern nur mit 24-30fps auslesen und aufzeichnen. In unserer 4K-Timeline bekommt man mit diesem Modus nicht weniger als ein makelloses Debayering zu Gesicht - da es sich technisch um ein 2:1 Downscaling handelt. Sauberer als so kann man nicht herunterskalieren.

Die Sony A1 mit 4K 24-120p in Fullframe

Anders sieht es jedoch bei der internen 4K-Aufzeichung mit voller Sensorfläche aus: Hier bietet Sonys A1 Frameraten von 24-60fps, die jedoch nicht jeden Sensel in das Downscaling mit einbeziehen:

Sony A1- Readout FullFrame 8K, Record 4K 24-60fps
Sony A1- Readout FullFrame 8K, Record 4K 24-60fps

Das Debayering ist hier zwar immer noch als gut einzustufen, jedoch werden leichte Aliasing-Artefakte sichtbar, beispielsweise in den Ringen.

In diesem 4K-Aufnahmemodus bietet die A1 zusätzlich auch noch Slow-Motion-Aufzeichnung mit bis zu 120p an, wobei der Sensor hierfür leicht gecroppt werden muss. Der Crop Faktor steigt dabei auf ca. 1,11.

Sony A1- Readout FullFrame 8K, Record 4K 120fps
Sony A1- Readout FullFrame 8K, Record 4K 120fps

Dies erzeugt in der Folge nicht nur Aliasing-Artefakte. Auch in den Sweeps werden erste Zipper-Muster sichtbar.

Die Sony A1 mit 4K 24-60p in S35

Als weiteren Modus bietet die Sony A1 auch noch einen gecroppten S35-Modus, bei dem im Gegensatz zum Fullframe-Modus auch jedes Sensel in das Downscaling einbezogen wird. Hierbei kommt es also zu einem 6K->4K Downscaling, das entsprechend gut gelingt:

Sony A1- Readout FullFrame S35-6K, Record 4K 24-60fps
Sony A1- Readout FullFrame S35-6K, Record 4K 24-60fps

Das S35-6K Downscaling kommt qualitativ sehr nahe an das 8K-Downscaling heran und lässt ebenfalls wenig Raum für Kritik. Im Gegensatz zur internen 8K-Aufzeichnung kann hier sogar mit bis zu 60 fps aufgezeichnet werden. Allerdings ermöglicht Sony keine 120p in diesem S35-Modus.

Rolling Shutter Zeiten Sony A1

Die hier gezeigten, unterschiedlichen Aufzeichungs Modi sind auch deutlich durch ihre Rolling Shutter Zeiten zu identifizieren. In 8K mit 24-30p arbeitet die Kamera bei der vollen Sensor-Auslesung konstant mit 15,5ms.

Daß in 4K-Aufzeichnung bei voller Sensorfläche nicht alle Sensel einbezogen werden sieht man auch deutlich an den verkürzten Rolling Shutter Zeiten: In 24-60p sind es "nur noch" 8,1ms, in 120p fallen diese dann sogar weiter auf 6,2ms.

Und im S35-Sensor Crop-Modus trifft die A1 schließlich die goldene Mitte: In 24p haben wir hier 11,3 ms gemessen, in 60p sogar nur 10,5 ms.

Sonstiges 8K-Display-Vergößerung

Wie so oft fiel uns bei den Messungen besonders die Display/Suchervergrößerung "ins Auge", da wir für unsere Testbilder auf die Sichtbarkeit von feinsten Details angewiesen sind. Sony bietet in der A1 hierfür maximal eine 4x-Vergrößerung, die es bereits in 4K schwer macht Details noch exakt zu erfassen. In 8K sind diese Details im Display bei Fokussieren nur noch zu erahnen, aber nicht mehr zuverlässig zu erkennen. Dies macht in unserem Fall Testmessungen immer besonders aufwändig, da man viele Tests zur Sicherheit vielfach ausführen muss, um garantiert die maximale Schärfe beim Debayering zu erzielen.

Fazit

Sonys erster DSLM Ausflug in die 8K-Gefilde fällt erwartungsgemäß aus. Wer das beste Debayering benötigt bekommt in 8K mit typischen 15,5ms Sensorauslesezeit ähnliche Ergebnisse wie Canons R5 (16ms). Canon bietet allerdings gegenüber Sony sogar interne RAW-Aufzeichnung an, die für Pixel-Puristen vielleicht ein wichtiges Argument darstellt, wenn man das immer letzte Quäntchen Qualität sucht. 8K über 30p gibt es bei keinem der beiden Hersteller.

Praktisch genauso gut sieht die Qualität der A1 in 4K aus, wenn man den S35-Modus nutzt. Dort wird man dann mit Rolling Shutter Zeiten um die 11ms und Frameraten bis 60p belohnt. Die 120p fallen dagegen qualitativ ab. Wer sehr gutes 4K-Debayering mit 120p benötigt sollte daher woanders suchen...

   

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