News: Crypto-Schwäche und Proof of Stake - Endlich günstige Grafikkarten am Horizont?

21.05.2021 von Rudi Schmidts



Nicht nur die Automobilindustrie leidet bekannterweise unter der Halbleiter-Dürre. Auch bei den Grafikkarten (GPUs) ist es seit ca. 9 Monaten praktisch unmöglich, irgendeine aktuelle Grafikkarte zu einem "vernünftigen" Preis zu bekommen. Aktuell kosten erhältliche Modelle das zwei- bis dreifache ihrer unverbindlichen Preisempfehlung. Doch gibt es Hoffnung in der Zukunft?

Der Schuld für die GPU-Knappheit liegt vor allem bei den sogenannten Crypto-Minern. Diese rechnen mit den GPUs an verschiedenen Blockchains mit und verdienen dafür unterschiedliche Crypto-Coins, die sich wiederum auf Crypto-Börsen in echte Euro oder US-Dollar tauschen lassen. Dies lohnt sich, solange die Stromkosten deutlich unter den realisierbaren Börsengewinnen liegen.

Crypto-history will teach us nothing

Fällt allerdings der Wert einer Kryptowährung sehr stark, so kann das Mining dadurch in sehr kurzer Zeit unrentabel werden. So passiert beim letzten "Cryptocrash 2018". Hier lag der erzielbare Gewinn längere Zeit unter den Stromkosten, weshalb viele Miner aus dem Markt drängten und ihre Hardware noch möglichst gewinnbringend verkaufen wollten - was im Anschluss eine weltweite GPU-Schwemme bedingte. Denn die niedrigen Gebrauchtpreise aktueller GPU-Hardware machten die Neuware in den Läden schwer verkäuflich. Gleichzeitig lief wegen der vorangegangenen hohen Crypto-Nachfrage die GPU-Produktion auf Hochtouren und war nur langsam zu bremsen...

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Noch keine Auswirkungen der Crypto-Schwäche auf GPUs

Aktuell sehen wir wieder eine stärkere "Crypto Schwäche", weshalb man mancherorts bereits lesen kann, dass die GPU-Preise bald fallen könnten. Das könnte zwar tatsächlich passieren, doch dafür müssten die Kurse noch weitaus tiefer fallen. Denn selbst zu den aktuellen Preisen kann man sogar in Deutschland mit einer Mittelklasse GPU bei einem angenommen Strompreis von 40 Cent Pro Watt immer noch jeden Tag ein paar Euro einstreichen- sofern man seinen Rechner einfach nur durchrechnen lässt. Und in Ländern mit Stromkosten von 10 Cent (oder an Solaranlagen) lässt sich noch bei weitaus niedrigeren Kursen profitabel minen.

Kurz gesagt: Für eine GPU-Schwemme müssten die Cryptopreise noch weitaus tiefer fallen - was jedoch auch schon öfter passiert ist und keinesfalls unwahrscheinlich erscheint. Nur kann es ebenso auch wieder bergauf gehen.

Proof of Stake - Die Rettung der Welt?

Doch es gibt noch einen zweiten wichtigen Trend, der mittelfristig vielleicht ebenfalls die GPU-Knappheit beendet: Nämlich der Umstieg auf andere Mining-Algorithmen. Das große Buzzword ist hierbei der "Proof of Stake" gegenüber dem bisher üblichen "Proof of Work".

Einfach erklärt funktionieren die meisten Cryptowährungen immer noch nach der Idee des Bitcoin, der wiederum auf der Idee des "Proof of Work" (PoW) basiert. Hierbei muss jeder Rechner durch Rechenleistung "beweisen", dass er versucht hat eine Rechenaufgabe zu lösen, mit der die Blöcke der Blockchain verschlüsselt werden.

Beim "Proof of Stake" (PoS) muss man dagegen nicht mehr um die Wette rechnen, sondern man kann eine finanzielle Einlage einsetzen und bekommt für diese zusätzliche Anteile, sofern man an der Blockchain mitschreibt. Dies darf man sich ein bisschen wie Zinsen auf der Bank vorstellen, wenn man sein Geld fest anlegt.

Ethereum in naher Zukunft ohne GPUs

Das relevante ist nun, dass die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum (auf der zudem viele andere Währungen sowie auch die aktuell besonders heißen NTFs basieren) auf einen Proof Of Stake Algorithmus umstellen will. Das hört man zwar schon seit Jahren, aber die aktuellen Verlautbarungen und Vorarbeiten deuten darauf hin, dass es jetzt tatsächlich noch 2021 passieren könnte. Da aktuell der größte "GPU-Verbrauch" auf Ethereum zurückzuführen ist, könnte dies tatsächlich zu einem erneuten Abstoßen der Mining-GPUs führen, sobald die Umstellung abgeschlossen ist.

Aber auch hier gilt: Bis Ethereum als PoS-Blockchain läuft, dürfte es noch mindestens bis Ende 2021 dauern, wahrscheinlich sogar noch länger. Und nach der Ankündigung, die PoS-Entwicklung Anfang diesen Jahres zu beschleunigen, stieg der Ethereum Kurs erst einmal deutlich, was kurzfristig noch mehr PoW-Miner anlockte. Ein netter Teufelskreis.

Sollte es in nächster Zeit also nicht noch zu einem weitaus stärkeren Crypto-Crash kommen, wird sich die angespannte GPU Situation wohl frühestens lösen, wenn Ethereum auf PoS umgestellt ist. Und selbst das ist nicht ausgemachte Sache, denn es gibt nach wie vor eine Menge anderer PoW-Währungen, mit denen sich GPU+Strom in Euro und Dollar umwandeln lassen.

Letzte Lösung - Crypto-Bremse?

Interessant ist zudem, ob (und wie) sich Nvidias Bemühungen auswirken werden, in die eigenen Grafikkarten sogenannte Crypto-Bremsen einzubauen. Bisher wurden diese Mechanismen von Minern schneller umgangen als die Karten verfügbar wurden. Im kommenden Anlauf versucht Nvidia nun auch über die Firmware/Chipkennzeichung nur unmodifizierte Treiber mit einer sogenannten ETH-Bremse zuzulassen. Wir bezweifeln, dass dies für Hacker eine echte Hürde darstellt. Außerdem will Nvidia die besonders interessante Mining Karte RTX3090 weiterhin fürs Mining ungedrosselt verkaufen. Und nicht zuletzt fragen (nicht nur) wir uns, ob eine Reduzierung der Mining-Leistung nicht auch mit einer Reduzierung der Video-Effekt-Performance einhergeht. Denn wie genau die Bremse wirkt, ist undokumentiert...

   

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