Editorials: Panasonic LUMIX GH6 - Was da kommen mag...

25.05.2021 von Rudi Schmidts



Mit der Ankündigung der LUMIX GH6 lässt Panasonic schon einmal den Vorhang zum kommenden MFT-Topmodell für Videofilmer ein kleines Stück aufziehen. Die Häppchen, die dabei zum Vorschein kommen, lassen schon das eine oder andere Gedankenspiel zu...

Neuer Sensor - Neue Videomodi

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Die GH6 soll sich durch einen neuen MFT-Sensor auszeichnen, von dem bereits verschiedene Videomodi als gesetzt kommuniziert wurden:

- 10-Bit 5,7K 60p-Video

- 4:2:2 10-Bit DCI 4K/60p-Aufnahme (4096x2160)

sowie

- 10-Bit 4K 120p High Frame Rate (HFR) und Variable Frame Rate (VFR)

Aufgrund der zweimal fehlenden Angabe von "4:2:2" darf man praktisch sicher davon ausgehen, dass der 5,7K 60p Videomodus ein Chroma-Subsampling von 4:2:0 bieten wird. Und das spricht wiederum praktisch eindeutig dafür, dass der Sensor hierbei mit mit seiner nativen Auflösung betrieben wird (weil eine 4:2:2 Aufzeichnung bei einem 1:1 Sensel-Readout keinen Sinn macht). Nachdem 4K mit internen 4:2:2 in 60p aufgezeichnet werden kann dürfte es sich hierbei um einen hochqualitatives Downsampling von allen verfügbaren 6K Senseln handeln. Dass "4:2:2" jedoch bei 4K mit 120p wiederum nicht mehr erwähnt wird, lässt stark vermuten, dass für diese HFR/VFR-Modi Sensel im Downscaling ausgelassen werden müssen.

Rolling Shutter

Der Rolling-Shutter des des neuen Sensors muss bei vollständigem Readout (aufgrund der möglichen 60p) folglich unter 16,66ms liegen. Dass gleichzeitig keine 4K mit 120p 4:2:2 angeboten werden, sollte darauf schließen lassen, dass der Sensor für die hierfür notwendigen 8,3ms zu langsam ist (bzw. zu heiß werden würde).

Sensor wieder von Sony?

Ein zu diesen Daten passender MFT-Sensor lässt sich bei Sony aktuell nicht in der Sensordatenbank finden. Was aber nicht viel bedeutet, denn Sony hält oft speziell für Kunden entwickelte Sensoren noch eine gewisse Zeit für den freien Markt zurück. In S-35/APS-C Größen gibt es jedoch ein Modell sehr ähnlichen Spezifikationen, das unter anderem in der Blackmagic Pocket Cinema Camera 6K eingesetzt wird. Diese ist bis dato auch die einzige Kamera unter 3.000 Euro, die ebenfalls 6K50p bzw. 5,7K60p beherrscht.

In 5,7K mit 60p bietet die Blackmagic 6K eine gecroppte Sensorbreite von 21,6mm, was einem Crop Faktor von 1,66 entspricht. Der MFT-Sensor der GH6 könnte im besten Fall 19mm breit ausfallen, was einem Crop-Faktor von 1,89 entspräche. Dafür kann bei Panasonic der Sensor dank MFT-Mount noch mit einem Focal Reducer geboostet werden.

Wichtiger und spannender ist natürlich, welche Sensortechnologie letztlich in der GH6 verbaut wird. Wir gehen auf jeden Fall von einem BSI-Modell aus, das beweglich gelagert ist. Letzteres hat bisher die Sensorbreite immer auf 17,3mm beschränkt. Ein beweglicher 19mm-6K-MFT-Sensor mit BSI und DUAL ISO würde da schon ganz gut in das evolutionäre Schema der GH-Historie passen.

Doch ist der kommende GH6-Sensor überhaupt von Sony? Schließlich gibt es ja große Hoffnungen auf organische Sensoren aus der eigenen Panasonic-Entwicklung. Unsere persönliche Einschätzung bleibt dabei, dass es für die GH6 noch zu früh ist, um einen organischen Sensor einzuführen, aber sicher ist hier noch nichts.

Noch wichtiger als eine Erhöhung der Dynamik wäre jedoch in unseren Augen eine deutliche Weiterentwicklung beim Autofokus. Denn die "eigene" Bildästhetik einer MFT-GH5/s gegenüber S35 oder Vollformat "passt" vielen Youtubern sogar besser, als eine zu schmale cinematische Tiefenschärfe. Für Panasonic dürfte es zudem weitaus wichtiger sein, mit der GH-Linie Youtuber zu erreichen, die schnell und versatil zu schönen Ergebnissen kommen wollen - denn als Cinema-Kamera in qualitative Konkurrenz zu Canon und Sonys cinematischen Angeboten mit größeren Sensoren zu treten.

Daher dürfte Panasonic den GH6-Fokus vor allem auf Schwerpunkte legen, welche Kameras mit größeren Sensoren bis dato nicht optimal bedienen können. Und das wird beispielsweise die tiefere Einbindung in Produktions Setups in Internetumgebungen sein (u.a. Streaming). Allerdings wird es für einen Erfolg der Kamera auch zwingend notwendig sein, beim Autofokus noch einmal deutlich zuzulegen.

Wohin geht die Reise?

So sehr wir auch gerne persönlich eine brandneue MFT-Kamera mit cinematischem Schwerpunkt sehen würden, die GH6 muss ein Universaltalent für viele Anwendungen und eine möglichst breite Anwenderschicht werden. Denn nur so kann sich für Panasonic die Aufrechterhaltung des MFT-Marktes lohnen. Ende 2021 soll die GH6 verfügbar werden und welche Kameras dann konkret um die Gunst der filmenden Kunden buhlen werden, ist heute noch nicht wirklich abzusehen...

   

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