Test: Panasonic GH5 II - zweite (R)evolution?

31.05.2021 von Rudi Schmidts



Die "zweite GH5" hat von Panasonic ein neues Innenleben sowie neue Streaming-Funktionen verpasst bekommen. Wir schauen einmal unter die Haube, was sich für Filmemacher gegenüber der ersten Version verändert hat.

Als Panasonic vor über vier Jahren die erste GH5 auf den Markt brachte, durfte man technisch durchaus von einer Revolution sprechen. Denn sauberes Debayering bei interner 10 Bit Aufzeichnung waren zu dieser Zeit in dieser Preisklasse bei keinem Konkurrenten erhältlich. Und das in einem kompakten Gehäuse mit breiter Wechselobjektiv-Auswahl und lange Akkulaufzeiten beim Filmen.

In ihrem vierten Jahr finden sich zahlreiche vormals exklusive Features der GH5 auch bei vielen Konkurrenten, weshalb eingefleischte GH-Fans gespannt auf die kürzlich für Ende 2021 angekündigte GH6 warten.

Die Panasonic GH5 II
Die Panasonic GH5 II

Doch bevor die GH6 ins Rampenlicht tritt, hat Panasonic noch einmal der GH5 ein evolutionäres Update verpasst. Dieses erweitert in erster Linie die Streaming-Möglichkeiten gegenüber der ersten GH5 Version. Doch auch die cinematischen Qualitäten wurden unter anderem mit höheren Frameraten aufgebohrt. Darum haben wir die Kamera einmal kurz durch unsere typischen Messungen geschickt, um zu sehen, ob sich gegenüber dem Vorgänger ein paar Werte signifikant geändert haben. Und das führt uns direkt zum Sensor der neuen GH5 II:

4K jetzt mit bis zu 60p

Die größte Signalverarbeitungs-Neuerung der GH5 II ist die Möglichkeit, nun auch mit bis 60p bei voller Sensorauflösung und vollem Debayering intern mit 10 Bit aufzeichnen zu können. Dass dies tatsächlich auch praktisch der Fall ist, bestätigt unser Testbild:

Panasonic GH5 II 5K-Readout -> 4K-Record 24-60fps V-Log L
Panasonic GH5 II 5K-Readout -> 4K-Record 24-60fps V-Log L

Von 24-60fps ändert sich am Debayering-Verhalten nichts. Tatsächlich fehlen der Kamera in V-Log L jedoch die feinen Details. Oder besser gesagt, die Kamera setzt keine künstliche Nachschärfung ein (was sich jedoch per Menü weiterhin optional zuschalten lässt). Dies ist unter Filmemachern ein in der Regel gewünschtes Debayering-Verhalten, das viel Spielraum für die visuelle Nachbearbeitung lässt. Im Testbild gibt es nirgendwo irgendwelche Zipper-Artefakte oder Aliasing-Fehler zu entdecken, die in der Post unschön verstärkt zu Tage treten würden.

Wer allerdings lieber ein modernes, knackscharfes und kontrastreiches 4K-Bild sucht, kann dies ebenfalls "out-of-the-cam" bekommen. Wir haben hierfür noch einmal das Testbild im Standard-Profil aufgezeichnet:

Panasonic GH5 II 5K-Readout -> 4K-Record 24-60fps Standard Bildprofil
Panasonic GH5 II 5K-Readout -> 4K-Record 24-60fps Standard Bildprofil

Hier zeigt sich sehr anschaulich, dass sich die feinen Details auch bei der GH5 II herausarbeiten lassen, ohne eventuelle Debayering-Bildfehler zu verstärken. Somit lässt sich am Debayering der GH5 II nichts beanstanden: Es gelingt dank des internen 5K->4K Downscalings bei allen angebotenen Frameraten (24-60fps) tadellos.

Rolling Shutter

Vor vier Jahren haben wir noch keine Rolling Shutter Zeiten gemessen, jedoch hatten wir zwischenzeitlich ein paar provisorische Messungen mit der ersten GH5 gemacht, die den Rolling Shutter ungefähr bei 15ms verorten. Das Schwester-Modell GH5s liegt mit einem nativen 4K Sensor bei ca. 12 ms.

Die neue GH5 II landet nun mit ca. 14,2ms für alle 4K-Frameraten (24-60fps) zwischen den beiden älteren Modellen. Das ist kein schlechter Wert, jedoch auch nicht (mehr) außergewöhnlich. Im letzten Jahr haben viele Konkurrenten ihre Rolling Shutter Zeiten deutlich verbessert, weshalb die 14,2 ms der GH5 II in diesem Jahr nur noch einen unauffälligen, typischen Wert unter vielen 4K Kameras darstellen.

Die GH5 II als WebCam

Ohne an dieser Stelle auf die sehr speziellen Streaming-Fähigkeiten der neuen GH5 II einzugehen (da fuchsen wir selber noch herum), haben wir in letzter Zeit jede Kamera auch auf ihre Latenzen beim Einsatz als Webcam untersucht. Diese Latenz ermitteln wir aus Gründen der Vergleichbarkeit immer unter Skype. Die GH5 II erreichte hier Zeiten von 160ms. Ihre große Schwester DC-S5 schafft hier bessere 130ms.

Laut technischen Daten kann die GH5 II - sofern sie über USB-C mit einem PC verbunden ist - auch gleichzeitig über diese Verbindung mit Strom versorgt werden. In unserem Fall monierte die GH5 II jedoch mit einem normgerechten USB-C Kabel, dass zu wenig Strom für USB-Power zur Verfügung stehen würde und verweigerte die Zusammenarbeit ohne Akku. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich bei eingelegtem Akku selbiger weniger schnell leert, wenn über das USB-Datenkabel auch Ladestrom zugeführt werden kann.

Negativ fanden wir, dass beim Einsatz als Webcam keine Audioaufzeichnung über die Kamera erfolgen kann. Ein zusätzliches Mikrofon ist damit nicht nur Pflicht, sondern man muss sich zusätzlich um einen korrekten Audiosync kümmern - was applikationsabhängig recht mühselig sein kann.

Fazit

Bei der GH5 II handelt es sich technisch gesehen um einen eher kleinen evolutionären Zwischenschritt auf dem Weg zur kommenden GH6. Dass sich 4K nun bei voller Sensorauflösung (und damit konstant hoher Qualität) mit bis zu 60p aufzeichnen lassen, kommt sowohl modernen 50/60p-Formaten als auch einer cinematischen Slow-Motion Option zugute. Das Rolling Shutter Verhalten wurde ebenfalls leicht verbessert.

Abgesehen von diesen aufgewerteten technischen Messwerten findet sich der größte Mehrwert in den integrierten Streaming-Funktionen, die für die meisten aktuellen GH5 Nutzer jedoch ein bisher komplett unbekanntes Anwendungsfeld darstellen. Als WebCam-Ersatz stände der GH5 II unserer Meinung nach zudem die Audio-Integration besonders gut. Dies würde die GH5 II gegenüber vielen DSLM-Mitbewerbern in diesem Anwendungsfeld positiv herausheben.

   

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