Editorials: COMPUTEX 2021 für Editoren - AMD imponiert mit stacked Cache CPU , GPUs bleiben knapp

04.06.2021 von Rudi Schmidts



Die COMPUTEX hat in diesem Jahr einige Überraschungen bereitgehalten, die wir unter der Relevanz für Videobearbeiter einmal näher betrachten wollen.

CPUs - AMD stapelt hoch

Wohl die größte Überraschung ließ in diesem Jahr AMD vom Stapel. Und das buchstäblich. Denn in einer Keynote zeigte AMDs CEO Lisa Su eine funktionsfähige CPU mit gestacktem Cache, die bereits Ende dieses Jahres in die Massenfertigung gehen soll. Das Beachtenswerte ist dabei nicht (nur) die dadurch erzielte deutliche Leistungssteigerung, sondern vor allem der technologische Durchbruch, dass man von nun an Chips in mehreren Schichten "zusammenkleben" kann. Dies verspricht für die kommenden CPU/GPU-Generationen noch große Schritte und zeigt, dass wir auch die nächsten Jahre noch mit einem deutlichen Leistungs-Wachstum in unseren Rechnern --ähem-- rechnen dürfen.

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Bemerkenswert ist aber auch, dass diese Technologie gerade vom ehemaligen Underdog AMD eingeführt wird, während der "Marktführer" Intel noch dabei ist, erst AMDs letzte Innovation (i.e. Multi-Die-CPUs) zu kopieren. Die Vorstellung, dass AMD in den nächsten 5 Jahren an Intel vorbeiziehen könnte ist somit bei weitem nicht mehr so abwegig, wie sie vor 5 Jahren schien, als AMD knapp vor der Pleite stand.

GPUs - Nvidia und AMD bleiben Mangelware

Bei einer anderen Vorstellung neuer GPUs gab es dagegen weniger Überraschungen. Nvidia bringt "nur" zwei weitere Ti-Modelle seiner Ampere Generation auf den Markt. Allerdings funktioniert wie zu erwarten die Hash-Bremse von Nvidia nur sehr bedingt, da sie ja nicht versucht konkrete Apps, sondern konkrete Algorithmen ausbremsen. Und selbst, wenn es dem Treiber gelingt, eine bestimmte Applikation als Miner zu detektieren und zu bremsen, gibt es ja mittlerweile genügend alternative PoW (Proof of Work) Krypto-Währungen, mit denen man ähnlich gut seine GPU-Energie ertragreich verbraten kann.

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Dies bestärkt wiederum unsere Erwartung, dass GPUs weiterhin knappe Güter bleiben werden. Beim Verkaufsstart der GTX 3080 Ti am 3. Juni war es deswegen faktisch unmöglich, ein solches Modell zum empfohlenen Verkaufspreis zu ergattern. Trotz Crypto-Bremse in Firmware und Treiber. Einen recht interessanten Artikel zur aktuellen Verfügbarkeit diverser Grafikkarten hat übrigens Igor´s Lab gerade frisch veröffentlicht. Es sieht demnach auch in der Zukunft weiterhin sehr düster aus.

Bei AMD herrscht praktisch eine vergleichbare Dürre, wobei man auf der COMPUTEX nun immerhin die breite Verfügbarkeit schneller, mobiler Laptop-GPUs bei einigen OEMs verkünden konnte. So gibt es nun endlich auch wieder vernünftig konfigurierte AMD-only Laptops, also Geräte bei denen CPU und diskrete GPU aus einer - nämlich AMDs - Hand stammen.

Überraschung Intel

Wiederum überraschend war Intels COMPUTEX-Auftritt, nämlich überraschend informationslos. So gab es kaum eine spannende Ankündigung, nicht einmal zu Intels kommenden, dedizierten Xe-GPUs. Hier hatte man eigentlich schon erste Informationen zur kommenden DG2-Grafikkarte (Gen12) erwartet. Doch stattdessen gab es nur einen Tweet, in dem Raja Koduri nicht gerade vertrauenserweckend über die noch anstehende Treiber-Entwicklung sinniert.

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Wir persönlich würden Intel jetzt jedoch noch keinesfalls abschreiben, ganz im Gegenteil: Die DG2 von Intel soll mit 4.096 Kernen und seinen 16 GB GDDR6-Speicher eine Leistung zwischen der RTX 3070 und der RTX 3080 erreichen. Für viele Videoanwender wäre dies wohl mehr als ausreichend. Und da Intel noch kaum Mining-Entwickler anlockt, sollte es um den Preis und die Verfügbarkeit der Intel-Karten deutlich besser bestellt sein, als um die aktuellen Modelle von AMD oder Nvidia.

Als Joker hat schon die Intel Gen11 Grafikeinheit bei der Hardware-Decodierung deutlich mehr zu bieten, als die gesamte Konkurrenz. Gerade für Videobearbeiter könnte Intels DG2/Gen12 daher eine höchst interessante und zudem kostengünstige Alternative werden. Allerdings frühestens zum Jahreswechsel und nur, wenn der Cryptomarkt stabil bleibt. Sollten wir uns dagegen Anfang 2022 in einer GPU-Schwemme und einem damit verbundenen Preisverfall befinden, dann dürfte dies gleichzeitig Intels Eintritt in den diskreten GPU-Markt komplett verhageln....

   

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