Test: MacBook Pro M1 Pro - Die goldene Mitte unter DaVinci Resolve?

02.03.2022 von Rudi Schmidts



Im letzten Jahr gelang Apple mit der Einführung einer eigenen Prozessorarchitektur ein Überraschungscoup. Denn Macs mit Apples M1-Prozessoren lieferten gerade für die Videobearbeitung eine überraschend hohe Performance, welche den Preis für Macbooks mit einem Schlag gegenüber potenten Windows Laptops nicht mehr überteuert wirken ließen.

Nun hatten wir auf slashCAM bereits das kleinste und das größte Macbook mit der neuen Prozessorarchitektur unter Resolve betrachtet. Doch wo positioniert sich das mittlere Modell?

Apples M1 Pro Prozessor sitzt technisch gesehen sehr genau zwischen den Extremen. Der Hauptspeicher ist mit einem 256 Bit Interface angebunden, das eine theoretische Speicher­bandbreite von ca. 200 GB/s aufweist. Doppelt so viel wie der kleine M1-Prozessor und halb so viel wie der M1 Pro im Maximalausbau.

Damit wäre eigentlich auch zu erwarten, dass sich das MacBook mit dem M1 auch ziemlich genau zwischen seinen unterschiedlichen Geschwistern einsortiert. Überraschenderweise ist dies jedoch beim BRAW-Decoding nicht der Fall...

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Blackmagic RAW Decoding

Hier einmal die Performance des Blackmagic RAW Decoders mit dem M1 Pro:

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Da die Zahlen alleine kaum aussagekräftig sind, werfen wir doch einmal einen Blick in eine von uns sehr lose gepflegte Vergleichstabelle.

Beim Einsatz der CPU ist der M1 Pro hier ähnlich schnell wie der M1 Max, was kaum verwunderlich ist, weil die CPU-Ausstattung mit 10 Kernen praktisch identisch ist. Sieht man sich jedoch den GPU-Bereich an, so kommt man ins Staunen, weil der M1 Pro trotz halber GPU-Kernzahl (16 statt 32) dennoch fast die gleiche Leistung an den Tag legt wie der M1 Max. Offensichtlich kann der BRAW Decoder nicht mehr als 16 GPU-Kerne für seine Arbeit gebrauchen. Oder zumindest der Benchmark nutzt nicht mehr Kerne.

Benchmarks in Resolve 4K

Wie erwartet verhält sich der M1 Pro dagegen in unseren typischen Resolve Benchmarks.

Werfen wir also zuerst einmal auf unseren Benchmark in 4K, der 2022 kaum noch eine große Herausforderung für potente Laptops darstellen sollte:

Mobile 4K, Resolve 16 / 17.4
MODELLmax. Curved CC Nodes 24pMotion Blur Better,Large,30.0Spatial NR,small,50,50Spatial NR,large,100,100Temp NR 1 faster small 50 50 50Temp NR 2 better large 50 50 50

MacBook Pro 2020 M1

137,57,52116

MacBook Pro 2018 Radeon Pro 580X

197154125,5

MSI P65 GTX 1070Q

381924+7,524+15

HP Pavilion 17 GTX 1660Ti

4219,524+8,524+14,5

MacBook Pro 2021 M1 Pro 

50+21,513,53,524+17

Lenovo Legion Y540 17IRH RTX 2060

50+24+24+1024+18,5

MacBook Pro 2021 M1 Max 

50+24+24+7,524+24+

MSI P65 S9F RTX 2070 Max-Q

50+24+24+18,524+24+

Gigabyte AERO 17 HDR RTX 2070 Super

50+24+24+12,524+20

Alle Benchmarks unter 16er-/17er-Versionen von DaVinci Resolve Studio. Die erste Spalte beschreibt wie viele CC-Nodes maximal bei 24 fps erreichnar sind. Alle übrigen Werte stellen die Wiedergabe in fps dar. Die Messungen wurden ohne aktive Scopes sowie ohne eine aktive Vorschaukarte ermittelt.

Ganz offensichtlich spielt der M1 Pro unter Resolve in einer Liga mit Mittelklasse-Laptops, die eine dedizierte GPU besitzen. Man kann sehr deutlich sehen, dass Nvidia beim Stacking von Farbkorrektur-Nodes aus immer noch ungeklärten Gründen mit den letzten Resolve Versionen langsamer geworden ist. Und auch sonst schwanken die Ergebnisse zwischen Windows und Mac stark zwischen den verwendeten Algorithmen. Bei der spatial Noise Reduction ist ein WIndows/Nvidia Gespann fast immer deutlich überlegen. Bei der temporalen Noise Reduction und dem Motion Blur liegt der M1 Pro auf Augenhöhe mit einer mobilen RTX 2060.

Benchmarks in Resolve 8K

Dies wird bei der Betrachtung der 8K-Messungen noch deutlicher. Hierfür haben wir ein Lenovo Legion Y540 17IRH mit einer mobilen RTX 2060 sowie eine RTX 2080 Ti PCI-Karte als Vergleichswerte zur Verfügung: :

Desktop Workstation 8K, Resolve 17.4
MODELL50 Curved CC Nodes 24pMotion Blur Better,Large,30.0Spatial NR ,small,50,50Spatial NR ,large,100,100Temp NR 1 faster small 50 50 50Temp NR 2 better large 50 50 50

MacBook Pro 2021 M1 Pro 

11,563,5194,5

Lenovo Legion Y540 17IRH RTX 2060

487,52,510,54,5

MacBook Pro 2021 M1 Max 

1911,571,517,59,5

Desktop RTX 2080 Ti

10,513216,51710

Alle Benchmarks unter der 17.4-Version von DaVinci Resolve Studio. Die erste Spalte beschreibt wie viele CC-Nodes maximal bei 24 fps erreichbar sind. Alle übrigen Werte stellen die Wiedergabe in fps dar. Die Messungen wurden ohne aktive Scopes sowie ohne eine aktive Vorschaukarte ermittelt.

Unser Lenovo Modell mit RTX 2060 unterliegt oder übertrifft den M1 Pro je nach Test, kostet aktuell aber auch nur ungefähr die Hälfte des Macbooks. Allerdings gibt es noch ein paar wichtige Punkte abseits dieser nackten Zahlen:

So haben die Windows Laptops mit Nvidia GPUs allesamt das Problem, dass bei 8K Projekten immer wieder der GPU-Speicher überläuft. Im Gegensatz zum Mac ist hier nicht wirklich vernünftiges Arbeiten in 8K möglich. Auch fühlt sich die die Resolve-Timeline auf dem MacBook M1 Pro deutlich flüssiger an, als auf dem Lenovo. Diese Responsivität ist zwar schwer messbar, aber in unseren Augen ergonomisch durchaus wertvoll.

Mobilität

Und nicht zuletzt gilt auch für den M1 Pro, was schon für alle anderen M1-Modelle galt: Diese Generation der Macbooks sorgt durch ihren geringen Stromverbrauch wirklich für eine bemerkenswerte Mobilität beim Arbeiten jenseits einer Steckdose. Der Lüfter springt auch unter hoher Last fast nie an und auch ohne Netzteil erreicht er seine volle Leistungsfähigkeit, die sich stundenlang ohne Leistungseinbruch abrufen lässt. Zudem ist das Netzteil im Vergleich zu ähnlich leistungsfähigen Windows/Nvidia Lösungen kleiner und leichter. Zusammen mit den 2,1 Kilogramm eines 16 Zoll MacBook Pro bleibt man deutlich unter 2,5 Kilogramm Gesamtgewicht, was sich unterwegs sehr angenehm bemerkbar macht.

Fazit

Tatsächlich macht einem Apple die Entscheidung für (s)ein Macbook Pro relativ einfach. Für ca. den halben Preis eines M1 Max Rechners bekommt man auch ungefähr die halbe Leistung unter Resolve. Je mehr Optionen man beim Kauf hinzu wählt, desto geringer fällt der Aufpreis gegenüber einem M1 Max ins Gewicht, weshalb wir wirklich nur zum M1 Pro in der Basisausstattung greifen würden, die wahrscheinlich für die meisten Video Belange ausreichend dimensioniert sein sollte - externer Speicher ist für Videobearbeiter ja sowieso eine zwingende Notwendigkeit.

Wer seine Geräte allerdings sowieso absetzt und volle Auftragsbücher hat, dürfte fast sicher zum M1 Max tendieren, der in den gleichen Abmessungen und bei fast gleichem Gewicht noch einmal die doppelte Leistung unterbringt - und damit sogar kleine Workstations obsolet machen kann.

   

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