Test: Panasonic GH6 - Sensorqualität, Rolling Shutter und eine leise Vermutung...

09.03.2022 von Rudi Schmidts



Gegenüber der Panasonic GH5 hat sich einiges getan. So besitzt die GH6 einen 5,7K Sensor mit 25,2 Megapixeln der Formate bis 6K60p sowie 4K120p liefert. Diese können intern in diversen H.264 und H.265 Dialekten, sowie eingeschränkt auch in ProRes (aber nicht in ProRes RAW) gespeichert werden. Auf die beliebte Frage, welcher Sensor denn in dieser Kamera wahrscheinlich seinen Dienst verrichtet haben, wir jedoch bislang keine befriedigende Antwort gefunden.

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Panasonic selbst will sich auch nicht zu weiteren Interna äußern. Dennoch haben wir eine verdächtige Zutat, auf die wir im Laufe dieses Artikels noch näher eingehen werden. Und damit in MEDIAS sensoRES....

4K Debayering der Panasonic GH6

Das gibt es auch nicht oft und erinnert uns an alte Zeiten: Nach sehr unzähligen Einzelmessungen können wir unser Messergebnis zur GH6 mit einem einzigen Testbild zusammenfassen:

Die Panasonic GH6 im 4K-Debayering,  24-120 fps.
Die Panasonic GH6 im 4K-Debayering, 24-120 fps.

Egal ob in 6K nachträglich in der Timeline nach 4K konvertiert oder direkt in der Kamera mit 4K aufgezeichnet und egal ob mit 24 oder 120 fps: Das Testbild sieht immer zum Verwechseln ähnlich aus. Man findet somit keine relevanten Aliasing- oder Zipper-Artefakte und die allerfeinsten 4K-Details gehen gefiltert unter. Alles Paletti in allen Formaten, die auch immer die volle Sensorbreite nutzen.

Letztere Erkenntnis hat uns mit der GH6 allerdings doch einige Nerven gekostet, da wir ohne einen externen Monitor nie mit Gewissheit sagen konnten, ob die Schärfe hundertprozentig sitzt. Für 6K-Auflösung und auch die feinsten 4K-Details reichte bei der GH6 nämlich selbst die maximale Vergrößerung der Vorschau nicht aus. Hier sollte Panasonic noch mit einem Firmware-Update versuchen, mehr Auflösung für die Displayvergrößerung bereitzustellen, da es sicherlich den einen oder anderen Pixelpeeper gibt, dem eine exakte Vorschau trotz Autofokus und Fokussierhilfen wichtig ist.

Rolling Shutter der Panasonic GH6

So wenig sich die Debayering-Modi unterscheiden - umso mehr Fragen (und Antworten) liefern die Rolling Shutter Werte. Zuerst einmal unterscheiden sich die Werte je nachdem, ob man den Dynamic Boost aktiviert hat oder nicht. Allerdings bei weitem nicht stark genug, um von einer Doppelbelichtung ausgehen zu können. Das Gegenteil scheint uns viel eher der Fall, die geringen Unterschiede deuten sehr stark darauf hin, dass beim Dynamic Boost nicht mit einer doppelten Belichtung getrickst wird:

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Gleichzeitig sieht man bei 100-120 fps, dass der Sensor trotz visuell gleichem Debayering sogar doppelt so schnell ausgelesen werden kann (7,2ms). Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die GH6 bei einem Verzicht auf den Dynamic Boost auch bei 24-60 fps mit höchstens 7,2 ms ausgelesen werden könnte, ohne auf Lineskipping oder Binning zurückgreifen zu müssen. Ob Panasonic dies aus thermischen Gründen nicht anbietet, da mit 24-60p in der Regel deutlich längere Clips gefilmt werden?

Da über 60p kein Dynamic Boost mehr zuschaltbar ist, liefern diese Zahlen vielleicht auch einen Hinweis darauf, dass in diesem Fall die Datenübertragung den limitierenden Faktor für den Rolling Shutter darstellt. Eben weil der Sensor bei Dynamic Boost wirklich zwei komplette Datenströme parallel ausliest und zum DSP schaufeln muss.

Die bisher üblichen Dual-Gain Designs fassen die Low- und und High-Gain Daten schon auf dem Sensor zusammen, da man damit den DSP deutlich entlastet und zugleich den Datendurchsatz zum DSP schlanker halten kann. Dies ist nach unserem Wissen bei den ARRI- und Blackmagic URSA-Sensoren von Fairchild der Fall. Diese lesen den Low- und den High-Gain mit 2 x 11 Bit aus und bieten für den Datenweitertransport laut Datenblatt einen 16 Bit LG/HG-Merged Modus.

Dies spricht schonmal dafür, dass dieser GH6 Sensor eher nicht aus der Fairchild-Ecke stammt, sondern (vielleicht aus Patentgründen?) eine andere DualGain Implementierung nutzt. Sucht man als nächstes bei Sony, so erkennt man schnell, dass Sony zwar viele Dual-ISO Sensoren (auch für Dritthersteller) anbietet, jedoch überhaupt keine DualGain-Modelle im Programm hat. Nachdem nicht einmal der gefühlte ARRI-Konter - die Venice 2 - Dual Gain nutzt, erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass Sony einen Dual Gain-fähigen Sensor für die GH6 produziert hat.

Und weil somit die üblichen Verdächtigen ausscheiden, erlauben wir uns eine (vielleicht gar nicht so wilde) Spekulation: Wirft man nämlich einen Blick auf die ebenfalls Dual Gain fähige Canon C70, so findet man dort eine seltsam bekannte Einschränkung: Auch bei der C70 funktioniert Dual Gain nur bis 60 fps, darüber schaltet sich die Funktion (vermutlich aus den von uns angeführten Gründen) ebenfalls ab. Es könnte sich also hier um ein ähnliches Dual Gain Design handeln, das man in dieser Form bislang noch bei keinem anderen Hersteller gesehen hat.

Dies würde wiederum zu dem Gerücht passen, dass Canon schon seit längerem seine Sensorfertigung für direkte Kamera-Konkurrenten öffnen will, um die gigantischen Fixkosten von Forschung- und Entwicklung besser schultern zu können.

Könnte der GH6-Sensor also tatsächlich von Canon stammen? Wir denken hier nur laut, aber wundern würde es uns nicht...

Fazit

Egal von wem der Sensor der GH6 nun auch stammt, die Bildqualität stimmt auf jeden Fall. Cinematisches Debayering mit guten Rolling Shutter Zeiten und hohen Frameraten ohne Qualitätseinbruch beim Auslesen - das alles steht einer frischen GH6 im Jahre 2022 noch sehr gut. Schade finden wir allerdings, dass man die besonders guten 7,2 Millisekunden Auslesezeit nicht mit 24-60fps nutzen kann und dass man für eine absolut zuverlässige 6K-Schärfebeurteilung zu einem externen Monitor greifen sollte.

   

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