Test: Sony FE PZ 16-35 mm F4 G Zoom an der FX3: Traumkombo für Gimbalsetups / DJI RS2?

19.05.2022 von Rob



Wir haben uns das neue, speziell für Video entwickelte Sony Weitwinkel-Zoom FE PZ 16–35 mm F4 G an der Sony FX3 im Gimbalsetup mit dem DJI R2 angeschaut. Hier unsere Praxiserfahrungen mit dem kompakten, motorisierten Sony Weitwinkel-Zoom, das wir sowohl für Architektur- und Establishing-Shots (Fake-Jib-Shot) als auch für Portrait- und Follow-Shots im Gimbalbetrieb genutzt haben.

Vorab unser Testclip, den wir mit Caro an einem Sommertag in Berlin nahezu ausschließlich im Gimbalbetrieb gefilmt haben:

Zum Einsatz kam neben dem Sony FE PZ 16–35 mm F4 G Zoom, die Sony FX3, der DJI RS2, der ATOMOS Ninja V+ sowie der Manfrotto Fast GimBoom. Als ND Filter diente unser Genustech Eclipse Vario-ND. Aufgezeichnet wurde auf Panasonic V90 SD-XC Karte. Für alle Shots wurde S-Log3 Gamma im S-Gamut3.Cine/S-Log3 Farbraum genutzt. Schnitt und Farbkorrektur erfolgten in DaVinci Resolve 17.4 auf einem aktuellen MacBook Pro.

Sony FE PZ 16–35 mm F4 G - Videofunktionen

Mit dem FE PZ 16–35 mm F4 G Zoom hat Sony ein Vollformat-Weitwinkel-Zoom vorgestellt, das sich in erster Linie an Videofilmer richtet. Prominentestes Merkmal dürfte in diesem Zusammenhang der integrierte Motor-Zoom sein, der entweder mit der am FE PZ 16–35 mm F4 G befindlichen Mini-Zoomwippe oder optional (soweit vorhanden) an der Kamera bedient werden kann.

Sony FE PZ 16–35 mm F4 G Powerzoom
Sony FE PZ 16–35 mm F4 G Powerzoom

Wir sind zwar keine Freunde von übermäßigem Zoomgebrauch - doch „creeping Zooms“ (oder „Aufzieher“ im ENG-Zusammenhang) haben durchaus auch ihre Daseinsberechtigung - und wenn es denn Zoomfahrten sein sollen, dann bieten Motor-Zooms in der Regel einen hochwertigeren Look. Im Verbund mit der Sony FX3 lässt sich die Motor-Zoomfunktion auch über die Wipptasten am Auslöser bedienen.

An der Kamera hatten wir noch etwas mehr Kontrolle bei der Dosierung der Zoomgeschwindigkeit als am Objektiv. Wir empfehlen je nach Kamerasetup auszuprobieren, welche Motorzoombedienung ergonomisch am meisten Sinn macht – schön zu sehen, dass es bei der Kombination Sony FX3 und FE PZ 16–35 mm F4 G die Wahl gibt.

Sony FX3 und FE PZ 16–35 mm F4 G Powerzoom
Sony FX3 und FE PZ 16–35 mm F4 G Powerzoom

Zusätzlich lassen sich über das Kameramenü der FX3 noch unterschiedliche Zoom-Geschwindigkeiten (12 stehen zur Auswahl) und Buttonbelegungen einstellen.

Neben dem motorisierten Zoom bietet das Sony FE PZ 16–35 mm F4 G als spezielle Videofunktion auch einen Schalter für das Decklicken der Blende. Wer also manuell die Blende stellen möchte, erhält hier eine für den Videozusammenhang optimierte Funktion. Da die Rasterung der Blende am 16–35 mm F4 G recht stark zu spüren ist, fällt deren Wegfall umso deutlicher beim „decklickten“ Handling auf.

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Darüber hinaus bietet das Sony FE PZ 16–35 mm F4 G eine „Iris-Lock“ Taste gegen das versehentliche Verstellen der Blende sowie eine Fokushaltetaste die sich mit unterschiedlichen Funktionen belegen lässt.

Zu den „Videofunktionen“ des Sony FE PZ 16–35 mm F4 G würden wir zusätzlich das vergleichsweise geringe Gewicht von 353g sowie das Innenzoom zählen. Letzteres macht das 16-35mm F4 G für uns - zusammen mit der optionalen Zoom-Fernbedienung – vor allem interessant für Gimbalanwendungen.

Sony FE PZ 16–35 mm F4 G und DJI RS2: Dreamteam?

Mit seinem Brennweitenbereich vom 16-35mm dürfte das Sony FE PZ 16–35mm die am meisten eingesetzten Brennweiten im Gimbalbetrieb abdecken. Von Ultraweitwinkel für Establishing-und/oder Architektur-Shots bis hin zu gemäßigten Portraitausschnitten inkl. Umgebung lässt sich das Sony FE PZ 16–35 mm F4 G sehr vielseitig am Gimbal einsetzen.

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Bei all unseren Aufnahmen hatten wir unseren „großen“ Vario-ND Filter (82mm) mit entsprechendem StepUp-Ring am 72mm Gewinde des Sony FE PZ 16–35mm F4 G montiert. Damit ergibt sich ein recht deutliches Mehrgewicht an der Front des Objektivs. Kommt hier dann noch ein Objektivtubus hinzu, der bei der Veränderung der Brennweite aus- bzw einfährt, muss das Gimbalsystem neu kalibriert werden. Dank stets gleicher Objektivlänge beim FE PZ 16–35mm war dies jedoch nicht nötig. Zusammen mit dem geringen Gewicht für uns nochmal ein Fingerzeig in Richtung guter Eignung für den Gimbalbetrieb des neuen Sony Zooms.

Hinzu kommen die bekannten Kompatibilitäten zwischen der FX3 und dem DJI RS2. Hierzu gehören unter anderem: Start/Stop Videoaufnahme, AF-Trigger, Zoom u.a.

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Drehfertig kam das Kamerasystem bestehend aus FX3 inkl. Akku, FE PZ 16–35mm und Vario-ND auf 1,2kg (hinzu kommen hier dann noch Monitoring/ Ninja V+ + Halterung) - ein sehr guter Wert und damit eine klare Empfehlung unsererseits für den Gimbalbetrieb.

Die Kehrseite des geringen Gewichts liegt in der Kunststoffkonstruktion des Objektivs, die sich weniger hochwertig anfühlt und lt. Sony auch nur eingeschränkten Schutz gegen Staub- und Spritzwasser bietet.

16mm Weitwinkel an FF: Architektur und Establishing

Zu Beginn unseres Testclips ist ein „Fake Jib-Shot“ zu sehen. Hierbei haben wir die FX3 mit dem Powerzoom im maximalen Weitwinkel (16mm) am DJI RS2 auf den Manfrotto Fast GimBoon montiert und dann freihand die Kamera aus ca. 3,5m Höhe am Boom nach unten geführt.

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Für mobile, minimale Setups durchaus eine Alternative, zumal der Umbau vom Gimbal-Handbetrieb auf den ausziehbaren GimBoom sehr schnell von Statten geht.

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Der recht üppige 107° Bildwinkel bei 16mm funktioniert für solche Shots gut.

Gleiches git für Aufnahmen, bei denen Architektur in Szene gesetzt werden soll. Bei unserer knapp 180° Drehung um Caro aus niedriger Perspektive mit der FX3 und dem FE PZ 16–35mm ebenfalls bei 16mm am RS2 lässt sich umgebende Architektur recht dynamisch abbilden.

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Voraussetzung hierfür ist jedoch eine gute Verzeichnungskorrektur und hier überzeugte das FE PZ 16–35mm bei unseren Praxis-Aufnahmen. Selbst an den Bildrändern waren im Superweitwinkel-Betrieb kaum Verzeichnungen auszumachen. Sony macht hier einen sehr guten Job bei der Korrektur – ob sich diese Korrektur auch bei der externen ProRes RAW- Aufnahme wiederfindet, werden wir demnächst klären.

35mm Weitwinkel an FF: Portrait inkl. Umgebung

In der maximalen Teleeinstellung stehen beim Sony Powerzoom 35mm bei einer maximalen F4 zur Verfügung.

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Im Hinterkopf sollte man hierbei behalten, dass für eine räumliche Staffelung bei 35mm F4 etwas größere Abstände hinter dem Hauptmotiv benötigt werden. Für Reportage-Anwendungen stellt eine maximale F4 weniger ein Problem dar. Wer jedoch mehr räumliche Trennung (oder einfach maximale Lichtstärke) benötigt, dürfte mit Objektiven mit größerer Anfangsblendenöffnung besser bedient sein.

Entsprechend seiner moderaten F4 stellt Randabschattung beim Sony FE PZ 16–35mm kein Problem dar - im Gegenteil: Wer offenblendig filmt, dürfte eher in der Postproduktion eine Vignette setzen, um zentrale Bildelemente zu betonen. Das Sony PZ 16–35mm agiert hier sehr ausgewogen. Und auch beim Thema Parfokalität hat Sony beim PZ 16–35mm gute Arbeit geleistet – wir konnten bei kurzen Tests keine sichtlich wandernde Schärfe bei unterschiedlichen Brennweiten feststellen.

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Gut gefallen hat uns darüber hinaus beim manuellen Fokusbetrieb die ab Werk bereits erfolgte lineare Abstimmung bei der manuellen Fokussierung. Der Fokus spricht für ein Fokus by Wire System angenehm schnell an und lässt sich „reproduzierbar“ setzen.

Mit deutlich mehr Latenz ist hingegen der Zoom unterwegs, wenn er am Objektivring bedient wird. Hier ist noch Luft nach oben vorhanden – die Zoomwippen reagieren im Vergleich etwas schneller.

Keine optische Stabilisierung

Doch auch beim Sony FE PZ 16–35 mm F4 G Zoom gilt es die passende Anwendung im Auge zu behalten. Das geringe Gewicht dürfte unter anderem dadurch zu Stande kommen, dass Sony auf die Integration eines optischen Bildstabilisators verzichtet hat. Für den Gimbalbetrieb sehen wir hierin eher Vorteile, weil ein Stabilisator störend wirken könnte und das geringe Gewicht hier eher von Vorteil ist.

Wer jedoch mehr freihand unterwegs ist oder mehr Wetterschutz/Solidität benötigt, findet bei der Konkurrenz entsprechende Zoom-Brennweiten inklusive Stabilisierung und robusterer Ausführung - muss dann jedoch auf den Motorzoom verzichten und dürfte auch bei der Abbildungsleistung eher unter dem Sony liegen. Hier gilt es also abzuwägen, was für den persönlichen Gebrauch oder die jeweilige Anwendung wichtiger ist.

Fazit

Zu den Stärken des neuen Sony Powerzoom FE PZ 16–35 mm F4 G zählen für uns die sehr gute Abbildungsleistung, der integrierte Motorzoom, die gleichbleibende Objektivlänge sowie das geringe Gewicht bei kompakter Bauform.

Wer hingegen auf maximale Lichtstärke oder eine optische Stabilisierung bzw. maximalen Wetterschutz angewiesen ist, dürfte eher bei entsprechenden Alternativen fündig werden.

Die aktuell beste Option am Markt stellt das Sony FE PZ 16–35 mm F4 G in unseren Augen vor allem für all diejenigen dar, die ein leichtes, kompaktes Weitwinkelzoom für Gimbal- und allgemeine Weitwinkel-Anwendungen im Verbund mit Sony Vollformatkameras suchen.

Mit einer UVP. von 1.499,- Euro ist das neue Sony FE PZ 16–35 mm F4 G Powerzoom nicht unbedingt günstig zu nennen, überzeugt jedoch mit der dafür gebotenen Leistung.

   

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