Test: Nikon Z9 Revisited mit Firmware v2.0 - Sensorqualität, Debayering und Dynamik

03.06.2022 von Rudi Schmidts



Wir hatten die Nikon Z9 bereits recht früh bei uns auf dem Prüfstand. Allerdings hat sich mit dem Firmware-Update 2.0 doch noch einmal einiges bei der Signalverarbeitung getan, weshalb wir sie noch ein zweites Mal zu uns ins Testlabor geholt haben. Dabei wollen wir neben einem Test der neuen Videomodi auch eine erste Einschätzung der Dynamik liefern.

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Was ist neu?

Mit der Firmware-Version 2.0 kann die Nikon Z9 nun intern 8,3K-Clips (8256x4644) mit bis zu 60p in Nikons RAW Codec "N-RAW" aufzeichnen. Hierfür stehen zwei Kompressionsmethoden zur Auswahl (High-Quality / Normal). Aufgrund der hohen Datenraten wird laut Nikon hierfür zwingend eine CFexpress Typ-B Karte benötigt.

Als weitere Option findet man im Menü nun einen neuen, höchst interessanten Punkt "Extended Oversampling". Mit diesem kann man das 8K-Oversampling Verhalten der Kamera bei einer 4K-Aufnahme bestimmen. Nikon adressiert mit dieser Option exakt unseren Kritikpunkt des letzten slashCAM-Tests.

Dort lautete unser Fazit mit der ersten Firmware Version:

Die Nikon performt wie zu erwarten und agiert mit der aktuellen Firmware ziemlich genau auf Augenhöhe mit der Canon R5, die ebenfalls "nur" eine perfektes Debayering / vollständige Sensorauslesung bis 30p für die Anwender ermöglicht - sowohl in 8K als auch in 4K (HQ).

Die Karten werden jedoch neu gemischt, sofern es Nikon wirklich gelingt mit der Z9 auch eine echte 60p-Auslesung mit 8K zu ermöglichen. Und dies hat Nikon ja bereits für ein kommendes Firmware-Update angekündigt. Es ist stark zu erwarten, dass damit auch ein hochqualitatives Downscaling auf 4K bis 60p möglich wird. Diese Features würden damit die Z9 wiederum auf Augenhöhe mit Canons neuer EOS R5 C hieven - mit dem zusätzlichen Vorteil ohne zusätzliches Netzteil und mit einem stabilisierten Sensor arbeiten zu können.

Und eben dieses prognostizierte "hochqualitative Downscaling auf 4K bis 60p" lässt sich nun mit dem besagten Menüpunkt aktivieren. Was uns direkt zu den Testbildern führt...

4K Debayering

Die spannendste Frage war sicherlich, ob die Nikon Z9 mit der 8K60p-Option auch eine "saubere" 4K60p-Downscaling Aufnahme bieten kann - was unsere Testbilder nun definitiv bestätigen:

Nikon Z9 Record: 4K 24-60fps - Extended Oversampling
Nikon Z9 Record: 4K 24-60fps - Extended Oversampling

Mit der neuen Firmware liefert die Nikon Z9 auch in 4K bis 60p ein absolut tadelloses Debayering ab. Allerdings muss hierfür die Option "Extended Oversampling" im Menü aktiviert sein.

Schaltet man "Extended Oversampling" ab, so verhält sich die Kamera wie mit der ersten Firmware - also hochwertiges 8K/4K-Oversampling nur bis 30p.

Alle Modi "darüber" , also 50/60p ohne erweitertes Oversampling sowie 100/120p liefern ein Testbild mit vielen ausgelassenen Sensorzeilen:

Nikon Z9 Record: 4K 100/120 fps
Nikon Z9 Record: 4K 100/120 fps

Das Debayering-Verhalten der übrigen Modi bleibt ansonsten gegenüber der ersten Firmware gleich, weshalb alle hierzu getroffenen Aussagen weiterhin Gültigkeit behalten.

Rolling Shutter

Die neuen Debayering-Beobachtungen decken sich ebenfalls mit den aktuellen Messungen des Rolling Shutters: Bei jedem Full-Sensor-Readout von 24 bis 60 fps mit "Extended Oversampling" beträgt der Rolling Shutter ca. 14,65ms, egal, ob intern in 4K oder in 8K gespeichert wird.

In 4K mit 100-120 Bildern pro Sekunde fällt der Rolling Shutter wie vormals auf ca. 5ms, was mit den aufgezeigten Lineskipping-Modi korreliert.

Im 4K DX APS-C/S35 Modus beträgt die Auslesezeit weiterhin ca. 10ms (24-60p) und fällt bei 100-120p auf 7ms ab, weil sich hiermit auch der Ausschnitt (Crop) ein weiteres mal verkleinert (auf x2.3).

Dynamik

Zur Einschätzung der Dynamik haben wir auf unsere Augen-Testreihe zurückgegriffen, die in naher Zukunft einen besseren Dynamik-Vergleich zwischen diversen Kameras ermöglichen soll. Die Dynamik der Nikon Z9 mit der neuen Firmware können wir nun schon direkt gegen unsere bestehenden Aufnahmen der Canon EOS R5C stellen.

Tatsächlich können wir in diesem ersten direkten Vergleich sehen, dass die Nikon in RAW nocheinmal etwas besser abschneidet, als in den eigenen stark komprimierten H.264/H.265-Formaten.

Gegenüber der Canon R5C fällt zudem auf, dass die Canon in RAW unkontrollierter rauscht und fast zwingend ein zusätzliches Denoising benötigt. Das Tico-Raw der Z9 rauscht dagegen ziemlich gleichmäßig und ist damit deutlich pragmatischer "out-of-the-box" einsetzbar.

Im direkten Vergleich gegenüber der Canon R5C darf man der Nikon Z9 in 8K RAW somit unterm Strich eine bessere Dynamik-Leistung attestieren.

Auffällig war nebenbei, dass sich Tico-RAW + N-Log bereits mit der Beta 18 von Davinci Resolve sogar in 8K60p flott bearbeiten ließ.

Fazit

Wie von uns bereits früher vermutet, setzt Nikon mit der neuen Firmware 2.0 die Bildqualität bei 50/60p noch einmal deutlich nach oben. Dies gilt sowohl für die 4K-Formate, als auch für das neue 8K-RAW, das nun überhaupt erst mit 60p verfügbar ist. Beide neuen "Formate" werten die Einsatzmöglichkeiten der Kamera für Filmer noch einmal deutlich auf.

Qualitativ hochwertiges internes 8K RAW bis 60p mit sehr guter Dynamik und 14,7ms Rolling Shutter für 6000 Euro sind auch Mitte 2022 noch eine Ansage. Zumal man mit der Z9 noch einen guten Autofokus sowie einen bewegten Sensor nutzen kann.

   

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