Test: DJI RS3 Pro Gimbal inkl. Lidar Autofokus für manuelle Objektive: Erster Test und Setup

15.06.2022 von Rob



Wir hatten Gelegenheit zu einem ersten Test mit DJIs neuem, für den professionellen Einsatz entwickelten RS3 Pro Gimbal - inklusive neuem Lidar Autofokus-System für manuelle (Cine)-Objektive, verlängerten Carbonarmen für größere Kameras, Auto-Axis-Lock Mechanismus uvm. Hier unsere ersten Eindrücke inkl. Lidar Autofokus-Setup mit Zeiss Compact Prime.

DJI RS3 Pro
DJI RS3 Pro

Kurz vorweg: Da der DJI RS3 Pro inkl. Raven Eye und Lidar System noch recht frisch in der slashCAM Redaktion eingetroffen ist, ist dieses Hands-On (ebenso wie die Softwareentwicklung von DJI) noch etwas Work-in-Progress. Nichtsdestotrotz haben wir schon jede Menge spannende Entdeckungen – vor allem mit dem LiDar-System - machen können, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

DJI RS3 Pro: Die wichtigsten Neuerungen

Die für viele Gimbal-User wohl wichtigste Neuerung des DJI RS3 Pro Gimbals im Vergleich zum Vorgänger (explizit auch immer wieder Mal im slashCAM Forum Thema gewesen) dürften die verlängerten Carbon-Arme sein. Wir haben es nicht ausgemessen aber im direkten Vergleich zum RS2 sind die beiden Arme des RS3 Pro deutlich sichtbar um einige Zentimeter gewachsen.

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DJI spricht in diesem Zusammenhang nicht nur über mehr professionelle Kameras, die am RS3 Pro jetzt Platz finden, sondern auch von einer einfacherer Tarierung bisheriger unterstützter Kameras. Wir können das gut nachvollziehen, da einige neuere DSLM-Modelle weiter nach hinten bauen, ohne wesentlcih schwerer zu werden. Vor allem im Verbund mit schwereren Zoom-Optiken kann dies beim RS2 durchaus problematisch werden. Schön zu sehen, dass DJI hier nachgebessert hat.

Wir haben bei unserem ersten Test die Panasonic S1H inkl. DJI Fokusmotor, Rod und Zeiss Compact Prime montiert und damit ein recht frontlastiges System am Start. Trotzdem war noch erheblich Luft zwischen hinterem Kameragehäuse und Gimbalarm.

Die spektakulärste neue Funktion dürfte hingegen das vom Ronin 4D entlehnte LiDar System sein, das mit einer Kombination aus Tracking und Fokusfunktionen für manuelle (Cine-Objektive) ein weiteres Mal zeigt, was technologisch mittlerweile möglich ist.

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Dem neuen RS3 Pro LiDar System haben wir weiter unten ein eigenes Kapitel gewidmet – mehr hierzu dann dort...

Für uns ganz klar das beste neue Feature beim eigentlichen Handling des RS3 Pro stellt das neue Auto Axis Lock dar. Hierbei verriegeln sich die Gimbal-Axen automatisch, sobald der Gimbal ausgeschaltet wird.

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Wenn man den Gimbal mal kurz abstellen möchte – eine kleine aber feine neue Funktion, die sehr viel Komfort in der Praxis mitbringt (manuell lässt sich jede Achse trotzdem nach Belieben öffnen oder arretieren). Unser Gesamtsystem inkl. S1H, Objektiv, Lidar und Fokusmotoren wog übrigens 4.868g (ohne Monitoring) – umso mehr schätzen wir entsprechende „Komfortneuerungen“

Ebenfalls zum Thema mehr Bedienkomfort gehört der neue Modus Schalter an der Seite, der jetzt eindeutige Modi-Wechsel im laufenden Betrieb zulässt – für uns als ausgesprochene Schalter-Fans eine klare Verbesserung als die Tip-Orgien zuvor:

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Neu hinzugekommen ist eine jetzt via Bluetooth gesteuerte Kamera-Auslöse-Funktion. Diese haben wir allerdings im Verbund mit der Panasonic S1H noch nicht zum Laufen gebracht (Remote Trigger via Raven Eye am iPhone hingegen schon s.u.).

Gleichgeblieben sind die Teflon-Beschichtung der Carbonarme, der integrierte OLED Touchscreen und die maximale Traglast von 4,5kg.

DJI RS3 Pro und LIDAR Setup

DJIs lasergestütztes LiDar Fokussystem hatte uns bereits bei unserem Ronin 4D Test ziemlich beeindruckt.

Beim LiDar System für den DJI RS3 Pro Gimbal koppelt DJI jetzt das Objekttracking (via (Gimbalorientierung) mit dem Autofokus von manuellen (Cine-)Objektiven via DJI Objektivmotoren (inkl. Objekt- und Gesichtstracking)..

Hierfür wird neben dem DJI RS3 Pro Gimbal auch das neue DJI Lidar-System sowie ein DJI-Fokusmotor mit entsprechendem Rod-Anbau an der Kameraplatte benötigt.

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Das Lidar-System befindet sich vormontiert auf einer Halterung, die über eine Blitzschuhaufnahme verfügt. Unser „Cine-System“ für unseren RS3 Pro Test besteht - wie bereits kurz erwähnt - aus einer Panasonic S1H inkl. manuellem Zeiss Compact Prime mit EF-Mount, das wir via Sigma EF-L-Mount-Adapter an die Panasonic S1H angeschlossen haben.

Nachdem man das Lidar-System mit der etwas schwergängigen Blitzschuhaufnahme auf die S1H montiert hat, gilt es erstmal den Abstand zwischen Lidar-Front und Sensorebene der Kamera auszumessen. Bei der S1H beträgt diese Abstand ziemlich genau 6 cm. Dieser Wert ist wichtig, um den AF des Lidarsystems entsprechend zu kalibrieren - hierzu im Folgenden mehr ....

Angeschlossen und mit Strom versorgt wird das DJI LiDar System über ein USB-C Kabel mit dem RS3 Pro. Am Lidar stehen zwei USB-C Schnittstellen auf der rechten Seite zur Verfügung.

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Für die Übertragung der Bilddaten muss die Schnittstelle mit der entsprechenden Beschriftung genutzt werden – und dies sowohl Lidar- als auch Gimbal-seitig. Über die normale USB-C Schnittstelle werden keine Live-Bilddaten übertragen.

Hat man Gimbal und Lidar miteinander verbunden (und entsprechend tariert) sollte beim Start des Gimbals eine der drei LEDs auf der Rückseite des Lidars rot aufleuchten. Jetzt heisst es die Objektivmotoren zu kalibrieren und die Daten des Objektivs in den RS3 eingeben. Hierzu wischt man auf dem Touchscreen des RS3Pro von links nach rechts und wird dann mit einem Livebild des Lidar-Systems begrüßt.

Via Touch auf das Einstellungssymbol öffnet sich nun die Eingabe-Maske für die Objektiv- und Lidar-Parameter.

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Hier wird jetzt u.a. die zuvor gemessene Distanz zur Sensorebene, die Brennweite des Objektivs und die Speicherposition (von 3 möglichen Objektiven) eingegeben. In einem weiteren Schritt werden nun die Objektiv-Fokuseinstellungen für unterschiedliche Entfernungen abgefragt. Bei unserem CompactPrime waren dies die Fokussierung bei 1m und bei 4m Motivabstand. Im Touchscreen-Monitor des RS3 Pro wird hierfür milimeter-genau die aktuelle Motiventfernung angezeigt.

Ebenfalls zum Lidar-Setup gehörig ist die Kalibrierung des DJI-Fokusmotors, der wie gehabt die Endanschläge des manuellen Fokus abfährt und diese speichert.

Sind alle Eingaben entsprechend erfolgt, ist das Lidar-System startklar. Am Touchscreen-Monitor lassen sich nun unterschiedliche Motivtracking-Geschwindigekeiten sowie für den AF unterschiedliche Fokusfelder auswählen. Via Klick auf den Zeigefinger-Button am Gimbal lassen sich Objekte tracken. Das Facetracking war bei unserem Testsystem stets defaultmäßig aktiviert und liess sich nicht separat ausschalten.

Erste AF-Tests sind bei uns recht vielversprechend verlaufen.

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Die Gesichtserkennung hat zumindest bei Portraits auf dem Bildschirm recht zuverlässig reagiert und der AF hat nach der entsprechenden Kalibrierung bei unterschiedlichen Motivabständen stets die korrekte Schärfe gefunden. Allerdings müsste die AF-Geschwindigkeit noch einen Tick höher liegen, um mit entsprechenden DSLM-AF Systemen mitzuhalten – hier sind wir noch am experimentieren mit diversen Parametern. Mehr hierzu bei unserem ausführlichen AF-Tracking Praxistest zum RS3 Pro, der demnächst auf slashCAM erscheint.

Doch das Lidar-System des DJI RS3 Pro ist nicht nur für den AF-Betrieb direkt am Gimbal ausgelegt.

Via DJI Funkmonitor und den dazugehörigen Ronin 4D Handgriffen, lässt sich das DJI RS3 Pro System inkl. Lidar auch als Remote-Follow-Fokus System drahtlos konfigurieren. Vor allem für professionelle Einsätze, bei denen nicht mit dem Ronin 4D sondern mit einem individuell zusammengestellten Gimbal-Kamerasystem gearbeitet werden soll, dürfte der DJI Funkmonitor im Verbund mit Lidar seine Stärken ausspielen. Im Vergleich zu klassischen Remote Follow-Fokus Setups dürfte das lasergestützte DJI Lidar-System vor allem bei extremen Lowlight Szenarios und höheren Automations-Anforderungen zum Einsatz kommen.

DJI RS 3 Pro, Raven Eye und Lidar

Beim vom RS2 bereits bekannten Raven Eye System ergibt sich - zumindest bei unserem ersten Hands-On mit dem neuen DJI RS3 Pro - aktuell folgendes Bild: Die vom Raven Eye bekannten Remote-Smartphone und Objektiverfolgungs-Optionen für den Gimbal sind alle auch beim RS3 Pro nutzbar.

Im Zusammenspiel mit der Panasonic S1H funktionierte bei ersten kurzen Tests sowohl das Monitoring am iPhone inkl. Objekt-Tracking sowie – für uns am wichtigsten – das Remote Recording bzw. die Remote Rec-Auslösung.

Was bei unseren ersten Tests noch nicht möglich scheint, ist die intelligente Koppelung von Raven Eye und Lidar. Idealer Weise würde man hierbei am Smartphone – das bekanntlich via HDMI-Out und Raven Eye quasi ein 1:1 Sucherbild der Kamera empfängt – sowohl das Objekt- als auch das AF-Tracking des Lidar-System steuern. Dies war bei unserem Testsystem allerdings bislang nicht möglich. Wir hatten damit Raven-Eye und Lidar zwar parallel - aber nicht miteinander verknüpft - im Betrieb.

Das bedeutet, dass wir das Raven Eye System zwar als Vorschau und Remote Rec Option am RS3 Pro im Lidar-Setup nutzen konnten, aber das Objekt- und AF-Tracking am kleinen, integrierten RS3 Pro Touchscreen aktivieren müssen. Da der Touchscreen seine Bilddaten vom Lidar-System und nicht vom Kamera-HDMI-Out empfängt, gibt es hier eine leichte Diskrepanz zwischen Lidar und Sucher-Bild, die vor allem bei Motiven am Bildrand auch zu Problemem führen kann.

Aktuell haben wir noch keine Lösung hierfür gefunden, weil hierfür der Raven-Eye-Output mit dem Lidar gekoppelt werden müsste. Ob mit dem professionelleren DJI Videotransmitter hier eine entsprechende Lösung möglich ist, klären wir demnächst.

Für den Praxis-Betrieb unseres Testsetups mit Raven Eye bedeutet dies, dass man sich beim Lidar-Betrieb für eine Art des Monitorings entscheiden muss: Entweder via Smartphone und RavenEye oder klassisch via HDMI-Out, Kabel und externem Monitor am Gimbal.

Darüber hinaus gilt es dann für den AF- und Objektracking-Lidar-Betrieb mit manuellen Objektiven zwei Framings im Auge zu behalten: Einerseits das „reale“ Kameraframing via HDMI-Out (Sucher, oder Klappdisplay) und andererseits das Lidar-Framing das für das Objekt- und Fokustracking verantwortlich ist.

Für Motive die bildmittig gehalten werden, sollte dies entsprechend auch funktionieren – problematisch wird es hingegen, wenn Lidar-Bild und Sucher-Bild stärker auseinandergehen, was bei Motiven am Bildrand durchaus passieren kann. Hinzu kommt, dass das LiDar System nur über eine fixe eher weitwinkelige Brennweite verfügt. Reales Kamerabild und Lidar-Bild stellen sich also vor allem bei teligeren Kamerabrennweiten recht unterschiedlich dar.

Unterm Strich sehen wir das Lidar-System aktuell als willkommene Unterstützung für Solo-Shooter die mit manuellen Objektiven unterwegs sind und für Teams in Verbindung mit dem DJI Funkmonitor als Remote Follow-Fokus-System in schwierigen Lichtsituationen. Wie verlässlich das komplexe System in der Praxis arbeitet, klären wir demnächst bei unserem Praxistest mit der DJI RS 3 Pro.

DJI RS 3 Pro: Hands-On Fazit

Mit dem DJI RS 3 Pro bringt DJI spannende technologische Neuerungen – allen voran das aus dem Ronin 4D bekannte LiDar Objekt-Tracking und Fokus-System. Damit legt DJI die Meßlatte beim Thema Gimbal-Robotik und Automatisierung erneut um einiges höher. Erste Tests des LiDar Systems zeugen vom beeindruckenden Potential des Systems – insbesondere im Verbund mit manuellen (Cine)Objektiven.

Doch auch für „normale“ Gimbaluser bringt der RS3 Pro willkommene Neuerungen mit. Insbesondere für all diejenigen, die größere Kameras auf den DJI Einhandgimbal unterbringen wollen.

Wie sich der neue DJI RS3 Pro inkl. LiDar-System in der Praxis schlägt, klären wir demnächst auf slashCAM.

   

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