Editorials: ARRI und RED Medien unter Windows nicht mehr lesbar - Microsoft UDF Probleme

19.07.2022 von Rudi Schmidts



Hand hoch, wer erinnert sich noch an UDF? War das nicht irgendein Dateisystem zum beschreiben von DVDs? Richtig! UDF löste seinerzeit ISO 9960 ab, womit noch die ersten CD-ROM Generationen arbeiteten. Dank UDF waren ab 1996 bei optischen Medien endlich mehr als 8 Zeichen in Dateinamen möglich. Also wirklich schon eine ganze Weile her das ganze.

Über 25 Jahre UDF

UDF wurde daraufhin in den folgenden 25 Jahren zum Standard-Dateisystem für optische Datenträger. Da Verzeichnisebenen nun tief und Dateien auch größer als 4GB sein durften, schien das Dateisystem für zukünftige Anwendungen gut gerüstet zu sein. Auf flashbasierenden Datenträgern konkurrierten jedoch anschließend weitere Standards wie FAT-Dialekte um die Gunst der Anwender und Hersteller. Und verdrängten hier letztlich UDF als Dateisystem der Wahl. So erfuhr UDF mit den letzten Spezifikationen der Version 2.60 für die BluRay (BD-R) seit März 2005 keine weitere Veränderung und gilt heute als "ausentwickelt".

Windows-Unterstützung

Dieser Zustand sollte eigentlich ein Traumzustand für Betriebssystementwickler sein, denn ohne neue Spezifikationen muss man über die Zeit keine neuen Features nachreichen. Doch gleichzeitig sind solche stehenden Standards auch ein Alptraum, denn nach fast 17 Jahren gibt es auch kaum noch einen Entwickler, der den zugehörigen Code gut kennt und pflegen kann.

Und gerade in lange ungewartetem Code kann unvermittelt von findigen Hackern eine Lücke entdeckt und entsprechend ausgenutzt werden. Oder der Code verlässt sich auf externe Bibliotheken und eine Änderung in diesen sorgt plötzlich für ein unerwartetes Verhalten im alten Code, der nun die neue Bibliothek nutzt.

Irgendetwas in dieser Richtung scheint jedenfalls bei Microsoft in seinen UDF-Treibern passiert zu sein, denn seit den Windows Updates im November 2021 funktioniert mit vielen Geräten plötzlich der Zugriff auf UDF-Medien nicht mehr.

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ARRI und RED betroffen

Und leider gehören zu diesen "Geräten" unter anderem die Flash-Speicher von ARRI und RED. Bei RED hält sich der Schaden in Grenzen, weil sich hier die Medien auch mit dem weiterhin problemlosen FAT32 formatieren und nutzen lassen. Anders jedoch bei ARRI, das sowohl für seine CFast 2.0 Karten als auch für die Codex Compact Drives eine UDF-Formatierung obligatorisch nutzt bzw. vorraussetzt.

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Am Mac lassen sich diese Medien weiterhin problemlos lesen, mit aktuellen Windows Rechnern ist jedoch bereits seit fast 9 Monaten kein Zugriff mehr auf diese UDF-Speicher möglich. Und dieses Problem ist natürlich ebenso für RED-Anwender ärgerlich, die noch UDF-formatierte Medien mit wichtigem Material im Schrank haben.

Was sagt und macht Microsoft?

MIcrosoft ist zwar seit fast 9 Monaten über die Probleme im Bilde, jedoch scheint die Nische von ARRI und RED nicht groß genug zu sein, um hier akuten Handlungsbedarf zu sehen. Der Support vertröstet weiterhin auf eine Lösung des Problems irgendwann in der Zukunft.

Als Lösungsvorschlag findet sich in diversen Support-Foren der Hinweis, dass man in dringenden Fällen seine Windows Updates "rückabwicklen" kann. Also alle Updates ab November 2021 rückwirkend zu deinstallieren. Das ist nicht nur zeitaufwändig, sondern dürfte auch aus Sicherheitsaspekten ein zweifelhaftes Vorgehen sein, das wir nicht empfehlen würden.

Alternativ kann man sich in einer virtuellen Maschine ein älteres Windows installieren, das man man ausschließlich zum Einlesen der Daten nutzt. Doch auch hier gibt es eine Menge Stolpersteine, wie das Durchreichen des USB-Readers in die virtuelle Maschine.

Selbst anpacken...

Die einfachste Lösung des Problems ist zudem technisch nicht sonderlich kompliziert. Eigentlich muss man nur eine Systemdatei durch eine ältere Version austauschen. In der Praxis gibt es dennoch auch hier ein paar Haken:

Erstens muss man diese Datei bekommen. Denn ein einfacher Download aus dem Internet ist nicht über Microsoft möglich und aus nicht vertrauensvollen Quellen definitiv nicht empfehlenswert. Der korrekte Weg ist hier über eine (weitere) Windows-Installation zeitlich vor dem November-Update stehen zu bleiben und dort dann die entsprechende Datei (partmgr.sys) in der Version 10.0.19041.1110 (Windows 10) oder 10.0.22000.71 (Windows 11) aus dem Windows-Systemverzeichnis (C:⁄Windows⁄WinSxS⁄) zu kopieren.

Mit dieser Datei überspielt man anschließend die partmgr.sys in der aktuellen Windows Installation. Hierfür sind nicht grundlos Administratorenrechte verpflichtend, denn mit dem Partitions-Manager (zu dem dieses File gehört) lassen sich unter Windows schlimme Dinge anrichten. Und schon deswegen sollte man hiervon nicht grundlos eine veraltete Version auf seinem System halten. Schließlich kann man nicht wissen, ob man mit der alten Datei nicht vielleicht eine bekannte Sicherheitslücke aktiv offen lässt, von der das Betriebssystem glaubt, dass sie längst geschlossen ist.

Fazit

Microsoft sollte schnellstmöglich wieder eine korrekte UDF-Funktionalität unter Windows zur Verfügung stellen, allerdings weiß man weder wann noch ob dieses Problem überhaupt jemals wieder gefixt wird. Alternativ wäre es für ARRI vielleicht auch an der Zeit, auf ein zeitgemäßes Dateisystem zu setzen, weil mit dem stark aus der Mode gekommenen UDF in Zukunft immer wieder ähnliche Probleme auftreten können. Auch auf dem Mac gibt es diese Gefahr, zumal Apple dafür bekannt ist, alte Zöpfe kurzfristig und abrupt abzuscheiden.

Eine Forumsmeldung von ARRI zur UDF-Unterstützung unter Windows findet sich übrigens hier.

   

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