Test: Canon EOS R7 in der Praxis - die neue Preis-Leistungsreferenz im S35-Segment?

21.07.2022 von Rob



Hier unser Praxistest der neuen Canon EOS R7, die sich anschickt, im APS-C/S35-Segment mit einer UVP. von 1.499,- für einigen Wirbel zu sorgen. Die technischen Daten lesen sich vielversprechend: 4K 10 Bit 50p inkl. Canon Log3, Sensorstabilisierung bis zu 7 Belichtungsstufen, duale Cardslots, XLR-Audio-Optionen und hinzu kommt ein beiliegender EF-EOS R Objektivadapter, der die Canon EOS R7 auch für EF-Objektive (Vollformat und APS-C) interessant macht. Wir haben daher auch das Vollformat Canon EF 50mm f1.8 und das populäre APS-C Sigma 18-35mm f1.8 an der neuen Canon EOS R7 im AF-Betrieb getestet.

Hier unser Testclip mit Caro bei dem wir uns die Stabilisierungsleistung, die AF-Performance mit unterschiedlichen Objektiven und Adaptern (unter anderem dem populären Sigma 18-35mm f1.8), Hauttöne im 10 Bit LOG/LUT Workflow, 50p Zeitlupe sowie unterschiedliche Bildprofile anschauen:

Zum Einsatz kam neben einem Vorserienmodel der Canon EOS R7 das Canon RF 35mm F1.8, das Canon EF 50mm F1.8, das Sigma Art 18-35mm f1.8 DC, der Canon EF-EOS R Mount Adapter sowie unser Ecplise Vario-ND. Schnitt und Farbkorrektur erfolgten auf dem Redaktions Macbook Pro unter Final Cut Pro 10.6.3.

Ergonomie; Bedienung und Ausstattung

Wer mit aktuellen Canon Vollformat-DSLMs vertraut ist, dürfte beim ersten in die Hand nehmen der Canon EOS R7 ein bekanntes Griffgefühl finden. Für uns zählen die Canon DSLMs ergonomisch zu den besten DSLMs am Markt und auch die Canon EOS R7 macht hier keine Ausnahme. Mit Abmessungen von ca. 132,0 x 90,4 x 91,7 mm (BxHxT) bei ca. 530g baut sie etwas leichter und kompakter als ihre Vollformat-Schwester Canon R6 (38,4 x 97,5 x 88,4 mm bei ca. 598g).

Eine der großen Stärken, die wir vor allem bei etablierten Kameraherstellern wie Canon sehen, besteht in der Qualität der Gehäusefertigung. So fertigt Canon alle EOS R Modelle – vom Sub 1.000 Vollformat-Einsteiger EOS RP bis hin zur High-End Canon EOS R3 mit Magnesiumlegierungen – zwar mit unterschiedlichen Anteilen an Kunststoff - doch alle mit einem Metall-Kern. Das ist durchaus bemerkenswert und spricht für das langjährige Produktionsknowhow über das Hersteller wie Canon verfügen. Wie sich das EOS R7 Gehäuse im Video-Alltag auf längere Sicht schlägt, dürften erste Langzeittest zeigen, auf die wir schon ziemlich gespannt sind.

Vergleicht man das Schalterlayout der Canon EOS R7 mit der Canon EOS R6, fällt auf, dass Canon bei der EOS R7 etwas weniger externe Schalter verbaut. Allerdings ist auch ein neues Wahlrad (auf dem defaultmäßig die Blende liegt) hinzugekommen. Als klare Befürworter von möglichst vielen Funktionen auf externen Schaltern, können wir zwar nie genug externe Schalter haben, aber die wichtigsten Funktionen wie Blende, ISO, Verschlußzeit, AF/MF-Betrieb, Tracking On/Off etc. lassen sich alle auf externen Tasten bedienen. Das neue Drehrad, das um den Joystickcontroller positioniert wurde, hinterlässt zwar einen etwas plast-mäßigen Eindruck - erlaubt jedoch Dank seiner Rasterung eine präzise und schnelle Blendenwahl. Wer hier eine andere Funktion benötigt, findet im entsprechenden „Wahlräder anpassen“ Menü zusätzliche Funktionen. So lässt sch bei Nutzung eines RF Objektivs beispielsweise auch die Blende auf den Steuerungsring des Objektivs legen uvm.

Von anderen Canon DSLMs bekannt und ebenfalls bei der Canon EOS R7 implementiert ist die – in unseren Augen – aktuell beste Umsetzung von Fokushilfen im manuellen Fokusbetrieb. Zeitgleich im MF-Modus verfügbar sind hierbei Fokuspeaking, Canons sehr guter Fokusassistent sowie die automatische Augenerkennung. All dies funktioniert auch im Verbund mit Fremdhersteller-Objektiven wie dem hier auch von uns an der Canon EOS R7 genutzten Sigma 18-35mm 1:1.8 DC inkl. EF-EOS R Adapter. Mehr zur AF-Performance mit Canon EF und Fremdherstellerobjektiven in den entsprechenden Kapiteln ...

Gut gefallen haben uns ebenfalls die dualen SD-Cardslots der Canon EOS R7. Hier übernimmt sie die guten Vorgaben der Canon EOS R6 womit eine entsprechende Grundlage für professionelles Video-Backup geschaffen wird.

Wir haben die parallele Videoaufzeichnung sowohl mit 4K 25P HQ als auch mit 4K 50p problemlos in Betrieb gehabt.

Insgesamt folgt die Canon EOS R7 in Sachen Menü und Tastenfunktionen dem bewährten Konzept der Canon Vollformat DSLMs. Was wir bei der Bedienung noch gerne gesehen hätten, wäre eine Suchervergrösserung während der Aufnahme, eine einfachere Weissabgleichfunktion sowie False Color und Waveformmonitoring. Doch dafür wird man vermutlich auf eine Canon EOS R7 C hoffen müssen (was wir tatsächlich eine ziemlich spannende Option fänden).

Hauttöne, LOG und Auflösung

Die große Erfahrung, über die Canon beim Thema LOG verfügt macht sich auch bei der Canon EOS R7 positiv bemerkbar. Zwar empfanden wir den Farbkorrektur des Canon LOG 3 Materials unseres Vorserienmodells nicht ganz so einfach wie bei den RAW-fähigen Canon EOS R Vollformat-Modellen – doch mit entsprechender Anpassung gelangt man in überschaubarer Zeit zu guten Hauttönen.

Hierbei verhält sich das Canon LOG3 von der Farbgebung her recht typisch im Vergleich zur Implementierung bei den Canon Vollformat DSLMs. Mit den offiziellen Canon REC 709 LUTs erhält man bei manuellem Weissabgleich ein etwas nach gelb tendierendes Bild, das sich mit einer entsprechenden Korrektur anpassen lässt.

Etwas aufpassen sollte man hierbei auf den Rot-Kanal, der typischer Weise schneller zum clippen neigt. Wir empfehlen hier bei der Farbkorrektur gelegentlich einen Blick auf die RGB-Parade zu werfen.

Wer die maximale Auflösung benötigt, sollte im 4K Fine Modus filmen, bei dem der Sensor unserem Eindruck nach die meisten Pixel für das Downsampling nutzt (für eine Testlaborauswertung müssen wir uns noch etwas auf das Eintreffen des Serienmodells in der slashCAM Redaktion gedulden).

Im 4K Fine Modus stehen jedoch – ähnlich wie bei der Canon EOS R5 – nur maximal 25/30p zur Verfügung. Hier sollte man den auch den etwas ausgeprägteren Rolling Shutter im Auge behalten.

Wer 50p benötigt, kann zwischen dem „normalen“ 4K Modus, der bei voller Sensorfläche vermutlich PixelBining/Lineskipping benutzt und dem 4K Crop Modus wählen, der ein entsprechend gecropptes 4K Bild zur Verfügung stellt. Die 50p Modi verfügen über spürbar weniger Rolling Shutter.

Wir haben bei unseren 50p-Aufnamen mit Caro den „normalen“ 4K Modus ohne Crop genutzt, der uns mit seinem etwas geringer aufgelöstem und dabei „cinematischeren“ Bild recht gut gefallen hat.

Dual Pixel AF mit Canon RF Optik

Unser Vorserienmodel der Canon EOS R7 konnte bereits mit einem gewohnt sicheren Dual Pixel AF auftrumpfen. Die gefühlt reaktivere Performance hatten wir mit der Original Canon RF Optik. Und hierbei wiederum die beste Performance bei 4K 50p.

Doch diese Unterschiede sind minimal und kaum kontrolliert nachvollziehbar. Die Gesamtperformance des Canon Dual Pixel AF bewegt sich auch sehr hohem Niveau und unterstreicht, das Canon mit Sony (dichtgefolgt von Nikon) zur Referenz beim Thema Autofokus gehört.

Dual Pixel AF mit Canon EF Optik + Adapter

Nahezu auf dem gleichem Niveau agierte die AF-Performance bei unserem Test mit dem Canon „Control Ring Mount Adapter EF-EOS R“.

Hierbei wollten wir wissen, ob eine Canon EF-Optik irgendwelche Einbußen bei der Performance mit dem Adapter mit sich bringt, was wir - zumindest bei unserem kurzen Test mit Caro – verneinen können.

Zum Einsatz kam hier das Canon EF 50mm f/1.8 STM Objektiv:

Die AF-Performance ist quasi on par mit der RF-Optik und auch der Adapter-Ring versieht problemlos seine Funktionen (bei uns die Blenden-Funktion).

Dual Pixel AF mit Sigma 18-35mm EF + Adapter

Wir hatten schon längere Zeit keinen AF-Test mehr mit adaptierten Optiken von Fremdherstellern. Umso erfreuter waren wir, einen Blick auf die AF-Performance des SIGMA Art 18-35mm F1.8 DC HSM in der EF-Version an der Canon EOS R7 mit dem EF-EOS-R Mountadapter werfen zu können.

§Sigma 18-35mm F1.8 DC HSM ART§

Und auch hier enttäuschte der Canon Dual Pixel AF nicht. Zwar meinen wir einen minimalen Performance Unterschied bei Caros Gang auf die Kamera zu bemerkt zu haben – doch auch hier bleibt die Gesamtperformance auf erfreulich hohem Niveau. Wer also ein Sigma 18-35mm EF verfügbar hat, erhält hier ein bemerkenswert günstiges und performantes Kamera-Setup, das wir auch für Gimbal-Shots empfehlen würden – womit wir beim Thema Stabilisierung angelangt wären:

Sensorstabilisierung

Für uns vielleicht die beste Funktion der neuen Canon EOS R7: Die Stabilisierungsleistung im Verbund von Sensorstabilisierung und optisch stabilisiertem Objektiv.

Bei unserem Test mit Caro, bei dem wir rückwärtslaufend mit dem Canon RF 35mm F1.8 Macro IS STM aus der Hand gefilmt haben, kann man durchaus auch ohne Gimbal „davon“ kommen.

Die Stabilisierungsleistung der Canon EOS R7 dürfte zum besten gehören, was derzeit am Markt verfügbar ist und allein dafür könnte sich die Canon EOS R7 bereits für einige lohnen.

Zwar stehen bei uns noch ausführlichere Stabilisierungstests aus – doch was das Vorserienmodel der Canon EOS R7 hier bei unserem Setup zeigt, ist durchaus beeindruckend - zumal man zusätzlich noch die Option hat, in der Post zu stabilisieren.

XLR-Audio-Option

Die Canon EOS R7 zählt zusammen mit der Canon EOS R5C zu den ersten Canon DSLMs, die über den neuen, für XLR-Adapter erweiterten Blitzschuh verfügen.

Hiermit wird der Betrieb von Kabellosen XLR-Adaptern wie dem Tascam CA-XLR2d möglich, den wir hier im Verbund mit der Canon EOS R5C getestet hatten.

Schön zu sehen, dass die neuen Canon XLR-Optionen nicht nur den Vollformat-Boliden vorbehalten bleibt. Im Verbund mit den dualen Cardslots und 10 Bit Recording dürften sich mit XLR-Audio auch das eine oder andere Anwendungsszenario im professionellen Umfeld erschießen.

Hitzelimit

Bei unserem knapp 2-stündigen Dreh mit Caro im On/Off-Betrieb hatten wir keine Probleme mit Hitzelimits bei der Canon EOS R7.

Wir haben die Canon EOS R7 zusätzlich unter Dauerlast bei Zimmertemperatur mit 4K Fine 25p laufen lassen und eine komplette Akkuladung verfilmt. Hierbei hatten wir zwar eine Hitzewarnung aber keine Hitzeabschaltung.

Canon hat bei der EOS R7 eine neue Hitzewarnungs-Info implementiert, die aus einem 10-stelligen Balkensymbol besteht. Selbst bei unserem Non-Stop Test sind wir hierbei nicht über den mittleren fünften Balken hinausgekommen – zuvor war stets der Akku der terminierende Faktor womit wir bei der Akkuleistung der Canon EOS R7 angekommen sind ...

Akku

Wir hatten bei unserem Canon EOS R7 Vorserien Test-Sample den etwas schwächeren Canon LP-E6N Akku zur Verfügung, der mit 1865 mAh unserer Erfahrung nach deutlich kürzere Akkulaufzeiten mit sich bringt als der neue LP-E6NH Akku (2.130 mAh).

Doch auch mit dem schwächeren Akku zeigte die Canon EOS R7 bemerkenswert gute Aufnahmezeiten. Im Nonstop 4K Fine 25p Betrieb sind wir auf ca. 2 Stunden Laufzeit gekommen (nur durch Karten-Formatierung unterbrochen). Ein exzellenter Wert für den wir die Kombination aus kleinerem APS-C/S35 Sensor und Lüfterverzicht verantwortlich machen.

Fazit

Die Canon EOS R7 stellt mit einem Schlag den aktuell günstigsten Einstieg in die 10 Bit LOG Welt im S35 Sensor-Segment dar und dies mit durchaus ernst zu nehmenden Video-Funktionen. Zu ihren Stärken zählt neben dem etablierten und weitreichend unterstützten 4K 10 Bit Log Workflow bei guter Hauttonwiedergabe, der bewährt performante Dual Pixel AF – auch mit EF und Fremdobjektiven, die daraus resultierende große Objektivauswahl, die dualen SD-Cardslots, die Option für einen kabellosen XLR-Adapter sowie die gute Akku- und Hitzeperformance.

Zu den Highlights dürfte für viele darüber hinaus die sehr gute Stabilisierungsleistung im Verbund mit optisch stabilisierten Objektiven zählen.

Ausbaufähig im Videobetrieb sind das Procedere für den manuellen Weissabgleich, der höhere Rolling Shutter bei 4K Fine 25p und auch Waveformmonitoring sowie eine Suchervergrösserung bei der Videoaufnahme hätten wir gerne gesehen. Hier könnte tatsächlich noch etwas Platz für eine Canon EOS R7C sein …

Unterm Strich bietet die Canon EOS R7 ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis und dürfte für viele videoafine User einen attraktiven Ein- (oder Umstieg von EF) in die spiegellose Canon Welt darstellen.

   

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