Test: Im Auge der Dynamik - Canon C70 inkl. RAW noch einmal näher betrachtet

07.11.2022 von Rudi Schmidts



Mit unseren neuen Dynamik-Betrachtungen wird uns in nächster Zeit nicht langweilig, denn wir haben vor, noch einmal ein paar nicht mehr ganz aktuelle Kameras nachzutesten. So wie dieses mal die Canon C70, die seit unserem letzten Test auch noch interne RAW-Aufzeichnung per Firmware-Update dazugewonnen hat.

Die Canon C70 Revisited

Zur Erinnerung: Die Canon C70 besitzt einen "Dual Gain Output"-Sensor (DGO), der seine Dynamik aus zwei ausgelesenen Bildsignalen generiert. Diese Technik erinnert entfernt an die Sensoren von ARRI und Blackmagic, jedoch scheint Canon die Zusammenlegung des Signals nicht in der Sensor-Hardware zu bewerkstelligen, sondern beide Signale erst zum Signalprozessor zu transportieren und dort dann zusammenzulegen. Bei einem solchen Dual Gain Design muss irgendwann der Bus als Nadelöhr zwischen Sensor und DSP limitieren. Weshalb DGO bei höheren Frameraten abgeschaltet werden muss, weil der Bus nicht mehr die verdoppelten Datenraten übertragen kann.

Wir hatten die Canon C70 seinerzeit schon einmal bei uns in einem Dynamik Vergleich, jedoch basierte dieser Test noch nicht auf bewegten Vergleichsclips. Mittlerweile haben wir unser Testverfahren verfeinert und holen dafür vereinzelt auch noch einmal besonders spannende, ältere Modelle zu einem weiteren Test in die Redaktion. Wie jetzt die C70.

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Was wir testen

Um die Dynamik über längere Zeit vergleichbar zu testen, filmen wir unseren Testkasten mit festem Weißabgleich (3200K) und blenden dabei in ganzen Blendenstufen ab. Als Startpunkt bzw. Referenz stellen wir die Parameter Blende und Belichtungszeit in der Base-ISO so ein, dass die Haut unseres Puppenkopfes gerade nicht mehr clippt und definieren diese Einstellung als ETTR-0.

Die von dieser Einstellung nun folgenden Aufnahmen bilden eine Blendenreihe mit jeweils einer zusätzlichen Blendenstufe "Unterbelichtung". Diese Aufnahmen korrigieren wir in Blackmagic DaVinci Resolve wieder zurück auf die Helligkeitsverteilung der ETTR-0 Referenz. Der Gedanke dahinter: Je besser die Darstellung des Auges in den tiefen ETTR-Einstellungen, desto besser ist die Dynamik der getesteten Kamera.

Da Standbildaufnahmen der Augen nur eine bedingte Einschätzung ermöglichen, sind wir bei slashCAM auf eine Bewegtbild-Darstellung der Blendenstufen übergegangen. Die Ausspielung der Augen erfolgt dabei um ein vielfaches vergrößert, damit die zusätzliche Youtube Kompression nur unwesentlich in die Bewertung einfließt. Die beste Qualität mit den wenigsten zusätzlichen Youtube Artefakten bekommt man beim Betrachten des Videos als 4K Stream - auch auf Displays mit geringerer Auflösung.

Dynamik Betrachtungen Canon C70

Somit gab es bei dem erneuten Besuch der C70 in unserer Redaktion eine Menge nachzutesten. Wir haben die C70 gleich in drei verschiedenen Modi durch unseren Dynamik-Aufbau geschleust. Zuerst als Basis mit 10 Bit XF-AVC 4:2:2 Aufzeichnung (unten links). Weiters haben wir diese Aufnahme mit 100 fps wiederholt, da bei dieser Framerate DGO inaktiv sein sollte (oben rechts). Und letztlich auch noch einmal im RAW mit DGO (oben links). Die Ergebnisse haben wir diesmal einer FUJI X-H2s gegenübergestellt, die ja momentan bei uns als die APS-C DSLM mit der besten Dynamik gilt. Ach ja, gefilmt wurde alles in C-Log 2, welches laut Canon bei der C70 die größte Dynamik ermöglicht. Vorhang auf...

* Auffällig ist erstmal zu Beginn, dass die Schärfe in RAW höher ausfällt als in 10 Bit XF-AVC 4:2:2, welches offensichtlich das Bild mehr filtert. Diese cinematische Filterung fiel uns schon in unserem Canon C70-Sensortest ins Auge. Damals gab es allerdings die interne RAW-Option noch nicht.

* Ganz offensichtlich wird DGO bei hohen Frameraten deaktiviert. Bei unseren Aufnahmen mit 100 fps fällt die Dynamik gegenüber einer 25p Aufnahme in der Dynamik deutlich ab. Die C70 liegt dabei ohne DGO ziemlich genau auf dem Niveau der FUJI X-H2s.

* Mit DGO (also mit 24-60fps) übertrifft die C70 dagegen die X-H2s um ungefähr eine Blendenstufe. Trotz der Filterung mit stärkerer Rauschunterdrückung ist die Dynamik im 10 Bit 4:2:2 XF-AVC Codec einen Tick schlechter als im RAW Modus. Letzteren könnte man mit einem separaten Denoiser in der Nachbearbeitung wahrscheinlich sogar noch etwas "pushen".

* Bemerkenswert ist zudem, dass die Farben im RAW-Modus selbst bei ETTR-10 und 11 noch "halten".

Fazit

Gegenüber DSLMs wie der FUJI X-H2s zeigt die Canon deutlich, wo im professionellen S35-Segment noch etwas mehr geht. Zwar sieht unser Auge mit DGO "nur" eine Blendenstufe besser aus als bei der FUJI - doch ist eine Blendenstufe auf dem schon sehr hohen Niveau der FUJI ein bedeutsamer technischer Unterschied. Auch bei den Farben hält sich die Canon C70 in RAW bis in die tiefsten ETTR-Bereiche durchgehend "stabil" - was es bei uns noch nicht oft zu sehen gab. Wer solche Dynamikunterschiede in der Nachbearbeitung zu schätzen weiß, wird den Aufpreis einer C70 gegenüber einer FUJI-X-H2s alleine dafür gerne in Kauf nehmen.

Wir haben für diesen Test eine Kioxia Exceria Pro 256 GB SD-Speicherkarte verwendet, die im Zusammenspiel mit der Canon C70 absolut unauffällig und problemlos in allen verfügbaren Codec-Formaten funktionierte.

   

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