Test: Sony Burano in der Praxis: Einzigartige 8K Raw Cine/Doku Kamera mit AF, Vario-ND und IBIS

03.02.2024 von Rob



Mit der Burano hat Sony quasi nebenbei mal schnell eine neue Kameraklasse geschaffen – denn diese Kombination ist bislang einzigartig in einem High-End Cine-Paket: Autofokus kombiniert mit elektronischem Vario-ND inklusive Sensorstabilisierung. Das ganze abgerundet mit 8K 16 Bit interner RAW Aufnahme (X-OCN). Wie gut funktioniert das neue Sony Doku-Flaggschiff in der Praxis?

Vorab unser Testclip mit Caro, den wir an einem sehr windigen Berliner Wintertag aufgenommen haben.

Wir haben mit der Burano vor allem von der Schulter gefilmt. Zum Einsatz kam neben der Burano das Sony FE 24–70 mm F2.8 GM II. Bearbeitet haben wir die Footage auf dem Redaktions Macbook Pro mit einer speziell für das X-OCN LT der Burano gepatchten Version von Blackmagic Resolve (Dank an Blackmagic an dieser Stelle!) .

Handling, Rigging, Gewicht etc.

Beim ersten Blick auf die Sony Burano kommt uns „Venice-Mini“ in den Kopf. Und tatsächlich finden sich viele Gehäuse-Details bei der Sony Burano, die sie mit der großen Cine-Schwester teilt.

 Sony Burano
Sony Burano

Angefangen beim Gehäuse aus Magnesiumlegierung und Aluminium, das bereits beim ersten in die Hand nehmen hohe Solidität ausstrahlt, über die dualen CFexpress Typ B Cardslots bis hin zum clever ausgelegten PL-/ E-Mount Wechselsystem (hierzu später mehr).

Schaut man dann auf das Gehäusegewicht, rückt die Sony Burano plötzlich von der Venice ab und bewegt sich deutlich näher hin zur FX9. Mit lediglich 2,4kg reinem Gehäusegewicht (Sonv Venice 2 = ca. 4,3 kg, Sony FX9 = ca. 2.0 kg) darf die Burano als echtes Leichtgewicht ihrer Leistungsklasse gelten.

Der vielleicht signifikanteste Unterschied im Gehäusedesign zwischen der neuen Burano und der Venice dürfte neben der insgesamt kompakteren Abmessung der Burano in dem Weglassen des Bedienmonitors auf der rechten Kameraseite und der Integration des Handgriffs (GP-VR100 /ähnlich FX9 Handgriff – aber besser) via Arrirossette – ebenfalls an der rechten Kameraseite sein.

Sony Burano mit  GP-VR100 Handgriff
Sony Burano mit GP-VR100 Handgriff

Denn beides: Sowohl das Weglassen des „AC-Monitors“ als auch die systemische Integration der Grifffernbedienung verraten viel über das bevorzugte Einsatzgebiet der Sony Burano. Nimmt man hier noch die neue Autofokus-Funktionalität hinzu steht über all dem recht unmissverständlich geschrieben: Solo-Operator Kamera.

Und damit sind wir bereits Mitten in der Positionierung der Sony Burano bei aktuellen Bewegtbildproduktionen: Die Sony Burano ist in erster Linie als Solo-Operator Kamera ausgelegt und entsprechend stellt es auch kein Zufall dar, dass Sony bei der Präsentation der Burano einen starken Fokus auf Dokumentar-/ Wildlifeproduktionen gelegt hat.

Auch wir waren mit der Sony Burano ausschließlich im Solo-Operator Betrieb unterwegs und haben hier die Burano im kontinuierlichen Wechsel zwischen Schulter und Stativ im Einsatz gehabt.

Vor allem beim Betrieb auf der Schulter kommt der Grifffernbedienung eine zentrale Rolle zu. Am Multifunktionshandgriff lassen sich – ähnlich wie bei der FX6/FX9 – zentrale Funktionen einstellen, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen: Hierzu zählen Start/Stop, Blende, Suchervergrösserung währen der Aufnahme sowie andere, individuell vom User zu programmierende Funktionen.

Anders als jedoch als bei der FX9 hat Sony beim neuen GP-VR100 Handgriff diesmal einen Mechanismus eingebaut, mit dem sich der Handgriff schnell nach oben oder unten justieren oder bei Bedarf ganz wegklappen lässt, ohne die Schraube an der Arri-Rosette lösen zu müssen. Für unseren Dreh (und für alle die viel zwischen Schulter-, Brust- und Stativhandling unterwegs sind) eine sehr willkommene Arbeitserleichterung.

Sony Burano beim slashCAM Testdreh
Sony Burano beim slashCAM Testdreh

Als Rigging-Basis diente uns für die Sony Burano unsere Vocas USBP-15 MKII Universal Baseplate mit der sich diverse Kamerasysteme und Objektivkombinationen optimal tarieren und schnell zwischen Schulter- und Stativ wechseln lassen.

Unser Tip:

Für eher große gewachsene Menschen (mit langen Armen) empfiehlt sich für den Schulterbetrieb mit der Grifffernbedienung der Burano auf jeden Fall eine Baseplate die - wie die hier genutzte - über eine zusätzliche Arri-Rosette auf der rechten Seite verfügt. Da die Sony Grifffernbedienung via Spiral-Kabel über ausreichend Länge verfügt, lässt sich so der Griff weiter vorne montieren, was das Schulterhandling der Burano durchaus vereinfacht.

Dank der auf einem vergleichsweise langen „Nato-Rail“ laufenden Sucheraufhängung und der von Sony ausreichend groß dimensionierten Viewfinder-Bracket lässt sich das Suchersystem der Burano schnell und in unserer Praxis mit erfreulich solidem „Haltevermögen“ positionieren. Man spürt, dass bei der Burano viel Userfeedback von anderen Sony Viewfinder-Konstruktionen verarbeitet wurde (mehr hierzu im Viewfinder-Abschnitt).

Wer vor allem von der Schulter mit schwereren Objektivsetups arbeitet, dürfte bei der recht kompakten Bauform der Burano von etwas mehr Gewicht am Kameraende profitieren. Hier empfehlen wir etwaige Tarieroptionen bei der Wahl des Akku-Setups oder anderer Anbauten im Hinterkopf zu haben.

Bemerkenswert fanden wir bei unseren Testaufnahmen mit der Burano, wie schnell die Kamera nach dem Einschalten zur Verfügung stand. Gestoppt haben wir 6 Sekunden vom Kaltstart bis zur Aufnahmebereitschaft, wobei der Sucher bereits viel früher zur Verfügung stand.

Zusammen mit der Pre-Rec Funktion („Picture Cache Rec“), die sich zwischen 5 und 20 Sekunden einstellen lässt (Maximalzeit ist von jeweiligen Aufnahmeformt abhängig), sollte hier kaum Shots wegen einer nicht betriebsbereiten Kamera verloren gehen

Hauttöne

Mit der Venice hat Sony angefangen, seine Colorscience insbesondere bei der Hauttonwiedergabe auf ein merklich höheres Niveau zu setzen und dies kommt allen nach der Venice vorgestellten S-Log-3 fähigen Sony Kameras zu Gute. Und die Burano mach hier keine Ausnahme.

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Das Sony X-OCN LT RAW-Material mit 16 Bit Farbtiefe bietet erwartungsgemäß einen sehr breiten Spielraum für die Nachbearbeitung und macht es zugleich recht einfach, auch bei komplett manueller Farbkorrektur zu guten Ergebnissen zu kommen. Dank der hohen Farbtiefe dürfte sich hier tatsächlich jeder gewünschte Look problemlos umsetzen lassen.

Bereits mit der offiziellen Sony Slog3-s-Gamut3.Cine_to-s709_V200 LUT kommt man sehr schnell zu guten Ergebnissen, (auch wenn 709-Looks grundsätzlich für uns persönlich etwas zu kontrastreich daher kommen).

Bei unser Farbkorrektur haben wir uns für einen warmen Look mit einer der offiziellen Sony Burano LUTs als Ausgangsbasis entschieden - apropos: Neben der allgemeinen Qualität der Burano Farbwiedergabe waren wir auch ziemlich beeindruckt von den vorgefertigten Looks, die Sony intern bei der Burano sowie extern via LUTs zur Verfügung stellt.

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Die LUTs bewegen sich alle auf erfreulich hohem Niveau und bieten darüber hinaus eine hervorragende Basis für die weitere Farbkorrektur.

Hier die Teal-Orange LUT für die Sony Burano
Hier die Teal-Orange LUT für die Sony Burano

An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass uns die Auslegung der Sensormodi der Burano srh gut gefallen haben, weil für 4K-Deliveries hier mit durchgängig hoher Auflösung gearbeitet werden kann und dies gilt auch für den Betrieb von Objektiven mit S35 Bildkreis, weil auch hier noch mit 5.7 K oversampled werden kann. Selbst im S35 Crop (1:1) Betrieb hatten wir zumindest bei unserem Tagelichtshoot mit Caro keinen irritierenden Auflösungsabfall feststelle können.

Wer also mit unterschiedlichen Sensormodi bei 4K Zielformaten arbeiten möchte, kann auf jeden Fall von 8K Fullframe bis 5.7K S35 problemlos wechseln, ohne gravierende Einschränkungen beim Bildeindruck riskieren zu müssen. Ziemlich coole Sache.

Akkulaufzeit

Bei unserem Dreh mit Caro hatten wir einen 75 Wh Akku (Sony BP-FL75) dabei, der nach ca 2 Stunden im On/Off Betrieb noch ca. 50% Restleistung anzeigte. Die Nennleistungsaufnahme gibt Sony bei der Burano mit 50 Watt an (zum Vergleich: Venice 2 bei 76 Watt.

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Wir wollten es dann nochmal etwas genauer wissen und haben die Sony Burano im Nonstop-Betrieb laufen lassen. Mit frischem BP-FL75 Akku zeigt der Sucher 98 Min Laufzeit bei 8K/25p X-OCN LT an. Gemessen haben wir 91 Minuten Aufnahmezeit bei aktiviertem AF. Wer mit größeren Cine-Akkus unterwegs ist kann natürlich mit mehr rechnen. So hatten wir bei unseren bewärhten 150 Wh Anton Bauer Cine Akkus 244 Minuten Laufzeit im Sucher angezeigt bekommen.

Aber Achtung – nicht alle Akkus unterstützen das interne Kameraprotokoll mit der Anzeige in Minuten. Unser kompakter Fxlion Nano Two Akku (98Wh) findet sich im Sony Viewfinder lediglich mit einer Volt-Angabe im Sucher wieder.

Daher unser Tip:

Wer auf eine komfortable Akkurestandsanzeige in Prozent im Sucher wert legt, sollte sicherstellen, dass der jeweilige V-Mount Akku mit der Sony Burano auch entsprechend kommuniziert.

Viewfinder, SDI und HDMI

Blickt man auf die technischen Spezifikationen des Burano Viewfinder/Monitors, erinnern diese an den Monitor FX6. Mit einer Auflösung von 2 764 800 Punkten bei einer Diagonale von 8,8cm (3,5“) entspricht er genau dem FX6-Monitor. Und auch die AF-Touch Funktionalität für das Tracking von Personen/Objekten findet sich hier wieder.

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Die entscheidenden Unterschiede bestehen jedoch in den unterschiedlichen Montage-Optionen sowie in der spiegel-umgelenkten Suchereinheit. Letztere wird auf den Monitor Mittels einer Metallschiene und einem federgelagerten Verschluß angebracht. Zusammen mit der Rodklemmung und der mit einem Gelenk versehenen, nato-ähnlichen Schiene entsteht so eine Viewfinder-Einheit, die deutlich robuster daherkommt als das Aufsteck-Okular der Sony FX9.

Sony hat hierbei die Klemmung der einzelnen Komponenten einfach und robust versehen, was sich in der Praxis durchaus bezahlt macht. In unserem Testbetrieb mit vielen Wechseln zwischen Schulter und Stativ und damit einhergehenden Neujustagen des Suchers hatten wir zu keinem Zeitpunkt ein Problem mit Solidität oder einem sich absenkenden Sucher.

Wer hingegen ohne Viewfinder und lieber mit dem blanken Monitor arbeitet kann diesen über ein Gewinde auf der linken Monitorseite auch als normalen, seitlichen Kameramonitor nutzen.

Sony Burano Monitor ohne Viewfinder beim slashCAM Test
Sony Burano Monitor ohne Viewfinder beim slashCAM Test

Einzige Einschränkung in diesem Setup ist dass man sich entscheiden muss, ob man mit Viewfinder-Einheit oder purem Monitor arbeiten möchte, da der Monitor für den jeweiligen Betrieb anders an der Kamera montiert wird. Zwar lässt sich die Suchereinheit auch hochklappen doch dann blickt man auf den seitlich montierten Monitor.

Wer den schnellen Wechsel zwischen einer aufklappbaren Sucherlupe und dem blanken Monitor benötigt, findet jedoch bei Zubehörherstellern bereits entsprechende Optionen.

Unser Tip:

Bei der Wahl der persönlichen Monitor/Suchermontage würden wir vor allem zwischen Sonnenabschattung versus Touch-AF Funktionalität abwägen. Wer vor allem bei hellem Umgebungslicht dreht, sollte den Spiegel-Sucher montieren – wer hingegen viel AF-Objekt-Tracking via Touchscreen benötigt, ist mit der Monitormontage ohne Sucher vermutlich besser bedient.

Persönlich sind wir mit dem Monitor der Burano recht gut zurecht gekommen – gerade im Verbund mit zuschaltbarer Suchervergrösserung, Peaking, Waveform und optional sehr gutem AF/Tracking funktioniert der Burano Monitor gut.

Andererseits baut Sony bei seinen DSLMs aktuell State of the Art Suchersysteme mit überragender Auflösung. Eine optionale High-End Sucher-Option würde unserer Meinung nach der Burano durchaus gut stehen und landet damit auf unseren Wunschzettel für Zubehör – ebenso wie eine False Color Option.

Sony Burano mit zwei SDI sowie HDMI Out
Sony Burano mit zwei SDI sowie HDMI Out

In diesem Zusammenhang sollt man auch beachten, dass die Burano sowohl 3G als auch 12G SDI-Out (via zwei SDI-Out Schnittstellen) sowie HDMI-Out bietet. Externe Sucher/Monitorlösungen (inkl. externem False Color) sollten damit also bei Bedarf auch möglich sein. Im Hinterkopf sollte man behalten: Wenn mit X-OCN aufgezeichnet wird, können ein SDI und ein HDMI-Signal nicht parallel ausgegeben werden. Und 4K-Out Auflösungen am HDMI werden bei der X-OCN 50/60p Aufnahme nur bei der 5K Aufzeichnung unterstützt (bei der 25/30p X-OCN Aufnahme bei 6K-Aufzeichnung).

PL- und E- via Wechsel-Mount

Bereits bei der Venice hatte Sony einen ziemlich cleveren Wechsel-Mount eingeführt, der sich jetzt auch bei der Sony Burano wiederfindet und den wir bei unserem Burano Test ebenfalls reichlich zwischen E-Mount und PL gewechselt haben.

Mit komplett montiertem Mount präsentiert sich die Sony Burano als Kamera für PL-Objektive inklusive „Smart-Fuktionen“, da es sich um einen elektrifizierten PLMount handelt, der via entsprechende Kontakte auch Cooke/i-Protokolle unterstützt.

Sony Mount Wechsel in der slashCAM Redaktion
Sony Mount Wechsel in der slashCAM Redaktion

Dieser lässt sich via (clever) federgesicherter Schrauben vom User leicht abmontieren und gibt darunter einen Sony E-Mount mit Sperrhebel frei. Der Sperrhebel-E-Mount bietet einige Vorteile im Vergleich zum „normalen“ E-Mount. So müssen die E-Mount-Objektive bei der Montage nicht selbst gedreht werden, was das Handling bei Vor- und Anbauten (Mattebox, Followfokus, Motoren, Objektivstützen etc. deutlich vereinfacht. Zudem bieten Sperrhebel-Systeme unserer Erfahrung nach einen deutlich festeren und damit auch spielfreien Sitz der Objektive. Und schließlich bieten sie durch die Sperrverriegelung auch noch Vorteile bei der Demontage der Objektive.

Der einfach zu bedienende Wechselmount der Sony Burano stellt für uns damit auf jeden Fall ein Highlight der Sony Burano dar.

Cine EI und Base ISOs

Für unseren Praxistest mit der Sony Burano haben wir ausschließlich im hochwertigsten Videocodec X-OCN LT aufgenommen. Wer das 16 Bit komprimierte „Sony-RAW“ nutzen möchte, muss die Burano im entsprechenden Cine-Modus nutzen, der sich bei Sony „Cine EI“ nennt.

In diesem Modus können keine Automatiken für Weißabgleich, Verstärkung (Gain) oder Verschlußzeiten genutzt werden, Paint/Looks können nicht konfiguriert werden, Scene Files sind deaktiviert und auch die ISOs sind auf die Base-ISO gelockt. Die Idee hinter Cine-EI ist, die digitale Kamera möglichst nah an einer „Filmkamera“ zu betreiben mit entsprechendem Fokus auf die (digitale) Entwicklung des Materials in der Postproduktion. Entsprechend macht es auch viel Sinn, Sonys komprimiertes XOCN-RAW ausschließlich in eben diesem Cine-EI Modus zur Verfügung zu stellen.

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Wie bei der Venice 2 lässt sich auch bei der Sony Burano der Sensor mit zwei unterschiedlichen Basis-Empfindlichkeiten betreiben. Die Umschaltung kann zwischen ISO 800 und ISO 3200 erfolgen. Wer also mit der Burano in 16 Bit X-OCN LT aufnehmen möchte, muss sich im sog. „Shooting Menü“ unter „ISO/Gain/EI“ zwischen 800 und 3.200 ISO entscheiden.

Bei unseren Tageslichtaufnahmen haben wir ausschließlich mit der Base ISO 800 und einem korrespondierenden Exposure Index aufgenommen. Für Aufnahmen bei wenig Licht empfiehlt sich die höhere Base-ISO mit ihrem reduziertem Noiselevel zu nutzen.

Sensor-Stabilisierung

Die Sensorstabilisierung der Burano stellt (zusammen mit ihrer AF-Funktion) für uns das spektakulärste Feature dar – schon allein aus dem einfachen Grund, weil bis Dato keine Cine-Kamera existiert, die eine entsprechende, interne Stabilisierung zur Verfügung stellt. Mit der Sony Burano lassen sich somit erstmalig PL-Objektive an einer ausgewachsenen Cine-Kamera mit Sensorstabilsierung betreiben.

Wer bestmögliche Stabilisierung benötigt, greift zu einem mit optischer Stabilisierung versehenen E-Mount-Objektiv, da sich hier – wie auch von DSLMs bekannt – die optische sowie die Sensor-Stabilisierung ergänzen.

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Unserer Erfahrung nach, bringt in der Regel die optische Objektiv-Stabilisierung den größeren Stabilisierungsanteil bei der Gesamtstabilisierungsleistung. Sony ist zudem eher für eine behutsam agierende Sensorstabilisierung bekannt, die einerseits zwar weniger stark eingreift – andererseits aber mit einem natürlichen Eindruck punktet. Genau so verhält es sich unseren ersten Tests nach auch bei der Burano.

Beim Thema Stabilisierung hat die Sony Burano allerdings noch ein Ass im Ärmel, das man auch von FX6 & Co. kennt: Gyro-Stabilisierungs-Daten. Wer diese einmal im Sony Catalyst Software Tool genutzt hat, weiss, wie mächtig diese nachträgliche Stabilisierung sein kann.

Da wir unsere Testfootage mit einer speziell für die Burano gepatchten Version von DaVinci Resolve bearbeiten haben, konnten wir die Gyro-Stabilisierung leider noch nicht nutzen. Nichtsdestotrotz kann sie bei Bedarf ein weiteres, ziemlich mächtiges Stabilisierungs-Werkzeug für Sony Burano Footage zur Verfügung stellen.

Das von uns hier genutzte Sony FE 24–70 mm F2.8 GM II Objektiv bringt selbst keine optische Bildstabilisierung mit, so dass wir ausschließlich die Sensorstabilisierung der Burano testen konnten.

Elektronischer Vario-ND

Elektronische Vario-NDs sind in höherwertigeren Sony Camcordern bereits eine ganze Weile verbaut und stellen für viele Sony-User auch Dank ihrer Automatiken eine sehr willkommene Funktion dar.

Sony Variabler ND
Sony Variabler ND

Das besondere an der elektronischen Vario-ND Implementierung der Sony Burano stellt dann auch nicht in erster Linie der ND selbst dar, sondern dass Sony es mit der Burano erstmalig geschafft hat, einen stabilisierten Sensor mit seiner elektronischen Vario-ND Lösung zu koppeln. Das für sich genommen stellt bereits eine ziemlich beachtliche Ingenieursleistung dar – Chapeau an Sony dafür.

Bei unseren Drehs mit der Burano haben wir den elektronischen Vario-ND vor allem beim Filmen mit hochlichtstarken Cine-Objektiven zu schätzen gelernt. Wenn man hier offenblendig bei konstantem Verschlußwinkel drehen möchte, stellt der auch stufenlos schaltbare Vario-ND ein sehr komfortables Werkzeug für die Belichtungskontrolle dar.

Im Hinterkopf sollte man behalten, dass der Vario ND von 0.6 bis 2.1 reicht. In festen ND Stufen stehen also 0,6, 0,9, 1,2, 1,5, 1,8 und 2,1 zur Verfügung. Rechnet man Clear noch hinzu, macht das 7 Blendenwerte, was für die meisten Anwendungen ausreichen sollte.

Autofokus

Die Autofokus-Tracking-Systeme von Sony gehören seit längerem zu den besten am Markt und auch die Burano macht hier keine Ausnahme. Für unsere Autofokus-Tests mit der Sony Burano hatten wir das aktuellen Sony FE 24–70 mm F2.8 GM II zur Verfügung

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Wir haben für unsere Autofokus-Tests die Burano mit aktivierter Motiverkennung (Personen) genutzt. Hierbei wird der Kopf der Person – sobald erkennt getrackt. Sobald Augen vom AF-System erkannt werden, wird auf diese fokussiert. Das Tracking selbst kann entweder über den Touchmonitor der Burano (wie bei der FX6, A7S III etc.) oder über den Wahlschalter an der Grifffernbedienung „gelockt“ werden.

Wir haben bei unseren AF-Tests vor allem den Multifunktionsgriff genutzt, weil wir nicht auf den Viewfinder verzichten wollten.

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Alle AF-Testaufnahmen haben wir mit einer offenen Blende F2.8 gefilmt und hatten hierbei zu keinem Zeitpunkt einen unsicher arbeitenden AF. Weder bei unseren 6K 50p noch bei unseren 8K 25p Aufnahmen. Auch Caros Rennen auf die Kamera zu brachte den AF der Burano nicht aus dem Tritt. Damit agiert der AF der Sony Burano auf gewohnt hohem und zuverlässigem Niveau.

Codecs: X-OCN, X-AVC

Die Sony Burano bietet aktuell eine ganze Reihe von Aufnahmecodecs zur Auswahl an. Hierzu zählen: X-OCN(LT) / XAVC H-I HQ / XAVC H-I SQ / XAVC H-L / XAVC-I und XAVC-L.

Wer in maximaler 8K Auflösung aufzeichnen will, kann Frameraten bis max. 29,97 nutzen. Die maximale Auflösung für 50/60p Formate liegt bei der Sony Burano bei 6K 17:9 (Imager Scan Mode FFc 6K 17:9). Den 6K 17:9 Modus in 50/60p inklusive voller Sensorauslesung empfinden wir persönlich am flexibelsten nutzbar - dies wäre bei unserem Burano Setup dann auch der Default-Modus.

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Für die Aufzeichnung haben wir unterschiedliche CFexpress Typ B Karten genutzt. Hauptsächlich kamen hierbei zwei „Tough“ Karten von Sony mit je 1920 GB zum Einsatz. Die Datenrate von 8K X-OCN LT liegt bei vergleichbar moderaten ca. 1.600 Mbps (ca. 200 MB/s). Da die Karten VPG 400 spezifiziert sind, wird hier eine Mindestdatenrate von 400 MB/s garantiert, was mehr als ausreichende Sicherheitsmarginale bietet. Wichtig in diesem Zusammenhang: Sony garantiert eine verlässliche X-OCN LT Aufzeichnung (4K-8K Auflösungen) ausschließlich mit VPG 400 spezifizierten Karten. Nutzt man Karten ohne entsprechendes Zertifikat in der Sony Burano erscheint eine Warnung im Sucher, dass die Aufzeichnung nicht garantiert werden kann.

Hier die Codecs/Karten-Specs der Sony Burano in der Übersicht:

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An Speicherpreisen muss man aktuell über fast alle Hersteller hinweg ca. 1 Euro pro GB für VPG 400 CFexpress Typ B zertifizierte Karten rechnen. Ohne VPG 400 Zertifizierung werden die Preise deutlich günstiger. Wer eine günstigere Option sucht, sollte zumindest auf eine ausreichend hohe, garantierte dauerhafte (sustained) Datenrate bei der Auswahl seiner Speicherkarten achten. Persönlich haben wir stets ein besseres Gefühl, wenn hier auch reichlich Overhead besteht aber dies muss jeder für sich selbst entscheiden. Hinzu kommt, dass ab bestimmten Temperaturen CFExpress (und andere) Karten in einen langsameren Betrieb schalten.

Wir hatten in diesem Zusammenhang auch auch kurz mit ein Paar Aufnahmen eine ältere SanDisk Extreme Pro CFexpress Karte mit 512 GB Speichervolumen getestet und hatten hierbei die genannte Karten-Warnung im Sucher aber (bei den eher kurzen Aufnahmen) keine Datenverluste. Ob die Extreme Pro bei längeren Aufnahmen thermisch stabil bei ausreichender Schreibgeschwindigkeit bleibt, müssten weitere Tests zeigen …

Und hier auch noch eine interessante Tabelle mit den Wiedergabezeiten der einzelnen Sensor-Modi/Codecs – bezogen auf eine 960 GB CFexpress Typ B Karte:

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Bearbeitet haben wir das 16 bittige Sony X-OCN LT Material auf dem Redaktions-MacBook Pro (M1 Max) und hatten hier keinerlei Performance-Probleme. Auch zwei parallele 8K Streams konnten wir ohne Probleme in unserem 4K Projekt ohne dropped Frames abspielen. Das Sony X-OCN LT Material agiert damit angenehm performant.

Fazit

Mit der Burano stellt Sony eine bislang einzigartige Kombination aus Autofokus, Sensorstabilisierung und elektronischem Vario ND innerhalb seines CineAlta Portfolios vor. Man könnte die Burano auch als „Venice für Solo-Shooter“ bezeichnen, denn Sony hat bei der Burano alle Voraussetzungen geschaffen, um ein hochqualitatives Filmwerkzeug für Solo-Operator zur Verfügung zu stellen.

Zu den Stärken der Burano zählen: 8K 16 Bit X-OCN Aufnahme mit dualem Cardslot auf CFexpress Typ B Karten, ein auf hohem Niveau arbeitendes AF-Tracking, der einfach vom User zu wechselnde voll elektrifizierte PL/E-Mount mit Locking-Hebel, der integrierte Vario ND, die Sensorstabilisierung und nicht zu vergessen der nochmals verbesserte Handgriff. Hinzu kommen eine sehr gute Hauttonwiedergabe und maximale Flexibilität sowohl bei der Aufnahme zwischen Vollformat 8k und 6K sowie S35 5.7K als auch in der Postproduktion.

Unser Wunschzettel für zukünftige Updates fällt dann auch eher überschaubar aus: Hierauf finden sich vor allem eine integrierte False Color Funktion und eine noch hochwertigere Viewfinder-Option.

Für uns stellt die Burano die aktuelle Praxis-Referenz für Solo-Shooter im DOK-Filmbereich dar. Chapeau an Sony für diese Kamera..

   


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