News: Ist die Zukunft der Filmproduktion virtuell?

19.8.2019 - 13:05 Uhr

Ein schönes Beispiel für spannende neue Technologie samt Workflows, die das Potential haben, die Produktion von Filmen grundlegend zu verändern, ist die virtuelle Filmproduktion. Lux Machina, Profile Studios, Magnopus, Quixel und ARRI haben in Zusammenarbeit mit Epic Games auf der SIGRRRAPH 2019 einen Prototyp eines virtuellen Produktionssets demonstriert, das auf einer Echtzeit-Darstellung von CGI-Hintergründen mittels großer LED-Panels basiert.

Die virtuelle Filmproduktion kombiniert neue Techniken, um die unterschiedlichen Stufen des traditionell linearen Ablaufs der Produktion eines Filmes (Pre-Production, Dreh, Postproduction) mittels live computergenerierter Bilder am Set miteinander verschmelzen zu lassen. Ihre Vorteile liegen darin, dass das Endprodukt, der finale Look eines Filmes (samt Grading und CGI Bildern) schon während der Produktion für das Film-Team sichtbar ist und nicht erst in der Postproduktionsphase. Die Filmproduktion wird dadurch schneller, kollaborativer und gibt allen Beteiligen sofortiges Feedback bei visuellen Änderungswünschen.

Virtuelles Set mit LED Wall
Virtuelles Set mit LED Wall

Eine zentrale Rolle spielt in den vorgeführten Beispielen die Unreal Engine von Epic Games, eine Grafik-Engine samt dazugehörigen Tools, die ursprünglich zum Erschaffen und Darstellen von künstlichen Welten in Computerspielen entwickelt wurde. Der Realistätsgrad ist mit der aktuellen Version 4.22 so hoch, dass sie - genügend GPU-Power vorausgesetzt - viele Szenen realistisch in Echtzeit darstellen kann und so die Grundlage für die virtuelle Filmproduktion liefert.

Anhand des virtuellen Filmsets können der Regisseur und sein Team schon vor dem Dreh die gewünschten Drehorte scouten bzw. ändern und Kameraeinstellungen und -bewegungen festlegen. Anstelle von Greenscreens zeigen im Studio vier LED Wände (3 Seiten plus Decke) das gerenderte Filmset an, welches in Echtzeit geändert werden kann, z.B. um die Beleuchtung zu ändern oder Objekte darin zu manipulieren.

Virtuelles Set mit Greenscreen
Virtuelles Set mit Greenscreen

Per Tracking der Kamerabewegungen ändert sich die Perspektive der Bilder interaktiv dreidimensional korrekt, so dass das Set beim Blick durch den Sucher wirklich wie ein echter Raum oder Landschaft aussieht. Auch kann die Beleuchtung des virtuellen Sets (d.h. ganzer Landschaften) und der Studioscheinwerfer synchron geändert werden, um neue Looks in Echtzeit auszuprobieren - ein Arbeitsschritt, der normalerweise erst viel später in der Postproduktion gemacht wird. Ein Vorteil des virtuellen Sets ist, dass die LED-Wände - im Gegensatz zu traditionellen Greenscreens - auch selbst als Lichtquelle dienen und so Objekte im Vordergrund beleuchten - zusätzlich zu den mit dem Hintergrund synchronisierten ARRI SkyPanels, welche für die Hauptbeleuchtung sorgen.

So können direkt am Set zusammen von den Beteiligten aller Departments (wie DOP, VFX, Beleuchtung und Regie) kreative Entscheidungen für das finale Bild getroffen werden und live gemeinsam getestet werden. Nicht ganz so Hightech kann die Produktion auch vor einem klassischen Greenscreen stattfinden, aber dann per Keying am Monitor im in Echtzeit gerenderten virtuellen Set angeschaut werden. Natürlich können die LED Walls auch in Sekundenschnelle in Greenscreens verwandelt werden bei Bedarf.

Epic Games stellt den Virtual Production Field Guide in Form eines 98-seitigen PDFs zum kostenlosen Download bereit, der erklärt wie virtuelle Filmproduktion funktioniert und Projekte vorstellt, welche diese schon genutzt haben. Er demonstriert auch Virtual Production Workflows für die verschiedenen an einem Film beteilgten Departments. Ergänzt wird das ganze durch Interviews mit Profis - u.a. dem Regisseur und Schauspieler Sir Kenneth Branagh, dem Oscar-Gewinner und VFX Supervisor Ben Grossman sowie dem Kameramann Bill Pope -, die erläutern, wie sie VP Workflows in ihren Produktionen eingesetzt haben. Außerdem gibt es den Virtual Production Hub, eine Seite auf der sich viele Artikel und Podcasts zum Thema finden.

Die Technik befindet sich noch in einem relativ frühen Stadium, könnte aber für viele Filmproduktionen deutliche Vorteile bieten. Ein mächtiger Motor für Verbesserungen in Software und Hardware ist natürlich die Spieleindustrie, die stets nach weiterer Optimierung und mehr Realitätsnähe strebt und die Basistechnologie in Form der Unreal Engine bereitstellt. Je besser die Engine, desto mehr unterschiedliche Arten von Hintergründen können realistisch gerendert werden.

Wir sind jedenfalls gespannt, wann und wie die virtuelle Produktion die Filmproduktion verändern wird - idealerweise werden so Produktionen mit nicht so großem Budget neue filmische Möglichkeiten eröffnet, etwa in Form von mietbaren virtuellen Studios. Andererseits sehen wir auch den Nachteil, dass durch das direkte Abfilmen der gerenderten Hintergrunde zusammen mit dem "echten" Vordergrund Flexibilität verloren geht; es wird ja nicht weniger Arbeit insgesamt, wenn die Postproduktion in den Dreh verlagert wird. Wird statt dessen vor Grün gedreht, werden die verschiedenen Bestandteile nachträglich zusammengeführt mit dem Vorteil, noch Änderungen an den virtuellen Bildteilen vorzunehmen.

(thomas)

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