News: Neue Film&TV-Produzentenstudie -- Zahlen und Tendenzen zu einer Branche in Umbruch

6.12.2018 - 16:19 Uhr

In einer umfassenden Produzentenstudie wird die aktuelle wirtschaftliche Lage der Film- und Fernsehproduzenten in Deutschland unter die Lupe genommen -- es geht um Umsätze, Kosten, Budgets, Jobs, die Auftraggeber, Förderungsquoten, Rechteverteilungen und vieles mehr. Auch wie die Branche durch den immer stärker wachsenden VoD-Markt beeinflusst wird, ist ein Thema.

Sowohl Eckdaten als auch Tendenzen lassen sich der Studie entnehmen. So machen etwa 900 Unternehmen den klassischen Produktionsmarkt aus, von denen rund zwei Drittel TV-Produzenten und ca. ein Drittel Kinoflmproduzenten sind. Weitere 1.300 Unternehmen verteilen sich auf Werbe-, Image- und Industrieflmproduzenten, EB-Team-Unternehmen sowie Dienstleisterproduzenten. Zusammen haben sie mit audiovisuellen Produktionen in 2017 einen Gesamtnettoumsatz (ohne Förderung) von rund 4,9 Mrd. EUR erwirtschaftet, was eine Steigerung von knapp 10% seit 2010 bedeutet. Das Marktsegment wird als stabil, allerdings ohne größere Wachstumsdynamik beurteilt, allerdings gibt es auch große Unterschiede zwischen den produzierten Genres. Der Umsatz mit Doku-Soaps ist beispielsweise um mehr als ein Drittel gestiegen, und generell ist die Wachstumsdynamik im TV-Produktionsbereich stärker als im stagnierenden deutschen Kinofilmproduktionsmarkt.

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Immerhin soll sich die Gewinnsituation der deutschen Produktionsunternehmen verbessert haben. Der Anteil von Unternehmen mit einer negativen und prekären Umsatzrendite hat sich laut Studie verringert, während der Anteil der Unternehmen mit einer Umsatzrendite zwischen 5 % und 10 % sich vergrößerte. Doch auch die Marktkonzentration ist leicht gestiegen, denn der Umsatzmarktanteil der Top-25-Unternehmen ist seit 2010 von 49 % auf 55 % (2016) etwas gestiegen. Die Kino- und TV-Produktionsunternehmen beschäftigen insgesamt ca. 37.000 Mitarbeiter, von denen ca. ein Viertel freie Mitarbeiter sind -- der Anteil der Selbstständigen ist im Kinoproduktionsbereich soll höher sein.

Was den Output angeht, so steigt das Kinofilmproduktionsvolumen in Deutschland kontinuierlich, besonders stark nimmt dabei die Anzahl der Dokumentarfilme zu -- sie hat sich in den letzten zehn Jahren gar mehr als verdoppelt. Es gibt insgesamt mehr Kinostarts, dies jedoch bei abnehmenden Publikumszahlen. Entsprechend schwerer wird es für einen Film, genügend Zuschauer zu gewinnen. Im Fernsehbereich ist der Output an in Deutschland produzierten TV-Programmen von 800.000 (2011) auf fast 900.000 Minuten (2017) gestiegen (Auftragsproduktionen). Gleichzeitig sind die TV-Programmkosten pro Minute seit 2011 bei fiktionalen Formaten – TV-Movies und Serien (ohne Daily Soaps) – gestiegen und bei non-fktionalen Formaten – TV-Entertainment und Reportagen/Magazine/Dokumentationen – gefallen. Die laut Studie großen Unterschiede zwischen Produktionen und Unternehmen deuten auf starke Konkurrenz und fortbestehenden Effzienzdruck hin. Davon kann wohl jeder, der sich mit Fernsehjobs finanziert, ein Liedchen singen. Übrigens soll was die Rechte bzw. Lizensierungen angeht der Buy-Out im TV-Bereich immer noch der Normalfall, jedoch verglichen mit 2011 auf dem Rückzug sein. Häufiger als 2012 sollen Produzenten Erlösansprüche aus der kommerziellen Verwertung ihrer Produktionen erhalten.

Nicht uninteressant auch die Zahlen aus dem Video-on-Demand Bereich - und die Folgerung daraus. Denn in 2017 flossen rund 150 Mio. EUR an deutsche Produktionsunternehmen an Umsatz für solche "Netflix&co"-Produktionen. Für 2018 wird nochmal eine deutliche Steigerung dieses Umsatzvolumens erwartet, was im Bereich der hochwertigen Fiction-Produktion die entsprechende Nachfrage nach "Top-Performern" steigen lassen soll. Was wiederum die Preise, z.B. bei den Drehbuchautoren, stark nach oben treiben soll -- also eine Aussicht auf attraktivere Honorare bedeutet. Allerdings sind 150 Mio. gemessen am Gesamtumsatz der Branche noch ein Tropfen auf heißem Stein. Nachdem sich vor allem jüngere Zuschauer zunehmend vom traditionellen Fernsehen abwenden zugunsten von Online-Videodiensten, wird es sicherlich zu weiteren Umschichtungen in den Budgets kommen; welche Höhen sich erreichen lassen, bleibt abzuwarten.

Wer in der Branche tätig ist (oder werden will) und sich für die nähere Einzelheiten interessiert, kann die Produzentenstudie in einer Buchausgabe erstehen oder in einem kostenlosen PDF schmökern. Die Produzentenstudie 2018 wurde durchgeführt vom Forschungs- und Kompetenzzentrum Audiovisuelle Produktion (FoKo) der Hamburg Media School (HMS) in Kooperation mit Goldmedia unter finanzieller Beteiligung der Filmförderinstitutionen aus Bund und Länder.

(heidi)

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