News: Hype-Alarm: Filme als NFTs mit Blockchain-Technologie verkaufen und reich werden?

9.5.2021 - 12:58 Uhr

Crowdfunding hat sich als alternative Methode zur Filmfinanzierung weitgehend etabliert. Auch wenn es nur selten gelingt, größere Summen darüber einzunehmen, kann jedes Filmprojekt versuchen, Unterstützung aus der Community zu bekommen, um das Projekt umsetzen zu können. Doch um genug Aufmerksamkeit zu erzeugen, ist viel PR und Kommunikation nötig, und eigentlich braucht man bereits im Vorfeld eine breite Fanbase, damit die Aktion erfolgreich wird. Tatsächlich wird das Crowdfunding sogar teilweise eher schon als Marketinginstrument genutzt, als für die reine Filmfinanzierung.

Foto Dmitry Demidko / unsplash
Foto Dmitry Demidko / unsplash

Nun macht eine neue, absurd anmutende Finanzierungsmöglichkeit Schlagzeilen, mit der sich virtuelle Güter (digital assets), von denen es ja kein Original, sondern nur Kopien gibt, für viel Geld verkaufen lassen -- digitale Kunstwerke, Fotos, Videos, Internet-Meme, Grundstücke in virtuellen Welten, Spiel-Avatare, was immer. Sogar ein Tweet: im März versteigerte Twitter-Gründer Jack Dorsey seinen allerersten Tweet, "just setting up my twttr" aus 2006, für ca. 2,9 Millionen Dollar.

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3 Millionen Dollar für eine Kurzmitteilung, die seit 15 Jahren und nach wie vor im Internet frei zugänglich ist? Das ist möglich, wenn man sie als NFT anbietet, kurz für "Non-Fungible Token". Verkauft wird dann im Grunde ein digitales Zertifikat, das im Gegensatz zum "Werk" (in diesem Fall der Tweet) nicht frei zugänglich und kopierbar ist.

NFTs laufen auf einer Blockchain (in der Regel Ethereum) wie Cryptowährung, dh. ihre "Einmaligkeit" wird verbrieft mittels ausgeklügelter und extrem rechenintensiver Verschlüsselungstechnologie. Anders als etwa bei Bitcoins steht dieser Code aber eben nicht für sich, sondern ist mit einer virtuellen Sache verknüpft. (Wer genau wissen möchte, wie das ganze funktioniert, findet hier einen guten technischen Überblick.)

Nicht nur Jack Dorseys Tweet, sondern auch ein digitales Foto wie zB. Desaster Girl oder ein kurzer YouTube-Clip wie David after Dentist, die als Internet-Meme bereits auf jedem zweiten Display zu sehen waren und immer noch auf YouTube zu finden sind, s.u., können so nachträglich zum einmaligen Verkauf angeboten werden, mit Erfolg -- das Bild oder das Video alleine hat keinen Wert, doch als NFT mit einer authentifizierbaren Kennung künstlich verknappt kann nur jene Person, die es kauft oder ersteigert von sich behaupten, es wirklich zu besitzen. Auch der Weiterverkauf ist über speziell eingerichtete Marktplätze möglich, was einen Spekulationsfaktor mit ins Spiel bringt.

Wie hoch der Verknappungsfaktor angesetzt wird, läßt sich vom Verkäufer frei festlegen - während ein Kunstwerk vielleicht nur einmalig angeboten wird, werden im Musikbereich Alben in speziellen NFT Editionen verkauft (parallel zu den ganz normalen Distributionskanälen). Sie sind dann gebündelt mit Mehrwert, wie zusätzlichem Artwork oder einem Konzertkarten-Abo. Da diese Editionen limitiert sind, können sie einen Sammlerwert erlangen, wenn genug Interesse in der Fanbase besteht.

Was in 2017 mit dem Blockchain-basierten Spiel CryptoKitties begann, bei dem virtuelle Katzen gezüchtet und als NFTs verkauft werden, ist in der Kunstwelt momentan ein regelrechter Hype - das Auktionshaus Christie´s versteigerte im März eine Collage des Künstlers Beeple für 69 Millionen Dollar als NFT. Im Filmbereich dagegen ist das Konzept noch ziemlich unerprobt. Es laufen jedoch erste Experimente.

So hat Kevin Smith, der mit seinem Low-Budget-Film Clerks (1994) zu einer Indie-Berühmtheit wurde, Feuer gefangen und angekündigt, die vollen Distributionsrechte zu seinem nächsten Horrorfilm "Killroy Was Here" als NFT zu versteigern. Ihn scheint dabei weniger das Geld zu interessieren, als die Tatsache, dass dies noch niemand zuvor gemacht hat. Die Möglichkeit, die Festplatten mit seinem Film darauf könnten nach der Übergabe einfach nur einem Schrank rumliegen oder der Film einfach umgeschnitten werden, schrecke ihn nicht ab, wie er in diesem Interview erzählt.

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Doch auch der Oscar-nominierte Dokumentarfilm "Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah" wird als limitierte Edition (10 Kopien), ohne Rechte aber inklusive einiger Beigaben als NFT angeboten. Und wie Deadline berichtet, wird aktuell eine NFT Platform speziell für Indie-Producer aufgebaut.

Ob und in welcher Form NFTs auch für Filmemacher eine interessante Finanzierungsmöglichkeit werden können, bleibt abzuwarten - grundsätzlich ist natürlich jede weitere Einnahmequelle willkommen. Wer nicht berühmt ist und keine Fangemeinde hat, wird es damit jedoch vermutlich ebenso schwer haben, wie jetzt mit dem Crowdfunding. Außerdem scheint es (soweit wir sehen können) durchaus möglich, Werke als NFTs anzubieten, sie man gar nicht selbst erschaffen hat, was dieses System anfällig für Betrügereien macht.

Gegenüber dem Crowdfunding bringen NFTs zudem einen schwerwiegenden Nachteil mit sich: da sie auf Blockchain-Berechnungen basieren, generieren sie (wie Cryptowährungen) einen enormen, unsichtbaren Stromverbrauch -- die Versteigerung (sog. "Drop") einiger kurzer Kunstvideos als NFTs verschlingt in etwa soviel Strom, wie der Künstler in zwei Jahren mit seiner Arbeit verbraucht, um ein von Wired beschriebenes Beispiel zu nennen. An nachhaltigeren Berechnungsmethoden für Blockchains wird gearbeitet, aber bis diese auch eingesetzt werden, sind NFTs in unseren Augen hochgradig problematisch -- wenn auch kulturtheoretisch extrem faszinierend.

(heidi)

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